E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Andrews Der Schwur des Barbaren
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-96089-681-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 2
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-96089-681-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Er beanspruchte einen unschuldigen Prinzen - und übergab ihm sein Herz. Cador hatte den verwöhnten Prinzen aus einem weit entfernten Königreich nur geheiratet, um sein eigenes Volk zu retten. Er hätte nie gedacht, dass er einen solchen Respekt für Jem entwickeln würde. Er hätte nie gedacht, sich mit ihm so wohlzufühlen. Er hätte nie gedacht, ihn mit brennender Leidenschaft sein Eigen nennen zu wollen. Er hätte nie gedacht, sich in ihn zu verlieben. Nun muss Cador die Zukunft seines Volkes retten und Jems Herz erobern. Denn ohne seine Liebe hat Cador selbst keine Zukunft mehr. Der Schwur des Barbaren ist ein schwuler Romance Roman, bei dem euch enemies-to-lovers, Altersunterschiede, erzwungene Nähe, erste Male und natürlich ein Happy End erwartet. Es ist der zweite und letzte Teil der Barbaren Dilogie. 'Vermählt mit dem Barbaren' ist Band 1.
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Kapitel 2
All die Male, als Jem an das Festland und sein Zuhause gedacht hatte, all die Momente, in denen er sich danach verzehrt hatte, zurückzukehren, hatte er nie daran gedacht, seine Heimat verändert vorzufinden.
Er hatte unzählige Male von Neuvella und seiner Familie geträumt. Von ihrem wunderschönen Schloss umgeben von prächtigen Wäldern. Genauso, wie er sich früher in seine Vogelvoliere neben dem klaren blauen See gerettet hatte, so war er jetzt gedanklich in seine Heimat geflüchtet. Das Einzige, was ihm unbekannt war, war der Kerker unter dem Schloss.
Er war nie in das Gefängnis, das sich in dem Felsen befand, auf dem das Schloss erbaut worden war, hinuntergegangen. Wieso sollte er auch? Allerdings hatte er während ihrer Reise Stunden damit verbracht, sich diesen düsteren, verhängnisvollen Ort vorzustellen. Nicht Stunden, sogar Tage.
Immerhin würden Cador und seine Familie dort eingesperrt werden, sobald Jem seiner Mutter von dem Vorhaben, ihn zu entführen, erzählen würde. Und sie hätten es verdient. Jem würde sich endlich sicher fühlen.
Es musste geschehen, er musste stark sein.
Abgesehen von dem Kerker, den er sich nur ungefähr vorstellen konnte, hatte Jem sich mit friedvollen Erinnerungen getröstet. In den Monaten, die er so weit weg auf Ergh verbracht hatte, hatte er sich nur darum gesorgt, nie zurückzukehren. Niemals hätte er sich vorstellen können, dass in Onan in seiner Abwesenheit etwas geschah. Immerhin war das Festland sein Leben lang zuverlässig gleich geblieben. Er verspottete seinen eigenen Gedanken. Zwanzig Jahre? Das war gar nichts.
Nie hätte er sich Feuer vorstellen können.
Es war Feuer, das den Rauch erzeugte, der die fernen Sterne bedeckte und ihm in den Augen brannte. Am Rande des westlichen Horizonts glühte jetzt ein furchterregender orangefarbener Schein, obwohl Jem geschworen hätte, dass es dort gerade eben noch pechschwarz gewesen war. Er war sich nicht sicher, was schlimmer war, die unheilvolle Dunkelheit des aufsteigenden Rauchs, der die Sterne versteckte, oder dieses ferne Leuchten.
Als sie nahe des nördlichen Strandes ankerten, war die Nacht immer noch zu dunkel, um irgendetwas vom Festland zu sehen. Nur das abwesende Sternenlicht fiel auf.
Der Mond verblich langsam am Horizont und fing an über dem Askorn Meer zu verschwinden.
Sie zündeten die Kerzen in den Laternen an, die sich der schaukelnden Bewegung des Schiffes anpassten und mit den sanften Wellen auf und ab wippten. Lusow schnaubte und wieherte aus seinem Stall heraus und scharrte mit den Hufen auf dem Boden. In der angespannten Stille sahen sie alle Jory dabei zu, wie er Lusow das Ledergeschirr anlegte und ihn dafür vorbereitete, vom Schiff in ein kleines Boot gehoben zu werden.
