E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Arefi Forever - Malie & Idris
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7526-2721-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sammelband
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-7526-2721-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jasmina Arefi: 1989 geboren in Hessen und lebe seit meiner Kindheit im schönen Norden von Deutschland.
Autoren/Hrsg.
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2
Ich reiße die Augen auf.
Zarte Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase und ich brauche einen Moment, ehe ich realisiere, dass ich nicht im Krankenhaus, sondern zuhause bin.
In unserem Schlafzimmer, in unserem Bett.
Ich starre an die Decke und höre Lars leise und friedlich neben mir schnarchen, spüre die beruhigende Wärme seines Körpers.
Bilder des gestrigen Abends schießen mir unaufhaltsam durch den Kopf und ich fühle eine quälende Enge in meinem Brustkorb.
Er hat sich einfach den Schädel weggepustet. Einfach so.
Bevor die Panik erneut von mir Besitz ergreifen kann, schüttele ich die Erinnerung beiseite und schmiege mich eng an Lars. Mein Herz rast.
»Hey, Liebling.«
Lars hebt den Kopf und grinst mich, vom Schlaf noch ganz zerknirscht, an, seine strohblonden Haare das reinste Durcheinander.
Es tut gut, in seine braunen Augen zu schauen, zu sehen, dass es ihm gut geht.
»Guten Morgen.« Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn.
Dann kneift er die Augen zusammen und sieht an mir vorbei, zum Wecker auf meinem Nachttisch.
»Wow, schon kurz nach Elf.« Er gähnt herzhaft und streckt sich.
Es kommt mir seltsam bekannt vor, der ganze morgendliche Ablauf.
Warum ist er so fröhlich, wirkt so frei von Sorgen? Hat er den gestrigen Abend etwa vergessen oder verdrängt er ihn einfach nur?
Ich wünschte, ich könnte das auch …
»Malie, ist alles in Ordnung mit dir? Du hast noch keinen einzigen Ton von dir gegeben.«
Jetzt sehe ich ihn wirklich verwirrt an.
Er setzt sein typisches, flirtendes Lars-Lächeln auf, dem ich vom ersten Treffen an völlig verfallen bin.
»Frohes neues Jahr, meine Süße!«
Was?!
Er zieht mich zu sich in die Arme und ich versteife augenblicklich. Ohne auf meine Reaktion einzugehen, steht er auf und greift sich kurz danach stöhnend an den Kopf.
»Oh Mann, wie viel habe ich gestern bitte getrunken?«
Endlich finde ich meine Stimme wieder. Sie ist nur ein leises Krächzen.
»Wir haben bloß ein Glas Sekt getrunken.«
Lars lacht, was mich zusammenzucken lässt.
»Du scheinst ja einen noch schlimmeren Kater als ich zu haben. Hast du etwa die ganzen Kurzen vergessen, die wir mit Benny und Lina weggehauen haben?«
Kurze? Benny und Lina? Wann und wo haben wir die beiden gestern getroffen?
Leide ich unter Amnesie?
Das muss der Schock sein, anders kann ich es mir nicht erklären.
Ich reibe mir die Augen.
»Wann haben wir die beiden getroffen?«
Lars sieht mich an, als hätte ich ihn gefragt, wer unser Bundeskanzler ist.
»Hallo? Erde an Malie? Gestern? Silvester? Party mit Benny und Lina hier bei uns?«
Will er mich verarschen?!
»Lars, das ist echt nicht witzig! Was versuchst du damit zu bezwecken? Ich weiß, dass der Abend gestern für uns beide ein traumatisches Erlebnis war, aber deswegen nicht mehr darüber reden? Ihn komplett aus unseren beiden Gedächtnissen streichen?«
Der hat vielleicht Nerven!
In seinem Gesicht bildet sich ein riesengroßes Fragezeichen.
»Traumatisches Erlebnis? Liebling, ist gestern etwas vorgefallen, von dem ich nichts weiß? Verdammt, wie viel habe ich getrunken?!«
»Lars! Du hast nur ein Glas Sekt getrunken! Mit mir zusammen! Im Theater!«
Langsam werde ich richtig wütend. Und laut.
»Hör auf, dir etwas vorzumachen! Damit ist uns beiden nicht geholfen! Wir können das nur verarbeiten, wenn wir darüber reden. Denkst du etwa, mir setzt das nicht zu? Die Bilder haben sich in mein Gedächtnis gebrannt, für immer, verdammt nochmal!«
Lars´ Blick verdunkelt sich.
»Schrei hier nicht so rum! Was redest du da für einen Müll? Welches Theater?«
Ich schnaube. Warum tut er das mit mir? Mit uns? Wie kann man nur so unglaublich egoistisch sein …
Ich senke meine Stimme und rede langsam, wie mit einem kleinen, begriffsstutzigen Kind.
»Lars … Schatz … Du hast uns doch zu Weihnachten Karten für die Tausendundeine Nacht-Vorstellung im Theater geschenkt. Für den ersten Januar. Und da waren wir gestern. Nur leider konnten wir von dem Stück nichts sehen, weil sich vorher so ein Irrer mit einer Pistole die Rübe weggeschossen hat!« Den letzten Satz schreie ich.
Anstatt auszurasten, kommt Lars stattdessen auf mich zu und setzt sich neben mich aufs Bett. Sanft streichelt er meinen Arm.
