E-Book, Deutsch, 525 Seiten
Reihe: LYX.digital
Anastasia Swimming in Light
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7363-1697-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 525 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-1697-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kann eine Lüge Wahrheit werden?
Ruffian will nur eins: seiner verstorbenen Mutter ein Denkmal setzen, indem er die obdachlosen Menschen, um die sie sich gekümmert hat, aus der bitteren Armut befreit. Dafür ist er sogar bereit, das Gesetz zu brechen und ins Gefängnis zu gehen. Als es ihm gelingt, sich in die Kreise der wohlhabenden Gesellschaft einzuschleichen, trifft er auf ein unerwartetes Hindernis: Teddi Burathon und ihre liebevolle Familie. Ein Kuss ist genug, um zu begreifen, dass Teddi die Eine für Ruffian ist. Aber um seinen Plan durchzuziehen, muss er sie belügen, ganz gleich, wie sehr sein Herz dabei blutet. Doch er hat nicht mit Teddis Entschlossenheit gerechnet, ihn vor sich selbst zu beschützen und für ihre Liebe zu kämpfen ...
'Herzzerreißend und wunderschön!' BJ'S BOOK BLOG
Band 2 der dramatischen New-Adult-Dilogie
Debra Anastasia lebt in Maryland mit ihrem Mann und zwei fantastischen Kindern. Sie hat Politikwissenschaften studiert und schreibt dramatische New-Adult-Romane und Romantic Comedy.
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2. KAPITEL
Ruffian
Der Polizist nahm mich nicht wirklich in Gewahrsam, und als er feststellte, dass meine Mutter eines natürlichen Todes gestorben war, ließ er mich vor Ort bleiben. Ich durfte wieder in unser Zelt, wo ich als Erstes ihre zarte Gestalt zudeckte. Alles erschien mir so unwirklich, und meine Brust zog sich bei ihrem Anblick vor Schmerz zusammen. Ich musste mich beeilen, auch wenn mir die Cops wegen Moms Tod ein wenig mehr Zeit zugestanden als den anderen.
Ich überzeugte mich davon, dass ich alles hatte: den Rucksack und die etwas größere Umhängetasche mit all meinen Sachen.
Der Cop, der draußen vor dem Zelt stand, scheuchte die Leute weg, aber ich wusste nicht, wie lange ihm das noch gelingen würde. Ich zog die Decke wieder nach unten. Mom war jetzt noch weiter weg, obwohl sie sich nicht bewegt hatte. Ich strich ihr das Haar aus der Stirn, wobei mein Zeigefinger ihre Haut berührte. Sie war jetzt kühl. Sie hatte es immer gehasst, wenn ihr kalt war. Das war eins der wenigen Dinge gewesen, über die sie sich gelegentlich beklagt hatte.
»Hey, hab gehört, wir sollen noch jemanden für die Kühltruhe mitnehmen?«, sagte jemand draußen vor dem Zelt.
Ich hörte ein schroffes, leises Raunen. Der Cop versuchte, mir etwas Zeit zu verschaffen. Ich nahm an, dass es sich bei dem Neuankömmling um den Gerichtsmediziner handelte.
Ich brachte es nicht über mich, das Gesicht meiner Mutter wieder zu bedecken. Ich sah einmal, zweimal und dann noch ein drittes Mal zurück, während ich das Zelt verließ. Draußen standen bereits eine fahrbare Tragbahre und ein Leichensack. Ich machte mir keine Illusionen. Leute wie meine Mutter und ich bekamen keine Beerdigung voller Glanz und Gloria. Ihre Todesanzeige – ich würde sie nächste Woche in einer kostenlosen Zeitung finden, wenn ich wollte – würde in einer Polizeiakte landen.
Während der routinemäßigen Verlegung eines Obdachlosenlagers hinter dem Targier Plaza wurde eine Frau tot aufgefunden. Sie starb eines natürlichen Todes.
Das wäre alles. Ich würde keinen Anspruch auf ihren Leichnam erheben können, da ich nicht die Mittel dazu besaß. Sie hätte es eh nicht gewollt. Man sollte nach vorn schauen, war ihr Credo gewesen. Außerdem glaubte sie daran, dass der Geist eines Toten sich an einen schönen Ort begab. Sie würde auf mich warten, aber ich sollte mir Zeit lassen mit dem Nachkommen.
