Anderson | Einmal - und nie wieder? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 0010, 160 Seiten

Reihe: Julia

Anderson Einmal - und nie wieder?


1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-514-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 0010, 160 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-86295-514-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Reisen, frei sein und einmal heißen Sex mit einem Fremden haben: Diese Wünsche will Sienna sich endlich erfüllen! Ihr erster Stopp ist die Metropole Sydney, wo ihr ein toller Mann über den Weg läuft. Sie weiß nicht viel von Rhys Maitland, als sie die Nacht mit ihm verbringt - außer, dass er verteufelt gut küssen und lieben kann! Noch im Morgengrauen schleicht sie sich fort, ohne sich von ihrem Lover zu verabschieden. Doch sie hat die Rechnung ohne Rhys gemacht! Als er einsam in seinem leeren Bett erwacht, macht er sich sofort auf die Suche nach ihr ...



Natalie Anderson nahm die endgültigen Korrekturen ihres ersten Buches ans Bett gefesselt im Krankenhaus vor. Direkt nach einem Notfall-Kaiserschnitt, bei dem gesunde Zwillinge das Licht der Welt erblickten, brachte ihr ihr Ehemann die E-Mail von ihrem Redakteur. Dem Verleger gefielen ihre früheren Korrekturen und da es gerade einen Mangel an guten Manuskripten gab, musste sie ihre Verbesserungen innerhalb von einer Woche anfertigen. Trotz dieses knappen Zeitfensters hatte ich längst angebissen. Unter starken Schmerzmitteln und ohne den ständigen Kontakt zu meinen frisch geborenen Zwillingen schaffte ich die Revisionen rechtzeitig, sagt sie. Auch ihr Ehemann dachte, dass es eine gute Idee sei, die Sache anzugehen. Darum brachte er ihr den Laptop seines Bruders und Natalie machte sich an die Arbeit. Sie verschickte die Revisionen am Freitag. Am Montag war sie bereits wieder Zuhause und bekam endlich den heiß ersehnten Anruf: Wir wollen ihr Buch kaufen. Ernsthaft schreibt Natalie nun schon seit einigen Jahren. Aber seit sie damit angefangen hat, schreibt sie jede Nacht, nachdem ihre zwei Kinder, und jetzt auch noch ihre Zwillinge, ins Bett gegangen sind. Für ihre Romane hofft sie in der Zukunft auf weitere gute Neuigkeiten und auf eine längere Abgabefrist.
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1. KAPITEL

Sydney – Sonne, Wellen und Shopping. Das Einzige, was fehlte, war der Sex.

Sienna lächelte vor sich hin, als sie über den Strand schlenderte. Unter ihren Füßen brannte der heiße Sand. Sie bahnte sich einen Weg zwischen den faszinierenden Körpern hindurch, um wieder zu dem schmalen Steg zu gelangen. Sollte sie je wieder einen Arzttermin wahrnehmen müssen, dann wäre dies der Rat, den sie auf jeden Fall befolgen würde: eine Woche Urlaub und Erholung. Vorbereitung auf das große Abenteuer. Die erste Woche, in der niemand etwas von ihrer Krankheitsgeschichte wusste. Der neue Anfang, auf den sie länger als ihr halbes Leben gewartet hatte.

Sie machte Platz, um ein Paar vorbeigehen zu lassen. Dabei versuchte sie, die Frau nicht um die Selbstverständlichkeit zu beneiden, mit der sie ihren Bikini trug. Die knappen feuerroten Dreiecke ließen mehr erahnen, als sie verbargen. Aber die Frau besaß die Courage und die entsprechende Figur. Mit keinem von beiden konnte Sienna aufwarten. Sie wollte keine Blicke herausfordern, ertrug weder die schlecht verhohlene Neugier noch das Mitleid. Deshalb trug sie auch das T-Shirt mit dem hohen, eng am Hals anliegenden Kragen. Zugegeben, bei ihrem Minirock lag die Betonung mehr auf Mini als auf Rock und sie bemerkte die interessierten Blicke einiger Männer durchaus. Doch sie ignorierte diese Blicke, scheute davor zurück. Nie würde sie ihr Dekolletée zeigen, so wie die Frau vorhin.

Der Ärger über sich selbst und ihr wankendes Selbstbewusstsein beschleunigte ihre Schritte. Wie sollte es ihr je gelingen, all die „Unbedingt erleben“-Punkte auf ihrer Liste abzuhaken, wenn sie nicht einmal dem Blick eines Mannes begegnen konnte? Wie passte das zu dem „Für den Moment leben“, ihrem neuen Motto?

