Anastasia | Drowning in Stars | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 459 Seiten

Reihe: LYX.digital

Anastasia Drowning in Stars


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1645-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 459 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-1645-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ich musste mich zwischen dir und mir entscheiden. Ich habe dich gewählt!

Das Leben war nie einfach für Pixie und Gaze. Pixies Mutter ist nur selten zu Hause, Gaze' Vater trinkt zu viel. Aber sie haben einander - und für Gaze war eins von Anfang an klar: Pixie ist die Eine. Sie hat ihn beschützt, als er neu im Viertel war. Ohne einander wären sie untergegangen. Sie haben sich versprochen, immer zusammenzubleiben. Doch eines Tages muss sich Pixie entscheiden: für ihr Versprechen oder für Gaze' Leben. Als sie sich Jahre später wiedertreffen, ist es Gaze, der für sie beide stark sein muss. Denn nur wenn Pixie sich von ihren Dämonen befreien kann, hat ihre Liebe eine Chance ...

'Die Tiefe der Gefühle, die ich beim Lesen empfand, war fast schmerzhaft. Doch bei all dem Herzzerreißenden war da auch so viel Liebe und Hoffnung.' 25 READINGS OR MORE

Auftakt der dramatischen New-Adult-Dilogie



Debra Anastasia lebt in Maryland mit ihrem Mann und zwei fantastischen Kindern. Sie hat Politikwissenschaften studiert und schreibt dramatische New-Adult-Romane und Romantic Comedy.
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1. KAPITEL


Pixie Rae

Sechs Jahre früher …

Die Seifenblasen, die ich mit meiner Spielzeugpistole aus dem Billigladen abschoss, flogen heute Abend richtig gut. Ich zielte auf das offen stehende Fenster im gleichen Stockwerk des gegenüberliegenden Hauses. Ein Spielchen, mit dem ich mir die Zeit vertrieb, weil ich nicht schlafen konnte. Es war eine schwülheiße Nacht, und wir hatten keine Klimaanlage. In unserer Gegend war so etwas Luxus.

Ich wünschte mir etwas, als die Blasen durch das offene Fenster gegenüber schwebten, welches ebenso wie meines kein Fliegengitter besaß. Ich schaute zum Mond auf und zwinkerte ihm zu. Sterne waren in der Stadt nur schwer zu erkennen, doch der Mond lieferte immer eine Riesenshow ab.

Ich wünschte mir … etwas. Es war eher ein Gefühl und nicht so sehr eine Sache. Ich wünschte mir, so entspannt und sorglos wie die reichen Mädchen in meiner Schule zu sein. Ich sehnte mich nach ihrer Lässigkeit im Umgang mit ihren Handys und ihrer Gewissheit, dass der Magen nicht während des Matheunterrichts knurrte. Diese Unbekümmertheit und Leichtigkeit waren es wohl, die ich wollte.

Als ich von unten Schritte hörte, zog ich schnell den Kopf zurück. Ich befand mich vier Stockwerke oberhalb der Straße, sodass ich mir eigentlich keine Gedanken zu machen brauchte. Aber es war die Macht der Gewohnheit. Hier in dieser Gegend machte man sich lieber unsichtbar, damit einem nichts passierte. Es konnte immer sein, dass derjenige, in dessen Blickfeld man geriet, üble Gedanken hegte oder etwas vorhatte, was kein bisschen nett war. Außerdem zeigte mein Wecker, der auf dem Boden stand, drei Uhr morgens an. Selbst um diese Zeit waren in der schmalen Straße unten Leute.

Ich wollte mein Glück erneut auf die Probe stellen, indem ich mir noch etwas wünschte. Heute war mein Geburtstag. Tja, vermutlich würde ich erst mal schlafen gehen müssen, damit der Wunsch zählte, aber es war bereits nach Mitternacht. Die Seifenblasenpistole war mein Geschenk, und obwohl der Sommer gerade erst angefangen hatte, war die Pistole reduziert gewesen.

Ich steckte den Kopf wieder zum Fenster hinaus und sah, dass sich niemand unten auf der Straße befand. Die Müllcontainer quollen über, und die Leute hatten angefangen, ihren Müll einfach danebenzustellen.

Im Augenwinkel sah ich kurz etwas aufblitzen, aber ich war nicht schnell genug. Ein Schaumstoffpfeil traf mich mitten auf der Stirn.