Jem blinzelte in Richtung Strand, konnte aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Doch war es zu still und regungslos? Sicherlich nicht. Immerhin hatten sie kein Empfangskomitee erwartet. Niemand wusste, dass sie kamen. Sie hatten auch keine Handelsschiffe auf ihrem Weg gesehen, was an sich nicht sonderlich besorgniserregend war. Schließlich war der Handel zwischen dem Festland und Ergh unregelmäßig und wurde erst in den letzten beiden Jahren etabliert.
Hier, am höchsten Punkt Onans, nördlich des Heiligen Platzes, war die Küste leer. Das war zu erwarten.
In einem Flüsterton fragte Delen: »Und du bist dir sicher, dass es in der Vergangenheit keine Waldbrände gegeben hat?«
»Er hat schon Nein gesagt«, schnappte Cador.
Jem funkelte ihn wütend an. »Ich kann selbst sprechen.« Er klang grob und kindisch, was ihn selbst zusammenzucken ließ. Er räusperte sich. »Nein, wie schon gesagt, ich kann mich nicht daran erinnern, jemals von einem Waldbrand in diesem Teil Onans gehört zu haben. Ab und zu kommt es im Sommer zu Bränden, doch das passiert normalerweise in Gwels im Osten und nicht ansatzweise hier.« Er blickte nach Westen.
»Vor langer Zeit gab es mal ein großes Feuer nahe Ebrenn.«
»Tan zeigt ihren Unmut.«
Gleichzeitig drehten sie sich alle zu Creeda um, die neben Hedroks Pritsche am Ende des Mastes kniete.
Sie hatten den armen Jungen näher in die Mitte getragen, um ihn auf das Verlassen des Schiffes vorzubereiten. Nachdem er Ewigkeiten geweint hatte, was in der Realität vermutlich nur ein paar Minuten gewesen waren, war er endlich wieder eingeschlafen. Wenn auch unruhig.
Mit geschlossenen Augen hielt Creeda ihr Bündel Sevelzweige fest. Ihre ruhige Stimme erschien rau. »Tan bestraft das Festland für seine Gier. Die Kleriker haben davor gewarnt.«
Die Kleriker warnten stets vor zahlreichen Katastrophen, und das schon, seit Jem denken konnte. Nervös wippte er auf seinen nackten Füßen vor und zurück. Das Deck war immer noch warm und die Luft heiß, auch in tiefster Nacht.
Die Rauchschwaden schienen den Wind aufzuheizen. Er fragte sich, wie weit das Feuer von ihnen weg war. Sie befanden sich ein paar Tage von Neuvella entfernt. Bestimmt war seine Heimat in Sicherheit. Dennoch breitete sich ein Grauen in ihm aus und seine Brust schien sich zu verengen.
Niemand antwortete Creeda, was konnten sie schon sagen? Sie verstummte und ihre Lippen bewegten sich nur noch in einem stillen Gebet, als sie in einem bestimmten Rhythmus über die Zweige strich. Der Anblick machte Jem nervös und er wollte ihr das Gestrüpp aus den Händen reißen, um es dann in das Meer zu werfen.
Auf den Klippen von Glaw hatten Creeda und ihre Mittäter einen Kreis aus den vertrockneten Sevelzweigen gebildet. Es sollte ein Altar für die Opfergabe an die Götter sein. Jem fasste sich an die Gurgel und erinnerte sich an den Plan ihres Ehemannes, ihn zu opfern, indem man ihm den Kopf abtrennte. Er hoffte inständig, dass Creedas Götter nun etwas weniger Blutrünstiges forderten.
Er verlagerte sein Gewicht auf ein und dann aufs andere Bein und kratzte mit seinen Fingernägeln über seine Kopfhaut. Kurz zuckte er zusammen, als sich Schorf löste. Diesen nervösen Tick hatte er über die wochenlange Reise entwickelt. Am Anfang hatte er nur an seinen Kopf gefasst, wenn er Schwierigkeiten hatte einzuschlafen, was jede Nacht der Fall war. Er fuhr sich mit den Fingern durch die Haare und lachte sich selbst aus.
