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Buch, Deutsch, 208 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 212 mm, Gewicht: 306 g
Erzählungen
Buch, Deutsch, 208 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 212 mm, Gewicht: 306 g
ISBN: 978-3-96054-475-3
Verlag: Edition Nautilus
Eine Hütte am Meer, die Tür schlägt im Wind, gerade erst scheint noch jemand hier gewesen zu sein. Zwei Jungen treten ein, um nachzusehen. Was sie dann tun, werden sie sich ihr ganzes Leben lang nicht erklären können. – In die Unterwelt einer Kneipe, in der die Halb- und Scheintoten vor sich hintrinken, steigt man am besten nur gelegentlich hinab. Doch was, wenn dieses Schattenreich einen auch zu Hause heimsucht? – Ein einsamer Wanderer und Hütteneinbrecher findet sich unfreiwillig in menschlicher Nähe wieder: In der benachbarten Hütte wohnen eine Frau und ein Junge, der nicht spricht. Zwischen ihnen entsteht eine mystische, aufgeladene Kommunikation. – Auf einer Ostseefähre fällt der Strom aus, der Kiel schrammt über den Grund – Katastrophe oder Einbildung?
In Ingvar Ambjørnsens Erzählungen spiegelt sich Vergangenes im Gegenwärtigen, sind Menschen auf der Flucht und suchen Zuflucht, wärmen sich am Feuer, bevor sie in ihre Einsamkeit zurückkehren. Zwischen tiefer Empathie und einem unbestechlichen Blick für die Komik des Daseins leuchtet Ingvar Ambjørnsens ganzer literarischer Kosmos noch einmal auf.
Ingvar Ambjørnsens letztes Buch erschien in Norwegen kurz vor seinem Tod im Sommer 2025. Nun ist es, erweitert um fünf bisher auch in Norwegen noch unveröffentlichte Erzählungen, auch auf Deutsch zu lesen.
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Am folgenden Tag unterhalte ich mich mit einem großen Espenstamm, der dort, wo die Bäche in den See mu¨nden, im Moor liegt. Der Stamm ist durchzogen von braunlila Moorwasser und bleischwer. Ich breche ihn aus Moos und Gestru¨pp heraus und schiebe ihn zum Ufer unterhalb der Hu¨tte. Es ist nicht das beste Holz aller Zeiten, eher ist das Gegenteil der Fall, aber mit irgendetwas muss man den Tag doch fu¨llen. Dort liegt der Stamm jetzt, und hier bin ich. Der Holzschuppen fast leer. Nach dieser Anstrengung schlafe ich eine Stunde, dann fange ich noch vier Forellen. Beschließe, dass die Konservendosen ihre Ruhe haben können, so lange die Gottheiten des Waldes so großzu¨gig sind wie jetzt.
Ich sehe die beiden den ganzen Vormittag nicht, aber als ich in der Dämmerung angeln gehe, stehen sie wieder da. Ich gebe ihnen alle vier. Das war nur so ein Impuls.
Sie glauben nicht an meine Gottheiten, aber dafu¨r können sie nichts.
Ich träume von großen bunten Fischen, die still zwischen den Bäumen eines hohen alten Waldes schwimmen. Ich erlebe das nur selten, aber dieser Traum wiederholt sich mit ungefähr einem Jahr Abstand in kleinen Variationen. Das hier sind die laufenden Lichtwesen, die sich in anderen Formen inkarniert haben. Nicht ein Laut. Karpfenartige Geschöpfe, die zwischen den Bäumen segeln, und u¨ber Lichtungen, wo sich das Sonnenlicht lagert wie goldener Honig. Rote. Gelbe. Leuchtendblaue. Ich bin ein Baum. Ich sehe da und bin Wald mit anderen Bäumen, wir sehen die bunten Karpfen mit Tausendjahresblick voru¨bersegeln. Dem Blick der Steine. Des Felsgrundes. Es ist wie der Tod tief im Leben.
Nichts passiert.
Aber als ich aufstehe, liegt auf dem Tisch eine Zeichnung einer Forelle.




