Amling / Berg Arts | Leon und Ma-at | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Amling / Berg Arts Leon und Ma-at

Der Kontakt
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7481-8793-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Kontakt

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

ISBN: 978-3-7481-8793-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Christian Amling (Jahrgang 1953) wurde bekannt als geistiger Schöpfer des Quedlinburger Privatdetektivs Irenäus Moll. Auch die vorliegende Handlung trägt sich in der 1100-jährigen Welterbestadt Quedlinburg am Nordrand des Harzes zu. Der Aussteiger Leon Kausalsky bewohnt ein einsames Grundstück in den nahen Wäldern. Eines Tages findet er dort ein gestrandetes UFO. Natürlich meldet er das nicht den Behörden, sondern nimmt das Flugobjekt mit nach Hause, wo er schnell in Kontakt zu den drei Insassen kommt. Besonders die weibliche Reptiloide Ma-at hat es ihm angetan. Gemeinsam begeben sie sich auf eine gefahrvolle Mission nach Neuseeland, Syrien, den Libanon, bis Ba-albek. Doch auch mehrere andere auf UFO-Landungen spezialisierte Dienststellen, von der SETI-Forscherin Valentina bis zum Bundeswehrgeneral Stahlwade, haben das Ereignis registriert und machen sich auf die Jagd. Neben der spannenden Handlung untersucht der Autor die moderne UFO-Forschung und stellt die zugehörige Literatur und Philosophie der letzten 150 Jahre vor. Insbesondere wird der antike Götterglaube mit einbezogen. Dabei trifft der unbedarfte Leser auf viele sehr wissenswerte Absonderlichkeiten.

Christian Amling wurde 1953 in Frankfurt am Main geboren. Seit 1955 lebt er in der mittelalterlichen Stadt Quedlinburg am Rande des Ostharzes, dem Fachwerk-Mekka der UNESCO. 1974 bis 1979 studierte er an der TU Dresden Physik, Spezialgebiet Theoretische Physik. Seine Diplomarbeit verfasste er zum Thema Warum die Welt nicht harmonisch ist. 1983 stieg er aus dem sozialistischen Produktionsprozess aus und begründete zusammen mit seiner Lebensgefährtin eine Keramikwerkstatt. Seit 1989 wirkt er als parteiloser Kommunalpolitiker in diversen Amtsfunktionen an der Neuordnung der Dinge im Osten mit. Er ist der Vorsitzende des Bürgerforums Quedlinburg e.V., für das er bereits seit 28 Jahren im Quedlinburger Stadtrat und im Aufsichtsrat der Stadtwerke sitzt. Von 1990 bis 2001 war er Organisator und Galerist der Quedlinburger Künstlergruppe Q-ART. 1992 und 1998 unternahm er lange Tramper-Touren durch Neuseeland. 2002 , 2003 Niederschrift von Leon und Ma-at Der Kontakt , 2004 Niederschrift von Leon und Ma-at Das Diadem des Chronos, Seit 2005 entstanden 12 Kriminalromane mit dem Privatdetektiv Irenäus Moll und ein Fantastischer Kriminalroman Der Schwarze Prinz im dr-ziethen-verlag Oschersleben, 2011 verlegten die Stadtwerke Quedlinburg GmbH die Geschichte der Städtischen Werke: Wie kamen das Licht und die Kraft nach Quedlinburg, aufgezeichnet von Christian Amling, 2012 erschien von ihm Der Harz bei Hoffmann und Campe in Hamburg, 2016, 2017 Beteiligung an den Anthologien Glühwein, Schnee und Harzer Knüppel und Hexentrank und Halleluja, Hrsg. Roland Lange, im Prolibris Verlag Rolf Wagner, Kassel, In den 80er Jahren entstanden eine Reihe nicht veröffentlichten Schriften.
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I


Leon stand am Waldrand und schaute hinüber zu den Bergen. Es war windig und der Himmel war grau. Ab und zu fielen Regentropfen. Das war kein besonders angenehmer Frühlingstag. Außerdem hatte er sich etwas zu leicht angezogen, barfuß in Sandalen, nur mit Hemd und Jeans bekleidet. Fröstelnd beschloss er umzukehren und rief nach seinem Jagdhund, der in der Ferne seine Kreise zog.

Eigentlich war heute eher ein Tag, den man im Hause verbringen sollte. In einer halben Stunde würde er sein Grundstück erreichen, den Salon neu anheizen und seine Studien fortsetzen. Die kleine Schrift über das Wesen der Zeit nahm langsam Form an und während er sie verfasste, erschlossen sich ihm immer neue philosophische und physikalische Zusammenhänge zu diesem Phänomen des Seins, das noch mit vielen Tabus belegt war.

