Archer | Falsche Spuren | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

Archer Falsche Spuren

Stories | Spannend, clever, meisterhaft: 12 neue Erzählungen vom Bestsellerautor
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-270-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Stories | Spannend, clever, meisterhaft: 12 neue Erzählungen vom Bestsellerautor

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

ISBN: 978-3-98952-270-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwölf meisterhafte Erzählungen des Sensationsautors voll dunkler Geheimnisse und stilistischem Glanz: »Jeffrey Archer erweist sich als der geborene Geschichtenerzähler!«, urteilt die Times. Eine Frau fährt den Highway entlang - und bemerkt, dass sie verfolgt wird. Dann hört sie die Meldung, dass auf ihrer Route ein Frauenmörder sein Unwesen treibt ... Einen Flüchtling führt eine bittere Fügung des Schicksals in sein Heimatland zurück - das Land, in dem er auf der Todesliste steht ... Eine Mutter sitzt für den Mord an ihrem Ehemann auf der Anklagebank. Auch wenn alle Indizien gegen sie sprechen, beharrt sie, unschuldig zu sein. Aus gutem Grund ... Von persönlichen Tragödien bis zu heimtückischem Mord, von Ehepartnern bis zu Serienmördern - Jeffrey Archer erkundet in seinen fesselnden Erzählungen die persönlichen Abgründe des Menschen! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der brillante Kurzgeschichten-Sammelband »Der perfekte Dreh« von Jeffrey Archer - hochkarätige Unterhaltung, die seinen Weltbestsellern in nichts nachsteht! Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Jeffrey Archer (geboren 1940 in London) ist ein britischer Bestsellerautor und gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Nach seinem Studium in Oxford schlug er eine bewegte unternehmerische und politische Karriere ein, die in einem Skandal endete. Nachdem er 2001 wegen Meineids inhaftiert wurde, wandte er sich voll und ganz der Schriftstellerei zu und hat seitdem zahlreiche internationale Bestseller geschrieben. Jeffrey Archer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in abwechselnd in London, Cambridge und auf Mallorca. Die Website des Autors: www.jeffreyarcher.com/ Der Autor bei Facebook: www.facebook.com/JeffreyArcherAuthor/ Der Autor auf Instagram: www.instagram.com/jeffrey_archer_author/ Bei dotbooks als eBook erhältlich sind seine hochkarätigen Anthologien »Der perfekte Dreh«, »Falsche Spuren«, »Ein echter Gentleman«, »Der gefälschte König« und »Verbrechen lohnt sich«. »Der perfekte Dreh« und »Falsche Spuren« sind auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erhältlich. Außerdem erscheinen bei dotbooks der Thriller »Die Stunde der Fälscher« und der Kurzroman »Das Evangelium nach Judas«.
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EINE FRAGE DER ERFAHRUNG


Ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll. Aber vielleicht sollte ich als erstes erklären, weshalb ich im Gefängnis bin.

Der Prozeß hatte achtzehn Tage gedauert, und vom ersten Augenblick an war der Gerichtssaal bis zum letzten Sitz voll gewesen. Die Geschworenen vom Leeds Crown Court waren nahezu zwei volle Tage in Klausur und — wie sich herumgesprochen hatte — hoffnungslos unterschiedlicher Meinung gewesen. Unter den Anwälten und Richtern sprach man schon von einem möglichen Austausch sämtlicher Geschworenen und einem neuen Verfahren, denn immerhin waren bereits acht Stunden vergangen, seit Seine Ehren, Richter Cartwright, dem Sprecher der Geschworenen erklärt hatte, daß ihr Urteilsspruch nicht mehr einstimmig sein müsse. Eine Mehrheit von zehn zu zwei würde in diesem Fall genügen.

Plötzlich wurde es laut auf den Korridoren. Presse und Publikum eilten in den Gerichtssaal zurück, denn die Geschworenen hatten wieder auf ihren Sitzen Platz genommen. Aller Augen richteten sich aufgeregt auf ihren Sprecher, einen dicken kleinen Mann mit verschmitzten, freundlichen Augen, in Doppelreiher, gestreiftem Hemd und bunter Fliege, der sich sehr bemühte, ein ernstes Gesicht zu machen. Er sah wie die Art von Kumpel aus, mit der ich unter normalen Umständen gern ein Glas Bier in einem Pub getrunken hätte. Aber leider waren die Umstände nicht normal.

Als ich wieder die Stufen zur Anklagebank hinunterging, richtete sich mein Blick unwillkürlich auf die hübsche Blondine, die seit Beginn der Verhandlung jeden Tag in der vordersten Zuschauerreihe saß. Ich fragte mich, ob sie zu allen sensationellen Mordprozessen kam oder nur von diesem besonders fasziniert war. Sie zeigte absolut kein Interesse an mir, und richtete, wie alle anderen jetzt auch, ihre Aufmerksamkeit auf den Sprecher der Geschworenen.

