Anthony | Breakup, Makeup - Liebe zwischen Cosplay und Competition | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Anthony Breakup, Makeup - Liebe zwischen Cosplay und Competition


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98743-142-5
Verlag: CROCU
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-98743-142-5
Verlag: CROCU
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie viel Make-up benötigt man, um seine Gefühle zu verdecken?

Eli Peterson ist Make-up-Artist in der Cosplay-Szene, wo die atemberaubenden Looks immer wieder für Furore sorgen, kommt aber dennoch kaum über die Runden. Da fällt es schwer, die Eltern davon zu überzeugen, dass sich der künstlerische Traum überhaupt lohnt. Auf einer Convention erfährt Eli von Makeup Wars, einem Wettbewerb, der alles verändern könnte.
Der Hauptpreis? Ein Stipendium für Beyond, die beste SFX-Schule an der Westküste. Das Problem dabei? Die Konkurrenz besteht aus den talentiertesten aufstrebenden Make-up-Künstlern der Szene – einschließlich des rivalisierenden Influencers Zachary Miller, dem Ex-Freund. Eli muss mit den Make-up-Pinseln, den erneuten Gefühlen für Zach und den Selbstzweifeln jonglieren, um alles zu gewinnen: die Chance, den Traum zu verwirklichen, und eine zweite Chance auf Liebe.

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KAPITEL 1



»Das Glück ist mit den Mutigen«, flüsterte Eli deren Spiegelbild zu.

Eli beugte den Oberkörper über ein bunt besprenkeltes Hotelwaschbecken und drehte den Kopf von einer Seite zur anderen, um deren Werk zu betrachten. Die Person, die denen aus dem Spiegel entgegenblickte, befand sich in der letzten Phase der Metamorphose; die vertrauten Züge waren verschwunden, ersetzt von neu erschaffenen. Make-up besaß diese Macht: jede Unsicherheit unter dem perfekt modellierten Antlitz einer fantastischen Figur zu begraben. So wie dey dastand – das geschorene goldblonde Haar weiß angesprüht und mit metallischem Glitzer verziert, die sommersprossigen Wangen durch zwei Silikonprothesen erhöht und akzentuiert –, war Eli königlich und mystisch und .

Das Personal des Hyatt dürfte mit diesem Chaos seine Probleme haben. Eine Flasche mit flüssigem Latex stand unberührt neben bunten Schmuckbändern, einer Palette mit Ben-Nye-Bodypainting-Farbe und blau befleckten Schwämmen. In der flachen Spüle schimmerte Glitter und am Rand des Abfalleimers in der Nähe baumelte ein Eisstiel, der mit halb getrocknetem Pros-Aide beschichtet war, einem Spezialkleber für Make-up.

In der Seifenschale lag ein handgefertigter Augapfel aus Acryl, den Eli letzte Woche auf deren Weblog-Kanal vorgestellt hatte. Das Video »Castor für FaeCon« hatte deren bisher höchsten Zahlen erreicht: zwanzigtausend Aufrufe, fünfzehntausend Likes und dreihundert individuelle Kommentare. Am liebsten wollte Eli sich für die Entscheidung in den Hintern treten, das schwierigste Cosplay, das dey je kreiert hatte, auf einer Convention zu zeigen, an der dey noch nie teilgenommen hatte, aber eine neue Convention bedeutete neue Fotografen, neue Cosplayer, neue Artists und mehr Aufmerksamkeit. Und wenn Eli einen weiteren Sponsorenvertrag an Land ziehen wollte, musste dey für Aufsehen sorgen. Dey schluckte entschlossen und nahm den Augapfel aus der Schale. All die Probleme hin oder her, dey wollte dieses verdammt harte Cosplay hinbekommen, auch wenn das bedeutete, den Shuttlebus zum Messegelände zu verpassen.

Eli war schon mal in Vollkörper-Make-up fast fünf Kilometer zu Fuß gelaufen und dey würde wieder in Vollkörper-Make-up fast fünf Kilometer zu Fuß laufen, wenn es sein musste. Mit Hörnern, Schwanz, Hufen, der vollen Montur.

Vorsichtig drückte Eli den fragilen Augapfel auf ein Klümpchen Mastix und hielt ihn fest. Eine falsche Bewegung konnte deren nahezu fertigen Look ruinieren und im Gegensatz zu den herrlich grotesken Kreationen, die Horror-Artists und Haunt Masters an Halloween für Gruselveranstaltungen herstellten, konnte Eli Fehler nicht mit einem Spritzer Kunstblut ausbügeln. Dey stöhnte auf, als deren Handy summte und auf einer geschlossenen Palette Lidschatten herumklapperte. Eli tippte auf den Bildschirm, aber mit den künstlichen Krallen funktionierte das nicht. »Mein Gott … … komm schon«, grummelte dey und drückte mit dem Fingerknöchel auf das Lautsprechersymbol. »Ja?«

»Wo zum Teufel steckst du?« Der Bildschirm füllte sich augenblicklich mit dem Gesicht von Elis bester Freundin. Geisterhaft weiße Kontaktlinsen bleichten Bodhis braune Augen, ein starker Kontrast zu ihrer kupferfarbenen Haut. Mit einem Grinsen fletschte sie ihre falschen Reißzähne und beugte sich näher an die Kamera ihres Handys. »Alter Schwede. Das dritte Auge ist ja stark.«

Eli blickte zu deren Spiegelbild und nahm vorsichtig die zwei Finger von dem blassblauen, goldumrandeten und von falschen Wimpern eingerahmten Augapfel. . Mit dem von Prothesen modellierten Gesicht, einem dritten Auge auf der Stirn und zwei Antilopenhörnern an der Schläfe war Eli zu Castor Eisherz, dem König der Nördlichen Fae, geworden, einer Figur aus einem der derzeit beliebtesten Tabletop-Rollenspiel-Podcasts.

