E-Book, Deutsch, 238 Seiten
Arefi Remember Forever
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7448-9894-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Forever Dilogie
E-Book, Deutsch, 238 Seiten
ISBN: 978-3-7448-9894-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
1989 geboren in Hessen und lebe seit meiner Kindheit im schönen Norden von Deutschland.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Prolog
Er hört nichts, als das unerbittliche Rauschen in seinen Ohren, spürt das Hämmern und Dröhnen in seinem Schädel, als würde ständig jemand gewaltsam darauf einprügeln.
Irgendwie hat er es geschafft, sich Zugang zum Backstage-Bereich des Theaters zu verschaffen, jedoch ohne zu wissen, wie er das angestellt hat.
Nun steht er in völliger Dunkelheit, niemand scheint ihn sehen zu können. Er ist unsichtbar, geradezu vom Schwarz verschluckt. Seine Sicht verschwimmt vor seinen Augen und er kann gerade noch den hell erleuchteten, roten Bühnenvorhang rechts von sich erkennen. Vor ihm ist ein schmaler Durchgang direkt zur Bühne.
Er muss sich beherrschen, nicht schallend loszulachen. Höchstens vier, fünf Schritte trennen ihn noch von der Bühne und dem Scheinwerferlicht, machen einen Unsichtbaren wieder sichtbar. Sein Körper beginnt zu wanken, als ein heftiger Schwindel durch ihn hindurchjagt und er schafft es irgendwie, sich auf den Beinen zu halten.
Der Alkohol.
Er schaut auf die Flasche in seiner linken Hand.
Ein zwölfjähriger Glenfiddich. Ein guter Whiskey. Jetzt ist die Flasche fast leer.
Verdammt, habe ich das etwa alles heute alleine getrunken!?, schießt es ihm durch den Kopf.
Er war nie ein Trinker. Alkohol gab es immer nur zu besonderen Anlässen. Und nur hochwertiges Zeug.
Warum bin ich eigentlich hinter der Bühne und nicht auf einem der Sitzplätze im Zuschauersaal? Was habe ich hier zu suchen?
Die Erinnerung und der damit verbundene Schmerz treffen ihn wie ein Schlag mit dem Hammer und lassen ihn keuchend nach Luft schnappen.
Mit der rechten Hand greift er hinter sich an seinen Gürtel, an etwas Kühles, Unnachgiebiges. Bedrohlich und beruhigend. Ein tröstliches Gefühl durchströmt ihn, erleichtert atmet er aus.
Sie ist noch da.
Es wird Zeit. Das Theaterstück, das er sich heute eigentlich ansehen wollte – bevor sich alles schlagartig änderte und ihn von einem Moment zum nächsten in den Abgrund stürzen ließ – geht jeden Augenblick los, und vorher muss sein Vorhaben erledigt sein.
Er geht zwei Schritte nach vorne, das dumpfe Pochen in seinem Kopf scheint mit jedem Schritt stärker zu werden, und nun kann er einen kurzen Blick in den Zuschauersaal riskieren, ohne entdeckt zu werden.
Ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Mundwinkel.
Zumindest glaubt er zu lächeln. Der Alkohol hat seinen Körper mittlerweile komplett betäubt.
Das ist gut. So wird alles leichter.
Ein regelrechtes Hochgefühl durchströmt ihn, als er den bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten Saal sieht. Er nimmt einen großen Schluck von dem Whiskey – vermutlich seinen letzten.
>>Wie schön, dass Sie alle heute Abend so zahlreich erschienen sind!<<
Unbewusst zuckt er bei dem Klang seiner eigenen Stimme zusammen, selbst überrascht darüber, wie klar und deutlich er zu hören ist. Und laut. Oder bildet er sich auch das ein? Betrunkene merken oft überhaupt nicht, wie schwer ihnen die Zunge beim Sprechen tatsächlich ist.
Er tritt auf die Bühne, das Gehen fällt ihm zusehends schwerer. Er dreht sich in Richtung der Zuschauer, geblendet vom furchtbar grellen Scheinwerferlicht, jedoch kann er nach einigen Sekunden die Gesichter in den ersten Reihen unerwartet deutlich erkennen.
