Archer | Die Klingen der Rose - Ein unwiderstehlicher Schurke | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 02, 400 Seiten

Reihe: Klingen-der-Rose-Reihe

Archer Die Klingen der Rose - Ein unwiderstehlicher Schurke


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-8994-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 02, 400 Seiten

Reihe: Klingen-der-Rose-Reihe

ISBN: 978-3-8025-8994-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die junge Witwe London Harcourt begleitet ihren Vater auf einer Reise zu den griechischen Inseln. Dabei trifft sie auf den attraktiven Bennett Day, der unerwartete Gefühle in ihr weckt. Was sie nicht weiß: Ihr Vater will die Macht der Magie unter seine Gewalt bringen, und Bennett ist der Einzige, der das verhindern kann.



Zoë Archer hat englische Literatur studiert und schon als Kind ihre ersten eigenen Geschichten geschrieben. Für ihre Romane wurde sie mit mehreren Genrepreisen ausgezeichnet. Ihre Serie Die Klingen der Rose brachte ihr den großen Durchbruch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Los Angeles.

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1

ZUFALLSBEGEGNUNG

Athen, Griechenland. 1875.

Das verdammte Problem mit der Magie war, dass er sie nicht einsetzen durfte.

Bennett Day duckte sich unter einer marmornen Platonbüste weg, die auf seinen Kopf zuflog. Sie krachte hinter ihm gegen die Mauer, wo sie ein beträchtliches Loch zurückließ, das durchaus als die Höhle aus dem berühmten Gleichnis des Philosophen hätte dienen können.

»Sie scheinen Platon nicht sehr zu schätzen, Kapitän«, tadelte Bennett. »Was er wohl dazu sagen würde?«

»Du englischer Schweinehund! Ich bring dich um!«

»Nie im Leben hätte Platon so etwas gesagt.« Als sich der deutsche Schiffskapitän mit der Anmut eines betrunkenen Bären auf ihn stürzte, wich Bennett erneut aus. Irgendwo kreischte Elena. Bennett seufzte. Dieses theatralische Gehabe! Typisch für eine Frau, der die Schau wichtiger war als jede Substanz.

Mit Leichtigkeit entging Bennett der Pranke des Deutschen. Ja, es wäre alles viel einfacher gewesen, hätte Bennett einen Paralysezauber anwenden können, den von den Malediven vielleicht, den er einst am eigenen Leib erfahren hatte und der so höllisch brannte. Doch durfte er weder diesen noch einen anderen Zauberspruch benutzen. Denn er war eine Klinge der Rose, und er durfte Magie nur dann verwenden, wenn sie ein Geschenk oder ihm von Natur aus eigen war – kurzum, so gut wie nie.

Um wütenden Ehemännern zu entkommen, die ihn im Schlafzimmer ihrer Frauen erwischten, bedurfte Bennett allerdings auch keiner Magie. Darin hatte er Übung. Im Allgemeinen mied er Verstrickungen dieser Art. Manchmal jedoch waren sie unumgänglich, vor allem, wenn er auf einer Mission war.

»Halt still!«, brüllte der Kapitän. »Kämpfe wie ein Mann!«

»Ungefähr so?«, fragte Bennett und landete einen sauberen Haken am Kinn des Deutschen. Der bullige Kapitän taumelte zwar nach hinten, ging aber bedauerlicherweise nicht zu Boden.

Ein Auftrag der Klingen hatte Bennett nach Athen geführt, und eine Spur dort zu Elena. Ihr seefahrender Ehemann galt als Verbündeter der vermaledeiten Erben von Albion. Über ihn konnte Bennett herausfinden, was die Erben in Griechenland vorhatten, nach welcher magischen Quelle sie suchten. Anhand der jüngsten Passagierliste des Deutschen wollte Bennett zunächst feststellen, ob diese diebischen Knilche sich bereits in Athen aufhielten, und wenn ja, wer von der Bande angereist war. Es gab zwei Möglichkeiten, an die Liste heranzukommen: Entweder brach er in das Haus des Deutschen ein, oder er verführte die Frau des Kapitäns und ließ die Liste bei dieser Gelegenheit mitgehen; Bennett bevorzugte letzteres. Er verband gern das Angenehme mit dem Nützlichen.

