Ambler | Waffenschmuggel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Ambler Waffenschmuggel


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-455-17105-1
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-455-17105-1
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Malaysia der fünfziger Jahre, kurz vor der Unabhängigkeit des Landes, entdeckt der indische Sekretär Girija Krishnan ein verlassenes Waffenlager von besiegten Guerilla-Kämpfern. Sein Traum, eines Tages sein eigenes Unternehmen betreiben zu können, scheint plötzlich zum Greifen nahe. Der zwielichtige Geschäftsmann Tan Siow Ming soll ihm beim Verkauf der Waffen helfen und einen geeigneten Strohmann ausfindig machen, und auch die amerikanischen Touristen Dorothy und Greg Nilsen sind nur allzu gern bereit, ihrer langweiligen Kreuzfahrt zu entfliehen und sich in ein kleines Abenteuer zu stürzen. Doch der Sekretär macht sich nicht nur die Kommunisten und die Stadtverwaltung zum Feind, alles kommt ein wenig anders als geplant ...

Eric Ambler, geboren 1909, gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Order of the British Empire, der ihm 1981 von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Eric Ambler starb 1998 in London.
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Cover
Titelseite
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Über Eric Ambler
Impressum


Erstes Kapitel


1


Dass eine Armeepatrouille weniger als eine Meile von seinem Bungalow entfernt einer Terroristenbande aufgelauert hatte, dass fünf Monate später Girija Krishnan, sein indischer Sekretär, ihm gemeldet hatte, von den Trockenplätzen seien drei Zeltplanen verschwunden, und dass drei Jahre danach irgendjemand von einem alten Roller, der einem seiner Kinder gehörte, die Räder abmontiert hatte – das war alles, was Mr. Wright, der Manager der Gummiplantage, jemals von der Angelegenheit erfuhr. Da es ihm nie in den Sinn kam, einen möglichen Zusammenhang zwischen diesen drei Vorkommnissen zu vermuten, musste er ihm auch verborgen bleiben. Es gab damals in Malaya wichtigere Dinge, über die man sich den Kopf zerbrach und die man sich zusammenzureimen versuchte. Gestohlene Zeltplanen und fehlende Räder an einem Kinderroller waren belanglose Rätsel. Und der erste Vorfall blieb nicht so sehr deswegen im Gedächtnis, weil er ungewöhnlich war, sondern vielmehr, weil er sich in so unmittelbarer Nähe abgespielt hatte.

Mr. und Mrs. Wright saßen gerade beim Frühstück, als sie die Schüsse hörten. Es fing mit ein paar Maschinengewehrsalven an und dauerte, die Pausen mitgerechnet, etwa zwei Minuten.

Der Lastwagen, der die Plantagenarbeiter zu ihren Arbeitsplätzen hinausbringen sollte, hatte das Lager noch nicht verlassen. Und obwohl es viel Geschrei und Aufregung gegeben hatte, war nur leichte Verwirrung und keine Panik entstanden. Noch bevor die Schüsse aufgehört hatten, waren die Stacheldrahtbarrikaden errichtet und die inneren Verteidigungsposten bezogen worden. Während der anhaltenden Stille, die dann eintrat, beruhigte Mrs. Wright die Hausangestellten und bestellte frischen Toast und Tee nach, damit sie und ihr Mann das Frühstück beenden konnten.

Um halb neun erschien die Patrouille: fünfzehn malaiische Infanteristen unter dem Kommando eines britischen Leutnants, sowie zwei Funker der Royal Air Force. Sie waren wochenlang im Dschungel gewesen und konnten damit rechnen, dass man ihnen nach dem heutigen Erfolg eine Ruhepause gönnen würde. Sie lachten und schwatzten, als sie den steilen Pfad zum Lager hinaufstapften.

Kurz nach ihrem Eintreffen wurde Girija zum Bungalow gerufen. Als er die Stufen zur Veranda hinaufging, sah er, dass der Offizier, auf dessen dschungelgrünes Buschhemd die Schwingen der Fallschirmjäger genäht waren, ein milchgesichtiger blauäugiger Engländer war. Mrs. Wright schenkte ihm eine Tasse Tee ein.

»Alles Chinesen. Sieht so aus, als hätten sie vorgehabt, die Hauptstraße zu verminen«, sagte er. »Wir haben die Bande gefasst.«

»Gut gemacht«, bemerkte Mr. Wright.