Ein Gerichtsbeamter in weißer Perücke und langer schwarzer Robe erhob sich und las von einer Karte die Worte, die er bestimmt auswendig kannte.

»Würde der Sprecher der Geschworenen bitte aufstehen.«

Der kleine dicke Mann mit den verschmitzten Augen richtete sich bedächtig auf.

»Bitte beantworten Sie meine nächste Frage mit ja oder nein. Sind die Geschworenen zu einem Urteil gekommen, für das wenigstens zehn von Ihnen gestimmt haben?«

»Jawohl.«

»Geschworene, befinden Sie den Angeklagten im Sinne der Anklage für schuldig oder nicht schuldig?«

Im Gerichtssaal hätte man nun eine Feder fallen hören.

Meine Augen hafteten an dem Sprecher mit der bunten Fliege. Er räusperte sich und antwortete ...

Ich lernte Jeremy Alexander 1978 bei einem Ausbildungsseminar des britischen Industrieverbands, kurz CBI, in Bristol kennen. Sechsundfünfzig britische Firmen, die Möglichkeiten für eine Expansion ins übrige Europa suchten, waren zusammengekommen, um sich in die komplizierten Regeln des EG-Gemeinschaftsrechts zu vertiefen. Als ich mich für das Seminar meldete, betrieb Cooper’s, die Firma, deren Chef ich war, einhundertsiebenundzwanzig Fahrzeugarten verschiedenster Gewichts- und Größenklassen, und befand sich auf bestem Weg, eines der größten privaten Transportunternehmen zu werden.

Mein Vater hatte die Firma 1931 gegründet und mit drei Fahrzeugen angefangen — zwei davon Pferdefuhrwerke —, und einem Kontokorrentkredit von zehn Pfund bei der örtlichen Filiale der Martinsbank. Als wir 1967 »Cooper & Son« wurden, verfügte unsere Firma über siebzehn Fahrzeuge mit vier oder mehr Rädern, und transportierte Güter im gesamten Norden Englands. Aber mein alter Herr weigerte sich immer noch, seine 10-Pfund-Kreditlinie zu überschreiten.

Einmal, während eines Konjunkturrückgangs, schlug ich vor, uns auch außerhalb unseres bisherigen Bereichs nach Aufträgen umzusehen, vielleicht sogar auf dem Kontinent. Doch davon wollte mein Vater nichts hören. »Ist das Risiko nicht wert«, wehrte er ab. Er mißtraute jedem, der südlich des Humbers geboren war, und erst recht allen, die auf der anderen Seite des Kanals wohnten. »Wenn Gott einen Streifen Wasser zwischen uns gelegt hat, muß er einen guten Grund dafür gehabt haben«, beendete er dieses Thema ein für allemal. Ich hätte über diese Worte bestimmt gelacht, wäre mir nicht klargewesen, daß er das wirklich glaubte.

Als er 1977 mit siebzig Jahren — widerstrebend — in den Ruhestand ging, übernahm ich die Firmenleitung. Ich machte mich daran, einige der Ideen in die Tat umzusetzen, die ich mir während der vergangenen zehn Jahre hatte durch den Kopf gehen lassen, obwohl mir klar war, daß mein Vater sie nicht billigte. Europa war nur der Anfang für die Expansion der Firma; innerhalb der nächsten fünf Jahre beabsichtigte ich, sie in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Mir wurde bewußt, daß wir dann ein Kreditlimit von mindestens einer Million Pfund bräuchten, was bedeutete, daß wir mit einer anderen Bank arbeiten mußten, einer, für die die Welt weiter reichte als nur bis zur Grafschaftsgrenze von Yorkshire.

Etwa zu jener Zeit hörte ich von dem CBI-Seminar in Bristol und meldete mich dafür an.

Es begann am Freitag. Der Leiter des europäischen Direktoriums des CBI hielt die Eröffnungsansprache. Danach wurden die Teilnehmer in acht kleine Arbeitsgruppen unter der Führung eines Experten im EG-Gemeinschaftsrecht aufgeteilt. Der Leiter meiner Gruppe war Jeremy Alexander. Ich bewunderte ihn von dem Augenblick an, da er zu reden begann — ja, bewundern ist vielleicht noch zuwenig, er beeindruckte mich zutiefst! Er war absolut selbstsicher, und wie sich bald herausstellte, konnte er überzeugend argumentieren, egal, ob es nun um die Überlegenheit des Code Napoléon ging oder um die Schwächen gewisser Schlagmänner bestimmter Kricketmannschaften.