Verwirrte Blicke, verhaltenes Getuschel und Gehuste, hier und da ein unsicheres Kichern.
Gehört dieser schrecklich aussehende Mann zur Show dazu, oder nicht?, scheinen sie zu denken.
Es ist einfach zu herrlich.
Alles vergeht für ihn wie in Trance. Er könnte ewig hier stehen, jedoch muss er sich beeilen. Das Sicherheitspersonal ist mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit bereits auf dem Weg zu ihm …
Er beginnt zu reden, und nun merkt er auch, wie betonschwer seine Zunge ist. Sie gehorcht ihm nicht. Er spricht etwas über seine – baldige – Exfrau, doch seine Worte ergeben für ihn keinen Sinn mehr.
Als er für einen Moment innehält und den Kopf gegen das Scheinwerferlicht hebt, sieht er sie.
Diese Augen. Dunkelbraun, mandelförmig. Er würde sie immer wieder, unter Tausenden wiedererkennen.
Warum zum Teufel ist sie hier!? Warum gerade heute?
Sie bringt seinen Plan völlig ins Wanken.
Er kann es nicht durchziehen. Nicht vor ihr.
Doch dann sieht er ihren Blick. Er unterscheidet sich nicht von denen der anderen Menschen in diesem Saal.
Verwirrt, fragend. Unsicher, was als nächstes passiert. Sie sieht in ihm einen fremden, betrunkenen Verrückten. Ihr Freund neben ihr wendet sich ab, sieht zu ihr.
Sie wirft ihm einen raschen Seitenblick zu, dann wandern ihre ängstlichen Augen wieder zu ihm zurück.
Sie ist so wunderschön, so vollkommen.
Das dunkle, lange Haar, seidig auf ihren Schultern liegend. Er kann beinahe ihren Duft riechen.
Ein kurzes, wissendes Lächeln seinerseits, und plötzlich scheint sie zusammenzuzucken. Ihr Blick wird teilnahmslos, als würde er sie langweilen, als würde sie in eine andere Welt flüchten. Weg von ihm. Sie weiß nicht, wer er ist.
Der Schmerz bricht erneut über ihn herein, dieses Mal so schlimm wie zuvor nicht.
Er kann es durchziehen. Er wird es durchziehen. Für ihn gibt es keine andere Möglichkeit.
Er hat nichts mehr.
Die Verzweiflung und die Gewissheit darüber treiben ihn an.
Er sieht zwei Männer von der Security von beiden Seiten die Bühne betreten, wird gebeten, sie zu verlassen. In ruhigem, freundlichem Ton.
Sie haben Angst vor ihm. Zu was er fähig zu sein vermag. Das Monster, das beiseitegeschafft werden muss, ohne großes Aufsehen, ohne dabei Panik zu erregen.
Ersteren Gefallen wird er ihnen tun.
>>Moment! Ist ja gut! Ich möchte mich nur noch vom Publikum verabschieden, schließlich bin ich heute hier der Star des Abends!<<
Er greift hinter sich an seinen Gürtel unter seinem Hemd und zückt sie, seine Pistole. Schwer und verheißungsvoll liegt sie in seiner Hand. Ein schockiertes Raunen geht durch den Saal.
Er meidet es, noch einmal zu ihr hochzusehen, als er den Lauf der Pistole an seine wild pochende Schläfe hält, während das Adrenalin in seinem Körper den Alkohol aus seinem Blut sekundenschnell zu verdrängen scheint, sodass er plötzlich wieder klar denken und fühlen kann.
Er hat keine Zeit mehr. Keine Wahl mehr.
Seine Stimme ist ihm fremd, sie gehört nicht zu ihm.
>>Auf Nimmerwiedersehen, ihr Pfeifen!<< - Er entsichert die Waffe und drückt in dem Moment ab, als die Männer der Security auf ihn zu stürmen.
Er fühlt keinen Schmerz.
Erst als er die Augen öffnet, setzt dieser ein. Knallhart und gnadenlos, als würde sein Schädel zerfetzt. Doch nach ein paar Sekunden ist es vorüber, und er starrt an...