Seine braunweiße Hündin Samsara hatte ihn inzwischen überholt und lief vor ihm auf dem Pfad, der zu den kleinen Teichen führte. Leon folgte ihr durch die Weißdornsträucher und niedrigen Kiefern, die noch nicht richtig aus der Winterruhe erwacht waren. Jetzt sah er, wie das Tier stehen blieb und mit schiefgelegtem Kopf in die Büsche witterte.

Als Leon sie einholte, fiel sein Blick automatisch in die gleiche Richtung und ein eigentümliches Gefühl beschlich ihn. Er sah dort einen Gegenstand liegen, hinter den Büschen und etwas versunken in den trockenen Stauden des letzten Jahres. Das Teil reflektierte leicht glänzend das trübe Tageslicht.

Es war im Osten nicht außergewöhnlich, dass die Menschen ihren Müll in die Natur warfen und dies hier sah aus wie ein metallic lackiertes Autoblech.

Leon verspürte einen jähen Zwang, sich dieses Ding anzusehen und während Samsara ausgesprochen respektvoll Distanz hielt, bahnte er sich den Weg durch die braunen Zweige.

Schon nach wenigen Sekunden merkte er, dass er sich einem sehr seltsamen Gebilde näherte und als er die Umrisse durch die letzten Äste klarer erkennen konnte, war ihm, als tauche er kurzzeitig in eine Welt aus Watte.

Es konnte einfach nicht sein und doch gab es darüber Schränke füllende Literatur auf der Welt.

Und da seine Instinkte ihn nicht warnten, stolperte er bis an das Teil heran. Vor ihm lag etwas, und dieser Gedanke war in ihm sonnenklar, das aussah wie eine kleine Fliegende Untertasse.

Ein fast schmerzhafter Hormonschub brandete in seinem Körper empor und Leon fühlte das heftige Zittern seiner Beine. Er verspürte keine Angst, sondern nur einen übermäßigen Gefühlsschwall, so wie er einen bei einer völlig unverhofften und außergewöhnlichen Begegnung ereilt. Aber das ging vorüber und er dachte, da er nun einmal daneben stand, sollte er auch genauer hinsehen.

Leon sah sich selbst gern als Aussteiger, der seine eigentliche Profession als Physiker schon vor vielen Jahren an den Nagel gehängt hatte. Er gehörte in seinem heimatlichen Landstrich sicherlich zu den sehr gut informierten Menschen, die eine Menge von all den Dingen wussten, die das Weltall, seine mutmaßlichen Bewohner, ihre und unsere Raumflugtechniken und alles, was damit in Zusammenhang steht, betreffen. Oft und ausdauernd konnte er im Freundeskreis über diese Themen diskutieren. Natürlich wusste er auch, dass er und alle anderen das Problem rein anthropozentrisch sahen, aus der Sicht eines frechen kleinen Affen auf einem unendlich kleinen Staubkorn in einem unbegreiflichen Universum. Und das war es ja gerade, warum man ihn etwas schief ansah, denn es war nicht gut, die prinzipielle Beschränktheit des kleinen Affenhirns zu hinterfragen. Irgendwie schien er wohl den Geruch an sich zu tragen, genau diese Blasphemie zu begehen.

Nun, im Gegensatz zu aller grauen Theorie war diese Situation hier ein wirklich sehr grenzwertiges Ereignis und als er sich endlich wieder einigermaßen im Griff hatte, war sein erster Gedanke: Ich darf nichts vergessen von dem, was ich hier sehe. Mein Geist muss klar bleiben. Es war kein Wetterballon und auch kein Kinderspielzeug und schon gar kein Stück Automüll, was da lautlos und kalt vor ihm lag.

Es konnte nur ein UFO sein, oder was... Es hatte die Form einer Linse mit einem Durchmesser von etwa anderthalb Metern, etwas mathematischer ausgedrückt, eines um die kurze Halbachse rotierenden Ellipsoiden. Es besaß die Farbe einer Forelle – grünlich, bläulich, grau, schillernd, es reflektierte das Licht in kleinen farbigen Schlieren. Trotzdem war die Oberfläche nicht glatt, sondern leicht schuppig, wie eine sehr alte Borke mit feiner Struktur. Der Körper war rein geometrisch und besaß nicht die geringsten unnatürlich erscheinenden Oberflächenmerkmale, keine Fenster, Türen, Füße, Antennen oder Aufschriften – nichts, was auf eine außerirdische Herkunft schließen ließ, nur grau schillernde Haut der Regenbogenforelle.

Diese Linse hatte sich ein wenig in den Erdboden gegraben und lag ansonsten leicht schief, aber unversehrt vor Leon und Samsara im Gestrüpp.