Ich wusste, dass die Polizei keine Ahnung hatte, was sie jetzt mit mir anstellen sollte. Ich war groß genug, um schon als Mann durchzugehen, aber so jung, dass ich eigentlich noch die Schule besuchen müsste.
Das Lager, das wir errichtet hatten, sah wie ein Schlachtfeld aus. Locusts geniale Konstruktion, mit der wir Wasser gesammelt hatten, war entzweigebrochen. Das provisorische Zentrum unserer Gemeinschaft mit dem allabendlichen Lagerfeuer war nur noch ein qualmender Haufen Asche.
Die Zelte waren grausam aufgeschlitzt, denn sie woanders wieder aufzubauen, würde schwer sein, und sie so zu reparieren, dass sie wasserdicht wären, war fast unmöglich.
Wir hatten gewusst, dass dieser Moment eines Tages kommen würde. Mom und ich hatten nach anderen Aufenthaltsorten Ausschau gehalten, aber die Lage mit freiem Zugang zum Fluss und den Müllcontainern des Einkaufszentrums war so vorteilhaft gewesen, dass wir niemanden zum Weiterziehen bewegen konnten. Sogar wir selbst hatten schließlich immer noch unser Zelt dort gehabt.
Ich machte mir Sorgen um die Connor-Kinder – um alle sechs. Wir kümmerten uns alle um sie. Mir hatte man die Aufgabe übertragen, für die beiden Jüngsten Winterkleidung zu beschaffen. Das war mir auch ziemlich gut gelungen, doch ehe ich ihnen noch die Müllbeutel mit den nur leicht abgenutzten Jacken, Handschuhen und Stiefeln geben konnte, hatte man sie in einen großen Pick-up verfrachtet, der in der Nähe parkte.
Bellina war auch nirgends zu entdecken. Mom würde sichergehen wollen, dass sie in der kommenden Nacht ein Dach über dem Kopf hätte, selbst wenn es nur der Vorraum der Bank im Einkaufszentrum wäre. Bellinas hartnäckiger Husten hatte Mom Sorgen bereitet.
Schwankend entfernte ich mich weiter, denn ich konnte es nicht mehr mit ansehen. Schließlich war Mom noch im Zelt, und man würde sie irgendwann herausholen. Wenn sie ihren Leichnam so behandelten, wie sie gerade mit den Jacken und Stiefeln verfahren waren, würde ich tatsächlich noch im Gefängnis landen. Aber ich wollte, dass es sich lohnte, ins Gefängnis zu kommen. Etwas Spektakuläres, das der Erinnerung meiner Mutter würdig war, sollte der Grund sein.
Ein Messer fuhr durch meine Kehle und durchstieß mein bereits blutendes Herz. Das Wort Erinnerung hatte eine scharfe Klinge.
Mit zwei Taschen auf der Schulter und meinen löchrigen Turnschuhen an den Füßen machte ich mich auf den Weg. Ich wählte Nebenwege und hielt mich möglichst von Wohngegenden fern, um keinen Verdacht zu erregen.
Mit gesenktem Kopf marschierte ich weiter. Ich würde so lange gehen, bis ich vor Erschöpfung umkippte. Das war das Einzige, was mir geblieben war: Trauer und kein Plan.
Teddi
»Ich bitte dich doch nur um ein einziges Nacktbild, Teddi.« Tasker rückte näher an mich heran. Wir warteten draußen vor dem Diner, während die Angestellten unsere Tische vorbereiteten. Ich hatte es allmählich satt, ständig Nein zu ihm zu sagen.
Ich nahm mein Handy und stellte eine Nachricht in einen Gruppen-Chat, zu dem Tasker nicht dazugehörte.
Teddi: Spielt bitte einfach mit.
Ich sah, wie alle um mich herum auf ihre Handys sahen, als meine Nachricht bei ihnen einging. Dann taten sie so, als wäre es nichts Wichtiges gewesen.
