E-Book, Deutsch, 511 Seiten, Web PDF
Aner / Karl Handbuch Soziale Arbeit und Alter
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-531-92004-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 511 Seiten, Web PDF
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-92004-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Das Handbuch 'Soziale Arbeit und Alter' stellt den Bedarf, die Rahmenbedingungen, Institutionen, Paradigmen und Konzepte der Begleitung der vielgestaltigen Lebensphase Alter aus der Perspektive der Sozialen Arbeit dar. Die Beiträge behandeln sowohl die aktuelle Praxis sozialarbeiterisch-sozialpädagogischen Handelns als auch gegenwärtige Theoriediskussionen, historische Hintergründe Sozialer Altenarbeit, spezifische Themen des Alter(n)s, wichtige Entwicklungen in Sozialpolitik und Sozialrecht sowie Befunde der Altersforschung einschließlich der Diskurse verschiedener Disziplinen über das Alter als soziale Konstruktion. Auf diese Weise trägt das Handbuch der Tatsache Rechnung, dass sich die Soziale Arbeit weit über die Soziale Altenhilfe hinaus mit der demografischen Entwicklung, dem Strukturwandel des Alters und sozialpolitischen Veränderungen auseinander setzen muss, die sowohl ältere und alte Menschen als auch ihre Familien und außerfamilialen Netzwerke betreffen.
Zielgruppe
Upper undergraduate
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Einführung.- Einführung.- Soziale Arbeit mit älteren und alten Menschen.- Soziale Altenhilfe als Teil kommunaler Sozial(hilfe-)politik.- Soziale Altenhilfe als Aufgabe Sozialer Arbeit.- Kommunale Alten(hilfe-)planung – Rahmung und Standards.- Kommunale Alten(hilfe-)planung und SGB XI.- Ausbildung und Weiterbildung von Fachkräften Sozialer (Alten-)Arbeit.- Freizeitorientierte Soziale Arbeit mit älteren und alten Menschen.- Kulturelle Bildung und Kulturarbeit mit älteren und alten Menschen.- Bildungsarbeit mit älteren und alten Menschen.- Soziale (Alten-)Arbeit in Beratungsstellen.- Krankheitsprävention im Alter und die Soziale Gesundheitsarbeit.- Soziale (Alten-)Arbeit in der Rehabilitation.- Soziale (Alten-)Arbeit im Krankenhaus.- Soziale Arbeit in der Geriatrie.- Soziale (Alten-)Arbeit in der Gerontopsychiatrie.- Soziale Arbeit in der Palliativversorgung.- Soziale Arbeit in der pflegerischen Versorgung.- Alter, Altern und Soziale Arbeit – ein sozialisatorischer Bezugsrahmen.- Generationenbeziehungen in der Sozialen Beratung älterer Menschen.- Alter und Bildung aus bildungsphilosophischer Perspektive.- Care und Case Management.- Soziale Arbeit für ältere Menschen in Österreich.- Sozialrecht, Sozialpolitik und Lebenslagen im Alter.- Sozialrecht und Sozialpolitik für das Alter – Entwicklungen bis Anfang der 1960er Jahre.- Gesetzliche Rentenversicherung – Entwicklung und Stand rechtlicher Regelungen.- Sicherungsleistungen zum Lebensunterhalt außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung.- Kranken- und Pflegeversicherung.- Betreuung und Betreuungsrecht.- Einkommen und Vermögen.- Wohnen im Alter.- Soziale Netzwerke.- Gesundheit und Krankheit im Alter.- Bildung.- Delinquenz älterer Menschen: Deskriptive und normative Perspektiven.- Demenz – einsoziales und zivilgesellschaftliches Phänomen.- Entberuflichung des Alters.- Freizeit im Alter.- Gewalt gegen ältere Menschen.- Alte Menschen mit Migrationshintergrund.- Partnerschaft und Sexualität im Alter.- Sterben und Tod.- Soziale Konstruktionen des Alters.- „Alter“ als Soziale Konstruktion – eine soziologische Einführung.- Altersbilder in der Geschichte.- Aktuelle Altersbilder: „junge Alte“ und „alte Alte“.- Psychogerontologische Konzepte des „Alter(n)s“.- Kulturwissenschaftliche Alternsstudien.- Altersforschung.- Sozial- und verhaltenswissenschaftliche Gerontologie in Deutschland.- Die Altenberichte der Bundesregierung. Themen, Paradigmen, Wirkungen.- International vergleichende Alternsforschung: Bedingungen, Ergebnisse und Strategien.
