E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Anderson Hochzeitsglocken in Cornwall
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1804-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-1804-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Ich verlasse Penhally. Mich hält hier nichts mehr!' Kates Abschiedsbrief ist wie ein Schlag ins Gesicht für Dr. Nick Roberts. Die Frau, die er über alles liebt, lässt ihn einfach im Stich! Doch da gerät Kates Sohn in Gefahr, und nur Nick kann ihn retten ...
Caroline Anderson ist eine bekannte britische Autorin, die über 80 Romane bei Mills & Boon veröffentlicht hat. Ihre Vorliebe dabei sind Arztromane. Ihr Geburtsdatum ist unbekannt und sie lebte die meiste Zeit ihres Lebens in Suffolk, England.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
„Oh, Dr. Roberts, ich habe hier etwas für Sie. Von Kate.“
Nick blieb am Empfang stehen und nahm verblüfft den verschlossenen Briefumschlag, den Sue ihm reichte. Merkwürdig …
„Ist sie schon weg?“
„Nein, aber auf dem Sprung. Sie wollte Jem von der Freizeit abholen. Soll ich sie suchen?“
„Danke, nicht nötig.“ Er warf wieder einen Blick auf den Brief, nickte den Patienten im Wartebereich zu, als er an ihnen vorbei in sein Sprechzimmer ging, und schloss die Tür hinter sich. Während er sich in seinen Schreibtischsessel fallen ließ, schlitzte er mit dem Zeigefinger den Umschlag auf.
Er enthielt ein einziges Blatt Papier, beschrieben mit ihrer eleganten, energischen Handschrift. Nick entfaltete es und begann zu lesen.
Lieber Nick,
Chloe und allen anderen Kollegen und Freunden werde ich meine Entscheidung in den nächsten Tagen mitteilen, aber Du sollst als Erster erfahren, dass ich beschlossen habe, Penhally Bay zu verlassen. An den Primary Care Trust habe ich bereits geschrieben und gekündigt. Ich verkaufe mein Haus, und Jem und ich ziehen im Laufe des Sommers in die Nähe meiner Mutter in Bristol um, sodass er das neue Schuljahr direkt dort beginnen kann.
Ich werde die Praxis und alle, die hier arbeiten, sehr vermissen, aber für uns wird es Zeit, ein neues Leben anzufangen. Hier gibt es nichts mehr für uns.
Dir möchte ich für all die Unterstützung und Freundlichkeit danken, die Du mir im Laufe der Jahre geschenkt hast.
Leb wohl,
Deine Kate
Wie vor den Kopf geschlagen las er den Brief ein zweites Mal. Verdammt, sie kann nicht einfach gehen! Aufgebracht schob Nick seinen Sessel zurück, stand auf und marschierte zum Fenster. Er presste die Hand auf das kalte Glas. Ein stürmischer Wind war plötzlich aufgekommen, und mit ihm ging ein heftiger Aprilschauer nieder. Die Tropfen prasselten auf Autodächer, und überall rannten Leute, um vor dem Unwetter Schutz zu suchen.
Auch Kate. Sie riss die Wagentür auf, und als sie auf den Fahrersitz schlüpfte, hob sie den Kopf. Ihre Blicke trafen sich, hielten sich einen Moment fest, verschleiert vom Regen, dann schüttelte sie kaum merklich den Kopf und schlug die Tür zu. Gleich darauf flammten die Scheinwerfer auf, und Kate fuhr davon.
Nick merkte erst jetzt, dass er die Luft angehalten hatte, und atmete bebend aus. Abrupt wandte er sich vom Fenster ab, um nicht frustriert die Faust durch die Scheibe zu stoßen. Kates Brief lag auf dem Schreibtisch, schien ihn zu verspotten, und er griff danach, knüllte ihn zusammen und schleuderte ihn Richtung Papierkorb. Der Papierball fiel daneben, und Nick hob ihn leise fluchend auf. Warum will sie gehen? Ausgerechnet jetzt, wo ich dachte, eine Chance …
Es klopfte an der Tür, und Doris Trefussis steckte lächelnd den Kopf ins Zimmer.