Ich legte den Kopf auf die Seite und lächelte Tasker an. »Warst du denn gestern Abend nicht bei unserem Zoom-Treffen dabei? Wir haben alle blank gezogen, und dann gab’s eine Bewertung, wer den schönsten Vorbau hat.«
Ein gehetzter Ausdruck trat in seine Augen, als er sie weit aufriss. Er holte sein Handy hervor. »Ey, nein. Wo war das? Wo ist es? Hat jemand mich hinzugefügt?« Er ging in unserer Gruppe umher, als hätte man ihm einen Böller in den Hintern gesteckt. »Wer hat die Bilder? Wo sind sie? Wo sind die Titten?«
Ich beobachtete, wie ein paar von den Football-Jungs ihr Lächeln verbargen.
Holden war der beste Schauspieler von allen. »Oh ja. Das Tittenturnier. Natürlich hatte ich dir eine Einladung geschickt. Wir schließen doch keinen aus. Hast du bei deinen E-Mails nachgesehen?«
Tasker tippte die ganze Zeit wütend auf seinem Display herum. »Nein, nein. Keine Einladung. Kein Garnichts. Scheiße. Scheiße. Waren Teddis auch zu sehen? Zeig mir doch einen Screenshot. Bitte.«
Holden verzog mitfühlend das Gesicht. »Sorry, Bro, wir konnten keine Screenshots machen. Ist doch illegal. Aber es war ein göttlicher Anblick.«
Tasker sah aus, als würde er gleich anfangen zu weinen. »Okay, dann beschreib sie zumindest. War eine größer als die andere?«
Er rannte von einem Football-Kumpel zum nächsten, bis wir schließlich ins Diner gerufen wurden. Ich hatte das Glück, dass Tasker mir gegenüber am Tisch landete.
Ich bekam eine Nachricht von Holden.
Holden: Spiel einfach mit.
Ich schaute nach rechts und dann nach links. Als ich Holdens Blick auffing, zwinkerte ich ihm zu.
Während wir in die Speisekarten schauten und bestellten, nervte Tasker alle um ihn herum mit der flehentlichen Bitte, ihm meine Titten zu beschreiben. Ich beobachtete, wie Holden sein Handy unter Brutus’ Shirt schob, und ahnte bereits, was die beiden vorhatten.
Holden: Behalt ihn im Auge.
Taskers Handy, das er vor seinen Teller gelegt hatte, vibrierte. Ich erhaschte einen Blick auf eine haarige Brust mit zwei Brustwarzen. Ich musste nach unten schauen, um nicht laut loszulachen. Auf Holdens Bitte hatte Brutus seine Brust zusammengedrückt, sodass sie wie ein weiblicher Busen aussah.
Ich schaute wieder auf. Tasker war ganz blass, und er wirkte entsetzt. Sein Blick schoss in meine Richtung, und ich kratzte mich demonstrativ an der Brust.
Brutus war nicht in der Lage sich zu beherrschen, weshalb er mit bebenden Schultern halb unter dem Tisch verschwand. Noch schöner war es jedoch zu beobachten, wie Tasker Ryder und Van, die links und rechts von ihm saßen, das Bild zeigte. Mit völlig ausdruckslosen Gesichtern bestätigten sie, dass es sich wirklich um meine Brüste handelte. Daraufhin stand Tasker tatsächlich auf und ging nach draußen. Wir hörten, wie er sich den Frust von der Seele schrie. Holden erzählte derweil den anderen am Tisch, was er und Brutus getan hatten. Taskers Brüllen brachte uns alle zum Lachen. Man hatte den Eindruck, als würde er dabei zusehen, wie ein Haufen Geld in Flammen aufging. Taylor und ich schossen ein weiteres Foto, nachdem wir große violette Punkte auf meine Knie gemalt hatten, die wie Brustwarzen aussahen. Sie schickte das Foto an Holden, der dann allen sagte, sie sollten es sich anschauen.
»Ich drücke auf Senden … jetzt.«
Alle sahen im gleichen Moment das Bild von Taylors angeblichen Brüsten und den absurden Brustwarzen. Tasker drehte sich zum Fenster um, schaute auf das Bild und fuhr sich voller Qual mit beiden Händen übers Gesicht.
Als er sich schließlich wieder auf seinen Platz auf der Bank fallen ließ, lachten wir ihn alle aus. Und endlich weihte Van ihn in den Scherz ein. Er täuschte Erleichterung vor, um dann zu beten und...




