Anthony | Flieh niemals vor dem Glück! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2478, 144 Seiten

Reihe: Julia

Anthony Flieh niemals vor dem Glück!


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7337-1852-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2478, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7337-1852-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kurz vor ihrer High-Society-Hochzeit versucht die freiheitsliebende Thea zu fliehen: Sie will nicht von ihrem kaltherzigen Vater gezwungen werden, den mächtigen Christo Callas zu heiraten. Doch Christo ist schneller! Er erpresst sie, mit ihm vor den Altar zu treten. Thea sollte ihn hassen. Aber je länger sie mit dem erfolgsverwöhnten Reeder verheiratet ist, desto mehr glaubt sie an Liebe. Weshalb ihr Herz bricht, als Christo sie großmütig freigibt! Er ist sich sicher, dass sie das ersehnt. Dabei will sie doch nur ihn ...



Als Kali Anthony mit vierzehn ihren ersten Roman las, wurde ihr einiges klar: Es kann nie zu viele Happy Ends geben, und eines Tages würde sie diese selbst schreiben.Wie in einer perfekten Liebesromanze heiratete sie ihren eigenen großen, dunklen und gutaussehenden Helden, dann wagte sie den Sprung ins kalte Wasser und machte sich an ihren ersten Roman, der auch direkt veröffentlicht wurde. Seitdem ist das Schreiben ihre große Leidenschaft.

Wenn sie nicht gerade mit ihrer Katze um die Computertastatur kämpft, kann man Kali dabei antreffen, wie sie sich mit Vintage-Kleidung herausputzt, im Garten arbeitet oder sich mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Regenwäldern von South East Queensland durchs Dickicht schlägt.

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1. KAPITEL

Nur raus aus diesem Teil! Verzweifelt kämpfte Thea sich im Dunkeln aus dem Hochzeitskleid, das zu tragen man sie gezwungen hatte. Ihre Finger zitterten, als sie an der Schleife des fest geschnürten Oberteils in ihrem Nacken zerrte. Ihr Atem ging heftig, und der süße Duft der Zitrusblüten in ihrem Brautstrauß drohte sie zu überwältigen. Jetzt musste alles schnell gehen. Wenn sie ihren Plan in die Tat umsetzen wollte, durfte sie keine Zeit verlieren – und sich nicht den kleinsten Fehler erlauben.

„Das wird nicht funktionieren“, hörte sie eine verzagte Stimme.

In der Ecke des Zimmers stand ihre beste Freundin, das Gesicht hinter der breiten Krempe eines Hutes verborgen.

Thea wandte sich ihr zu. „Doch, das wird es, Elena.“

Es musste funktionieren. Es war der einzige Ausweg. Draußen warteten die Hochzeitsgäste und der Mann, der nun ein Anrecht auf sie hatte. Thea erschauderte. Er würde nichts von ihr bekommen, ihre Seele nicht und auch nicht ihren Körper. Sie würde ihm entkommen und es ihnen allen zeigen.

„Wie sehe ich aus?“ Elena bewegte sich in den Streifen schwachen Lichts, das zwischen den dicken Vorhängen von der spärlich beleuchteten Gasse hereindrang. Sie strich die cremefarbene Seide ihres knielangen Kleides glatt – jenes Kleides, das Thea jetzt eigentlich tragen sollte.

„Perfekt. Keiner wird etwas merken.“

Bis sie über alle Berge war.

Elena sah ihr zum Verwechseln ähnlich. Das hatte Thea schon früher hin und wieder ausgenutzt, um sich ein wenig Freiheit zu verschaffen. Und nun würde sie endgültig entkommen.

Thea drückte ihre Freundin fest an sich. „Danke. Hierfür. Für alles.“

Elena erwiderte die Umarmung, bevor sie sich losmachte und sich die Augen rieb. „Und jetzt lass uns zusehen, dass du aus diesem Kleid rauskommst und dich aus dem Staub machst“, sagte sie und begann, die Bänder von Theas Oberteil zu lösen. „Können wir nicht das Licht anmachen?“, flüsterte sie. „Wenn ich nichts sehe, dauert das ewig.“

„Aber was, wenn jemand reinkommt? Im Dunkeln kann man uns nicht erkennen. So, lass uns noch einmal durchgehen, was du machst.“

„Ich durchquere den Raum auf dem kürzesten Weg und halte dabei den Kopf so, dass die Hutkrempe mein Gesicht verbirgt. Wenn mich jemand anspricht, verstecke ich mich hinter einem Taschentuch und tue so, als würde ich vor Glück weinen.“

Endlich rutschte das Oberteil des Kleides herunter, doch das Korsett darunter zwängte Thea noch immer ein. Elena versuchte, es zu öffnen.

