E-Book, Deutsch, 147 Seiten
Arefi Something about you
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7504-2396-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 147 Seiten
ISBN: 978-3-7504-2396-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
1989 geboren in Hessen und lebe seit meiner Kindheit im schönen Norden von Deutschland.
Autoren/Hrsg.
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2
Bevor ich nach Hause fahre, zögere ich die Zeit bei Leonie unnötig weit hinaus.
Nach einem leckeren und ausgiebigen Frühstück zu zweit, gehe ich noch bei ihr duschen und verbringe gefühlte fünf Stunden in ihrem Badezimmer. Das zwischendurch häufige an die Tür Gehämmere und »Wann bist du endlich fertig?!«-Geschreie meiner Freundin bestätigt mir das auch. Ich kann einfach nicht anders.
Die ganze Zeit male ich mir ein mögliches Streitgespräch zwischen Timo und mir aus, falls ich zuhause ankomme und ihn dort antreffen sollte. Meine Nervosität wird von Minute zu Minute schlimmer.
Die gereizte Stimme meiner Freundin reißt mich aus meinen Gedanken.
»Emilia, du kommst nicht drum herum, endlich mal ein ernstes Gespräch mit deinem Fast-Verlobten zu führen, wenn du dich hier den ganzen Tag einsperrst! Außerdem müsste ich mal ganz dringend wohin …« Beim letzten Satz klingt ihre Stimme piepsig.
Ich beobachte meine vor Panik weit aufgerissenen, dunkelbraunen Augen vor mir im Spiegel und atme tief durch.
Als Leonie ein weiteres Mal an die Tür klopft, reiße ich diese auf und rausche an ihr vorbei. Verdutzt schaut meine Freundin mich an, drückt mir dann aber ein Küsschen auf meine erhitzte Wange, trällert mir ein fröhliches »Tschüss, bis später!« entgegen und verschwindet im Bad.
* * *
Ich verlasse Leonies hübsche Einzimmerwohnung und steige eilig in meinen schwarzen Golf. Zum Glück wohnt sie nicht so weit entfernt von Timo und mir, sodass der Weg nach Hause nur etwa fünfzehn Minuten beträgt.
Als ich mein Auto vor dem Mehrfamilienhaus, in dem wir wohnen, in einer noch freien Parklücke parke und den Motor abstelle, klopft mein Herz so stark, dass es aus meinem Brustkorb zu springen droht. Ich merke, dass ich mich noch immer mit beiden Händen krampfhaft am Lenkrad festkralle.
Mir ist schwindelig. Ich atme also noch einmal durch, löse meine zitternden Hände vom Lenkrad und steige mit wackeligen Beinen aus meinem Auto.
Dabei bin ich heilfroh, dass wir im ersten Stockwerk wohnen, weiter würden mich meine Beine womöglich auch nicht tragen.
Als ich den Haustürschlüssel aus meiner Handtasche krame und die Haustür aufschließen will, rauscht mir das Blut in den Ohren und ich höre meinen eigenen, immer heftiger werdenden Herzschlag im Kopf.
»Mensch Emilia, jetzt reiß´ dich endlich zusammen. Es ist doch nur Timo!«, herrsche ich mich leise an. Beherzt drehe ich den Schlüssel im Schloss herum und trete in die Wohnung.
»Timo?«
Die Wohnung wirkt leer. Es ist kein Licht an und auch der Fernseher läuft nicht.
Ich rufe noch einmal. Da ich keine Antwort bekomme, bestätigt sich meine Ahnung, dass er gar nicht zuhause ist.
Immer noch nicht …
Ich schließe die Tür hinter mir und laufe in jedes Zimmer, um ihn zu suchen.
Als ich im Wohnzimmer ankomme, realisiere ich, dass er nicht da ist. Vermutlich war er es bis jetzt auch noch gar nicht gewesen.
Tränen laufen mir über die Wangen. Ich habe plötzlich das dringende Bedürfnis, mich ihm doch noch zu erklären und mich für mein dämliches und egoistisches Verhalten gestern zu entschuldigen … Und jetzt ist er einfach nicht da!
Langsam gehe ich zur Vitrine im Wohnzimmer hinüber, nehme das dort stehende, eingerahmte Foto von uns beiden, aus dem Sommer letzten Jahres, heraus und setze mich damit auf unsere dunkelgraue Couch gegenüber. Es zeigt uns beide eng umarmt und fröhlich in die Kamera strahlend, unsere Augen leicht zusammengekniffen wegen der Sonnenstrahlen.
Timos kurze, hellbraune Haare leuchten im Licht der Sonne und meine Haut ist darauf brauner als sonst. Ich schniefe und eine Träne tropft auf das Bild.
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät für uns …
Als ich mich wieder beruhigt habe, stelle ich das Foto zurück in die Vitrine und eile in den Flur zurück, um mein Handy aus meiner Handtasche zu kramen.
Ich beschließe, Timo eine Nachricht zu schreiben.
Hallo Schatz, ich bin eben von Leonie nach Hause gekommen. Wir wollen später auf den Hafengeburtstag. Kommst du heute oder morgen noch nach Hause? Ich würde gerne mit dir reden … Und mich dir erklären. Bis dann, ich liebe dich.
Emilia
Ich lese mir die Nachricht noch einmal durch und drücke nervös auf senden.
Dann versuche ich, mich auf andere Gedanken zu bringen. Das Handy lege ich beiseite, mache die Musikanlage im Wohnzimmer an und gehe ins Schlafzimmer, um mich umzuziehen.