Elena war einer Verführung ganz und gar nicht abgeneigt. Doch kaum hatte Bennett sich mit ihr ins Schlafzimmer zurückgezogen, kehrte in einem höchst prekären Augenblick ihr Ehemann zurück. Na ja, wenigstens war Bennett noch angezogen. Er wäre nur ungern ohne Hose durch die Straßen von Athen gerannt.

Unglücklicherweise versperrte der Kapitän ihm den Weg zur Tür. So blieb ihm nur ein Ausweg – das Fenster.

»Ich bin Engländer, das ist ganz richtig«, erklärte er dem Deutschen, derweil er die Entfernung abschätzte. »Weniger bekannt ist, dass ich zu einem Achtel auch Grieche bin, von mütterlicher Seite her. Ihre Familie stammt nämlich aus Olympia, dem Ursprungsort der Sportwettkämpfe des Altertums.«

»Warum erzählst du mir das, wo ich doch dabei bin, dir das blöde Grinsen aus dem Gesicht zu prügeln?«

»Zu den Disziplinen des Fünfkampfs zählt auch …«, Elena kreischte, als Bennett zum Fenster rannte, sich über das Geländer schwang und eine Etage tiefer in der Hocke landete, »… das Springen.«

Während er aufstand und sich den Staub von den Händen klopfte, schrie der Kapitän übelste Beschimpfungen zum Fenster hinaus. Elena zerrte schluchzend am Rock ihres Mannes. Sie schien ihren Auftritt als melodramatische Heldin regelrecht zu genießen.

»Aber, Sir«, rief Bennett zu ihrem Gatten hinauf, »Sie kennen meine Schwester doch überhaupt nicht, und deshalb glaube ich einfach nicht, was Sie da für Behauptungen über sie in die Welt posaunen.«

»Und deine Mutter ist eine Ziege!« Mit dieser geistreichen Bemerkung verschwand der Kapitän vom Fenster. Doch Bennett wusste, dass Ehemänner sich in solchen Situationen selten in ihre Bibliothek zurückzogen, um bei einem Glas Brandy ihren Gedanken nachzuhängen. Und tatsächlich hörte er den Kapitän schon die Treppe herunterpoltern. Auch wenn der Anstand es eigentlich geboten hätte, beschloss Bennett, lieber nicht zu warten, bis der Mann auf die Straße herauskam.

»Eine weitere Disziplin des Fünfkampfs ist das Laufen«, sagte Bennett noch, dann stürmte er davon. Er tastete nach der Passagierliste und überzeugte sich, dass sie auch nach dem Sprung noch in der Innentasche seiner Jacke steckte.

Elena und ihr Mann wohnten in der Plaka, einem der ältesten Viertel Athens. Davon zeugten die verwinkelten Straßen, die offenbar nur zu dem Zweck existierten, Fremde in den Wahnsinn zu treiben. Wie Zuckerwürfel stapelten sich die weißen Häuser übereinander. Bennett hastete durch die engen gewundenen Gassen. Geschickt wich er mit Pistazienkörben beladenen Eseln aus. Aus Fenstern und Hauseingängen fielen Männer und Frauen in das Geschrei des deutschen Kapitäns ein. Diesen Spaß wollten sie sich keinesfalls entgehen lassen.

Das war nicht ganz das, was die Klingen mit seiner Entsendung nach Griechenland beabsichtigt hatten. Das Telegramm hatte Bennett in Bukarest erreicht, wohin er gerade eine Quelle zurückgebracht hatte. Mittels des Medaillons mit dem Davidstern hatte man in der Mongolei während einer Schlacht zwischen Klingen und Erben einen Golem heraufbeschworen. Zusammen mit einigen anderen Klingen – darunter Gabriel Huntley und seine Frau Thalia, die inzwischen ebenfalls in den Bund aufgenommen worden waren – hatte Bennett dort eine alte asiatische Quelle gegen die Erben verteidigt. Nach einem harten Kampf hatten die Klingen ihre Mission erfüllt. Der Erbe Henry Lamb, dieses wandelnde Stück Kamelscheiße, war ums Leben gekommen. Sein Kumpan Jonas Edgeworth war zu seinem Vater zurück nach England geflohen. Die mongolische Quelle befand sich nun wieder wohl verwahrt in der Sicherheit eines Klosters tief in der Wüste Gobi.

