Anderson | Glück ist, wenn du bei mir bist | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1638, 160 Seiten

Reihe: Bianca

Anderson Glück ist, wenn du bei mir bist


1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-874-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1638, 160 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-86349-874-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die erste Liebe ist unvergesslich: Emilys Herz schlägt viel zu schnell, als Harry Kavenagh eines Tages überraschend vor ihrer Tür steht - mit einem entzückenden Baby auf dem Arm. Eigentlich sollte Emily ihn schleunigst wegschicken. Wenn er nur mit der Fürsorge für die winzige Kizzy nicht so sichtlich überfordert wäre! Emily nimmt sich der beiden an, und ein Sommer voller Zärtlichkeit beginnt. Aber die Tage ihres unverhofften Glücks sind gezählt: Der nächste gefährliche Auslandseinsatz wartet schon auf Harry. Und wenn er geht, wird er Emilys Herz zum zweiten Mal brechen ...



Caroline Anderson ist eine bekannte britische Autorin, die über 80 Romane bei Mills & Boon veröffentlicht hat. Ihre Vorliebe dabei sind Arztromane. Ihr Geburtsdatum ist unbekannt und sie lebte die meiste Zeit ihres Lebens in Suffolk, England.

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1. KAPITEL

Nebenan zog offenbar jemand ein.

Die letzten Mieter waren schon seit Wochen fort, aber jetzt stand ein Wagen in der Einfahrt, und im Haus brannte Licht.

Emily reckte den Hals und versuchte, einen Blick auf die Leute zu erhaschen, aber die Bäume nahmen ihr die Sicht. Jedes Mal, wenn sie etwas sah, schwankten die Zweige in der leichten Brise.

Du meine Güte! Sie konnte neugierige Nachbarn nicht ausstehen, und jetzt benahm sie sich selbst so!

Entschlossen kehrte sie dem Fenster den Rücken, deckte Freddie zu und lächelte. Süß. Er war einfach süß, und am liebsten hätte sie ihn auf die Arme genommen und an sich gedrückt.

Doch dann würde er aufwachen, und aus dem hinreißenden kleinen Engel würde schlagartig ein schlecht gelaunter, aus vollem Hals protestierender Tyrann werden. Das schreckliche zweite Lebensjahr hatte seinen schlechten Ruf zu Recht. Dabei war ihr Sohn noch gar nicht so alt, erst in fünf Monaten würde es so weit sein!

Mit einem duldsamen Lächeln schlich Emily auf Zehenspitzen aus dem Zimmer und ließ die Tür einen Spaltbreit auf, um nach Freddies großer Schwester zu schauen. Beth lag auf dem Rücken, ein Bein zur Seite gestreckt, und das zerzauste dunkle Haar fiel ihr ins Gesicht.

Emily schob ihr eine Strähne aus den Augen und hauchte ihr einen federleichten Kuss auf die Stirn. In ein paar Minuten gab es einen Film, den sie schon seit Langem sehen wollte. Wenn sie jetzt sofort den Geschirrspüler belud, könnte sie gerade noch rechtzeitig vor dem Fernseher sitzen.

Oder auch nicht.

Auf der untersten Treppenstufe sah sie, wie vor der Haustür ein Schatten auftauchte. Dann zeichnete sich auf der anderen Seite eine Hand ab, und sie hörte jemanden behutsam an die Glasscheibe klopfen.

Ihr neuer Nachbar?

Stumm seufzte sie und tastete nach dem Riegel. Sie würde höflich sein müssen. Was sie von Natur aus war, aber heute Abend hätte sie es sich am liebsten vor dem Fernseher bequem gemacht und sich nach Herzenslust verwöhnt. Im Kühlschrank lag belgisches Schokoladeneis …

„Em?“

„Harry?“

Sie schlug die Hand vor den Mund, unterdrückte einen verblüfften Aufschrei, riss sich von seinem Gesicht los und senkte den Blick, bis er auf ein …

Ein Baby?

Blinzelnd schaute sie genauer hin. Ja, kein Zweifel. Es war eindeutig ein Baby. Ein winziges Kind, kaum alt genug, um auf der Welt zu sein, aber sicher und geborgen an der breiten Brust, an die sie selbst vor so vielen Jahren oft den Kopf gelegt hatte.