„Dafür haben wir keine Zeit“, sagte Thea und machte sich auf die Suche nach ihren Anziehsachen. „Es wird klappen. Die Leute wissen ja, was ich trage, wenn ich von hier aufbreche. Sie werden nach dem Kleid und dem Hut Ausschau halten, nicht nach mir.“

„Aber Christo …“

Christo Callas. Ihr Ehemann.

Als Thea an den Patzer dachte, den sie sich eben vor dem Altar erlaubt hatte, stockte ihr kurz das Herz. Christo hatte ihren Schleier angehoben und sie mit seinen olivgrünen Augen angesehen, und es war ihr nicht gelungen, ihre Bitterkeit darüber zu verbergen, dass sie sich auf diese Hochzeit eingelassen hatte, um ihren Halbbruder Alexis zu retten. Ihre Wut darüber, dass er sie quasi gekauft hatte. Und er hatte einen Moment lang gezögert. Fast so, als wüsste er Bescheid.

Also hatte sie gelächelt und auf den Kuss gewartet, der Thea Lambros in Thea Callas verwandeln würde. Und zu ihrem Schrecken hatte sich der Kuss seiner warmen weichen Lippen wie ein Einverständnis angefühlt.

Energisch wischte sie sich mit dem Handrücken über den Mund, um das sonderbare Kribbeln zu vertreiben, das sich bei der Erinnerung auf ihre Lippen gelegt hatte.

„Thea?“

„Christo wird es auch nicht merken.“ Thea drückte ihrer Freundin den Brautstrauß in die Hand. „Er ist nur daran interessiert, verheiratet zu sein, nicht an mir. Für Männer wie ihn sind die Frauen austauschbar.“

Für Christo wäre sie nur eine Ware. Genau wie für ihren Vater, der ihr deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass ihre Hochzeit Teil eines seiner Geschäfte war. Wenn sie sich nicht darauf eingelassen hätte, hätte er Alexis ins Gefängnis gebracht.

Doch nun, nachdem sie die Freiheit ihres Halbbruders erkauft hatte, konnte sie Reißaus nehmen.

„Ich hoffe, dass du recht hast“, antwortete Elena.

Thea schlüpfte aus dem Kleid und warf es in eine Ecke. „Ich habe halt der Stellenbeschreibung entsprochen“, sagte sie und zog ein schwarzes Stricktop über das Korsett. „Eine fügsame Bettgenossin.“ Bei dem bloßen Gedanken kochte ihr Blut vor Wut. Diese Rolle würde sie nicht spielen. Für keinen Mann der Welt.

Sie zog ihre schwere Lederjacke an, schloss den Reißverschluss und die Schnallen. Ihre Jeans und ihre Stiefel hatte sie unter dem Kleid hereingeschmuggelt, das jetzt in der Ecke zusammensackte.

Nun war es fast soweit.

Thea ging zu Elena und fasste sie an den Händen. „Bist du sicher, dass du das hinbekommst?“ Sie drückte die Finger ihrer Freundin. „Willst du das wirklich für mich tun?“

Elena erwiderte den Druck. „Du bist wie eine Schwester für mich. Ich würde alles für dich tun. Ich komme schon klar. Es wird Zeit, dass du dein Leben lebst. Du warst lange genug eingesperrt.“

In dem Gefängnis, das ihre Familie für sie gewesen war.

Den größten Teil ihres dreiundzwanzigjährigen Lebens hatte sie nur ihren einen Bruder gekannt. Demetri. Ein brutaler Fiesling im feinen Zwirn. Er hatte ihrem Vater als Mann fürs Grobe gedient, und Thea war sein liebstes Opfer gewesen. Tito hatte das nicht gestört. Er hatte nichts für seine kleine Tochter übriggehabt, die ihrer Mutter viel zu ähnlich gesehen hatte. Der Frau, die die Dreistigkeit besessen hatte, ihn zu verlassen.

