Andrews / Wilson | Spezialeinheit Tier One | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 528 Seiten

Andrews / Wilson Spezialeinheit Tier One

Thriller
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98676-061-8
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 528 Seiten

ISBN: 978-3-98676-061-8
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Auftakt der US-Bestseller-Serie mit John Dempsey. Nach einem Terroranschlag gerät das Leben von John Dempsey, Mitglied der Navy-SEAL-Eliteeinheit Tier One, völlig aus den Fugen. Aus der Welt strikter Hierarchien und klarer Anweisungen verschlägt es ihn in das dubiose Reich der Spionage und geheimen Einsätze. Seine Mission ist klar und simpel: Er soll die Verantwortlichen für die größte Tragödie in der Geschichte der U.S. Special Operation jagen und vor Gericht bringen. Und es ist egal, wo auf der Welt sie sich verkriechen. Eine Aufgabe, die ihn an seine Grenzen bringt. Denn bisher befolgte Dempsey Befehle blind. Doch jetzt muss er, auf sich allein gestellt, zum tödlichsten Spion der Welt werden ... Jon Land: »Wie die besten Titel von Flynn, Taylor und Thor ist Tier One ein unerbittlicher Ritt mit vielen mentalen und physischen Fallstricken. Der Auftakt zu einer neuen unvergesslichen Militärserie.« Don Bentley: »Dempsey trifft dich wie ein Vorschlaghammer!« Simon Gervais: »Die beste Militär-Thriller-Serie auf dem Markt.«

Brian Andrews & Jeffrey Wilson haben als Autorenduo bereits mehrere Action-Bestsellerserien verfasst: TIER ONE, SONS OF VALOR und THE SHEPHERDS. Brian Andrews ist Veteran der U.S. Navy und ehemaliger U-Boot-Offizier mit einem Abschluss in Psychologie und einem Master in Business.
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1

Arabisches Meer

13. März, 0030 Ortszeit

Jack Kemper strich mit der Fingerkuppe über die Stelle, an der der Dolch des Dschihadisten bis zum Knochen eingedrungen war. Die Narbe schlängelte sich wie eine Schlange um den Unterarm, aber sie hatte ihren Biss längst verloren. Es war eine alte Wunde, perlweiß und glatt, das ganze Rosa und die Zärtlichkeit vom Meer, der Sonne und der Zeit weggebleicht. Manchmal trug er sie schamlos zur Schau wie ein Ehrenabzeichen; manchmal krempelte er die Ärmel runter, um die Erinnerung an den Fehler zu verbergen, der ihn fast die Benutzung der linken Hand gekostet hätte. Aber jetzt, in der Dunkelheit der Nacht, zählten Stolz und Vorurteil nichts.

In der Dunkelheit konnte ein Mann seine Narben verbergen.

Er beobachtete das Wasser durch die offene Ladetür des modifizierten Black-Hawk-Hubschraubers. Unter ihm zogen grüne Walzen und weiße Schaumkronen mit 150 Meilen pro Stunde vorbei, von seiner Nachtsichtbrille in kontrastreichem Schwarz-Weiß dargestellt. Irgendwo dort unten lag die Darya-ye Noor; ein Frachtschiff, das von der iranischen Hafenstadt Bandar Abbas nach Aden im Jemen unterwegs war. Die Darya-ye Noor – Farsi für »Meer des Lichts« – war bei der Khazir Shipping Company registriert und wurde von ihr betrieben. Laut den Analysten fungierte Khazir als Strohfirma für die IRISL, die Islamic Republic of Iran Shipping Lines, und beförderte sowohl legale als auch illegale Fracht zwischen dem Iran und verschiedenen Häfen im Nahen Osten, Afrika und Asien. Nachrichtendienstliche Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die Darya-ye Noor einen Vorrat chemischer Waffen für eine lokale Al-Qaida-Gruppierung im Jemen transportierte. Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen passte nicht in die Strategie der USA zur Terrorismusbekämpfung, also taten die hohen Tiere das, was sie in so einer Situation immer taten: Sie beauftragten ein Team von Tier-One-Operatoren, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Obwohl er ein Händchen für das Einprägen unwichtiger Kleinigkeiten besaß, hielt Kemper sich nicht für ein typisches Mitglied der Einsatzkommandos. Es war ihm vollkommen egal, was das JSOC von ihm in die Luft gejagt, gesäubert oder außer Landes geschafft haben wollte. Ihm reichten Infos zum Wann und Wo, um den Job zu erledigen. In den letzten 20 Jahren hatte er als Teil des verdeckten Tier-One-SEAL-Teams des Joint Special Operations Command an so vielen Missionen teilgenommen, dass er längst den Überblick verloren hatte. An den menschlichen Tribut erinnerte er sich hingegen ganz genau – 28 amerikanische Opfer, 14 verwundete oder getötete Kameraden. Er hörte auf, die Narbe nachzuzeichnen, und lehnte den Kopf gegen die hintere Trennwand des Passagierbereichs. Er klappte das NVG von den Augen weg und ließ ihre Gesichter von der Dunkelheit vertreiben – jedes einzelne –, bis er an nichts Konkretes mehr dachte. Bereuen war für alte Männer reine Zeitverschwendung. Außerdem musste er noch etwas erledigen.