„Oh, Mann“, knurrte Leon und versuchte, seine Gedanken zu sortieren, obwohl ihm das in diesem Moment nicht wirklich gelang.

Das Ding könnte ihm gefährlich werden, durch Strahlungen, die es emittierte, oder indem es ihn direkt angriff. Immerhin stellte er wahrscheinlich gerade den ersten Kontakt zu den Insassen her, falls es denn welche gab. Sie könnten ihn töten, betäuben, mitnehmen in die Ödnis ihres Universums.

Doch es regte sich nichts. Es begann nur leicht zu regnen. Vielleicht war es doch kein mysteriöses Flugobjekt. Vorsichtig bückte er sich und setzte alles auf eine Karte. Ein schöner Tod ...

Als er die Oberfläche berührte, geschah nichts. Sie war kühl und fühlte sich etwas samtig an, nicht sehr metallisch, aber auch nicht sonderlich weich – eben samtig, spröde, rau. Leon strich darüber und irgendwie verging seine Angst. Er fasste mit beiden Händen unter die Linse und versuchte, sie ein wenig anzuheben. Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass er sie bewegen konnte. Sie war zwar nicht federleicht, aber durchaus handhabbar. Behutsam zog er noch etwas und beförderte das Teil in eine etwas waagerechtere Position. Wieder geschah nichts.

Er blickte sich um. Seine Hündin wuselte unbeeindruckt durch die Pflanzenwelt und es regnete ein wenig stärker. Leon trat ein paar Schritte zurück, er fühlte sich gut, die Linse schien keinen unmittelbaren Einfluss auf ihn auszuüben. Natürlich war es möglich, dass er bereits ohne es gemerkt zu haben, verstrahlt, infiziert oder umgeformt worden war. Aber eigentlich war es dieses Risiko wert und Leon war in diesem Falle Fatalist. Den Kontakt zu etwas völlig Fremden, zu einer Welt und zu Wesen, von deren Existenz Legionen von Schriftstellern und ihren Fans träumten, den stellte er vielleicht gerade her – das war schon mehr als Wahnsinn...

Es konnte ihm nichts Dümmeres passieren, als dass ausgerechnet jetzt irgendein Naturfreund des Weges käme und sein UFO sähe. Sein UFO, dachte Leon und merkte, dass er sich schon seit geraumer Zeit unterbewusst darüber im Klaren war, dass er auf gar keinen Fall irgendwelche Behörden informieren würde, denen traute er absolut gar nichts zu, keine Fantasie und kein Verständnis. Eigentlich gab es für ihn nur zwei Möglichkeiten: Entweder er blieb hier und wartete auf irgendeine Aktivität des UFOs, einschließlich seines Abflugs auf Nimmerwiedersehen, oder er nahm es mit nach Hause.

Zum Tragen war es zwar zu schwer, aber man könnte es abholen und vielleicht gelänge es, das UFO auf seinen Anhänger zu bugsieren und dann...

Er musste sich beeilen. Die schillernde Linse lag immer noch reglos da und Leon begann, Zweige und trockenes Gras zusammen zu suchen. Er entwickelte eine hektische Betriebsamkeit und in wenigen Minuten hatte er das UFO abgedeckt, so dass man es kaum noch im Gebüsch bemerkte. Dass das mutmaßliche Weltraumgefährt auch dies mit sich geschehen ließ und dass Hündin Samsara unbeeindruckt in der Nähe auf der Suche nach Mäusen war, machte ihn angenehm zuversichtlich und er begann, an die Harmlosigkeit seines Fundstücks zu glauben.

Er warf einen letzten Blick zurück auf die Umrisse und war sich fast sicher, dass das Ding bei seiner Rückkehr längst ins All entflogen sein und er zu den vielen Unglücklichen gehören würde, denen niemand eine Begegnung der dritten Art glaubt. Andererseits spürte er den starken Zwang, das Sternengefährt in Sicherheit zu bringen, und so – sei's drum.

Er eilte seinem Waldhaus entgegen. Im Ostblock hatten sich Schriftsteller und Wissenschaftler einigermaßen intensiv mit extraterrestrischem Leben auseinandergesetzt, beispielsweise hatten sie einen wesentlichen Beitrag bei der Teilnahme am SETI-Programm geleistet. Heute denkt kaum noch jemand daran, dass die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz besonders intensiv von den Russen vorangetrieben wurde. Offiziell ging man von der These aus, dass Außerirdische, die die Raumfahrt beherrschen, a priori ein so hohes ethisches Niveau haben müssen, dass ein Kontakt mit ihnen immer positiven Charakter tragen würde, denn wir als Erdenbürger sind sozusagen ihre Kinder im...



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