E-Book, Deutsch, 122 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Andrews Holst du mir die Sterne vom Himmel?
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5375-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 122 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-7457-5375-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Heiraten? Nichts für Cassie! Sie hat sich ganz ihrer Karriere als Astronomin verschrieben und ist für keinerlei romantische Träumereien zu haben. Doch dann wird sie auf einer Party von Samuel Tucker zum Tanz aufgefordert - und ihr Leben steht Kopf! Eigentlich ist ein sexy Footballer wie er ja gar nicht ihr Typ! Aber als sie eng an seinen muskulösen Körper geschmiegt übers Parkett gleitet, den Kopf an seine breite Schulter gelehnt, fühlt sie sich plötzlich wie berauscht. Und zum allerersten Mal im Leben verzehrt sie sich danach, dass ein Mann ihr die Sterne vom Himmel holt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Eine Dekade später …
Cassiopeia beobachtete Tuck … wie auch immer er mit Nachnamen hieß, wie er mit der Lässigkeit eines vom Erfolg verwöhnten Quarterbacks auf ihren Tisch zuschlenderte. Irgendwie schien der blonde Hüne mit seiner Präsenz das ganze Festzelt zu beherrschen, von dessen Decke zahllose Volants in einem wunderschönen Blau hingen. Allerdings würde er vermutlich jeden Raum mit seiner Präsenz füllen.
Er kam nur langsam voran. Männer hielten ihn an, um ihm die Hand zu schütteln und auf die Schulter zu klopfen, Frauen stellten sich in seinen Weg, um ihm die Hand auf die Brust zu legen und mit den Wimpern zu klimpern. Er ließ die allgemeine Bewunderung mit einem „Hey, ich bin nichts Besonderes“-Grinsen freundlich über sich ergehen. Der Mann war so locker, dass Cassie sich wunderte, warum er überhaupt noch gerade stehen konnte.
So ganz anders als der Mann, den sie gestern mit Reeses Exmann Mason eine sehr aggressive und überaus körperbetonte Runde Basketball hatte spielen sehen.
Reese hatte die Party, die ursprünglich als Hochzeitsempfang für ihre Trauung mit Dylan geplant gewesen war, verlassen und war Mason nachgefahren. Ihre Anweisung an den Rest des Kleeblatts war eindeutig gewesen: Kümmert euch darum, dass es zu keiner Schlägerei kommt.
Darum hatte sie Cassie auch als Tischpartnerin neben Tuck, den besten Freund des desertierten Bräutigams, gesetzt – weit weg von Gina. Das sollte die Gefahr eines Streits von vornherein eindämmen.
Mit Tuck als treuem Anhänger des Teams Dylan und Gina, die es liebte zu provozieren und natürlich zum Team Reese gehörte, ahnte Cassie schon jetzt, dass ihr ein langer Abend bevorstand.
„Der Junge sieht aber auch wirklich gut aus“, murmelte Gina vor sich hin.
Ein sehr langer Abend.
Cassie verstand die Faszination an der ganzen Sache einfach nicht. Sie war noch nie so programmiert gewesen. Sicher, Tuck Wie-auch-immer konnte all die Faktoren vorweisen, auf die die weibliche Spezies beim anderen Geschlecht achtete – groß, breite Schultern, schmale Hüften. Die ausgebildeten Muskeln waren heute Abend nicht zu sehen, auch wenn sie wusste, dass sie unter dem anthrazitfarbenen Anzug lagen. Davon hatte sie sich gestern überzeugen können, als er mit nacktem Oberkörper Basketball gespielt hatte.
In der Tierwelt bedeuteten ausgebildete Muskeln Stärke, und sicher waren sie auch in der Menschenwelt von Vorteil.
Mit der Symmetrie seines Gesichts konnte er ebenfalls punkten. Markante Züge, betonte Wangenknochen, Kinn und Stirn proportional, Lippen und Nase passend zum Gesamteindruck. Ein symmetrisches Gesicht war einer der Hauptmarker für körperliche Anziehungskraft, und davon hatte Tuck eindeutig genug.