Und Schulden abzahlen.

Er starrte in die Nacht hinaus. Sie war so durchdringend, dass er sein Bein nicht erkennen konnte, das aus der offenen Luke des Hubschraubers baumelte. Der Wind peitschte gegen die Innenseite von Wade und Oberschenkel und ließ den Stoff der grauen Einsatzhose an der Haut zerren. Das Dröhnen der Rotoren und das rhythmische Vibrieren der Aufbauten des Black Hawk klangen wie ein vertrautes Schlaflied. Er gähnte, als er die Rope Gloves zum Abseilen aus der Tasche seiner Weste fischte.

Jemand tippte ihn an die Schulter.

Er zog das NVG in die Stirn und starrte in das grün-grau getarnte Gesicht, das ihn unter einer farblich abgestimmten Schutzbrille angrinste. Special Operations Chief Aaron Thiel hielt eine Hand hoch – eine, der die Hälfte des kleinen Fingers fehlte.

»Fünf Minuten«, rief Thiel über den strammen Luftzug hinweg.

Kemper beugte sich vor. »Du meinst wohl viereinhalb?« Er deutete auf Thiels Kriegsverletzung.

Thiels Grinsen wurde noch breiter. Er drehte die Handfläche nach oben und reckte einen einzelnen Finger in die Höhe. Den mittleren.

Kemper lachte und tat es ihm gleich. Zwei weitere SEALs drängten sich neben ihn und vervollständigten die vierköpfige Gruppe für den Absprung auf der Backbordseite.

Vier weitere SEALs sammelten sich an Steuerbord. Thiel hievte die schweren Säcke mit den Seilen zu den Luken auf beiden Seiten des Helis. Kemper ging derweil auf Position und dehnte die Wirbelsäule, um die aufgestaute Spannung abzubauen, die er während des ungemütlichen Flugs angesammelt hatte. Dann lockerte er Nackenwirbel und Handgelenke und ließ die Fingerknöchel knacken. Mit wachsendem Alter war er regelrecht süchtig nach diesem Knacken geworden. Er ahnte, dass es nicht gut für die Gelenke war, aber verdammt, es fühlte sich großartig an.

»Senior Chief«, meldete sich eine kaum hörbare Stimme über die Comm-Leitung.

Kemper fand den Lautstärkeregler am Funkgerät, das an der linken Schulter befestigt war, und drehte ihn hoch. Die Peltor-Ohrstöpsel dämpften die meisten Hintergrundgeräusche, aber nach 20 Jahren in diesen beschissenen Hubschraubern brauchte er es etwas lauter. Er drehte den Kopf, um nachzusehen, wer mit ihm sprach. Spaz hing ihm quasi direkt vor der Nase. »Was ist los, Spaz?«

»Du musst mir helfen, einen Streit zu schlichten.« Spaz’ Hände tanzten über den Körper und überprüften Ausrüstung und Waffen, während er redete. »Pablo meint, dass Spider-Man der beste Tier-One-Operator wäre. Ich habe ihm gesagt, dass nur Batman taff genug ist, um es in die Teams zu schaffen, geschweige denn in unsere Einheit.« Er vergewisserte sich, dass bei seinem M4-Karabiner eine Patrone vorgeladen war, und aktivierte das holografische Visier und den Infrarotlaser-Zielsucher. »Was meinst du, Senior Chief?«

Kemper rollte hinter dem Nachtsichtgerät mit den Augen. »Ich meine, dass ihr beide Idioten seid. Wir befinden uns im Kampfeinsatz, und ihr Arschlöcher streitet über Comicfiguren. Konzentriert euch, verdammt noch mal.« Er schielte an Spaz vorbei zu Thiel und gab ihm das Zwei-Finger-Signal, um anzuzeigen, dass ihnen noch zwei Minuten blieben.

