Anonymus | Drei Killer für ein Halleluja | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 445 Seiten

Reihe: Lübbe

Anonymus Drei Killer für ein Halleluja

Thriller
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-2273-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 445 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7325-2273-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Man nennt ihn den Roten Mohikaner. Wann immer er auftaucht, trägt er eine Maske mit einem roten Irokesenschnitt - und hinterlässt ein Blutbad. Rodeo Rex bekommt den Auftrag, den Mohikaner auszuschalten, denn der will als nächstes angeblich den Papst höchstpersönlich ermorden. Und es kommt noch besser: Rex soll nicht allein auf diese Jagd gehen. Zwei Auftragskiller, deren Ruf in puncto Wahnsinn dem Mohikaner in nichts nachsteht, sind mit von der Partie - der legendäre Elvis und der zu spontanen Gewaltexzessen neigende Bourbon Kid. Eine Höllentour im Namen des Heiligen Vaters beginnt ...



Niemand kennt den Autor. Aber angeblich ist er Brite, und Sie finden ihn auf Facebook unter "Bourbon Kid". Mit der Buch-ohne-Namen-Reihe feierte er seinen internationalen Durchbruch.
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PROLOG


Die Nachtfahrt

Zur Hölle mit diesem Regen!

Diane Crawford folgte der langen, kurvenreichen Landstraße jetzt schon seit über vierzig Meilen, ohne auf eine Spur von Zivilisation gestoßen zu sein. Und es regnete, wie sie es zu Hause nie erlebt hatte. Man könnte fast denken, es würde ein Unsichtbarer auf der Motorhaube ihres Autos stehen und fortlaufend Eimer voll Wasser auf der Windschutzscheibe ausschütten. Die Sicht war auf das absolute Minimum geschrumpft. Wenn sie auf dieser entsetzlichen Straße im Nirgendwo einen Unfall hatte und dabei starb, würde kein Mensch sie vor dem Morgen finden. Und es wäre ihre eigene beschissene Schuld. Nur eine Verrückte fuhr bei solchem Wetter. Oder jemand wie Diane, für die es noch furchterregender war, in einem abgelegenen Landstrich ohne jede Beleuchtung am Straßenrand zu halten. Was sie brauchte war ein Hotel oder eine Tankstelle; einfach einen Platz, um anzuhalten und über alles nachzudenken, während sich das Wetter beruhigte.

Es war zwei Uhr früh, als endlich eine alte Tankstelle vor ihr auftauchte. Ein leuchtend gelbes Schild prangte davor, das bei Tageslicht betrachtet vermutlich zu grell war, doch in der Nacht erwies es sich als Segen, etwas so Buntes am Straßenrand zu sehen. Die roten Buchstaben auf dem gelben Grund waren leicht zu lesen:

Barneys Tankstelle und Laden

Rund um die Uhr geöffnet

Diane lenkte ihren Audi A3 von der Straße und in den Außenbereich der Tankstelle. Obwohl das Schild behauptete, hier wäre rund um die Uhr geöffnet, sah es nicht danach aus. Kein Licht brannte im Geschäft, alles wirkte verlassen.

Sie hielt vor einer Zapfsäule und schaltete den Motor ab. Die Armaturenbeleuchtung erlosch, abgesehen von der Digitaluhr, die 02:02 Uhr anzeigte. Diane musste noch nicht unbedingt tanken, aber da sie sich danach sehnte anzuhalten, war sie willens, hier dreißig Dollar zu versenken. Außerdem befand sie sich in einer Gegend, die man nur als hinterste Provinz bezeichnen konnte. Es bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit die Chance, dass sie noch hundert weitere Meilen fahren musste, bis sie erneut auf eine Tankstelle stieß. Vermutlich war es also gar keine schlechte Idee nachzufüllen. In der letzten Stadt hatte ihr ein älterer Typ diese Abkürzung genannt, aber allmählich hegte sie den Verdacht, dass er sie auf einem Umweg zum Set einer Stephen-King-Verfilmung geschickt hatte. An diesem Ort war alles gruselig, schlecht beleuchtet und von hohen Bäumen und dichtem Gebüsch umstanden.