»Hätte besser sein können, Sir.« Der junge Offizier grinste. »Sind alle draufgegangen dabei. Tote kann man nicht nach ihren Verbündeten fragen.«

Mr. Wright lachte in sich hinein. Dann sah er seinen Sekretär draußen auf der Veranda warten und winkte ihn herein.

»Girija, hier ist Leutnant Haynes. Er hat gerade eine Bande von Terroristen erledigt. Ich habe ihm ein paar Männer zugesagt, die ihm beim Beerdigen helfen sollen. Wollen Sie das übernehmen?«

»Selbstverständlich, Sir.« Girija wandte sich mit einer leichten Verbeugung an den Offizier.

Leutnant Haynes lächelte leutselig. »Ich habe zwei Mann dort als Wache zurückgelassen«, sagte er. »Sie werden Ihren Leuten zur Hand gehen, wenn Sie ein paar Spaten mehr mitschicken. Ich glaube, der Boden ist ziemlich locker. Wird nicht lange dauern. Wenden Sie sich an meinen Sergeanten, damit er Ihnen einen Führer mitgibt.«

»Danke, Sir. Ich werde alles Nötige veranlassen.«

Das Lächeln des Offiziers wurde schwächer. »Schon viele tote Terroristen in dieser Gegend gesehen?«, fragte er.

»Nein, Sir. Hatte bisher noch nicht das Vergnügen.«

»Nun gut. Sehen Sie zu, dass Sie die Neuigkeit unter die Leute bringen.«

»Ich verstehe, Sir. Zwei Mann aus jedem Kampong?«

»Recht so. Und sagen Sie ihnen, sie würden noch viele Tote sehen, bevor wir uns geschlagen geben.«

Girija lächelte höflich und trat ab, um den Beerdigungstrupp zusammenzutrommeln.

Über die Hintergründe war er sich im klaren. Seit langem hatten die Behörden die Bewohner der umliegenden malaiischen Dörfer im Verdacht, dass sie den kommunistischen Guerillas Verpflegung und Unterkunft gewährten. Nicht dass die Dorfbewohner mit den Eindringlingen sympathisierten: aber jede Weigerung, ihnen zu helfen, konnte grausame Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen, die sie mehr einschüchterten als die Möglichkeit, von den Engländern zu Geldbußen oder anderen Kollektivstrafen verurteilt zu werden. Sie waren kein kriegerisches Volk, ihre Dörfer lagen meist abseits; die britischen Streitkräfte waren dünn gesät. Zu oft schon war offiziell versichert worden, die Polizei und die Armee würden nun die Oberhand gewinnen und seien durchaus in der Lage, die abseits gelegenen Gebiete zu schützen, und zu oft hatten sich derartige Zusicherungen als falsch erwiesen. Die Dorfbewohner glaubten jetzt nur noch das, was sie mit eigenen Augen gesehen oder was ihre eigenen Leute zu berichten hatten. Tote Terroristen zählten nur, wenn ihre Leichen vorgezeigt wurden. Das Beerdigungsunternehmen war also eine Art moralischer Aufrüstung, ein Kunstgriff der Meinungssteuerung.

Girija machte den Vorarbeiter ausfindig und erklärte ihm, was benötigt wurde: je zwei Mann aus den vier benachbarten Dörfern sowie Hacken und Schaufeln. Dann ging er zu dem malaiischen Sergeanten und ließ sich einen Führer geben. Binnen zwanzig Minuten war die Gruppe zum Abmarsch bereit. Offensichtlich hatte der Vorarbeiter gehofft, mitkommen zu dürfen, aber Girija schickte ihn und die restlichen Leute mit dem Lastwagen zur Arbeitsstelle zurück. Er hatte beschlossen, die Leitung des Beerdigungskommandos selber zu übernehmen.

Die Kampfhandlung hatte in einem tiefen Graben stattgefunden, der vom Monsunregen aus dem roten Gestein des Hügelabhangs herausgewaschen worden war. An seinen Rändern wuchsen Bambusgestrüpp, Farnbäume und dichtes Krotonunterholz. Auf diesem unzugänglichen Hügelabhang war der Graben so etwas wie eine natürliche Straße und bot sich für einen Überfall aus dem Hinterhalt geradezu an.

