E-Book, Deutsch, Band 1, 224 Seiten
Reihe: Lilo auf Löwenstein
Andeck Lilo auf Löwenstein – Ab ins Schloss
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-4018-1
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 224 Seiten
Reihe: Lilo auf Löwenstein
ISBN: 978-3-7325-4018-1
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Start einer neuen Kinderbuchreihe für alle Mädchen, die gerne Abenteuer erleben.
Lilo liebt Abenteuer. Oder besser: Sie braucht welche. Lilo will nämlich später Abenteuerbücher schreiben, genau wie ihr großes Vorbild Lavinia Stone. Als die ganze Familie in ein richtiges Schloss zieht, kann Lilo ihr Glück kaum fassen. Dort wird es ja wohl von Schätzen und Geheimnissen nur so wimmeln. Doch dann kommt alles erst mal ganz anders: Sämtliche Mitbewohner auf Schloss Löwenstein nerven, und fast sieht es so aus, als würde Lilo plötzlich ganz allein in der ödesten Einöde der Welt festsitzen. Zum Glück findet sie dann aber doch eine Verbündete. Und als Lilo eine Entdeckung auf dem Dachboden des Schlosses macht, stellt das alles auf den Kopf ...
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Kapitel 1
Der Baum des Schicksals
Der Ast knackte. Dann brach er ab. Was richtig blöd war, denn ich saß darauf. Ich konnte gerade noch »Ups!« sagen, dann machte es peng, und um mich herum wurde alles dunkel.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem weißen Krankenhausbett, hatte ein Hemd mit blauen Punkten an und fühlte mich, als wäre ein Traktor über meinen Kopf gefahren. An meinem Bett saßen meine Eltern und Ben. Sie hatten ganz runde Augen vor Schreck. Aber das änderte sich, als ein netter, junger Arzt erschien, der sagte, dass alle Röntgenbilder meines Kopfes genauso aussahen, wie Röntgenbilder von Köpfen aussehen sollen. »Lilo hat nur eine Gehirnerschütterung«, erklärte er und lächelte uns an.
»Wow«, meinte Ben. »Heißt das, sie hat eins? Ein Gehirn, meine ich.«
Der Arzt lachte. »Definitiv.« Er zwinkerte mir zu.
»Wer hätte das gedacht?«, murmelte Ben. Ich warf ihm einen Blick zu, der einen feinfühligen Menschen getötet hätte. Ben natürlich nicht. Der grinste nur.
Na warte, Bruder, dachte ich, ärgern kann ich auch. »Bei dir ist das mit dem Gehirn leider nicht so sicher«, sagte ich sanft und freundlich. »Weißt du noch, neulich, da hast du mal geniest, und dabei landete ein winziger Popel in deinem Taschentuch. Das könnte dein Hirn gewesen sein.«
Ben schoss einen Blick auf mich ab, der mir für die Zukunft schwere Zeiten ankündigte. Aber damit kam ich klar. Fies grinsend zeigte ich ihm alle meine Zähne.
Und fand, dass es Zeit war, das Gespräch auf wirklich wichtige Dinge zu lenken. Ich fasste mir vorsichtig an den Kopf, der sehr wehtat, und fragte: »Wie bin ich eigentlich hierhergekommen?«
Ben runzelte erstaunt die Stirn. »Mit dem Krankenwagen. Ich hab ihn gerufen. Weißt du das nicht mehr?«
»Nö«, sagte ich. »Ich war bewusstlos. Weißt du das nicht mehr?«
»Warst du gar nicht«, widersprach Ben. »Du hattest die Augen auf und hast auch geantwortet, als dich die Sanitäter angesprochen haben. Aber du wusstest deinen Geburtstag und deine Adresse nicht mehr. Deswegen haben sie dich sicherheitshalber mitgenommen.«
Mist. Daran erinnerte ich mich nicht. Da hatte ich anscheinend echt einen fiesen Schlag auf den Kopf bekommen.
»Wie spät ist es denn?«, wollte ich wissen.
Der Arzt blickte auf seine Armbanduhr. »Zehn nach zwölf.«
Auweia. Um elf war ich auf den Baum geklettert. Ich erinnerte mich also an eine ganze Stunde meines Lebens nicht mehr. Das war ein ekliges Gefühl.