Trotzdem verstand Cassie es nicht.
„Ich muss einmal kurz verschwinden.“ Sie drehte sich zu Gina. „Leg dich nicht mit ihm an, solange ich weg bin. Denk daran, Reese zählt auf uns.“
„Ich werde mein bestes Benehmen an den Tag legen“, versicherte Gina.
Hätte Cassie ein besseres Gespür für Nuancen gehabt, wäre sie ganz bestimmt nicht so beruhigt aufgestanden.
„Hier, zieh nach.“ Gina kramte den Lippenstift aus ihrer Handtasche und hielt ihn Cassie hin.
„Warum?“
„Darum.“ Seufzend wedelte Gina mit dem Lippenstift vor Cassies Gesicht, die das kleine Teil anstarrte, als wäre es ihr unheimlich. „Du weißt doch … wer schön sein will, muss leiden.“
Cassie lächelte. Wie gut sie sich an den alten Spruch erinnerte. Unter Ginas Ägide hatte sie viel über Frauen gelernt, auch wenn ihr in der letzten Dekade sicherlich einiges wieder entfallen war. Aber sie würde nie vergessen, dass Gina die ganze Nacht in Stilettos durchtanzen konnte, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, und sie würde auch nie vergessen, wie Gina sie unter ihre Fittiche genommen hatte – als wäre sie eine Art Eliza Doolittle.
Auch wenn Cassie im Grundkurs „Weiblichkeit“ mit Pauken und Trompeten durchgerasselt war … Gina war immer geduldig und nett geblieben. Etwas an ihrem spritzigen Wesen zog die Leute in den Bann. Cassie und Gina hatten Kontakt gehalten, trotz der Kluft, die sich zwischen den Fantastischen Vier aufgetan hatte, als Gina an jenem fatalen letzten Abend vor zehn Jahren Marnie ihren One-Night-Stand mit Carter gestanden hatte.
Und jetzt, zehn Jahre später, sorgte Gina im Modedepartment noch immer für Cassie. Ein Blick auf Cassies formloses Maxikleid, und Gina hatte es sofort als „unnatürliche Katastrophe“ bezeichnet. Bevor Cassie noch irgendetwas hatte sagen können, war sie bereits in ein ärmelloses Kleid mit weitem runden Kragen aus fließendem Stoff gehüllt gewesen, dessen Saum sich auf Kniehöhe um die Beine schmiegte. Passende hohe Riemchensandaletten waren wie von Zauberhand erschienen, das glatte braune Haar leicht aufgedreht und Lidschatten, Mascara und Lippenstift aufgetragen worden.
„Zieh einfach nach“, wiederholte Gina ihre Anordnung.
Und Cassie beugte sich der Expertenmeinung, nahm den Lippenstift und ging zum Waschraum.
Eine Minute später setzte Tuck sich an den Tisch, der ihm zugewiesen worden war. Sein Knie schmerzte höllisch, aber er ignorierte es und richtete seine Aufmerksamkeit allein auf die laszive Sexgöttin mit dem rabenschwarzen Haar. Sie trug etwas blutrotes, eng Anliegendes und lächelte ihn mit vollen Lippen an. Schon immer ein Freund der Frauen, gefiel ihm, was er sah.
Er lächelte sein Killerlächeln zurück. Er wusste, dass es ein Killerlächeln war, weil die Zeitungen noch immer darüber berichteten. „Na, das ist wohl meine Glücksnacht.“ Beim Reden zog er die Vokale absichtlich in die Länge und schoss eine volle Breitseite Südstaatencharme ab. Dabei hatte sein Akzent sich längst verwässert, er war viel gereist und lebte schon lange weit von seinen texanischen Wurzeln entfernt. Aber wenn es nötig war, konnte er noch immer mühelos darauf zurückgreifen.