„Tee für Sie, Dr. R.“, verkündete sie munter und stellte ein Tablett auf den Tisch. „Und ein paar von Hazels Ingwerkeksen.“
„Danke, Doris“, sagte er knapp und hielt den Atem an, bis sie wieder verschwunden war. Er würde dran ersticken, wenn er jetzt etwas essen müsste! Nick ließ sich in seinen Sessel fallen und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. Dann strich er den zerknitterten Brief glatt und las ihn noch einmal.
Es ergab einfach keinen Sinn.
Vielleicht half der Tee, einen klaren Kopf zu bekommen.
Nick nahm den Becher, trank einen Schluck und sah aus dem Fenster. Es herrschte Stillwasser, der Zeitpunkt des Wechsels zwischen Flut und Ebbe, und von den Windböen getroffen schwangen die Boote im Hafen hin und her. Er kannte das Gefühl. Seit Annabels Tod vor fünf Jahren war er wie eins dieser Boote, verankert im Leben und doch hierhin und dorthin geschleudert … zutiefst unsicher, was seine Zukunft betraf.
Eine Zeit lang hatte er geglaubt, dass Kate heiraten würde, aber dann gab es Gerüchte, dass es zwischen ihr und Rob Werrick aus war. Nick sah seine Chance: Kate und er beide verwitwet, der Rivale aus dem Rennen, vielleicht könnten sie jetzt … Und nun das, aus heiterem Himmel. Er hätte nie gedacht, dass Kate Penhally Bay – und ihn – für immer verlassen würde.
Sie durfte nicht gehen. Ausgeschlossen. Sie war hier geboren, aufgewachsen, hatte ihr ganzes Leben hier verbracht. Nick kannte sie, seit sie zwölf war, und hatte sich drei Jahre später das erste Mal mit ihr verabredet. Da war er siebzehn gewesen. Mit achtzehn war er zum Studium fortgegangen, fest entschlossen, danach wieder zu ihr zurückzukommen. Aber dann war er Annabel begegnet, und alles hatte sich geändert.
Bis auf Kate. Sie war dieselbe geblieben, herzlich, humorvoll und freundlich. Nur in ihren sanften braunen Augen meinte er manchmal einen vorwurfsvollen Ausdruck und leise Enttäuschung zu lesen. Vielleicht bildete er es sich aber auch nur ein, denn jedes Mal, wenn sie ihn ansah, empfand er Schuldgefühle.
Nick schloss die Augen. Ja, in den vergangenen mehr als dreißig Jahren gab es weiß Gott genug, dessen er sich schuldig gemacht hatte.
Er faltete den Brief zusammen und steckte ihn in die Tasche. Vielleicht sollte er heute Abend zu ihr gehen und versuchen, ihr das Ganze auszureden. Nein, wozu, dachte er grimmig. Kate hatte sich entschieden, und wahrscheinlich war es für alle das Beste.
Aber ich werde sie vermissen. Freundliche, kluge Kate, die immer für ihn da gewesen war. Kate, die zuverlässig und kompetent jahrelang seine Praxis gemanagt hatte, bevor sie in ihren Beruf als Hebamme zurückging, geschätzt und geliebt von den werdenden Müttern, die sie betreute.
Kate, in die er sich vor so vielen Jahren verliebt hatte.
Er hatte sie geliebt und wieder verloren. Aus eigener Dummheit. Nur bei dem Gedanken daran fühlte sich seine Brust an wie in einen Schraubstock gezwängt. Nick versuchte, sich vorzustellen, wie es ohne sie wäre … in der Praxis, in seinem Leben. Es gelang ihm nicht. Nein, sie durfte nicht gehen. Das konnte er nicht zulassen.
Hier gibt es nichts mehr für uns.
