Andrew | Die Lady aus meinen Träumen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Historical

Andrew Die Lady aus meinen Träumen


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86494-574-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-86494-574-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vorsichtig betritt Caroline das Schlafzimmer von Colonel John Ancroft, Marquess of Coverdale: Ein schwerer Albtraum scheint ihn zu plagen. Welche düsteren Erinnerungen mögen diesen mutigen Mann heimsuchen, der sich galant angeboten hat, sie auf ihrer gefahrvollen Reise nach Yorkshire zu begleiten? Doch bevor sie sich wieder unbemerkt zurückziehen kann, wacht John auf. Mit leuchtenden Augen blickt er sie an, murmelt 'Gabriella' und zieht die überraschte Caroline zärtlich in seine starken Arme ...



Sylvia Andrew wollte eigentlich nie ein Buch verlegen lassen, bis sie Mills & Boon ihren ersten historischen Roman zukommen ließ. Als dieser sofort angenommen wurde, war sie überrascht, aber glücklich. "Perdita" erschien 1991, und sieben weitere Bücher folgten. Auch Sylvias eigene Liebesgeschichte ist sehr romantisch. Vereinfacht gesagt hat sie den Jungen aus dem Nachbarhaus geheiratet, weil seine Mutter es so wollte. Aber es ist etwas komplizierter: Ihre zukünftigen Schwiegereltern waren ihre Nachbarn und stellten den Kontakt zu ihrem Sohn her, als Sylvia einen Job in Cambridge annahm. Simon war dort Lektor. Er kümmerte sich ein wenig um sie, zeigte ihr die Stadt, und daraus wurde schließlich mehr ... Heute - 40 Jahre später - leben sie mit Hund und Katze in Somerset. Ihre Tochter Catherine ist in London verheiratet. Simon ist im Stadtrat von Crewkerne aktiv und in der Gegend sehr bekannt, Sylvia dagegen ist gerne mal allein, weshalb sie ihr Mann mit dem Spitznamen "verkappte Einsiedlerin" aufzieht! Die beiden haben eben ihre Eigenheiten: Simon ist Rekordhalter, wenn es darum geht, möglichst schnell Unordnung zu schaffen, Sylvia wiederum kann keinem Schnäppchen widerstehen, ob nützlich oder nicht. Die beiden besitzen auch ein kleines Haus in der Normandie, wo sie so viel Zeit wie möglich verbringen. Sie erinnern sich gerne an Sylvias spitzen Schrei, als sie hier in einem Supermarkt das erste Mal eines ihrer Bücher entdeckte!

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1. KAPITEL

London, Mai 1818

Aus dem Bibliotheksfenster seines Hauses in der Mount Street beobachtete John Ancroft zwei Straßenhändler, die in einen Streit geraten waren und ganz den Eindruck machten, als ob sie sich bald prügeln würden, sich dann jedoch offenbar gütlich einigten und schließlich trennten. Leise seufzend wandte der Colonel sich ab und ging unruhig im Zimmer hin und her. Schließlich blieb er vor seinem Schreibtisch stehen und starrte das Möbelstück eine Weile gedankenvoll an. Dann nahm er Platz, rückte sich Tintenfass und Federkiel zurecht und nahm Papier aus der obersten Schublade. Schon im Begriff, den ersten der für ihn eingegangenen Briefe zu beantworten, hörte er jemanden an die Tür klopfen, und auf sein Geheiß betrat der Butler den Raum.

„Mr. Fennybright wünscht Sie zu sprechen, Colonel“, verkündete der Bedienstete und verbeugte sich.

„Bitten Sie ihn herein, Betts“, sagte John und stand auf, um den Besucher zu empfangen.

„Sehr wohl, Sir.“ Der Butler tat einen Schritt zur Seite, um den Anwalt vorbeigehen zu lassen. Dann schloss er die Tür. „Guten Tag, Graham“, begrüßte John den Freund herzlich. „Was verschafft mir die unerwartete Ehre deines Besuchs?“

„Guten Tag, John“, sagte Graham ernst. „Ich habe eine wichtige Neuigkeit für dich.“

„Bitte, nimm Platz“, forderte John ihn auf und wartete, bis der Advokat sich in einem Sessel niedergelassen hatte. Dann setzte er sich ebenfalls und sah den Freund gespannt an.

„Vor drei Tagen ist dein Onkel verstorben“, eröffnete ihm Graham übergangslos. „Ich bin erst heute Morgen in der Stadt eingetroffen und habe dich unverzüglich aufgesucht.“

John brauchte einen Moment, um die Tragweite der Mitteilung zu erfassen. „Warst du bei Onkel Douglas, als er verschied?“, erkundigte er sich bedächtig.