„Oh, Harry!“ Sie öffnete die Tür weit, zog ihn herein und küsste ihn auf die Wange. Obwohl sie am liebsten laut aufgeheult hätte, denn wo ein Baby war, war auch eine Frau. Und wenn es eine andere Frau gab …

Rasch ließ sie ihn wieder los, bevor sie eine Dummheit begehen konnte. „Es ist lange her … Wie geht es dir?“, fragte sie und erkannte ihre Stimme kaum wieder, während sie den Anblick seines Gesichts in sich aufnahm.

„Na ja … du weißt schon.“

Nein, sie wusste nicht, obwohl er fast täglich in den Fernsehnachrichten zu sehen war. Im Gegenteil, sie hatte nicht die leiseste Ahnung. Er rang sich die Andeutung eines Lächelns ab und wirkte plötzlich äußerst erschöpft.

Trotzdem sah er großartig aus. Hochgewachsen, athletisch, gebräunt, mit Falten an den hellblauen Augen, bestimmt weil er sie so oft zusammenkneifen musste, in all den Krisengebieten, in denen er sein Leben verbrachte. Eine Rasur konnte ihm nicht schaden, und zu einem Friseurbesuch hätte sie ihm am liebsten auch geraten.

Es juckte ihr in den Fingern, sein dunkles, ein wenig wildes Haar zu berühren und festzustellen, ob es noch so weich war wie in ihrer Erinnerung. Doch das durfte sie nicht. Sie hatte kein Recht dazu. Offensichtlich gehörte er jetzt einer anderen Frau.

Harry drehte sich etwas zur Seite, bis sein Gesicht im Schatten lag und sie seine Augen nicht mehr sehen konnte. Also schaute sie nach unten, und ihr Herz machte einen Satz. Das winzige Baby schien zwischen den großen, kantigen Händen zu verschwinden. Der kleine Kopf mit dem unbändigen schwarzen Haar lugte unter einem Mützchen hervor und wurde sicher von den langen, kräftigen Fingern gehalten.

Was für ein eindrucksvolles Bild! Die Werbung hatte diese Wirkung schon vor Jahrzehnten erkannt. Aber hier, in ihrem Flur, war der Anblick noch wirksamer als in Werbespots und Zeitungsanzeigen, und Emily fühlte, dass ihre Knie weich wurden.

Und nicht nur die Knie, auch ihr Herz wurde weicher, als ihr lieb war.

„Du bist zurück“, sagte sie nach einer kleinen Ewigkeit, als ihr Verstand wieder zu funktionieren begann. „Ich habe das Licht gesehen, wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass du es bist.“ Nicht nach all diesen Jahren. Nicht nach der letzten Begegnung … „Bist du allein?“

„Ja. Nur das Baby und ich.“

Nur? Fast hätte sie laut gelacht. An einem Baby war nichts „nur“, erst recht nicht an einem so winzigen. Sie fragte sich, wann seine Frau nachkam und ihm die Bürde erleichterte. Später am Abend? Oder erst morgen? Sie hatte nicht gewusst, dass er verheiratet war. Wie auch? Er hatte den Kontakt zu ihr und ihrem Bruder Dan einschlafen lassen, und sie hatte nicht versucht, ihn aufrechtzuerhalten.

Lügnerin! Sie hatte jede Woche im Internet recherchiert, so gut wie keine Nachrichtensendung verpasst, an seinen Lippen gehangen, sobald eine seiner Reportagen gesendet wurde …

„Und wo ist die Mutter des Babys? Hat sie es dir anvertraut?“, fragte sie atemlos, denn sie ertrug die Spannung keine Sekunde länger.

Sein Lächeln misslang, und in seinen Augen blitzte so etwas wie Panik auf, doch sein Blick blieb ernst, und darin nahm sie etwas wahr, das sie nicht recht deuten konnte.

