E-Book, Deutsch, 257 Seiten
Anderson Der außergewöhnliche Pfad
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7554-0402-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 257 Seiten
ISBN: 978-3-7554-0402-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine ominöse Insel befindet sich im Zwiespalt. Solange keine Einigung zwischen den fünf Gebieten besteht, rüsten sich die Menschen für eine Schlacht oder für die Verteidigung des Gebietes auf. Damit die Menschen in Prästonia eine Chance haben, greifen sie zu übernatürlichen Menschen zurück, in denen ungeheure Kräfte schlummern. Jeder Mensch strahlt eine individuelle Aura aus; doch dann erscheint ein Junge, dessen Aura von den gewöhnlichen abweicht. Wie ist er ihr teilhaftig geworden? Was für einen Weg hat er eingeschlagen?
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Prolog
Prolog „Vater?“, fragte Gillroy, als der Kommandant Lubby an der offenen Tür vorbeilief. Tatsächlich hielt der Kommandant an, um anschließend ins Zimmer zu gehen, wo sein Sohn und seine Nichte schliefen. „Ja?“, flüsterte Lubby und hielt sich einen Finger vor den Mund. Ein paar Schritte entfernt döste seine Nichte bereits. Eine Beugung zu seinem Sohn hielt er für angebracht, da er Helvira nicht wecken wollte. Sein Sohn richtete an Lubby eine Frage: „Wie sind denn die Verhandlungen mit den Daimonern verlaufen?“ Vorher unterhielt sich die Familie am Tisch bei einem Mahl über alltägliche Dinge. Die Familie von Helvira war ebenfalls von der Partie. Die Erwachsenen vermieden es, vor den Kindern über das aktuelle Thema „Krieg“ zu sprechen. Erst, als die Kinder zu Bett geschickt wurden, wechselten sie das Thema. Lubby bekam seinen Sohn Gillroy selten zu Gesicht, weshalb er ihm bei einem privat Gespräch gerne das nötige Thema unterbreitet hätte. „Nun; eigentlich laufen die Verhandlungen noch. Die momentane Lage sieht positiv aus“, sagte er, ohne zu viel zu verraten. „Die Einzelheiten werde ich dir ein anderes Mal mitteilen. Ich muss zurück zum dritten Bezirk.“ „Bekommen wir für unseren Triumph irgendetwas?“, richtete sich Helvira an ihn, die gerade ihren Sand aus den Augen wischte. „Na gut“, erklärte Lubby sich bereit, ein Resümee vom jetzigen Stand zu geben. „Kinder und ihre Neugier. Ich mache es kurz: Weil Daimones uns den Krieg erklärte, welcher von Prästonia gewonnen wurde, bekommen wir sicherlich Ressourcen als Entschädigung. Dazu noch einige Soldaten für unsere Zwecke.“ Lubby beäugte beide kurz, bevor er fortfuhr. „Der alte König hatte - ich formuliere es mal so: Nicht alle Ziegel in der Mauer, also benötigt Daimones einen kooperationsfähigeren König; dazu ein verbessertes Regierungssystem. Das steht alles noch an.“ Die wegwerf Geste mit der Hand sollte das Ende unterstreichen. „Jetzt muss ich los.“ „Was für Ressourcen?“, fragte Gillroy. „Wie sieht die Lage mit den anderen Territorien aus?“, warf Helvira ein. Für einen Moment wusste Lubby nicht, wem er Antworten sollte, doch ging dann doch auf seine Nichte ein. „Die Römer und die Astonier stehen noch auf Kriegsfuß mit uns. Im Krieg gegen Daimones verloren wir viele Männer, was ein günstiger Moment für einen Angriff wäre.“ Er las eindeutig Interesse in den Gesichtern der Kinder. Noch benötigen sie Zeit zum Reifen. „Bereitet euch lieber auf den öffentlichen Unterricht vor, zu dem ihr gehen wollt“, lenkte Lubby ein. „Dort werdet ihr bestimmt alles erfahren. Noch seid ihr zu jung; ihr könnt euch in der Meditation üben - damit meine ich besonders dich, Gillroy -, um unserem Gebiet einen Dienst zu erweisen.“ Anscheinend verließ er das Zimmer ohne Einwände der Kinder. Über die Neugier der Kinder freute er sich, musste aber wichtige Vorkehrungen bezüglich einer Mission treffen, was ihm ungelegen kam. Schon lange nahm er sich vor, Gillroy zu schulen, vor allem im zarten Alter; denn Kinder unterliegt eine besondere Verbindung zur Zirbeldrüße: Dem Sitz der Seele. Sie ermöglicht übernatürliche Fähigkeiten wie Intuition oder Wahrsagerei. Da Lubby die Zeit fehlte, musste der öffentliche Unterricht, der Themasi genannt wird, dafür sorgen, den Kindern das nötige Wissen zu vermitteln. Gillroy besitzt die Anlage, ein Auraseher und somit ein intuitiver Mensch zu werden. Bei einer Musterung stellten die Seher fest, dass Gillroy eine blaue Aura besitzt. Eigentlich ist eine blaue Aura häufiger beim weiblichen Geschlecht vorzufinden, wohingegen bei Männern entweder die Farbe rot oder gelb ausgeprägt ist. Die drei Farben rot, blau und gelb bürgerten sich wegen ihrer Häufigkeit als Primärauren ein. Die Aura eines Menschen ist etwas Persönliches, kann sich aber durch gezieltes Training oder der Lebenssituation