„Ja.“

„Hat er dir irgendetwas für mich aufgetragen?“

„Nein“, antwortete Graham und schüttelte den Kopf.

„Aber er hat mich erwähnt?“

Graham schien unschlüssig, was er äußern sollte.

„Du kannst mir getrost die Wahrheit erzählen“, fuhr John ruhig fort. „Ich kann mir ohnehin denken, was er über mich gesagt hat. Ganz abgesehen davon würde ich es früher oder später sowieso erfahren. Also nimm kein Blatt vor den Mund. Mein Onkel hat mir nicht verziehen, nicht wahr?“

„Er war alt und sehr krank, John“, antwortete Graham ausweichend. „Manchmal war er … hm … nicht mehr ganz bei sich.“

„Komm zur Sache, Graham!“, bat John ihn ungeduldig.

„Nun, er hat sich bis zu seinem letzten Seufzer nicht mit dem Tod deines Vetters abgefunden.“

„Wie lauteten seine Worte?“, wollte John wissen.

„Willst du das wirklich hören?“, fragte Graham stirnrunzelnd. „Ich befürchte, es wird dir nicht gefallen, was ich dir mitzuteilen habe.“

„Nun rede endlich!“

„Wie du willst. Dein Onkel ließ sich nicht eines Besseren belehren, ganz gleich, was ihm vorgehalten wurde. Er verfluchte den Umstand, dass der Schuft, der seinen Sohn umbrachte, um in den Genuss des Titels zu kommen, nicht im Krieg gefallen ist – dass also du, den er als Philips Mörder betrachtete, ihn beerben würdest. Glaub mir, alle Anwesenden waren sehr betreten, da natürlich keiner von uns ihm zustimmte. In ganz Yorkshire gibt es niemanden, der davon ausginge, dass dein Cousin nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen ist. Aber dein Onkel wollte sich nicht überzeugen lassen, nicht einmal von seinem Beichtvater. Es tut mir leid, John.“

„Du musst mich nicht bedauern, Graham“, entgegnete John gefasst. „Onkel Douglas hat sich in einem Punkt sehr geirrt! Ich habe es nie darauf angelegt, der vierte Marquess of Coverdale zu werden. Allerdings gebe ich mir die Schuld an Philips, Gabriellas und Roses Tod.“

„So etwas darfst du nicht denken!“, wandte Graham beschwörend ein. „Deine Gattin war jahrelang krank, ehe sie starb, und ich entsinne mich sehr gut, wie aufmerksam und fürsorglich du gewesen bist. Obwohl …“

„Sie mich hasste?“, warf John ein. „Nein, das trifft nicht zu. Sie hat mich nur gemieden, soweit das möglich war. Oft war ich nicht daheim, aber wenn ich bei ihr weilte, konnte sie nie verhehlen, dass sie sich in meiner Gegenwart unbehaglich fühlte. Und kurz vor ihrem Ende verfiel sie in Zustände extremer Gemütserregung, wenn sie mich nur sah. Ihr Abscheu hat sich auf Harriet übertragen, sodass es kein Wunder ist, dass meine Stieftochter mir mit großer Aversion begegnet. Rose und Onkel Douglas haben es fertiggebracht, dass das Mädchen mich für einen Verbrecher hält.“

„Das war infam von ihnen“, meinte Graham betroffen. „Ich weiß, dass du Philip nie etwas Böses gewünscht hast. Im Übrigen warst du nicht dabei, als er mit seiner Karriole den Unfall hatte, bei dem auch deine Verlobte tödlich verunglückt ist.“

„Ich habe ihn dazu getrieben. Nein, widersprich mir nicht. Die Wahrheit ist, dass wir beide einen Streit hatten, bevor er in die Kutsche stieg. Statt ihn von der Fahrt abzuhalten, habe ich ihn nur noch mehr gereizt. Ich war älter als er und hätte mich beherrschen müssen. Für mein Verhalten gibt es keine Entschuldigung.“

„Du gehst zu hart mit dir ins Gericht, John. Niemand, nicht einmal dein Onkel, hätte deinen Vetter zur Raison bringen können, wenn er außer sich war. Und was Miss Ainderby betrifft, so war sie eine hübsche junge Frau, aber …“