„Es gibt keine Mutter“, sagte er mit ausdrucksloser Stimme. „Es gibt nur uns beide, das Baby und mich.“

Hoffnung keimte in ihr auf, und sie unterdrückte sie gnadenlos. Hinter all dem hier steckte eine Geschichte, die er ihr nicht erzählte. Und abgesehen davon war eine Neuauflage ihrer Romanze mit Harry Kavenagh das Letzte, was sie sich zumuten wollte. Es gab keine Mutter? Das erklärte, warum er so überraschend zurückgekehrt war. Sicher, er tat ihr leid, aber mit der Situation musste er wohl allein fertig werden.

Emily wich zurück, sowohl räumlich als auch emotional. Sie ging auf Distanz, um nicht schwach zu werden. Aber dann begann das Baby zu zappeln, und dieses Mal war die Panik in Harrys Augen nicht zu übersehen. Trotzdem musste sie hart bleiben.

„Also, was kann ich für dich tun?“, fragte sie sachlich und versuchte, weder abweisend noch allzu ermutigend zu klingen.

Er wirkte etwas bestürzt – vielleicht hatte sie sich doch zu kühl angehört. Aber dann straffte er die Schultern und lächelte müde. „Nichts. Ich werde eine Weile bleiben. Deshalb wollte ich nachsehen, wer meine Nachbarn sind, und mich vorstellen … oder deine Eltern begrüßen, wenn sie noch hier gewesen wären. Ich wusste nicht …“

War das eine Frage? Sie war nicht sicher, beantwortete sie aber dennoch. Ich werde eine Weile bleiben, hatte er gesagt. „Sie sind in Portugal. Sie leben für einen Teil des Jahres dort. Mum hatte Heimweh, und meiner Großmutter geht es nicht sehr gut.“

„Also hütest du für sie das Haus?“

„Nein. Ich wohne hier“, erwiderte sie und wünschte, sie hätte nicht „ich“, sondern „wir“ gesagt, um sich nicht so allein und verfügbar zu fühlen. Denn auch wenn sie wieder Single war, stand sie Harry Kavenagh ganz bestimmt nicht zur Verfügung. Das würde sie nie wieder tun.

Das Baby wurde lauter, und er wiegte es vorsichtig. Doch seine Bewegungen waren linkisch, er wirkte angespannt, fast ein wenig ängstlich. Sie musste sich beherrschen, um ihm das Kind nicht einfach abzunehmen und tröstend an die Brust zu drücken. Das wäre lächerlich. Sie wollte ihn loswerden, bevor sie sich zu einem leichtsinnigen Fehler verleiten ließ.

Emily machte einen Schritt in Richtung Haustür. „Das klingt, als wäre das Baby hungrig. Vielleicht solltest du … sie füttern? Es ist doch ein Mädchen, oder?“

Harry nickte. „Ja.“

Ja, was? War es tatsächlich ein Mädchen? Oder würde er sie, ihn oder es füttern? Sie öffnete die Tür und lächelte, ohne ihm in die Augen zu schauen. „Ich hoffe, du gewöhnst dich schnell ein. Ruf mich an, falls du etwas brauchst.“

Er nickte wieder, und erneut huschte ein Lächeln über sein Gesicht, bevor er in die Dunkelheit hinausging. Leise schloss sie die Tür.

Verdammt. Ein schlechtes Gewissen war eine üble Sache.

Entschlossen ging Emily in die Küche, nahm das Eis aus dem Kühlschrank und überlegte, ob sie es in eine Schüssel füllen sollte. Dazu war keine Zeit mehr, also griff sie sich einen Löffel, eilte ins Wohnzimmer und setzte sich vor den Fernseher.

Natürlich hatte der Film schon begonnen, und sie fand nicht mehr in die Handlung hinein. Doch das machte nichts, denn in Gedanken war sie ohnehin bei Harry und der Winzigkeit in seinen großen Händen. Das Schuldgefühl quälte sie.

Das Schuldgefühl und eine Million Fragen.

Warum war er mit dem Baby allein? War es überhaupt von ihm? Oder handelte es sich um ein Waisenkind, das er aus den Trümmern eines ausgebombten Hauses gerettet hatte …

Zuzutrauen wäre es Harry. Aber nein, das konnte nicht sein. Das Baby war erst ein paar Tage alt, und so schnell schaffte es niemand, ein Kind zu adoptieren und mit ihm aus einem vom Krieg verwüsteten Land...



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