Bodhi räusperte sich. »Eli, im Ernst. Mach !«

Drei Stunden Arbeit und keine Zeit, sie zu würdigen. Eli schnaufte, ein wenig genervt, aber auch sehr aufgeregt. »Gut, okay, ich bin in zwei Minuten unten. Ich brauch bloß meine Stiefel. Lass den Bus nicht ohne mich losfahren!« Eli schraubte die Tube Mastix zu und bestäubte deren Augenbrauen mit türkisfarbenem Glitzer.

»Ja, klar, ich leg mich einfach vor den Bus. Beweg deinen Hintern!«, blaffte Bodhi. Dann wurde der Bildschirm fast völlig von ihrem schwarz geschminkten Mund verdeckt. »Und vergiss nicht deinen Ausweis!«

»Jaja, schon gut«, murmelte dey, beendete das FaceTime-Gespräch und steckte das Handy in die versteckte, um deren Hüfte geschnallte Bauchtasche.

Im Hotelzimmer herrschte ein heilloses Durcheinander. Eine rosafarbene Perücke quoll über die Kante des Nachttischs, hohe Lederstiefel lehnten an den Schranktüren und der Boden war mit achtlos abgeworfenen Kleidungsstücken übersät. Eli suchte nach deren Stab – – und den Stiefelüberzügen, die in einem Koffer verstaut waren.

Als Eli durch die halb geschlossene Tür nach dem lilafarbenen Lanyard griff, das mit Emaille-Anstecknadeln, bunten Knöpfen und deren Ausstellerausweis bestückt war, stieß dey beinahe eines deren Hörner ab. . Die Tür fiel mit einem lauten Klicken ins Schloss und Eli flitzte den Flur hinunter. In der einen Hand den bodenlangen Umhang, in der anderen den einen Meter achtzig langen Stab, eilte Eli in die Lobby und versuchte über keins der beiden zu stolpern.

Bodhi winkte von draußen. Sie wartete halb auf dem Bürgersteig, halb im Bus.

»Da kommt dey! Ja, direkt vor uns! Da, «, fauchte Bodhi und riss den Kopf zwischen dem Fahrer und Eli hin und her.

Eli kletterte in den Bus und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. In dem schweren Cosplay mit dem Binder war das nicht ganz einfach. »Hi, ich bin da – tut mir echt leid.«

Der Busfahrer, ein kahlköpfiger Mann mit einem dicken Schnurrbart, musterte Eli kurz. »In diesen Aufmachungen kommt man wohl nicht so schnell von A nach B, was?«

Eli stieß einen Seufzer aus. Deren Brust drückte gegen den beengenden Stoff. »Definitiv nicht.«

Aus dem hinteren Teil des Busses rief eine Person, die ebenfalls ein Castor-Cosplay trug, aber mit Jeans, Kapuzenpulli und viel kleineren Hörnern: »Castor, was geht ab?!« Eli lachte zur Antwort, winkte mit zwei Klauenfingern und schlängelte sich durch den Bus.

Bodhi drängte sich an Eli vorbei und schob ihren Rucksack beiseite, damit dey sich neben sie setzen konnte. »Immer bist du zu spät, immer …«

»Ich weiß, okay? Aber die Farbe zwischen den Schichten musste noch trocknen, sonst wäre ich jetzt eine einzige blaue Sauerei. Kannst du mir helfen, die Dinger anzuschnallen?« Eli deutete auf deren Füße und stupste dann gegen Bodhis Knie, das in glänzendes schwarzes Vinyl gehüllt war. Sie war als Valeria die Rachsüchtige unterwegs, eine Vampirlady, die zur Vampirjägerin geworden war – eine beliebte Nebenfigur aus , demselben Podcast, aus dem auch Castor stammte. »Du siehst übrigens fantastisch aus.«

»Das hoffe ich doch, wenn ich mich schon in diesen Bodysuit zwänge«, kommentierte sie, bevor sie ihren Atem ausstieß und Elis Hufe um deren Fußgelenke schnallte, sodass sie die schwarzen Springerstiefel verbargen. »Haben wir überhaupt einen Plan? Erst in den Hof, dann Halle A, oder …?«

»Ich will unbedingt zum -Panel«, sagte Eli und lehnte sich in deren Sitz zurück.

»Du weißt schon, dass die Panels in Halle C sind, oder? Und dass die quasi direkt neben der Ausstellerhalle liegt? Wir werden keine drei Meter durch die Tür kommen.«

»Wir können es ja versuchen«, ermutigte dey sie und hob mit ausgestrecktem Arm deren Handy. »Zeig mal deine Reißzähne, Valeria.«

Bodhi rückte ihre langen brünetten Locken zurecht und gab dann ein falsches Fauchen für die Kamera von sich. Eli öffnete Instagram und fing an, die Bildunterschrift zu tippen:

Castor und Val sind auf dem Weg.

Wir sehen uns auf der West Coast FaeCon! Macht ein Foto mit uns und taggt #EliSFX für die Chance, eine Night-Life-Palette zu gewinnen!

Dann postete dey das alberne Foto. Nicht einmal eine Millisekunde später tauchten in deren Feed Benachrichtigungen auf.

Make-up-Influencer zu sein war nicht das, was Eli sich für den ersten Job nach der Schule...



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