Ich beschließe, eine schwarze Jeans und einen blauen Kapuzenpullover anzuziehen, da das Wetter in Hamburg gerne in schlechtes Wetter umschlägt. Wir haben zwar Mitte Mai und gerade scheint die Sonne, aber das kann sich noch ganz schnell ändern.
Ich gehe ins Badezimmer, lege etwas Rouge und Wimperntusche auf und bürste meine langen Haare. Nachdem ich noch einen kleinen Spritzer Parfüm aufgelegt habe, eile ich zurück ins Wohnzimmer und schaue auf mein Handy.
Noch keine Antwort von Timo. Nur eine Nachricht von Leonie, in der steht:
Ich bin in zwei Minuten da!
Hastig stecke ich mein Handy zurück in die Handtasche, ziehe mir meine schwarzen Stiefeletten mit einem kleinen Absatz an und schlüpfe in meine Regenjacke.
»Was machst du denn für ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter?«, empfängt mich Leonie, als ich zu ihr in ihren dunkelblauen Polo steige. Ich seufze, als sie losfährt.
»Timo ist heute nicht nach Hause gekommen. Ich habe ihm vorhin geschrieben, aber er hat mir bis jetzt noch nicht geantwortet.« Wie zum Beweis schaue ich wieder auf mein Handy. Nichts.
Leonie wirft mir einen Seitenblick zu.
»Gib ihm noch etwas Zeit. Er muss das schließlich erstmal verdauen. Wahrscheinlich hatte er fest mit einem Ja von dir gerechnet.«
Gedankenverloren schaue ich aus dem Fenster.
»Ich hoffe nur, dass es nicht zu spät ist und ich mit meinem Verhalten alles zwischen uns kaputt gemacht habe«, erwidere ich besorgt. Zur Antwort schaltet Leonie das Radio an und dreht die Musik laut auf. Sie setzt ihre Sonnenbrille auf, die ihr halbes Gesicht verdeckt, und wippt beim Fahren breit grinsend im Takt mit.
Ich lache, setze ebenfalls meine Sonnenbrille auf, lasse die Fensterscheibe auf der Beifahrerseite herunter und tue es ihr gleich, dabei singen wir lautstark mit.
Schnell sind meine Sorgen und Bedenken wegen meinem Freund wie verflogen.
* * *
Der Verkehr ist die reinste Hölle.
Ständig stehen wir in der Innenstadt mitten im Stau, und in Richtung Hafen ist es noch schlimmer.
Als wir endlich dort ankommen, ist der Mangel an Parkplätzen durch die vielen Baustellen am Schlimmsten. Schließlich finden wir am Straßenrand nahe dem Portugiesen-Viertel eine freie Parklücke und begeben uns zu Fuß auf den Weg zu den Landungsbrücken.
Auf dem Hafengeburtstag wimmelt es nur so von Menschen.
Leonie und ich nehmen uns an die Hände und quetschen uns in das Getümmel. Nach knapp zwei Minuten bin ich schon ziemlich genervt.
»Meine Güte, ist das schon wieder voll hier! Wie ich das hasse!«, motze ich ungeniert, während mich einer nach dem anderen anrempelt.
»Ach Emilia, entspann dich einfach!«, zischt Leonie mich an. »Genieß es.«
Wir schauen in Richtung Wasser und entdecken die Queen Mary ll, die zu Gast im Hamburger Hafen ist. Meine Stimmung beginnt sich wieder zu heben.
Ich lächele, während ich das große Schiff betrachte und die positive Stimmung der Menschen um uns herum aufsauge.
Leonie reißt mich aus meinem Staunen und meinen Gedanken heraus, indem sie mich an der Hand zu einem Stand zieht, an dem es Sekt und Erdbeerbowle gibt. Ich lache.
»Wollen wir nicht erstmal was essen?«, frage ich sie.
Sie grinst und macht eine abwehrende Handbewegung mit ihrer freien Hand.
»Ach, was! Das Frühstück ist doch noch gar nicht so lange her.«
Ehe ich es mich versehe, halte ich schon ein großes Glas Erdbeerbowle in der Hand.
Meine Freundin hat nur ein kleines Glas mit Sekt, da sie noch fahren muss. Sie hakt sich bei mir unter, wir drehen uns zur Queen Mary ll um und stoßen mit unseren Gläsern an.
»Auf uns!«, ruft Leonie lachend. »Auf einen schönen Tag!«
Wir beide nehmen einen großen Schluck von unseren Getränken und ich blinzele dabei gegen die Sonne. Das Wetter scheint uns heute nicht im Stich zu lassen. Es ist ein herrlicher Sonnenschein, ohne eine Wolke am Himmel, und angenehm warm.
Nach einer Weile kann ich sogar meine Regenjacke ausziehen und nur in meinem Pullover herumlaufen.
Leonie trägt bloß einen schwarzen Cardigan aus Baumwolle, dunkelblaue Jeans und flache schwarze Stiefel. Ihre lange blonde Mähne hat sie zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden.
Als wir schließlich doch Hunger bekommen, bahnen wir uns erneut einen Weg durch die Menschenansammlungen. Diesmal zerre ich Leonie an der Hand mit mir.
Ich steuere direkt auf einen Stand mit vielen verschiedenen Fischbrötchen zu. Leonie lacht und versucht, mein Tempo etwas zu drosseln, indem sie mich immer wieder zurückzieht.
»Nicht so schnell, du gieriges Etwas!«, ruft sie mir dabei zu.
Ich drehe meinen Kopf zu ihr nach hinten um, schaue sie an und...