Siennas Stimmung sank. Deshalb überquerte sie die Straße, ließ den Strand hinter sich und wechselte auf die Seite mit den Kneipen, Cafés und Restaurants. Sie musste sich zusammennehmen. Schließlich lautete ihr fester Vorsatz für das neue Jahr, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Vielleicht sollte sie mit den Mädchen, die sie im Hostel kennengelernt hatte, heute Abend tanzen gehen. Die waren nämlich unternehmungslustig und quirlig und könnten ihr sicher ein paar Tricks beibringen. Allein vom Zusehen würde sie etwas lernen.

Aber genau das war es ja, was sie nicht mehr wollte – zusehen. Immer nur am Rand dabeistehen. Nicht teilnehmen zu dürfen.

Nun, jetzt durfte sie teilnehmen. Es war niemand hier, der ihr sagte, dass sie nicht durfte, nicht sollte, nicht konnte. Allerdings war auch niemand hier, um ihr das Gegenteil zu sagen. Sie wünschte, Lucy wäre bei ihr. Die lebenslustige Freundin war die Einzige, mit der Sienna in all den Jahren wenigstens etwas Spaß gehabt hatte, trotz der Einschränkungen. Doch Sienna war ganz bewusst allein nach Sydney gekommen. Weil sie sich beweisen musste, dass sie es schaffte. Denn wenn sie erst sich selbst davon überzeugt hatte, würden die anderen es ihr auch glauben.

Kurz nach drei. Das Lunch-Publikum war also wieder an die Arbeit zurückgekehrt – abgesehen natürlich von den Urlaubern und Touristen. Die Türen der Bar in der Nähe des Hostels standen weit offen, um zu lüften, bevor das aufziehende Gewitter kam. Sienna sehnte sich richtig danach. Die Luftfeuchtigkeit machte das Atmen schwer, sie war diese drückende Luft nicht gewohnt.

Bumm, bumm, tsching. Da spielte jemand Schlagzeug. Jetzt folgte der Akkord einer elektrischen Gitarre, dann eine männliche Stimme.

„Eins, eins. Zwei. Soundcheck.“

Plötzlich fühlte sie sich richtig zu Hause, fühlte sich wieder wohl. Ihre Beine trugen sie direkt in die Bar hinein, obwohl sie eigentlich nicht geöffnet hatte, hin zu der Band, die auf dem kleinen Podium übte. Vier Jungs standen dort auf der Bühne, alle in Shorts und T-Shirts. Der Sänger am Mikrofon sah genauso aus, wie der Schwarm einer Boy-Group auszusehen hatte. Möglichst unauffällig stellte sie sich an die hintere Wand neben den Eingang und sah dem Drummer voller Neid zu.

„Es tut mir leid, aber hier können Sie nicht bleiben. Die Bar hat noch nicht geöffnet.“

Nur unwillig riss Sienna den Blick von dem Geschehen auf der Bühne los, um den Mann anzusehen, der neben ihr stand. Sie blinzelte. Einmal, dann ein zweites Mal. Grundgütiger! Solche Männer existierten also wirklich? Er war der Typ Mann, der jede Frau dazu bringen würde, im Fitnessstudio zu trainieren, weil sie mit absoluter Sicherheit wusste, dass eine Schlafzimmererfahrung mit ihm ein wahrhaft denkwürdiges Erlebnis sein würde.

Auch Sienna wusste das und verkrampfte sich sofort.

Stahlgraue Augen mit einer Andeutung von Grün musterten sie. Umrundet von schwarzen Wimpern, über denen sich geschwungene Augenbrauen bogen. Eine umwerfende Kombination. Doch es war der Mund, der Sienna die meisten Probleme bereitete. Sie sah auf die vollsten und sinnlichsten Lippen, die ihr je bei einem Mann untergekommen waren.

Sie blinzelte noch einmal und senkte den Blick. In Sekundenbruchteilen hatte sie seine gesamte Erscheinung registriert. Er trug die Designershorts mit lässiger Selbstverständlichkeit, dazu ein eng anliegendes T-Shirt und Sandalen aus weichem Leder. Das dunkle Haar war kurz geschnitten. Vor allem aber seine Hände faszinierten sie. Große Hände mit langen Fingern. Auf der Klaviatur könnte er mühelos zwei Oktaven greifen. Die Nägel waren perfekt gepflegt, vermutlich sogar professionell manikürt.

Bestimmt war er schwul.

Als sie mit ihrer Musterung fertig war, fiel ihr sein Blick auf. Die strenge Miene änderte sich unmerklich, während er sie genauer betrachtete. Das Grün in den Augen wurde stärker. Das Signal sprang um. Auf „Los“. Auf Anziehung.