Nur einen emotional gestörten alten Esel wie mich, dachte er. Ihm blieb nichts anderes übrig, als sie gehen zu lassen, mehr stand nicht in seiner Macht. Die Sache mit Würde und Anstand über die Bühne zu bringen, das war das Einzige, was er tun konnte.
Nick stellte den Becher ab, marschierte zur Tür und riss sie auf. „Mr. Pengelly, bitte!“
Er versuchte sich zu konzentrieren, als der Patient ihm seine Beschwerden beschrieb, aber der Brief schien ein Loch in seine Tasche zu brennen und ging ihm nicht aus dem Sinn.
„Da ist aber was los.“ Mr. Pengelly deutete mit seinem feisten Doppelkinn zum Fenster.
„Hmm?“ Nick tauchte aus seinen Gedanken auf, und da hörte er es auch, das Heulen der Sirenen, das den rauschenden Regen übertönte, Oliver Fawkners schnelle Schritte, als er zu seinem Wagen direkt vor Nicks Fenster rannte, einstieg und vom Parkplatz raste. Oliver hatte heute Notdienst und war wohl von der Rettungsleitstelle verständigt worden, dass dringend ein Arzt gebraucht wurde.
„Die Sirenen“, antwortete Mr. Pengelly überflüssigerweise.
„Ja“, sagte Nick und blendete das Geschehen draußen aus, während er seinen Patienten untersuchte. Er maß den Blutdruck, horchte ihm die Brust ab und bat ihn, sich auf die Waage zu stellen. Mr. Pengelly war der perfekte Kandidat für einen Herzinfarkt. Leider hatten sämtliche Ratschläge, die Nick ihm in den vergangenen Jahren gegeben hatte, nichts gefruchtet.
Das Sirenengeheul hielt an. Muss ein schwerer Unfall sein, dachte er flüchtig und sah seinen Patienten eindringlich an. „Mr. Pengelly, ich denke, wir sollten uns noch einmal über Ihre Lebensweise unterhalten. Sie sind stark übergewichtig, treiben keinen Sport, nehmen Ihre Medikamente nicht regelmäßig, und dann kommen Sie zu mir und klagen über Schmerzen in der Brust. Wenn Sie selbst nichts unternehmen, ist ein Herzinfarkt vorprogrammiert. Wir müssen Ihren Cholesterinwert noch einmal überprüfen. Er war schon beim letzten Mal zu hoch, und Sie rauchen immer noch, oder?“
„Aber weniger, Doc.“
„Wie viele am Tag?“
Er zögerte. „Nur noch zwanzig.“
Nur? „Das sind zwanzig zu viel, Mr. Pengelly. Lassen Sie sich vorn einen Termin geben für morgens, nüchtern zum Cholesterintest, und zwar so bald wie möglich. Das Ergebnis besprechen wir dann. Bis dahin sollten Sie für mehr Bewegung sorgen und sich auf jeden Fall für einen Raucherentwöhnungskurs anmelden …“
„Da muss es ordentlich gekracht haben. Hören Sie den Rettungshubschrauber?“
Während Mr. Pengelly wieder zum Fenster zeigte, klingelte das Telefon, und Nick griff stirnrunzelnd nach dem Hörer, ungehalten darüber, dass der Patient ihm anscheinend nicht zuhörte.
„Entschuldigen Sie mich einen Moment … Roberts.“
„Hier ist Sue. Tut mir leid, dass ich störe, aber Oliver hat gerade angerufen. Kate hatte einen Unfall, und Jem wird gerade per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Oliver meinte, Sie sollten lieber hinfahren.“
Nick hatte das Gefühl, dass der Boden unter ihm wegsackte. „Was ist passiert? Wie schlimm …?“
„Kopf- und Beckenverletzungen, hat Oliver gesagt. Ihm war ziemlich wichtig, dass Sie ins St. Piran fahren, Nick. Kate braucht Sie. Ach ja, und Sie möchten ihr ausrichten, dass er sich um den Hund kümmert. Sie soll sich keine Sorgen machen.“
Nick murmelte ein Danke und...