Sie nahm den Regenmantel vom Beifahrersitz und hatte damit zu kämpfen, sich das Ding anzuziehen. Der Mantel war ein zerknitterter, dünner gelber Plastikanorak, der nicht viel Wärme bot. Doch er hielt Feuchtigkeit ab und war sehr gut sichtbar. Diane zog die Kapuze über den Kopf und zupfte an den Schnüren, um sie zu schließen, damit ihr der Regen nicht in die Haare lief. Kurz bevor sie ausstieg, betrachtete sie sich im Rückspiegel. In dem gelben Anorak erweckte sie den Eindruck, als wollte sie gleich zusammen mit Walter White Crystal Meth kochen. Sie stieß die Wagentür auf und kämpfte beim Aussteigen gegen den Wind an. Eine kräftige Bö blies die Tür hinter ihr zu und ersparte ihr die Mühe sie zuzuschlagen.

Die Zapfsäule, neben der sie gehalten hatte, war abgeschaltet, also lief sie zum Geschäft, um einen Tankwart zu suchen. Am Fenster der Tür hing ein Schild:

Nach 10 Uhr abends die Klingel betätigen, wenn Sie Hilfe brauchen.

Diane suchte am Türrahmen und entdeckte eine graue Plastikklingel. Sie war alt und verstaubt und von einem Spinnennetz umgeben, das vom Regen glänzte. Sie drückte fest zu und hielt den Knopf gedrückt. Kein Klingelton war zu hören, doch sie spürte die Taste unter ihrem Finger leicht vibrieren. Nach etwa fünf Sekunden ließ Diane los, brachte das Gesicht näher ans Fenster und schirmte es seitlich mit den Händen ab, um einen besseren Blick ins Innere zu erhalten. Fast sofort flackerte Licht im Geschäft auf.

Sie wich ein Stück weit zurück und wartete, dass jemand kam. Im Inneren befand sich eine Theke, von der man den Außenbereich sehen konnte. Ein junger Mann tauchte dort hinter einem Streifenvorhang neben den Zigarettenregalen auf.

Er blickte forschend durchs Fenster, um nachzusehen, wer geklingelt hatte. Nach Dianes Schätzung konnte er kaum älter als sechzehn oder siebzehn sein. Er hatte zerzauste braune Haare. Diane ging der Gedanke durch den Kopf, dass sie ihn vielleicht geweckt hatte, aber andererseits war er ein Teenager, also war es durchaus möglich, dass die Frisur so aussehen sollte. Diane hatte selbst zwei Söhne im Teenageralter, und beide bestanden auf dubiose Vogelnestfrisuren, die sie – woran Diane keinerlei Zweifel hegte – in späteren Jahren bereuen würden. Dieser Junge hier sah genauso aus, nur ein bisschen schmuddeliger als Dianes Söhne, die für männliche Teenager recht reinlich waren.

Der Tankwart entdeckte sie und winkte ihr zu. Er kam hinter der Ladentheke zum Vorschein, ging zur Tür und entriegelte diese an drei verschiedenen Stellen, ehe er sie öffnete.

»Treten Sie ein, bevor Sie noch weggeweht werden!«, sagte er lächelnd.

»Danke«, erwiderte Diane, betrat das Geschäft und schob die Kapuze nach hinten. »Ich wollte fragen, ob ich hier Benzin bekommen kann. Ich fahre schon die ganze Nacht und glaube, dass ich es in etwa fünfzig Meilen bedauern werde, wenn ich jetzt nicht nachtanke.«

»Kluge Maßnahme«, erwiderte der Junge. »Auf mindestens fünfzig Meilen finden Sie keine weitere Tankstelle. Und ich kann Ihnen versprechen, dass es das Risiko nicht wert ist. Mir ist auf einer Fahrt in diese Richtung mal das Benzin ausgegangen.« Er wies in die Richtung, in die Diane unterwegs war. »Der schlimmste Fehler, den ich je gemacht habe.«

»Ich hoffe, das Wetter war nicht so schlimm wie heute«, sagte Diane.

»Zum Glück nicht. Aber trotzdem, so was riskiere ich nie wieder.« Der Junge schloss die Tür hinter Diane. Ihr fiel auf, dass der Name Steven in seinen Jeansarbeitsanzug eingenäht war.