„Nein! Rede nicht weiter, Graham!“, fiel John ihm scharf ins Wort. „Du warst mir immer ein guter Freund und hast stets auf meiner Seite gestanden. Ich habe jedoch stets Verständnis für Onkel Douglas’ Einstellung aufgebracht. Er hatte Anlass, mich zu verabscheuen. Der Hass auf mich und der Wunsch, mich vor ihm sterben zu sehen, waren alles, was ihm geblieben ist und ihn am Leben gehalten hat.“

„Das mag sein“,räumte Graham zögernd ein. „Der Tod seines einzigen Sohnes hat ihn bösartig werden lassen. Möge seine Seele in Frieden ruhen.“

„Amen“, äußerte John düster. „Herein!“, rief er dann, weil erneut jemand an die Tür geklopft hatte.

Betts öffnete, schob den Servierwagen in den Raum und schenkte den Herren Wein ein. Dann verbeugte er sich und zog sich diskret zurück.

„Früher gab es eine Zeit, da fand ich mich so widerwärtig, wie mein Onkel das getan hat“, gestand John bedächtig. „Damals wäre es mir sehr recht gewesen, wenn seine mich betreffenden Hoffnungen sich erfüllt hätten.“

„Was soll das heißen?“, warf Graham befremdet ein.

„Du weißt genau, was ich damit sagen will“, antwortete John ernst, „denn schließlich kennst du mich nach all den Jahren unserer Freundschaft sehr gut. Ich wollte den Titel nicht erben und habe im Krieg Augenblicke durchgemacht, in denen ich mich danach sehnte, im Kampf zu fallen. Ich war ein Draufgänger und bin für meinen Wagemut sogar noch ausgezeichnet worden. Bestimmt war Onkel Douglas bitter enttäuscht, dass ich nicht getötet wurde.“

„Jetzt begreife ich, warum du nach deiner schweren Verwundung noch bei der Armee geblieben bist“, murmelte Graham.

„Nein, du irrst dich“, widersprach John. „Damals habe ich den Lebenswillen zurückgewonnen und den Militärdienst nicht quittiert, weil ich überzeugt war, ich müsse meinen Teil dazu beitragen, dass unsere Truppen Napoleon besiegen. Zum Glück haben wir das erreicht.“

„Leidest du noch unter Folgen deiner Verletzungen?“, erkundigte sich Graham besorgt.

„Manchmal habe ich leichte Fieberanfälle“, gab John zu, „aber ansonsten fühle ich mich in Ordnung. Im vergangenen Jahr wähnte ich, keine militärische Karriere machen zu können, doch mittlerweile bereue ich, nicht mehr bei der Armee zu sein. Deswegen bin ich ganz froh, wenn ich hin und wieder, sobald Wellington in London ist, von ihm als Adjutant hinzugezogen werde.“

„Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein“, wandte Graham ein. „Jetzt lastet auf dir eine Verantwortung ganz anderer Art. Je eher du sie übernimmst, desto besser.“

„Vielleicht möchte ich mir diese Pflichten nicht aufladen.“

Einen Moment lang verschlug es Graham die Sprache. Dann äußerte er vorwurfsvoll: „Du musst deinen Platz als der neue Marquess einnehmen, John!“

„Von müssen kann nicht die Rede sein“, entgegnete John kühl.

Graham atmete tief durch und erwiderte: „Doch, du musst, John! Ich habe mich mein ganzes Berufsleben hindurch um die Belange der Ancrofts gekümmert, so wie meine Vorväter vor mir. Ich will dich nicht vor den Kopf stoßen, aber ich hätte das Gefühl zu versagen, würde ich dich nicht ermahnen, deine Aufgaben als Großgrundbesitzer wahrzunehmen. Du bist ein Mann von Ehre, und ich weiß, dass du dich ihnen stellen wirst.“

„Großgrundbesitzer?“,wiederholte John erstaunt. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass Onkel Douglas mir viel hinterlässt.“

„Er konnte dich nicht enterben, da es sich zum größten Teil um festvererbliche Liegenschaften handelt“, erklärte Graham. „Du bist jetzt Eigentümer ausgedehnter Ländereien in Yorkshire, und außerdem gehören dir verschiedene Residenzen, darunter das Stadthaus deines Onkels. Von dir sind zahllose Menschen abhängig. Und denk an deine Stieftochter! Ich bin sicher, du willst ihr eine glänzende Zukunft verschaffen.“

„Onkel Douglas’ Weigerung, mich noch einmal zu empfangen, der Gefühlsausbruch meiner Gattin, als ich darauf bestand, sie aufzusuchen, sowie Harriets...



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