Andrews | Denn das Herz kennt die Wahrheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: CORA Verlag

Andrews Denn das Herz kennt die Wahrheit


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1957-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: CORA Verlag

ISBN: 978-3-7337-1957-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses Herzklopfen, dieses Kribbeln im Bauch! Vergeblich versucht Olivia, professionelle Distanz gegenüber Ethan Hunter zu wahren. Doch obwohl der attraktive Schönheitschirurg schon einmal ihre Liebe verriet, schmilzt sie unter seinem verlangenden Blick erneut dahin ...



Amy war ein Kind, das immer eine Geschichte im Kopf hat. Ihr Lieblingsfach war English und sie liebte es Geschichten zu schreiben. Sollte sie einen Aufsatz mit nur 100 Worten schreiben - schrieb Amy 1.000 Worte. Anstatt nur eine Seite bei dem Thema ' Beschreibt auf einer Seite eure Sommerferien' abzugeben - schrieb Amy zehn Seiten. In ihrer Kindheit beobachtete Amy ihre Mutter immer beim Schreibmaschineschrieben - ihre Mutter, eine Autorin verfasste Liebesromane. Im Alter von 11 Jahren las Amy heimlich die Liebesromane ihrer Mutter und entdeckte dadurch, was sie eines Tages werden wollte - Autorin. Ihren ersten Liebesroman schrieb sie in 10 Tagen - ein Kapitel an einem Tag. Unnötig zu sagen, dass sie den Roman bereits im Kopf hatte, sie schrieb einfach ihre vorhandenen Gedanken auf und schaffte so ihr ungeheures Schreibpensum. Als Amy wieder nach Australien - ihrem Heimatland - zurück kehrte, entdeckte sie die Welt der Arztromane. Sie selbst als gelernte Krankenschwester war immer dann von einem Roman fasziniert, wenn er die Welt der Medizin möglichst realistisch wiedergegeben hat. Da dieser Wunsch nicht immer erfüllt wurde, beschloss sie, sich selbst dem Schreiben von Arzt-Liebesromanen zu widmen. Heute ist Amy zweifache Mutter und arbeitet teilzeit als Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation im Krankenhaus. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bis zu ihrem 40 Lebensjahr 20 Liebesromane zu schreiben. Mehr kann man über Amy Andrews unter www.amyandrews.com.au erfahren ...

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. KAPITEL

Ethan Hunter brauchte einen Drink.

Und zwar dringend.

Nach fünf Stunden hoch konzentrierter Arbeit am OP-Tisch taten ihm höllisch die Beine weh, und Schmerzmittel kamen für ihn nicht infrage.

„Wir gehen ins Drake’s, Ethan“, sagte jemand mit unverkennbar schottischem Akzent hinter ihm. „Willst du mit?“

Im Umkleideraum herrschte plötzlich Stille, als Ethan sich zu dem Anästhesisten Jock umdrehte. Die anderen vier Männer, die sich bis eben entspannt unterhalten hatten, waren verstummt. Anscheinend war keiner von ihnen besonders scharf darauf, dass er mitkam.

Auch Jock wirkte nicht begeistert.

Ethan konnte es ihnen nicht verdenken. Je länger die Operation gedauert hatte, umso mehr hatten ihn seine Beine gequält. Seine Laune war entsprechend. Als er versehentlich ein Instrument fallen ließ, verlor er die Beherrschung. Wütend trat er gegen die Klemme, sodass sie über den Boden schlitterte und geräuschvoll gegen die metallene Stoßleiste an der gegenüberliegenden Wand prallte. Nicht gerade ein rühmlicher Moment seines Chirurgenalltags.

Er verabscheute Kollegen, die sich wie Primadonnen aufführten, und er konnte sich denken, welchen Eindruck er beim Team hinterlassen hatte. Ein Grund mehr, die pflichtschuldige Einladung abzulehnen.

Außerdem trank er lieber allein.

„Nein danke, Jock, ich muss zurück in die Klinik.“

Was auch stimmte. Auf Leos Schreibtisch lag eine Akte zu einem wichtigen Fall, in den Ethan sich einarbeiten musste. Und in der schweren Kristallkaraffe auf dem Walnussholztischchen wartete ein vorzüglicher alter Whisky auf ihn.

Er blickte in die Runde. „Danke an alle, das war gute Arbeit.“

Allgemeines Gemurmel, man wünschte ihm Gute Nacht, und dann war Ethan allein. Erleichtert sank er auf die Bank, streckte die Beine aus, versuchte, die verkrampften Muskeln zu lockern. Er schloss die Augen und saß einfach nur da.