Ja, dein Kopf ist immer noch dran.
Am Anfang hatte es beruhigend auf ihn gewirkt und ließ ihn an Kindertage am See mit seinem geliebten Geschwister Santo zurückdenken. Xier gab immer nach und spielte mit seinem Haar. Eines Morgens war er jedoch mit verkrustetem Blut unter den Fingernägeln aufgewacht und hatte da erst gemerkt, dass er zu fest gekratzt hatte.
Sein Haar war so dicht, dass niemand sehen konnte, was er getan hatte. Außerdem hatte er geschworen, damit aufzuhören. Doch diese neue Angewohnheit war schwieriger wieder loszuwerden als gedacht.
In seinen Albträumen stellte er sich vor, wie grausame Hände nach ihm griffen und er in der Dunkelheit erstickte. Ein rauer Sack über seinem Kopf, während er versuchte, sich zu befreien. Oft wachte er auf und stellte fest, dass er in der Luft um sich trat. Er war erleichtert, dass er immerhin im Schlaf nicht laut aufschrie. Er konnte den Erghianern gegenüber niemals wieder Schwäche zeigen.
Die einzige Möglichkeit sich je wieder sicher zu fühlen, war, wenn die Verschwörer eingesperrt wurden. Er konnte der Versuchung, Cador zu verzeihen nicht nachgeben. Er würde nicht nachgeben. Sie hielten ihn für sanft und verhätschelt und wertlos. Da lagen sie falsch.
Er sah sich auf dem Deck um. Delen hatte ihm versichert, dass keiner der Menschen, die sie auf dieser Reise zurück aufs Festland begleiteten, an der Verschwörung beteiligt gewesen war. Abgesehen von Creeda natürlich. Aber vielleicht sollte er sie alle einsperren lassen. Wie konnte er je wieder einem Wort vertrauen, das aus Delens oder Cadors Mund kam?
Er würde die Entscheidung seiner Mutter überlassen. Der Gedanke war zweifellos beruhigend. Wenn er nach Hause zurückkehrte, würde seine Mutter sich um alles kümmern. Er würde sich um nichts sorgen müssen. Er musste keine Angst haben.
Nachdem er sich dabei ertappt hatte, an seinem Kopf zu kratzen, schob Jem die Hände in seine Hosentaschen. Er breitete seine Zehen aus und spürte den Sand der südlichen Strände seiner Heimat. Er würde stark bleiben.
Lusow wieherte und trat auf der Stelle, während Jory ihm sanftmütig zumurmelte und ihn streichelte. Jem beneidete ihn nicht um seine Aufgabe. Um ehrlich zu sein, beneidete er auch Cador und die anderen Jäger nicht darum, das Pferd vom Schiff in das Boot hieven zu müssen. Eine davon, Kensa, hatte manchmal mit ihm Würfel gespielt.
Er wusste, dass sie und Cador in der Vergangenheit miteinander geschlafen hatten. Nicht, dass das jetzt von Belang war. Cador konnte es Tag und Nacht mit ihr treiben, das interessierte Jem nicht. Ihr dunkles Haar war kurzgeschoren, so wie das für die Jäger üblich war, und die Muskeln in ihrem Nacken traten hervor, als sie mit den anderen an den Seilen zog. Ihre braune Haut glitzerte vor Schweiß. Neben dem Rauch waren nun auch Spuren von Asche in der Luft zu erkennen, die sich auf Kensas Weste sammelten.
Als Lusow einmal in der Luft schwebte, trat er verzweifelt um sich und Jory hörte nicht auf, ihm gut zuzusprechen. Allerdings musste er die beruhigenden Worte mittlerweile fast schreien. In seinen Lederhosen und der Weste sahen Cadors Muskeln noch kräftiger aus als gewöhnlich. Sie bewegten sich unter seiner Haut, als er an den Seilen zog.
Heilige Götter, er war immer noch der schönste Mann, den Jem je gesehen hatte.
Er hasste ihn.
Cador hatte ihn geheiratet mit dem...