»Au!« Ich rieb mir den Kopf und warf dem Jungen, der am gegenüberliegenden Fenster stand, einen bitterbösen Blick zu. Dann zeigte ich ihm sogar den Stinkefinger.

»Was? Du hast damit angefangen! Ich hab geschlafen, und plötzlich hab ich Seifenblasen im ganzen Gesicht und in den Augen!«

Ich spähte nach unten. Die Leute, die da eben noch herumgelungert hatten, waren weitergegangen. Ich streckte meine Pistole durchs Fenster. »Wenn du geschlafen hast, wie willst du dann Seifenblasen in die Augen bekommen haben? Dann wären deine Augen doch geschlossen gewesen.«

Der Junge von gegenüber log. Das war mir völlig klar. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, sodass es weniger wild abstand. »Ich habe versucht zu schlafen. Es ist heiß. Deine Seifenblasen sind mir immer wieder ins Gesicht geklatscht.«

Er schoss erneut einen Schaumstoffpfeil durch mein Fenster. Zischend flog er an meiner Wange vorbei.

»Aber bewahr’ die Pfeile für mich auf. Ich brauch sie zurück.«

Ich sah ihn erbost an. »Nein! Ich bewahr’ deinen Kram nicht auf.«

Niedergeschlagen senkte er den Blick auf seine Waffe. »Ich hab nur noch vier.«

»Daran hättest du denken sollen, ehe du damit an meinem Geburtstag auf mich geschossen hast.« Ich rieb mir die Stirn.

Sein Gesicht leuchtete auf. »Herzlichen Glückwunsch! Wie alt bist du geworden?«

Sein Lächeln stimmte mich versöhnlich. »Zwölf …«

»Genau wie ich! Wir gehen bestimmt auch in dieselbe Schule.« Er zielte mit seiner Pistole auf mein Fenster, aber diesmal nicht auf mich, und er drückte auch nicht ab. »Ich hatte gestern Geburtstag. Ich bin auch zwölf.«

Ich teilte ihm mit, was er offensichtlich nicht wusste. »Dein Haus könnte zu einem anderen Bezirk gehören, deshalb wäre ich mir nicht so sicher, dass wir auf dieselbe Schule gehen.« Ich kratzte mich am Ellbogen, bevor ich ihn genauer musterte. Braune Haare und braune Augen. Dünn. Er wirkte jünger als ich, obwohl wir gleich alt waren. Auch in meiner Klasse gab es Jungen, die kleiner waren als ich. Ich legte wieder die Pistole an und ließ Seifenblasen fliegen. Er pikte mit dem Finger hinein und brachte sie zum Platzen, sobald sie nah genug waren.

»Wie ist deine Schule?« Er schnappte mit dem Mund nach einer Blase und verzog das Gesicht. Die Seife schmeckte sicher widerlich.

»Blöd. Die Schule in dem anderen Bezirk ist ziemlich schön.« Damals hatte meine Mutter versucht, eine Wohnung im Gebäude gegenüber zu bekommen, aber man hatte keine Mieter genommen, die von staatlicher Unterstützung lebten. Heute war das anders. Das Haus hatte vor ein paar Jahren den Besitzer gewechselt. Aber meine Mutter meinte, es sei zu spät, um jetzt noch umzuziehen.

»Warum ist sie schön?« Er kniff die Augen zusammen, während er meine Seifenblasen weiter platzen ließ.

»Ich hab gehört, dass es da einen kleinen Garten gibt, in dem man zwischen Bäumen und Blumen und so ’nem Zeug sein Pausenbrot essen kann. Es werden auch Ausflüge gemacht. Viele Ausflüge. Das erzählt meine Freundin zumindest. Sie kennt jemanden, dessen Cousine da hingeht.« Das leise Surren meiner Seifenblasenpistole verband sich mit den Geräuschen der Nacht. Wir hörten Laster, die die Gänge wechselten und hupten. Die Abgase vermischten sich mit der schwülen Luft, die es einem fast unmöglich machte zu schlafen.

»Wie heißt du?« Er lehnte sich aus dem Fenster und schaute auf den vier Stockwerke unter uns liegenden Asphalt.