Aber er konnte hier nicht ewig bleiben. Die Arbeit rief. Widerstrebend öffnete er die Augen und griff nach seiner Kleidung.

Das schwarze Taxi hielt vor dem beeindruckenden Gebäude aus viktorianischer Zeit. Wie so viele andere Privatkliniken und Arztpraxen in der berühmten Harley Street wirkte die Hunter Clinic so exklusiv und elegant, wie man es bei dieser Adresse erwartete.

Ethans Vater, der bekannte plastische Chirurg James Hunter, hatte sie vor über drei Jahrzehnten gegründet. Heute war sie in der ganzen Welt nicht nur für ihre karitative Arbeit an zivilen und militärischen Opfern aus Krisengebieten bekannt, sondern auch für ihre schillernden prominenten Klienten.

Was sie im Wesentlichen Ethans Bruder Leo verdankte.

Vor allem nach dem Skandal, den ihr Vater vor zehn Jahren losgetreten hatte. Als der dann plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben war, hatte Leo die Hunter Clinic vor dem Ruin gerettet.

Ethan verdrängte die Gedanken. Er konnte kaum noch aufrecht stehen, da waren die Erinnerungen an seinen Vater und an die schwierige Beziehung zu seinem Bruder unwillkommen wie nur etwas.

Er bezahlte den Taxifahrer, stieg aus, was ihm nur mit äußerster Willenskraft gelang, und humpelte in die Klinik. Mit schmerzverzerrter Miene suchte er Halt an den Handläufen aus poliertem Edelholz, die an den Wänden der Flure montiert waren. Seine lädierten Oberschenkel schienen ihm jeden Moment den Dienst zu versagen. Seine Muskeln waren gefordert, und unter der Anstrengung brach ihm der Schweiß aus.

Jetzt bereute Ethan, dass er seine Krankengymnastik vernachlässigt und nicht auf Lizzie gehört hatte. Lizzie, die Frau seines Bruders, war früher seine Krankenschwester gewesen. Wie oft hatte sie ihn aufgefordert, eine Gehstütze zu benutzen. Aber er hasste den verdammten Stock und die unvermeidlichen Fragen, die jeder mitfühlend ihm glaubte stellen zu müssen. Außerdem fand er keine Zeit für Physiotherapie. Sein Terminplan war auch so schon voll genug.

Reue half ihm jedoch nicht weiter. Das Einzige, was ihm Linderung verschaffen konnte, wartete hinter Leos Tür. Ethan war noch nie so froh gewesen, das Büro seines Bruders zu betreten. Früher gehörte es seinem Vater. Wie oft hatte der ihn dorthin zitiert, schäumend vor Wut wegen nichtiger Anlässe. Auch das ein Ausdruck der alkoholbedingten Depression, in die James Hunter immer mehr verfallen war.

Zum Glück waren diese Zeiten längst vorbei, aber die Karaffe mit dem teuren schottischen Malt stand dort noch heute – auch wenn sie selten angerührt wurde.

Die letzten zehn Schritte waren eine Tortur, die er nur ertrug, weil die Belohnung nahe war. Ethan goss zwei Finger breit Whisky ins Glas und stürzte ihn in einem Zug hinunter. Rauchig und samtweich wärmte er ihm die Kehle. Gleich ein zweites Glas hinterher, und die Schmerzen ließen ein bisschen nach.

Ethan schenkte sich einen dritten Drink ein, schnappte sich die Karaffe und ließ sich in den bequemen Ledersessel hinter Leos Schreibtisch sinken. Aufstöhnend schloss er die Augen und legte den Kopf zurück, die Flasche und das Glas gegen seine Brust gepresst. Sanft wippte er mit dem Sessel vor und zurück und genoss das wohltuende Brennen, das sich langsam in ihm ausbreitete, zusammen mit der Erleichterung, endlich seine Beine entlasten zu können.

Er war nicht sicher, wie lange er dort so saß, mit Muskeln, die sich wie Pudding anfühlten, jetzt, da sie völlig entspannt waren.

Paradiesisch!

Aber er war nicht nur wegen des Whiskys hier. Ethan gab sich mental einen Ruck. Er konnte es nicht länger vor sich herschieben.

Auf Leos Schreibtisch lag die Patientenakte eines Mädchens, das Ethans Hilfe brauchte.