Obwohl … Moment! Ich selbst erinnerte mich zwar nicht an diese Stunde, aber mein Handy hatte vielleicht alles aufgenommen. Wo war es eigentlich?
Ich richtete mich auf, doch da schoss ein miesfieser Schmerz durch meinen Hinterkopf. Vorsichtig befühlte ich die Stelle und spürte eine Beule, die so groß wie ein Hühnerei war. Na gut, vielleicht war sie auch nur so groß wie ein Taubenei. Auf jeden Fall tat sie weh, und ich zuckte zusammen.
Oje, wenn mein Handy bei dem Baumabsturz genauso stark auf den Boden geknallt war wie mein Kopf, ging es ihm vermutlich auch nicht gut.
»Ben, wo ist mein …« Ich wollte weiterreden, aber plötzlich fiel mir das richtige Wort nicht mehr ein. Ich sah das Gerät in Gedanken vor mir, ich wusste auch, wie man es benutzte, und eben hatte ich sogar noch gewusst, wie es hieß. Aber nun kam ich nicht mehr darauf.
Das konnte doch nicht wahr sein! Ich versuchte es noch einmal. »Wo ist mein …, äh, schwarzes Dings zum Telefonieren«, brachte ich heraus.
Meine Mutter sah mich halb besorgt, halb fragend an. Ben schaltete schneller. »Meinst du das hier?« Er hob ein schwarzes Gerät hoch. Es sah aus wie meins. Es steckte auch in derselben Hülle wie meins. Aber es hatte einen riesigen Sprung in der Scheibe, den meins heute früh noch nicht gehabt hatte.
Ich nahm das Gerät und drückte auf eine Taste. Nichts passierte.
»Zeig mal!« Mein Vater nahm das Ding und schaltete es aus. Dann wartete er einen Moment, drückte wieder auf den Knopf und startete es neu. Nach kurzer Zeit hörte ich eine Begrüßungsmelodie, und Papa gab testweise zwei Ziffern ein. Bei jeder ertönte ein Piepton. »Ich glaube, jetzt geht es wieder«, sagte er. »Gib noch mal deine Geheimzahl ein.«
Ich nahm das Gerät, ließ es dann aber kraftlos auf die Bettdecke sinken. »Ich weiß sie nicht mehr«, sagte ich und fühlte mich dabei ganz jämmerlich. »Die Nummer ist in meinem Kopf einfach ausgelöscht. Genau wie der Name von dem Ding hier. Ich glaub, in meinem Gehirn ist doch was kaputt.«
»Das Gerät ist ein Handy«, behauptete der Arzt, und als ich das Wort hörte, kam es mir wirklich bekannt vor. »Und, nein, da ist nichts kaputt. Das nennt man Wortfindungsstörungen, und die können bei einer Gehirnerschütterung vorkommen. Das wird bald wieder, und deine Geheimzahl fällt dir garantiert auch wieder ein. Aber du solltest lieber noch ein paar Stunden hierbleiben, damit wir dich sicherheitshalber noch ein bisschen beobachten können.« Er dachte kurz nach. »Und danach gilt: eine Woche Bettruhe. Und Hirnruhe. Absolute Hirnruhe sogar. Das schärft die Sinne und den Verstand. Stell dir das ruhig wie bei deinem Handy vor. Wir fahren dein Gehirn jetzt mal für ein paar Tage runter und dann wieder hoch. Dann ist es wieder wie neu. Du wirst sehen, danach funktioniert es sogar besser als vorher!«
Das glaubte ich nicht. Sowohl bei mir als auch bei meinem Handy würde das wohl kaum funktionieren. Wir hatten jetzt beide einen Sprung in der Schüssel. Trotzdem fand ich den Vorschlag des Arztes im ersten Moment himmlisch. Wenn dein Kopf brummt wie ein Hubschrauber, kommt dir der Gedanke an Hirnruhe nämlich wie das reinste Paradies vor.