Sie zog ihr Telefon aus der Hosentasche. Nachdem Alexis sich vor zwei Jahren als Bodyguard bei ihnen eingeschmuggelt hatte, war es fast erträglich gewesen. Seine Anwesenheit hatte sie durchhalten lassen. Doch seit heute Morgen antwortete er nicht mehr auf ihre Textnachrichten.

Elena runzelte die Stirn. „Immer noch nichts?“

„Nein. Aber es wird schon alles in Ordnung sein.“ Thea kaute auf ihrer Unterlippe herum, bis sie Blut schmeckte. Sicher hatte er Athen schon verlassen. Es war sehr schmerzhaft für sie gewesen, sich auf unbestimmte Zeit von ihm verabschieden zu müssen. Doch die Gewissheit, dass sie ihn mit ihrer Hochzeit befreit hatte, gab ihr Kraft.

Sie atmete tief durch. „Jetzt aber weiter in unserem Schlachtplan. Also, was sagst du, wenn Christo es merkt?“ Denn Elena würde auffliegen, das stand fest. Es war lediglich eine Frage der Zeit.

„Dass du einen Mietwagen genommen hast und auf dem Weg nach Karpathos bist, um das Grab deiner Mutter zu besuchen“, antwortete Elena.

Thea seufzte. „Ich finde es schrecklich, Mamas Angedenken so auszunutzen.“

„Denk nicht weiter daran. Maria hätte es gutgeheißen. Hauptsache, du kommst von diesen schrecklichen Männern weg“, antwortete Elena und lächelte zum ersten Mal an diesem traurigen Tag. „Kannst du mir wirklich nicht sagen, wo du hingehst?“

„Nein. Es ist sicherer so.“ Nicht nur für sie, sondern auch für Elena. Sie nahm den Motorradhelm und zögerte. „Wie in drei Gottes Namen kriege ich den Helm über diese dumme Frisur?“ Die Friseurin hatte eine halbe Ewigkeit gebraucht, um die Haare zu flechten und hochstecken.

Elena zupfte an einer der kunstvoll hochfrisierten Strähnen. „All die Haarnadeln rauszuziehen würde schon eine Stunde dauern.“

„Dafür haben wir keine Zeit. Ich muss es so hinkriegen. Wie lange sind wir jetzt schon hier drin?“

Elena sah auf die Uhr. „Nicht lange. Es wird nicht auffallen. Die Leute wissen ja, dass du dich umziehst. Außerdem ist das Fest ja vorbei, sobald du gehst. Das will keiner von ihnen.“

Tatsächlich kannte Thea kaum jemanden von den Gästen. Die meisten waren Geschäftsfreunde ihres Vaters und nur am Essen, dem Alkohol und am Feiern interessiert.

„Das werde ich dir nie vergessen. Sobald ich in Sicherheit bin, versuche ich, dich wissen zu lassen, wo ich bin.“ Thea schluckte gegen den Kloß an, der ihr in die Kehle gestiegen war. Es gab nur wenige Personen, die sie liebte. Elena. Alexis. Die Vorstellung, sie zu verlassen, zerriss ihr das Herz.

„Ich nehme dich beim Wort. Eines Tages, wenn wir beide Großmütter sind, werden wir über diesen Tag lachen“, antwortete Elena, kramte in ihrer Tasche herum und reichte ihr einen Umschlag. „Hier, vergiss das nicht. Pass, Geld, Bankverbindung. Und jetzt geh und werde glücklich.“

Thea zögerte, steckte eine Hand in die Jackentasche und tastete nach der Kette mit dem Christophorus-Amulett, die sie als Kind von ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte. Dann nahm sie ihre Motorradhandschuhe und den eingeschmuggelten Rucksack und ging zu der Tür, die auf die Gasse hinausführte, in der ihr Motorrad versteckt war. Es war Thea gelungen, den Geschäftsführer der Räumlichkeiten zu überreden, sie offen zu lassen – unter dem Vorwand, dass eine Überraschung für den Bräutigam geliefert werden solle.

„Moment“, raunte Elena eindringlich.

Thea fuhr herum. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Hatte man sie entdeckt?

Doch im spärlichen Licht, das in den Raum drang, sah sie nur die Silhouette ihrer Freundin. „Was ist?“

„Die Ringe!“

Wie hatte sie die nur vergessen können? Thea zog den Verlobungsring...



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