»Pixie Rae Stone.« Mein bescheuerter Name. »Meine Mutter hatte sich eine Südstaatenelfe gewünscht und nicht die Tochter, die sie dann bekam.«

»Ich heiße Gaze Patrick Jones.« Er kniff ein Auge zusammen und zielte mit seiner Nerf Gun auf eine Taube, die auf einem Sims meines Hauses hockte.

Ich schoss ein paar Seifenblasen in ihre Richtung, und sie flog davon.

Daraufhin drückte er versehentlich auf den Abzug. Der Schaumstoffpfeil traf den Fensterrahmen und fiel zwischen den beiden Häusern nach unten. »Scheiße!«

»Hey! Darfst du fluchen?« Ich lehnte mich wieder aus dem Fenster, denn ich war mir ziemlich sicher, dass er nicht mehr schießen würde, weil er bestimmt keinen weiteren Schaumstoffpfeil verlieren wollte.

»Klar. Nachts hört mich doch keiner außer dir, Pixie Rae.« Er lächelte mich an, und ich erwiderte unwillkürlich sein Lächeln.

»Ist Gaze dein richtiger Name oder die Abkürzung von irgendetwas?«

»Na ja, mein Vater hat mich nach dem Superhelden Gazerbeam aus Die Unglaublichen genannt, aber auf meiner Geburtsurkunde steht Gaze.« Er kratzte sich mit seiner Nerf Gun am Kopf.

»Okay.« Ich war mir noch nicht sicher, ob ich Gaze mochte oder eher nicht. Die zierliche alte Dame, die früher in der gegenüberliegenden Wohnung gelebt hatte, war selten in dem Zimmer gewesen, ihre Katze dagegen schon. Ich war ziemlich enttäuscht gewesen, als die dicke, getigerte Katze ausgezogen war.

Gaze zielte mit seiner Pistole auf die Taube, die wieder angeflattert war, um sich auf ihren alten Platz zu setzen. »Ich hasse Luftratten.«

»Ich mag sie. Sie sind mutig.«

Er sah erst mich an und dann wieder die Taube. »Dir hat wohl noch nie eine auf den Kopf geschissen, hm?«

»Bisher nicht«, gab ich zu. »Aber da heute mein Geburtstag ist, habe ich ja vielleicht Glück.«

Gaze lachte. »Vielleicht. Ich drücke dir die Daumen.« Er hob die Faust, in der sein Daumen steckte. Hinter ihm ging plötzlich die Tür auf, und Licht fiel aus dem Flur in sein Zimmer. Er löste sich vom Fenster und drehte sich zu dem Mann um, der hereingekommen war.

Ich zog mich in mein Zimmer zurück. Das Gespräch zwischen Gaze und dem Mann war für mich nur ein leises Murmeln, einzelne Wörter konnte ich nicht verstehen.

Ich ging zu meinem Bett und setzte mich hin. Nun war offiziell mein Geburtstag. Schließlich hatte mir bereits jemand gratuliert, und damit war es amtlich. Ich war jetzt zwölf Jahre alt.

Ich legte mich aufs Bett und beobachtete Gaze und den Mann. Sie schienen eine längere Unterhaltung zu führen. Während des Sommers hatte ich viel Zeit allein verbracht. Meine Mutter hatte zwei Jobs und bewarb sich gerade um einen dritten. Seit ich acht war, konnte sie mich allein lassen. Ich liebte Bücher und durfte ohne Begleitung zur Bücherei gehen, die drei Querstraßen entfernt lag … allerdings nur tagsüber und vor dem Abendbrot, aber ich durfte, und das war die Hauptsache.

Meine Mutter arbeitete hart, damit wir über die Runden kamen. Das erzählte sie mir häufig, wenn sie nach Hause kam. Zum einen hatte sie einen Ganztagsjob bei einer Tankstelle, wo man auch ein paar Lebensmittel kaufen konnte. Diese Arbeitsstelle lag am anderen Ende der Stadt. Dort arbeitete sie fünf Tage die Woche, und sie musste für Kollegen einspringen, die sich krankmeldeten oder kündigten. Als Zweitjob ging sie in einem Bürogebäude putzen, das nur ein paar Häuser von der Tankstelle entfernt war. Von dem dritten Job, der ihr gerade in Aussicht gestellt worden war, hatte sie bei der Putzstelle erfahren. Dabei...



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