Um Bennetts Sicherheit war es deutlich schlechter bestellt. Der Deutsche holte auf und stürzte sich auf ihn. Flink tauchte Bennett unter den Armen des Mannes hindurch und rollte sich hinter dem Kapitän auf dem Boden ab. Der Deutsche schlug ins Leere und wurde von der Wucht seines eigenen Schlages nach vorn gerissen. Mit einem kräftigen Stiefeltritt in den Hintern verlieh Bennett ihm noch zusätzlichen Schwung.

Dann hetzte er an einer Gruppe Männer vorbei, die auf einem Platz zusammenstand. Einer von ihnen hielt einen langen Gehstock in der Hand, damit ihm die unebenen Straßen der Stadt nicht zum Verhängnis wurden. Ohne innezuhalten, entriss Bennett dem Mann seinen Stock und ignorierte den entrüsteten Aufschrei.

Er hastete ein paar steile Stufen hinunter und blieb auf den Fußballen wippend unten stehen. Keuchend rannte der Kapitän auf ihn zu. Wie einen Speer schleuderte Bennett den Gehstock mit einer geschmeidigen Bewegung gegen die Brust des wütenden Ehemanns. Der krümmte sich daraufhin nach vorn und rang nach Atem.

»Speerwurf«, erklärte Bennett grinsend, »ist die dritte Disziplin.«

Doch obschon er dunkelrot anlief, ließ sich der Kapitän nicht aufhalten. Mühevoll rappelte er sich auf und setzte die Verfolgung fort. Der Mann hatte Mumm. Bennett rannte weiter.

Er war ein guter Agent der Klingen. Vor allem seine Fähigkeiten im Entziffern und Entschlüsseln alter und geheimer Schriften kamen ihnen oft zugute. Aber wenn es sein musste, ließ er sich auch nur zu gern auf eine Schlägerei ein. Es war unleugbar befriedigender, von Angesicht zu Angesicht gegen einen Mann zu kämpfen, als über einem verschlüsselten Manuskript der alten Azteken zu brüten.

Wenn er diesen Deutschen nicht abhängte, drohte ihm ein Mordskampf. Er bezweifelte, dass ihm eine der orthodoxen Kirchen, an denen er vorbeistürmte, Unterschlupf gewähren würde. Ein schwarz gewandeter, bärtiger Priester stand auf einer der Kirchentreppen und schüttelte den Kopf. Der heilige Mann wusste bestimmt, dass Bennett gegen fast alle Gebote verstoßen hatte. Nun, wenigstens ehrte er Vater und Mutter, und er dachte eigentlich nie darüber nach, wie der liebe Gott wohl aussah. Zwei von zehn, gar nicht so schlecht.

Bennett hörte das fröhliche Lärmen schon, bevor er die Taverne sah. An den Tischen davor saßen Männer, tranken Ouzo, aßen Tintenfisch und plauderten. Geschickt schnappte sich Bennett einen leeren Teller, blickte kurz über seine Schulter zurück und schleuderte ihn nach dem Kopf des Deutschen. Pech nur, dass der Kapitän just in diesem Augenblick über einen Korb stolperte – der Teller verfehlte ihn knapp und zerschellte hinter ihm an der Mauer.

»Opa!«, schrien die Männer vor der Taverne.

»Diskuswerfen ist Nummer vier«, schnaufte Bennett. »Verdammt, das wird hier doch noch ein voller Fünfkampf.«

Scharf bog er um eine Ecke, sprang schnell nach oben und griff die unterste Strebe eines Balkongeländers. Er zog sich nach oben, kletterte jedoch nicht auf den Balkon hinauf. Stattdessen drehte er sich um, balancierte mit den Fersen auf dem Rand und fand mit den Händen hinter sich am Geländer Halt. Er war weder ein verweichlichter feiner...


Archer, Zoë
Zoë Archer hat englische Literatur studiert und schon als Kind ihre ersten eigenen Geschichten geschrieben. Für ihre Romane wurde sie mit mehreren Genrepreisen ausgezeichnet. Ihre Serie Die Klingen der Rose brachte ihr den großen Durchbruch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Los Angeles.

Zoë Archer hat englische Literatur studiert und schon als Kind ihre ersten eigenen Geschichten geschrieben. Für ihre Romane wurde sie mit mehreren Genrepreisen ausgezeichnet. Ihre Serie Die Klingen der Rose brachte ihr den großen Durchbruch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Los Angeles.



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