Teil III Soziale Konstruktionen des Alters (S. 364-365)
„Alter“ als Soziale Konstruktion – eine soziologische Einführung
1. Einleitung
Das Alter ist in modernen Gesellschaften eine im Alltag allgegenwärtige Größe. Neben rechtlichen Regelungen – etwa zum Beginn der Schlup? icht, der Volljährigkeit, der Berechtigung zum Führen von Fahrzeugen oder dem Bezug von Altersrenten – existieren zahlreiche Normen und Regeln, wie man sich altersgemäß zu verhalten habe. Beispielsweise werden „Alterserwartungscodes“ formuliert, „in denen explizit oder beiläu? g Alter immer wieder konstruiert, Verp? ichtungen erinnert, Erwartungen modi? ziert, kontinuierlich Zeitdeutungen produziert werden“ (Göckenjan 2000: 25).
Zugleich werden regelmäßig individuelle Merkmale mit entsprechenden Durchschnittswerten anderer Personen ähnlichen Alters verglichen – z. B. schulische Leistungen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen – und Kollektive hinsichtlich ihres Durchschnittsalters bewertet – z. B. Fußballmannschaften, Beschäftigte in einem Unternehmen oder ganze Bevölkerungen. Schließlich werden jährlich wiederkehrende Ereignisse gefeiert, Geburts- oder Namenstage, und es lässt sich vermuten, dass viele Menschen die Jahre bis zur Volljährigkeit oder Rente in freudiger Erwartung zählen.
All diese Praktiken sorgen dafür, dass ein jeder ständig sein eigenes Alter kennt und dieses bei einer entsprechenden Frage ohne großes Nachdenken nennen kann (oder zumindest – falls dem einmal nicht so sein sollte – dieses leicht z. B. durch Subtraktion des Geburtsjahres vom aktuellen Jahr errechnen kann). Man kann also sagen, das Alter strukturiert unser tägliches Leben wie auch unsere biogra? schen Perspektiven – Bilanzierungen und Erwartungen –, eröffnet und begrenzt Handlungsspielräume und weist uns einen Platz in der Gesellschaft an. Das Alter scheint dabei eine ganz natürliche Gegebenheit zu sein, eine Naturtatsache sozusagen.
Dass dies nicht der Fall ist, sondern Alter vielmehr als eine soziale Konstruktion betrachtet werden muss, machen historische und interkulturelle Vergleiche schnell deutlich – zu anderen Zeitpunkten und in anderen Gesellschaften existieren mitunter gänzlich andere Altersnormen oder Altersgrenzen (vgl. Göckenjan i. d. B.). Selbst die Zeit, die Jahre, in denen das Alter in unserer Gesellschaft „gemessen“ wird, ist eine soziale Konstruktion. Und streng genommen sind Jahre – dem völlig selbstverständlichen Gebrauch im Alltag zum Trotz – eine weitgehend ungeeignete „Maßeinheit“ für das menschliche Alter.
Unser Beitrag zielt im Wesentlichen auf die soziale Konstruktion von Alterskategorien. Damit sind die sozialen Konstruktionen des Alters und des Alterns jedoch keineswegs erschöpft. Vielmehr gehen wir davon aus, dass Altern a) in einem umfassenden symbolischen Verweisungszusammenhang konstruiert wird, sich b) in der sozialen Organisation gesellschaftlichen Handelns als objektive Struktur realisiert, sich c) in der Somatisierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse materialisiert und d) zugleich in seiner sinnlich empfundenen Qualität konstitutiver Bestandteil subjektiver Identitäten ist. Entsprechend kann die soziale Konstruktion des Alterns mindestens auf vier Ebenen in den Blick genommen werden (symbolische Ebene:




