E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Arndt Die größten Mythen der Geschichte entlarvt
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-7983-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7578-7983-9
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Der Geschichtsanalytiker und Sachbuchautor Mario Arndt schreibt über Themen, die Sie nicht in traditionellen Geschichtsbüchern finden. Seine Analysen der offiziellen Geschichte decken auf, wie das Mittelalter, die Antike und die dazugehörigen Zeitrechnungen gefälscht und erfunden wurden.
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Karl der Große Fiktive
Karls Fehlzeit im Hochmittelalter
Im Frankenreich herrschte gemäß offizieller Geschichte nach Beseitigung der römischen Herrschaft ab dem 5. Jahrhundert zunächst die Dynastie der Merowinger und vom 8. bis 10. Jahrhundert dann die Dynastie der Karolinger. Als erster Karolinger gilt Karl Martell (ca. 688 – 741), der ab 715 Hausmeier (Chef der Verwaltung) des Teilreiches Austrasien und ab 718 Hausmeier des Gesamtreiches war und damit der faktische Herrscher des Frankenreiches. Karl Martell ist der erste in Schriftquellen nachweisbare Herrscher mit Namen Karl.
Karl Martells Sohn Pippin der Jüngere wird dann im Jahre 751 der erste König der Dynastie der Karolinger. Und dessen Sohn Karl der Große war ab 768 König des Frankenreiches. Im Jahre 800 wird er in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt. Ihm folgte weitere Könige der nach Karl Martell benannten Karolinger-Dynastie mit Namen Karl.
Kaiser Karl III. (876-887), der Dicke, war im Ostfrankenreich der letzte König der Karolinger mit Namen Karl. Der letzte Karolinger-König überhaupt mit Namen Karl war Karl III. (898-923), der Einfältige, König des Westfrankenreiches. Anfang des 11. Jahrhunderts starben dann die Karolinger insgesamt in männlicher legitimer Linie aus.
Der nächste französischstämmige König mit Namen Karl war dann erst über 300 Jahre später Karl I. von Anjou (1226-1285), König von Sizilien aus der Kapetinger-Dynastie. Er wird als letztgeborener Sohn des französischen Königs Ludwig VIII. (1187-1226) angesehen, wobei die genauen Umstände der Geburt umstritten sind.
Grafik 8: Die Quellen für die Kunstfigur der Geschichte “Karl der Große“. Auf die einzelnen Quellen wird im Folgenden näher eingegangen.
In den ostfränkischen und römisch-deutschen Adelshäusern gab es während des Hochmittelalters nicht nur keinen einzigen König mit Namen Karl gibt, nein, kein einziges Mitglied einer Herrscherdynastie trägt den Namen Karl. Kein einziger Konradiner, Ottone, Salier, Welfe, Nassauer, Wittelsbacher, Habsburger, Luxemburger oder Staufer usw. trug bis zum römisch-deutschen König Karl IV. (geb. 1316) den Namen Karl.
Grafik 9: Von Karl Martell zu Karl IV. mit über 300 Jahren karlsloser Zeit
Für die offizielle Geschichte unerklärbar fehlt der Name Karl nach den karolingischen Königen im 10. Jahrhundert. Und das bei einem volkstümlichen, germanischen Namen, der ja nach offizieller Geschichte sein soll.
Vor dem Autor ist lediglich A. Bach das seltsame Fehlen des Namens Karl nach dem Frühmittelalter aufgefallen. Unter den 1000 Studenten der Universität Köln im 14. und 15. Jahrhundert findet er z.B. keinen einzigen Karl [Bach 1943, S. 351].
Bis zum Beginn des 17. Jahrhundert scheint der Name Karl nur vereinzelt ergeben worden zu sein. Eine wachsende Beliebtheit des Namens Karl kann Bach erst nach 1610 feststellen, nach der Heiligsprechung eines anderen Karls, des Kardinals von Mailand Karl Borromäus.
Karl der Große war nun sowohl König und Kaiser als auch Heiliger. Warum also findet man dann seinen Namen nach dem Aussterben der Karolinger erst so spät wieder?
Der verdoppelte Karl als Chronologie-Fehler
1.) König Karl I. aus Franken, auch genannt “der Große“, stirbt 814, und
König Karl I. von Anjou, auch genannt “der Große“, auch Regent von Frankreich, stirbt 1285 (Abstand 471 Jahre).
2.) König Karl I. aus Franken, auch genannt “der Große“, wird Weihnachten 800 vom Papst in Rom gekrönt, und
König Karl I. von Anjou, auch genannt “der Große“, auch Regent von Frankreich, wird (orthodoxes) Weihnachten 1266 vom Papst in Rom gekrönt (Abstand 466 Jahre).
Nach der Teilung des Frankenreiches 843 regiert ein Bayer Ludwig als ostfränkischer König 33 Jahre lang (genannt Ludwig II., der Deutsche), mit einem Nachfolger Karl. Und ab 1314 regiert ein Bayer Ludwig als römisch-deutscher König 33 Jahre lang, mit einem Nachfolger Karl. Zwischen 843 und 1314 liegen auch wieder 471 Jahre.