»Malie, bitte hör auf so zu schreien. Beruhige dich. Schatz, das musst du geträumt haben. Natürlich habe ich uns die Karten für das Theaterstück geschenkt, und ich freue mich auch schon riesig darauf. Aber das kann doch alles nicht passiert sein, weil es doch erst heute Abend stattfindet. Heute ist der erste Januar. Und gestern war Silvester und wir haben hier, in unserer Wohnung, mit Lina und Benny zusammen ins neue Jahr reingefeiert. Ganz ohne traumatische Erlebnisse.« Er grinst.
Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, schließe ihn jedoch gleich wieder.
Darauf fällt mir nichts ein.
Entweder spielt mir mein langjähriger Freund, dem ich bisher blind vertraut habe, etwas vor oder ich habe das Ganze wirklich nur geträumt.
Doch warum fühlt es sich dann so real an, als wäre es tatsächlich passiert? Der laute Knall, das viele Blut, die Schreie, der Geruch nach Erbrochenem? Das Beruhigungsmittel, das langsam durch meine Venen floss und mich betäubt hat?
Ich kann die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Lars zieht mich sofort an sich, an seinen warmen, nackten Oberkörper, umschließt mich fest mit seinen Armen, streicht sanft über mein Haar.
»Scht, ganz ruhig. Du hattest einen fürchterlichen Albtraum.«
Er drückt mich sanft von sich und küsst mein verheultes Gesicht.
»Beruhige dich. Du bist hier, bei mir, in Sicherheit. Nichts davon ist wirklich passiert.«
Ich starre in seine treuen Augen und halte mich an diesem Gedanken fest.
~ ~ ~
Die Fahrt zum Theater ist für mich die reinste Qual.
Ich konnte Lars nicht davon überzeugen, einfach zuhause zu bleiben und den dortigen Besuch zu verschieben. Er freut sich so sehr auf das Stück. Und er ist schon wieder den ganzen Abend über so seltsam nervös.
Alles ist wie gestern – nein, wie in meinem Traum – mit dem einzigen Unterschied, dass ich mich dieses Mal nicht darauf freue, sondern regelrecht beinahe in Panik ausbreche.
Mit Absicht trage ich heute kein schwarzes, sondern ein hautfarbenes Kleid mit glitzernden Pailletten und meine langen Haare trage ich nicht offen, sondern habe sie mir zu einem strammen Pferdeschwanz zusammengebunden. Dieses Mal habe ich mich ungewohnt kräftig, mit schwarzem Eyeliner und knallrotem Lippenstift, geschminkt.
Ich möchte alles so anders wie möglich als in meinem Traum machen.
»Wow.«
Lars traute seinen Augen kaum, als er mich sah. Es ist das erste Mal in vier Jahren Beziehung, dass er mich so aufgestylt zu Gesicht bekommt. Seine Kinnlade klappte förmlich nach unten.
Damit entlockte er mir das erste Lächeln an diesem Tag.
Er stand wieder in seinem blauen Anzug vor mir, alles exakt so wie zuvor in meinem Albtraum.
Nervös räusperte ich mich.
»Schatz, möchtest du nicht … etwas anderes anziehen?«
Er sah mich fragend an. Dieser Blick scheint heute zu seinem ständigen Begleiter geworden zu sein.
»Warum? Gefällt dir der Anzug nicht?«
Lars war so nervös und unsicher, dass mir mein für ihn seltsames Verhalten richtig leidtat.
Ich schüttelte schnell den Kopf.
»Nein, ist schon gut. Wirklich. Du siehst toll aus! Entschuldige mich, ich bin noch etwas durcheinander …«
Nun sitzen wir in unserem schwarzen Mini und suchen einen Parkplatz.
Es wundert mich fast nicht, dass wir genau denselben Platz wie in meinem Traum finden und dort parken.
Wir kommen am Theater an, ich schaue zu den leuchtenden Lettern am Eingang hoch und bisher fällt mir an der äußeren Fassade nichts Ungewöhnliches auf. Natürlich kenne ich dieses Gebäude von außen. Wir sind hieran schon ein paar Male vorbeigefahren.
Lars zückt beide Eintrittskarten, nimmt mich an die Hand und betritt mit mir durch die großen verglasten Eingangstüren das Theater.
Was mich nun allerdings wundert, ist, dass der Eingangsbereich mit den Bars, den riesigen Treppen und den Holztüren genauso aussieht wie in meinem Traum.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals hier gewesen zu sein.
»Wir haben noch knapp sieben Minuten bis Vorstellungsbeginn. Möchtest du etwas trinken?«
Ich starre Lars an, als hätte er mich getreten.
»Malie?«
Schnell fasse ich mich wieder und schüttele den Kopf.
»N-nein … für mich nichts, danke.«
Lars zieht eine Augenbraue hoch.
»Hm, okay, wie du meinst. Ich hole mir ein Glas Sekt.«
Ich grinse gequält. »Super.«
Nachdem er sein Sektglas geleert hat, ist er gerade dabei, mit den Karten auf die Dame mit dem Funkgerät an den braunen Holztüren zuzugehen.
Ich packe ihn am Arm und ziehe ihn zurück.
»Schatz, ich glaube, zu den Balkon-Logenplätzen müssen wir dort vorne ganz links zu der Treppe und der Dame dort die Karten vorzeigen, weil wir dann dort hochmüssen.«
Mit dem Finger deute ich in die Richtung. Meine Stimme zittert.
Lars grinst. »Nicht schlecht, du bist ja ein richtiger Fuchs.«
Doch dann verschwindet sein Lächeln.
»Woher weißt du, welche Plätze wir haben? Das sollte doch eine Überraschung werden.«
Ich schwitze und...