Thiel nickte.

Kemper klappte Visier und Laserlicht am SOPMOD-M4A1-Sturmgewehr auf, fuhr mit den Fingern über die Munitionstaschen und zählte sie in Gedanken durch. Er spürte, wie sich die Nase des Black Hawk leicht hob, während er beim Anflug auf das Ziel an Geschwindigkeit verlor. Er stellte sich neben Thiel auf und zog die Riemen der Kletterhandschuhe fest.

Einen Moment später zog der Heli scharf nach oben und wechselte in einen statischen Schwebeflug. Kemper und Thiel traten den Seilsack zusammen, und er verschwand durch das Loch in der Schwärze unter ihnen. Kemper packte das Seil fester und klemmte es zwischen den Stiefeln ein. Dann sah er Spaz an und verkündete: »Jeder weiß, dass Spider-Man ein Weichei ist. Ohne hohe Gebäude für seinen Netzscheiß hat der Junge nichts drauf. Jeder SEAL, den ich kenne, könnte ihm in den Arsch treten … Jeder SEAL, außer vielleicht dir, College Boy.« Mit einem Grinsen glitt er aus der Kabine in die kalte schwarze Luft.

Kemper schlug hart auf dem Hecküberhang des Frachterdecks auf. Er orientierte sich nach links, wobei er den schweren Sack hinter sich herzog, um die Taue zu entwirren. Er arbeitete zügig und schaffte es, das hintere Ende des Seils zu erreichen, gerade als Spaz neben ihm landete. Spaz wich nach rechts aus, unmittelbar danach bekam Pablo Bodenkontakt, gefolgt von Thiel einen Sekundenbruchteil später. Sie bewegten sich weiter nach links, weg vom herabfallenden Seil, das auf das Deck unter dem sich entfernenden Hubschrauber knallte. Das Steuerbord-Team beendete den Absprung mit ähnlicher Perfektion. Alle acht SEALs waren nun an Bord und verteilten sich entlang des Schiffhecks.

Kemper glich die Aufbauten mit den Aufklärungsfotos ab, die er Stunden zuvor studiert hatte. Verglichen mit den üblichen Dimensionen von Containerschiffen war die Darya-ye Noor ein relativ überschaubares Exemplar. Mit einer Länge von 200 Metern und einer Ladekapazität von 2200 TEU bewegte sie sich deutlich unterhalb eines typischen Panamax-Frachters. Von seinem Aussichtspunkt aus, der ihn ein Frachtdeck von der Länge eines Fußballfeldes überblicken ließ, wirkte der Kahn trotzdem riesig. Das Paket befand sich irgendwo in der Mitte eines Labyrinths aus Metallboxen und mit Planen abgedeckten Transportkisten, eingezwängt zwischen dem hoch aufragenden Brückenturm am Bug und dem erhöhten Achterdeck, auf dem er stand.

Er gab sich keinen Illusionen hin, dass ihre Ankunft unbemerkt geblieben war. Trotz der flüsterleisen Tarnkappentechnik der Hubschrauber, die das 160th Special Operations Aviation Regiment der Army nutzte, hatte der iranische Captain der Darya-ye Noor zweifellos Ausgucke postiert. Eine Drop Time von fünf Sekunden mochte nach taktischen Maßstäben beeindruckend sein, aber für acht schwer bewaffnete Soldaten nicht kurz genug, um unbemerkt auf dem Deck eines fahrenden Schiffes zu landen. Jeden Moment rechnete er mit dem Aufflackern von Flutlicht und Schüssen.

Der Schlüssel zum Erfolg lautete, in Bewegung zu bleiben.

Die SEALs behielten die Ausrichtung ihrer Teams an Backbord und Steuerbord bei, während sie vorrückten – Kemper, Pablo, Spaz und Thiel arbeiteten sich in Fahrtrichtung gesehen auf der linken Seite vor, Rousch, Gabe, Helo und Gator auf der rechten. In rascher Folge stiegen sie eine kurze Treppe hinunter, die aufs Frachtdeck...



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