Also nicht schwul.

Sienna erinnerte sich daran, dass sie etwas fragen wollte. „Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich ein wenig zusehe?“ Ihre Stimme schien alle Kraft verloren zu haben, sie klang fast wie ein mattes Krächzen. Ebenso wie ihr Verstand scheinbar die Fähigkeit verloren hatte, einen klaren Gedanken zu fassen. Himmel, der Typ war umwerfend!

Stumm starrte er sie an, und sie starrte ihn an. Endlich öffnete er den Mund, um etwas zu sagen, doch der Sänger kam ihm zuvor.

„Schon in Ordnung, Rhys. Sie kann ruhig bleiben. Kannst du noch den anderen Verstärker hochbringen?“ Weil der Sänger direkt vor dem Mikro stand, drang seine Stimme so laut durch den Raum, dass Sienna unwillkürlich zusammenzuckte. Mr. Umwerfend neben ihr übrigens auch.

Rhys. Sein Kopf ruckte jetzt zur Bühne, als hätte er sich gerade erst daran erinnert, wo er war. Sienna hatte lange genug mit Bands zu tun gehabt, um zu wissen, was die Männer dachten. Ein Groupie, aber im Moment hatten die Musiker weder Zeit noch Lust darauf. Aber Rhys als Band-Roadie? So einen Roadie hatte sie noch nie gesehen.

Überrascht sah sie ihm nach, wie er hinter die Bar ging und durch eine Tür verschwand, um das fehlende Equipment zu holen.

„Komm, setz dich ruhig nach vorn, wenn du eine Weile zuhören willst“, lud der Sänger sie ein.

Irgendwie gelang es ihr, ein Lächeln zustande zu bringen. Von dem Tisch, den sie wählte, hatte sie einen guten Blick auf die Band und konnte gleichzeitig die ganze Bar überblicken. Sie setzte sich, streckte die Beine aus und ließ sich vom Durchzug abkühlen. Es tat gut, aus der heißen Sonne heraus zu sein. Außerdem konnte sie ihre unruhige Seele hier vom Rhythmus des Schlagzeugs besänftigen lassen.

Zwei Minuten später kam Rhys zurück, einen großen schwarzen Kasten in der Hand. Er schob sich an ihrem Tisch vorbei, hievte den Verstärker auf die Bühne, tippte sich mit einem spöttischen Gruß an die Stirn und verschwand wieder hinter der Bar. Sienna verfolgte jede seiner Bewegungen.

So viel also zum Thema Abkühlen.

Er stand auf gleicher Höhe mit ihrem Tisch, allerdings auf der anderen Seite des Raums. Sienna versuchte, sich auf die Musiker zu konzentrieren. Doch ständig schweifte ihr Blick zu Mr. Umwerfend, sie konnte nichts dagegen tun. Vor allem, weil er sich nicht einmal bemühte zu verbergen, dass er sie anstarrte. Er stand mit dem Rücken an die Theke gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt, und sah kühl zu, wie sie der Band zuschaute.

Eine Weile gelang es ihr, sich tatsächlich auf die Musik zu konzentrieren. Ihre Gedanken schweiften allerdings immer wieder ab, vor allem, wenn sie eine Bewegung in den Augenwinkeln wahrnahm. Wie jetzt, zum Beispiel. Er streckte den Arm und griff unter die Bar. Und Sienna vergaß die Musik. Denn bei der Bewegung rutschte sein T-Shirt hoch und gab einen flachen muskulösen Bauch frei. Wie jeder andere Mensch wusste auch Sienna Schönheit zu schätzen, wenn sie sie sah. Und was sie sah, war atemberaubend!

Nun richtete er sich wieder auf, eine Flasche Wasser in der Hand. Wieder sah er zu Sienna. Mit der Andeutung eines Lächelns prostete er ihr zu, setzte die Flasche an die Lippen und nahm einen kräftigen Schluck.

Sie ertappte sich dabei, dass sie die Schluckbewegungen nachahmte, allerdings war ihr Mund staubtrocken. Nicht unbedingt, weil sie Durst hatte. Oder zumindest dürstete es sie nach etwas anderem. Wie mochte es wohl sein, die Tropfen von seinen Lippen zu lecken? Wenn er sie an sich zog und küsste?

Sie riss sich zusammen. Dieses kleine Lächeln in seinen Mundwinkeln machte sie argwöhnisch. Seine Augen funkelten wissend. Offenbar konnte er ihre Gedanken lesen. Und seiner Miene nach zu schließen, fand er sie gar nicht so unangenehm.

Sienna drehte sich zur Band um und...



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