verändern. Das Gehirn ist in zwei Hemisphären aufgeteilt. Beim Training der linken Hälfte des Gehirns fördert der Betreffende seine geistigen Fähigkeiten; dazu gehören Logik und das analytische Denken. Ist die linke Hirnregion ausgeprägt, wirkt sich das auf die Aura aus; sie ist dann gelb. Beim Training der rechten Hirnhälfte, bei der die Kreativität und Intuition im Vordergrund stehen, bekommt die Person eine blaue Aura. Beim Heranwachsen wird es einsichtig, welche Hälfte des Gehirnes ausgeprägt ist. Einige Denker gingen davon aus, dass das Gleichgewicht der Hirnhälften die rote Aura förderten, was zu scharfer Kritik führte. Wenn jemand im Gleichgewicht ist, müsste die Person eine ungewöhnliche Aura an den Tag legen. Außerdem wusste niemand auf die anderen Farben der Aura zu antworten, weshalb die Theorie mit den Hirnhälften unvollständig ist. Deswegen assoziierten die Experten die Auren anhand des Chakra-Systemes. Als die Tür ins Schloss fiel, fragte Helvira: „Notierst du dir noch deine Träume?“ Sie stützte ihre Ellbogen auf das Kissen. „Ja. Oft“, gab Gillroy zurück. Seine Hände ruhten hinter dem Kopf. „Ich nicht mehr. Dafür trainiere ich meinen Körper.“ Helvira fing an zu zögern, bis sie sich entschloss, ihrem Vetter ihr Geheimnis anzuvertrauen. „Ich werde eine Kämpferin, wenn ich groß bin.“ Ihr Vetter Gillroy regte sich nicht in seiner Position. „Aha“, setzte er an. „Eigentlich machen Frauen andere Sachen und kämpfen nicht.“ „Na und? Ich will nicht wie andere Frauen für das Haus oder das Kinder machen da sein.“ Als sie sich wieder hinlegte, verzog sie beleidigt den Mund. Am liebsten hätte sie es ihm verheimlicht. „Ok“, sagte Gillroy schließlich. „Wenn das so ist, dann zeigst du mir später, was Frauen draufhaben. Kämpfe gegen mich.“ Obwohl sie mit Abneigung gerecht hatte, freute sie sich über das Gesagte von Gillroy und erklärte sich einverstanden. Für Gillroys Alter von zehn, gab er sich reif. Die Voraussetzung war: Sobald beide den Rang eines Machiten bekleiden, findet der Kampf statt. Dadurch konnte Helvira ihm Demonstrieren, dass Frauen gute Kämpfer sein konnten. Den nötigen Respekt würde sie vom Rest bekommen. Damit schlossen sie den Pakt. Der Kommandant stolzierte nach Draußen, um zum dritten Bezirk zu gelangen. Das Gebiet Prästonia ist ausgesprochen groß und teilweise von einer Mauer umgeben. Den Rest umgeben riesige Klippen. Zufälligerweise begegnete Lubby auf seinem Weg einem Aspiranten, der ihm Wichtiges mitteilte: „ Herr Kommandant; soeben nahmen wir einige Flüchtlinge fest. Sie liefen mit erhobenen Händen auf die Mauer zu und gaben sich harmlos, weshalb wir einschritten. Unter den Leuten befinden sich zwei ältere Herren, eine junge Frau und ein junger Mann.“ Heute kamen einige unerwartete Wendungen auf ihn zu. „Was haben sie gesagt?“ „Sie sind aus Astonia geflohen.“ „Danke für die Information. Dafür werden sich die zuständigen finden.“ „Natürlich, Kommandant. Ich dachte mir, ich sage es ihnen sicherheitshalber, als sie auf mich zugekommen sind.“ „Verständlich. Wir sprechen uns morgen. Haben die Leute eine Unterkunft, Speise und Trank?“ Der Soldat bejahte beflissen und vollführte den Kämpfergruß, bevor er kehrtmachte. Lubby war nicht in Stimmung für weitere Ablenkungen nach einem anstrengenden Tag wie diesen. Seine Vorbereitungen für die Mission verlegte er auf morgen und zog sich in seine privaten Gemächer zurück. Am darauffolgenden Tag wurde das Urteil über die Entflohenen verkündet: Die Astonier ließ man in Prästonia willkommen. Die Entflohenen waren ehrliche Leute, die ihren Beitrag durchaus leisten konnten. Ein älterer Mann hatte sich als Repräsentant für seine Leute gerechtfertigt; er hatte gesagt: „Wir sind entflohen, weil die Herrschaft von Astonia nicht unseren Vorstellungen entsprach. In diesem Gebiet missfällt uns das Regierungssystem zwischen Adeligen und Armen. Der Junge Izuya“, er spielte auf den Jungen an, welcher still neben seinen Kumpanen saß und ein Verband um sein linkes Auge trug, „verlor seine Mutter bei der Flucht. Weiteres kann ich euch erzählen, falls ihr einen Vorteil daraus gewinnen könnt. Sonst könnten meine Erzählung alte Wunden aufreißen.“ Ein hohes Mitglied des Rates, welcher sich des Verfahrens annahm, winkte ab. „Was veranlasst euch dazu, ausgerechnet nach Prästonia zu kommen?“ „Von allen anderen Territorien ist Prästonia empfänglicher für die Übernatürlichkeit. Daher schlossen wir die Römer und Ostzilier aus. Daimones befindet sich im Aufbau wegen der Niederlage und ist weiter entfernt.“ Erst nach der ausgiebigen Beratung mit den Aurasehern wurde die Entscheidung vollkommen. Wenn jemand gelogen hätte, würde sich einiges auf den...