Zehn Tote lagen dort; vier nur wenige Meter voneinander entfernt und die übrigen in Abständen von etwa fünfundzwanzig Metern über die ganze Länge des Grabens verteilt. Was sich abgespielt hatte, war offensichtlich. Die Patrouille hatte im Unterholz zu beiden Seiten des Grabens in Deckung gelegen und konnte direktes Feuer eröffnen, ohne dabei befürchten zu müssen, die eigenen Leute zu treffen oder den Feind unten im Graben zu verfehlen. Die Körperhaltung von einigen Toten ließ erahnen, dass die Betreffenden verzweifelt versucht hatten, blitzschnell hinter dem Wurzelwerk eines umgestürzten Baumes Deckung zu suchen. Einer war in den Rücken getroffen worden, als er davonrennen wollte. Der am weitesten abseits Liegende hatte noch versucht, das Feuer der Patrouille zu erwidern. Leere Patronenhülsen lagen um ihn verstreut; aber er war tot wie alle anderen. Die Patrouille hatte keine Verluste gehabt.

Die beiden malaiischen Soldaten, die als Wache zurückgeblieben waren, hockten vor einem Spirituskocher, rauchten und kochten Tee. Vom Beerdigungstrupp nahmen sie keine Notiz. Auf einer Zeltplane neben ihnen waren die Waffen und Ausrüstungsgegenstände aufgestapelt, die man den Toten abgenommen hatte: Maschinenpistolen, Kisten mit Munition und Straßenminen, Leinengürtel, in deren Taschen Granaten steckten.

Der Soldat, der das Beerdigungskommando vom Lager hergeführt hatte, gesellte sich zu seinen Kameraden. Girija wusste, dass sie nur dann beim Schaufeln mithelfen würden, wenn er ihnen sagte, dass Leutnant Haynes es so befohlen hatte; doch die Mühe sparte er sich. Als er sich kurz in dem Graben umsah, machte er zwei kleine Entdeckungen. Sie erweckten seine Neugierde und den Wunsch, mehr über die toten Terroristen zu erfahren. Er ließ das Beerdigungskommando mit der Arbeit anfangen und setzte sich in der Nähe auf die Erde.

Zunächst war ihm die Tatsache aufgefallen, dass keinerlei Kochgerät bei den Toten gefunden worden war, obwohl man sie durchsucht und ihnen alle Waffen und Ausrüstungsgegenstände abgenommen hatte. Man konnte also mit einiger Sicherheit annehmen, dass ihr Lager nicht weiter als einen Tagesmarsch entfernt war. Was wiederum darauf schließen ließ, dass sie wahrscheinlich von einem der vier Dörfer in der Umgebung der Plantage unterstützt wurden. Wenigstens zwei Männer des Begräbniskommandos mussten sie zumindest vom Sehen her kennen.

Die zweite Entdeckung bezog sich auf die Waffen und die übrigen Ausrüstungsgegenstände. Die Maschinenpistolen waren zweifellos neu; nicht unbedingt dem Typ nach neu, aber neu erworben. Sein Vater war in der britischen Armee gewesen, und Girija hatte seine Kindheit in Kasernen und Mannschaftsquartieren verbracht. Er wusste, wie neue Waffen aussahen und wie schnell sie durch Gebrauch und regelmäßiges Reinigen eine Art Patina bekamen. Mindestens drei der Maschinenpistolen auf der Zeltplane konnten erst kürzlich ausgepackt worden sein; sie waren so wenig benutzt und gereinigt worden, dass an ihnen noch Spuren von braunem Schutzfett sichtbar waren. Ebenfalls neu waren die Munitionskisten, die Minen und die Granaten. Die Granaten waren zwar alten Typs, aber ihr grauer Farbanstrich war frisch, und die Schrauben blitzten vor Sauberkeit.

Der Graben wurde nur teilweise von den überhängenden Bäumen beschattet, und gegen elf Uhr schien die Sonne direkt hinein. Die...


Ambler, Eric
Eric Ambler, geboren 1909, gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Order of the British Empire, der ihm 1981 von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Eric Ambler starb 1998 in London.

Eric Ambler, geboren 1909, gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Order of the British Empire, der ihm 1981 von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Eric Ambler starb 1998 in London.



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