Der Fall war kompliziert, in mehr als einer Hinsicht. Amas Zustand verlangte mehrere Eingriffe, jeder einzelne schwierig. Was nicht das Problem war. Ethan liebte Herausforderungen.

Wären da nicht gewisse Begleitumstände gewesen. Seine Vergangenheit drohte ihn einzuholen und damit die Erinnerung an Taten, auf die er nicht gerade stolz war. Daran, was er in einem Anfall jugendlicher Selbstsucht getan hatte, nur um seinen Bruder zu treffen.

Olivia Fairchild.

Ihre Hilfsorganisation Fair Go hatte Ama an die Hunter Clinic vermittelt und die Reise des Mädchens samt Mutter und Dolmetscherin von Afrika nach London organisiert.

Olivia würde auch hier sein. Schon morgen.

Olivia, die ihn geliebt hatte. Die er zutiefst verletzte, als er sie dazu benutzte, Leo zu zeigen, dass er sie nicht haben konnte.

Der Ausdruck in ihren Augen ging ihm bis heute nicht aus dem Sinn. Ethan schauderte es, wenn er nur daran dachte – an den fürchterlichen Streit zwischen Leo und ihm und daran, dass Olivia unfreiwillig jedes einzelne hässliche Wort mit angehört hatte. Wie er Leo an den Kopf warf, dass er nur an der sexy Ärztin interessiert war, weil Leo sie wollte.

Es war noch nicht einmal die Wahrheit gewesen. Anfangs vielleicht, doch nicht zu dem Zeitpunkt. Ethan genoss ihre Nähe, zumal er in ihren Armen vieles vergessen konnte: die düsteren Schatten seiner Teenagerjahre, den Kummer nach dem frühen Tod seiner Mutter, das schwer belastete Verhältnis zu seinem Vater. All das verlor an Gewicht, wenn er bei Olivia war.

Trotzdem hatte er sie verraten, sein Verhalten war unverzeihlich. Gestört, ja, so hatte sie die Beziehung zu seinem Bruder beschrieben, bevor Olivia abgereist war, zurück nach Australien. Sie hatte recht gehabt, und die größte Schuld daran trug er.

Damals war er unbeschreiblich wütend gewesen. Auf seine Mutter, die den Skandal mit ihren amourösen Abenteuern ins Rollen gebracht und sich davongemacht hatte. Auf seinen schwachen Vater, der nach ihrem Tod sein Heil im Alkohol suchte, und auf seinen Bruder Leo, der den Beschützer spielte.

Leo schützte James vor sich selbst, statt ihm deutlich vor Augen zu führen, was für ein erbärmlicher Trinker er geworden war. Er schützte Ethan vor den wechselnden Gemütszuständen des Vaters, die von tiefer Depression bis hin zu manischer Wut reichten. Ethan hätte lieber die Konfrontation gesucht und seinem Ärger und seiner Frustration freien Lauf gelassen.

Er wand sich innerlich bei dem Gedanken an jene Zeit. Was für ein Mistkerl war er doch gewesen! Hatte sich genommen, was er wollte, ohne auf Olivias Gefühle Rücksicht zu nehmen. Liebe? Da konnte er nur lachen. Er genoss nur die Genugtuung, die Frau zu haben, die sein Bruder wollte.

Viel später, in einem von Krieg zerrissenen Land, erfuhr er, was Liebe wirklich bedeutete und wie grausam es war, wenn sie einem genommen wurde. Oft genug hatte er sich gefragt, ob das seine Strafe dafür war, wie er Olivia behandelt hatte.

Ethan trank einen großen Schluck, während er die Erinnerungen an Aaliyah zurückdrängte. Diese Schuldgefühle hätte er heute Abend nicht auch noch ertragen.

Es sei denn, er wollte die Whiskykaraffe bis auf den Grund leeren.

Olivia … Ob sie ihm verziehen hatte? Hatte er das überhaupt verdient?

Er hoffte es sehr.

Vielleicht konnten sie wenigstens die Vergangenheit hinter sich lassen. Es wäre wichtig, nicht nur, weil er sie morgen wiedersah, sondern weil sie zusammenarbeiten würden. Olivia hatte sich auf pädiatrische plastische Chirurgie spezialisiert und von Leo das Okay erhalten, nicht nur bei Amas Operationen zu assistieren, sondern auch bei anderen Fällen in der Hunter Clinic.

Die humanitäre Arbeit der Klinik war Ethans Baby, und er arbeitete mit Hilfsorganisationen aus aller Welt zusammen. Seine OP-Listen waren lang, viele Patienten...



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