Laut Zeitung konnten Frauen dem Charme von Südstaatenmännern nicht widerstehen.
Gina hob eine elegant gezupfte Augenbraue. „So, wirklich? Erklären Sie mir das.“
„Ah, Sie sind die Engländerin.“ Er grinste. „Gina, richtig?“
Sie nickte. „Und Sie müssen der Quarterback sein.“
Tuck besah sich die handgeschriebenen Platzkärtchen und stellte enttäuscht fest, dass er der sexy Engländerin gegenüber saß. Er hielt die Karte hoch. „Was meinen Sie? Sollen wir die nicht einfach gegen den Platz direkt neben Ihnen austauschen?“
„Hmm …“ Gina stützte das Kinn in die Hand. „Ich glaube, Reese wollte Sie und mich absichtlich getrennt halten.“
Er wirkte regelrecht geknickt. „Warum sollte sie so etwas tun?“
„Weil sie wohl befürchtet, dass wir uns in die Haare kriegen.“
Jetzt gab er sich gespielt entsetzt. „Weswegen denn?“
„Wegen der … nennen wir es Trennung aus Mangel an einem anderen Wort … von ihrem Bräutigam, der zufälligerweise Ihr bester Freund ist.“
„Ah. Wissen Sie, wenn Dylan es nicht so tragisch nimmt, dann hat es doch wenig Sinn für mich, Groll deshalb zu hegen, oder? Außerdem …“, Tuck setzte sich auf seinen Platz, sein Knie meldete sich protestierend, „… ich kann von dieser Seite genauso gut flirten.“
Gina lachte. Der blonde Hüne hatte ein Ego so groß wie ganz Nordamerika. „So gut sind Sie also?“
„Darlin’, ich bin der Beste.“
Gina sah Cassie zum Tisch zurückkommen und warf Tuck einen kurzen Blick zu. Es wäre bestimmt lustig, ihn von seinem hohen Ross herunterzuholen. „Gegen Ihren Charme ist also keine Frau immun?“
Er schüttelte den Kopf. „Die Frauen lieben mich.“ Er zuckte mit den Schultern und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. „Was soll ich sagen? Es ist eben eine Gabe.“
Ja, der Mann sah wirklich extrem gut aus, und sein Selbstbewusstsein verstärkte seine Ausstrahlung nur noch. Zu schade, dass sie momentan nicht in Stimmung war, um sich auf einen lockeren Flirt einzulassen. Denn eine Nacht mit Tuck wäre sicher ein wirksames Mittel, um zu vergessen, dass sie es vor Jahren so schlimm verbockt hatte.
In diesem Augenblick legte der DJ die erste Platte auf, und Tuck nutzte den Vorteil. „Sie spielen unser Lied“, behauptete er keck. „Kommen Sie, tanzen Sie mit mir, Gina.“
Sie musterte ihn. „Nein, mit mir zu tanzen, wäre viel zu leicht. Schließen wir eine kleine Wette ab?“
Tuck lächelte. Eine Frau, die wettete … Das wurde ja immer besser. „Ich bin ganz Ohr.“
„Ich wette, es gelingt Ihnen nicht, diese Frau dort …“, Gina nickte zu Cassie, „… zum Tanzen zu bekommen.“
Um zu sehen, wen Gina für ihn im Sinn hatte, drehte Tuck sich in seinem Stuhl um. Eine Frau im gleichen Alter wie Gina kam auf den Tisch zu. Langes dunkles Haar fiel ihr in weichen Wellen über bloße Schultern. Sie hatte eine süße Nase, hübsche Augen und einen interessanten Mund. Eine kleine Falte auf der Stirn verriet, dass sie ihre Umgebung gar nicht wahrzunehmen schien, sie wirkte, als wäre sie mit ihren Gedanken ganz woanders.
Auf jeden Fall war sie kein englisches Sexkätzchen. Wie ein Football-Groupie wirkte sie auch nicht, aber sie war eine Frau, und für eine Herausforderung...