Er hielt uns einen einstündigen Vortrag über die grundlegenden Unterschiede in der Praxis und im Verfahren zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft; dann beantwortete er unsere sämtlichen Fragen über Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht, ja fand sogar noch die Zeit, uns die Bedeutsamkeit der Uruguay-Runde zu erklären. Genau wie ich hörten die anderen Teilnehmer unserer Gruppe nie auf, sich Notizen zu machen.

Kurz vor dreizehn Uhr machten wir Mittagspause, und es gelang mir, einen Platz an Jeremys Tisch zu bekommen. Mir ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, daß er genau der Richtige sei, der mich beraten könnte, wie sich meine Europa-Ambitionen konkret umwandeln ließen.

Während ich ihm über einer Fleischpastete mit rotem Paprika zuhörte, dachte ich, daß wir zwar in etwa gleich alt waren, aber aus gar nicht unterschiedlicheren Kreisen kommen könnten. Jeremys Vater, einem Bankier, war es gerade noch, nur Tage vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, gelungen, aus Osteuropa zu fliehen. Er hatte in England ein neues Zuhause gefunden, seinen Namen anglisiert, und seinen Sohn nach Westminster gesandt. Von dort war Jeremy zum King’s College in London gegangen, wo er Jura studierte und summa cum laude promovierte.

Mein Vater war ein Selfmademan aus den Yorkshire Dales. Er war dagegen gewesen, daß ich studierte, und hatte darauf bestanden, daß ich gleich nach der mittleren Reife in seiner Firma anfinge, um mich von ganz unten nach oben zu arbeiten. »Ich werde dir in einem Monat mehr über die wirkliche Welt beibringen, als es die Universitätsfritzen in Jahren könnten«, pflegte er zu sagen. Ich stellte diese Philosophie nicht in Frage. Drei Wochen nach meinem sechzehnten Geburtstag schloß ich die Realschule ab, und schon am nächsten Morgen fing ich bei Cooper’s als Lehrling an. Die ersten drei Jahre arbeitete ich im Fahrzeugpark unter den wachsamen Augen von Buster Jackson, dem Depotleiter, der mich lehrte, die Firmenwagen auseinanderzunehmen und, was wichtiger war, sie wieder zusammenzubauen.

Nach Beendigung meiner Lehre in der Werkstatt durfte ich meine Ausbildung zwei Jahre lang in der Buchhaltung fortsetzen, wo ich die Rechnungslegung lernte und die Anmahnung säumiger Schuldner. Ein paar Wochen vor meinem einundzwanzigsten Geburtstag bestand ich meine Prüfung für den Schwerlasttransport und erhielt den Führerschein ausgehändigt.

Die nächsten drei Jahre fuhr ich kreuz und quer durch den Norden Englands und lieferte für unsere weitverstreuten Kunden von Geflügel bis Ananas alles nur Erdenkliche aus. Jeremy studierte zur selben Zeit an der Sorbonne und machte seinen Magister im schwierigen, fünf Gesetzbücher umfassenden Code Napoléon.

Als Buster Jackson in den Ruhestand ging, übertrug Vater mir die Leitung des Fahrzeugparks. Zu dem Zeitpunkt schrieb Jeremy in Hamburg seine Dissertation über Vor- und Nachteile internationaler Handelsembargos. Bis er schließlich sein Studium beendet und seine erste richtige Stellung — als Partner einer auf Wirtschafts- und Handelsrecht spezialisierten großen Anwaltsfirma in der City annahm, arbeitete ich bereits seit acht Jahren und bekam Lohn dafür.

Ich war im Seminar zwar ehrlich beeindruckt von Jeremy, aber ich spürte, daß unter seiner zur Schau gestellten Leutseligkeit eine kräftige Mischung aus Ambition und Snobismus steckte, der mein Vater mißtraut hätte. Ich hatte das Gefühl, er gab sich nur auf die vage Möglichkeit hin mit uns ab, daß wir irgendwann in Zukunft für Butter auf seine Brötchen sorgen würden. Jetzt erst ist mir bewußt, daß er sich in meinem Fall bereits bei unserer ersten Begegnung Honig erhoffte.

Es änderte nichts an meiner Meinung über diesen Mann, daß er gut fünf Zentimeter größer war als ich und seine Taille um etwa ebensoviel schmäler. Ganz zu schweigen von der Tatsache, daß die attraktivste Frau unseres Kurses Samstag nacht sein Bett mit ihm teilte.

Für Sonntagvormittag hatten wir uns zum Squashspielen...



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