Da drängt sich einem förmlich der Verdacht auf, dass es sich bei den beiden Königen Karl und den beiden Königen Ludwig aus Bayern um dieselben Personen handeln könnte. Darüber hinaus sind weitere Parallelen wichtig – siehe Grafik 10.
Diese Parallelen enden im Frankenreich im Jahre 929, als der westfränkische König Karl III. stirbt. Genau zu diesem Zeitpunkt beginnt auch das französische System der Königsnamen mit den 3 x 131 Jahren (dazu später mehr).
Genau 471 Jahre später, im Jahre 1400, wird der römisch-deutsche König Wenzel abgesetzt. Dieser ist ein Namensvetter seines Vorgängers Karl IV., dessen Geburtsname auch Wenzel war. Interessanterweise wurde auch der 471 Jahre vorher lebende König Karl III. abgesetzt, sechs Jahre vor seinem Tod.
Ein Jahr, bevor Ludwig IV. König wird, im Jahre 1313, endet das römisch-deutsche System der Königsnamen, das im Jahre 911 beginnt (dazu später mehr). Der König, der zuvor herrschte, war auch ein Ludwig aus Bayern, auch mit der Nummerierung IV.
Grafik 10: Die Parallelen im Abstand von 466/471 Jahren im 8.-10. und 13.-14. Jahrhundert. Oben Rom/Italien und Frankenreich, unten Rom/Italien und Heiliges Römisches Reich
Darüber hinaus gibt es weitere auffällige Übereinstimmungen im ähnlichen Zeitabstand [Arndt 2020/1], u. a. auch in der äthiopischen Geschichte. Für diese hatte bereits O. Neugebauer einen Chronologie-Fehler nachgewiesen. In der äthiopischen Geschichte wiederholen sich Daten identischer Herrscher im Abstand von 456 Jahren.
[Neugebauer, S. 55]
Wenn man ein anderes Jahr für die Erschaffung der Welt berücksichtigt, als in den bisherigen Rechnungen angenommen wurde, ergibt sich für den äthiopischen Chronologie-Fehler ebenfalls ein Abstand von 471 Jahren.
Im späteren Kapitel wird gezeigt, dass die wichtigsten Zeitrechnungen der Antike nach einem klaren Plan aufeinander abgestimmt sind. Dabei spielt die Zahl 529 eine entscheidende Rolle.
Die um 471 Jahre abweichende Datierung der Todesjahre von Karl dem Großen (814) und Karl I. von Anjou (1285) sowie den Beginn der Herrschaft von König Ludwig II. (843) und König Ludwig IV. (1314) ergibt sich mit den Zahlen 529 und 1000 wie folgt:
814 + 1000 – 529 = 1285 bzw. 1285 – 1000 + 529 = 814
und
843 + 1000 – 529 = 1314 bzw. 1314 – 1000 + 529 = 843.
Alle diese Verdopplungen im Abstand von 456-476 Jahren haben offensichtlich ihre Ursache in der Konstruktion der Zeitrechnungen und damit der Chronologie – Kapitel .
In einigen Ländern wurden dann diese Duplikate mit Schriftquellen ausgestattet, so dass sie heute als zwei unterschiedliche Personen/Ereignisse in den Geschichtsbüchern der offiziellen Geschichte stehen, wie z. B. Karl der Große und Karl I. von Anjou. In Äthiopien ist dies z. B. nicht geschehen, so dass heute keiner daran zweifelt, dass es sich um ein- und dieselben Personen handelt, und die Verdopplung nur ein Chronologie-Fehler ist.
Karl I. von Valois
Karl I. von Valois (1270-1325) ist Stammvater des Hauses Valois, und damit aller Könige von Frankreich von 1328 (Philipp VI.) bis 1589. Er war nach offizieller Geschichte (Titular-)Kaiser von Konstantinopel, (Titular-)König von Aragon, zeitweise Regent von Frankreich sowie Statthalter in Italien usw. Er führte gerne und oft Krieg in allen genannten Territorien. Das verbindet ihn mit Karl dem Großen und mit Karl I. von Anjou.
Die Urgroßmutter von Karl I. von Valois hieß Blanche und kam aus Spanien (sowohl Großvater als auch Urgroßvater heißen Ludwig). Der Sage von "Flor und Blancheflor" nach war Blancheflor die Großmutter von Karl dem Großen und stammt aus Spanien.
Blanche von Kastilien war die Frau von König Ludwig dem Löwen (1187-1226), mit dem nach offizieller Geschichte die karolingische Erneuerung begann – und er zeugte den ersten Karl. Sie ist die Mutter von Karl I. von Anjou, dem ersten Karl nach den Karolingern, welcher damit Großonkel von Karl I. von Valois ist. Karl Martell als erster Karolinger war Großvater von Karl dem Großen.
Diese Statue von Karl I. von Valois (1270-1325) passt ausgezeichnet zu den Carolus-Münzen:
Abb. 25: Kopf der Statue von Karl I. von Valois in St. Denis (Grab)
Abb. 26: Silber-Denier, Abbildung von KAROLUS IMP AVG (Karl dem Großen zugeschrieben)
Abb. 27: Karl der Große von Albrecht Dürer (1510). Dieses Bild unterscheidet sich noch von späteren Phantasie- und Idealbildern,...