»Heißen Sie so? Steven?«, fragte sie.

Er blickte am Arbeitsanzug herab. »Richtig. Mein Dad ist ein Depp, der sich die Namen seiner Kinder nicht merken kann, wenn sie nicht in die Kleidung eingenäht sind.«

»Ist Ihr Dad Barney, der Geschäftsführer?«

»Ja, aber lassen Sie sich nicht von meiner Mom erwischen, wenn Sie das laut sagen!«, witzelte er. »Ich denke, Dads einziger Beitrag sind die Namensschilder.«

Diane lächelte höflich.

»Ich hole mal die Schlüssel für die Zapfsäulen«, sagte Steven und ging hinter die Ladentheke zurück. »Hätten Sie gern einen Kaffee? Ich hab gerade eine Kanne aufgesetzt.«

Der Gedanke an Kaffee um zwei Uhr früh wäre Diane normalerweise nie gekommen, aber nun lechzte sie nach Koffein, das sie in Gang hielt. »Das wäre toll, danke.«

Eine Auswahl Schokoriegel war an der Theke zum Verkauf ausgelegt, neben der Kasse stand eine Kanne Kaffee auf einer Warmhalteplatte. Steven duckte sich hinter die Theke und tauchte einen Augenblick später mit einem weißen Kaffeebecher aus Plastik wieder auf. Er stellte ihn auf die Theke und goss eine sehr dunkle Brühe aus der Kanne hinein. »Milch und Zucker?«, fragte er.

»Nur etwas Zucker, das wäre prima«, sagte Diane. »Wie viel schulde ich Ihnen?«

»Der Kaffee geht aufs Haus. Eine Menge Leute brauchen ihn um diese Uhrzeit, und sei es nur, um noch die nächsten fünfzig Meilen auf der Straße durchzuhalten.« Er bemerkte, wie Diane kritisch den Kaffee ins Auge fasste, den er ihr eingeschenkt hatte. »Keine Sorge«, beruhigte er sie, »der ist frisch. Ich habe ihn vor gerade mal zwanzig Minuten aufgesetzt.«

»Sieht gut aus.«

»Ich gehe kurz Zucker holen«, sagte Steven und verschwand hinter dem Streifenvorhang, nur um eine Sekunde später wieder den Kopf hervorzustecken. »Es dauert keine Minute. Ich muss auch noch die Schlüssel für die Zapfsäulen holen.«

Diane sah sich im Laden um. Er erinnerte sie mehr an einen Baumarkt als einen üblichen Nachbarschaftsladen. Das Angebot an Gartengeräten und Säcken voller Düngemittel war größer als das Sortiment aus Lebensmitteln und überdimensioniertem Junk Food, das man normalerweise in einem solchen Geschäft erwarten konnte.

Nachdem er ordentlich Krach gemacht hatte, tauchte Steven wieder aus dem Hinterzimmer auf und brachte einen Schlüsselbund und vier Tütchen Zucker mit. Er reichte Diane die Tütchen. »Genug?«, fragte er.

»Ich brauche nur zwei, danke.«

»Okay, lassen Sie den Rest einfach auf der Theke liegen. Ich tanke inzwischen Ihr Auto nach. Wie viel hätten Sie denn gern?«

»Oh, Sie brauchen nicht für mich zu tanken«, sagte Diane. »Das kann ich selbst machen.«

»Davon bin ich überzeugt. Leider ist das hier aber das vorgeschriebene Verfahren. Wir betanken die Autos selbst. Früher haben wir es den Kunden überlassen, haben aber viel zu häufig erlebt, dass Leute einfach weggefahren sind, ohne zu bezahlen. Und hier draußen können wir in solchen Fällen nicht viel ausrichten. Ich glaube zwar, dass Sie niemand sind, der weiterfahren würde, aber so halten wir es hier nun mal, verstehen Sie?«

Diane nickte. »Ist okay. Ich nehme für dreißig Dollar unverbleites Benzin.«

»Kein Problem, Ma’am. Brauche ich Ihre Wagenschlüssel?«

Diane kramte die Schlüssel aus ihrer Manteltasche hervor und reichte sie ihm. Er nahm sie an sich und ging zur Tür. Kaum hatte er sie geöffnet, drangen die...



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