Als ich dann aber am nächsten Tag zu Hause rumlag, war´s die Hölle auf Erden. Hirnruhe, das hieß: Vorhang zu. Licht aus. Augen zu. Kein Fernseher. Kein Handy, egal, ob mit Sprung oder ohne. Natürlich auch kein Internet. Und: Nicht mal Spiele. Oder Bücher. Oder Besuch. Mein Kopfweh war weg, und ich wusste wieder alle Wörter, die ich sagen wollte. Und sogar ganz viele, die ich besser nicht sagen sollte. Aber ich durfte trotzdem nichts tun, außer leise Musik zu hören. EINE WOCHE LANG! Ich durfte mich ab und zu umdrehen, damit ich nicht schimmelte. Aber das war´s.
Nach drei Tagen durfte ich immerhin aufs Wohnzimmersofa umziehen und da herumliegen. Das war zwar auch nicht viel spannender, aber wenigstens konnte ich hier ab und zu echte, lebendige Menschen hören und sehen.
Am fünften Tag fühlte ich mich immer noch kein bisschen wie neu. Klar, der Kopf tat nicht mehr weh. Aber mir war langweilig. Und fad. Und langweilig. Und … meine Laune war unterirdisch. Ich lag immer noch auf dem Sofa und lauschte lustlos dem Gemurmel der anderen, die am Mittagstisch saßen und aßen. Ben trappelte dabei mit den Füßen einen Beat aufs Parkett und gackerte ab und zu wie ein Huhn beim Eierlegen.
»Pssst. Ben, sitz doch mal still. Denk an Lilo«, ermahnte ihn meine Mutter mit gedämpfter Stimme. »Wer hat da eigentlich eben so oft geklingelt?«
»Herr Frenk«, sagte mein Vater.
Mit dieser Antwort hatten wir alle gerechnet. Es verging kaum ein Tag, an dem unser Vermieter nicht klingelte. Und er kam immer nur zu uns, um sich über irgendwas zu beschweren.
»Drei Mal?«, wollte meine Mutter wissen. Sie hörte sich nervös an.
»Jep«, nuschelte mein Vater mit vollem Mund.
»Und? Was wollte er?«
Mein Vater schluckte, bevor er antwortete. »Beim ersten Mal stand Bens Fahrrad im Hausflur.«
»Aha.« Die Stimme meiner Mutter klang matt und gestresst. »Und beim zweiten Mal?«
»… stand es im Vorgarten.«
»Und zuletzt?«
»Draußen vorm Haus auf dem Bürgersteig.« Auch mein Vater hörte sich genervt an.
Meine Mutter dachte kurz nach. »Ben, warum stellst du es nicht in den Schuppen? Wenn man den Rasenmäher ein bisschen zur Seite schiebt, passt es da vielleicht noch rein.«
»Hab ich eben gemacht«, brummte Ben. »Aber ich glaube, Herr Frenk mag einfach grundsätzlich keine Fahrräder.«
Da klingelte es an unserer Wohnungstür.
»Wusste ich´s doch!«, stellte Ben fest.
Mein Vater erhob sich seufzend, und wir seufzten alle mit, denn natürlich ahnten wir, wer da vor der Tür stand.
Und richtig. Nach einer Weile kam mein Vater zurück.
»Herr Frenk?«, wollte meine Mutter wissen.
»Ja.« Paps ließ sich auf seinen Stuhl fallen.
»Lass mich raten«, sagte Ben. »Mein Fahrrad steht im Schuppen, und da gehört es nicht hin?«
»Jep«, seufzte mein Vater.
»Und wohin soll ich es dann stellen?« Ben klang richtig wütend. »Hat er das auch gesagt?«
»Auf die von uns gemieteten Flächen. Also Wohnung. Kellerraum. Oder Balkon.«
»Aber da ist kein Platz.«
»Jep.« Mein Vater klang gequält.
Meine Mutter schnaubte wütend. »Es stand doch bis jetzt immer vorm Haus«, sagte sie.
»Jep«, meinte mein Vater resigniert.
»Fällt dir vielleicht noch was anderes ein als Jep?«, wollte Mama wissen.
Offenbar nicht, denn Paps schwieg.
»Und jetzt?« Ben klang richtig verzweifelt.
»Wir könnten die Blumentöpfe woanders hinstellen,...




