E-Book, Deutsch, 346 Seiten
Arnold Das Buch Genesis entdecken
Erstauflage 2025
ISBN: 978-3-942001-46-5
Verlag: Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie alles begann – und warum es heute noch zählt
E-Book, Deutsch, 346 Seiten
ISBN: 978-3-942001-46-5
Verlag: Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor, Bill T. Arnold lehrt Altes Testament am Asbury Theological Seminary (USA). Als international anerkannter Bibelwissenschaftler ist er bekannt für seine verständliche und fundierte Auslegung alttestamentlicher Schriften.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2 Die Geschichte der ersten menschlichen Familie
Genesis 2,4–4,26
Auf das erste Erröten der Sünde folgt ihre Gleichgültigkeit.
– Henry David Thoreau (1817–1762)1
Ergänzende Lektüre: Jakobus 1,12-15
Gliederung
Was ist anders in Genesis 2–4?
• Die Ereignisse im Garten Eden (2–3)
Adam und Eva im Garten (2)
Historizität von Adam und Eva
Sex als Geschenk Gottes
• Adam und Eva aus dem Garten vertrieben (3)
Woher kommt die Bosheit Satans?
Sollen Frauen den Männern untertan sein?
• Ereignisse außerhalb des Gartens Eden (4)
Studienziele
Nach der Lektüre dieses Kapitels sollten Sie in der Lage sein,
1. den literarischen Stil von Kapitel 1 mit dem Stil in den Kapiteln 2–4 zu vergleichen;
2. den Wechsel der Gottesnamen zu erklären;
3. in Genesis 2 die Unterschiede zwischen Gottes Erschaffung der Menschen und dem Rest seiner Schöpfung aufzuzeigen;
4. die moralischen Konsequenzen zusammenzufassen, die sich daraus ergeben, dass Adam und Eva von der verbotenen Frucht aßen;
5. die Merkmale der Versuchung in Genesis 3 zu nennen;
6. das Muster des Sündenfalls und dessen Folgen zu benennen;
7. die möglichen Beweggründe für den ersten Mord und die Bedeutung von Gottes Umgang mit Kain anzugeben.
In Genesis 1 war alles hell und schön. Gott begann, indem er Licht auf die Bühne brachte, und fuhr fort, indem er eine makellose und perfekte Welt ins Dasein rief. Diese ideale Welt wurde mit einem Menschenpaar gekrönt, das nach seinem Ebenbild geschaffen wurde und in perfekter Harmonie mit ihm lebt. Aber wie schnell geht die Bibel zur tragischen Wende über! Diese nächste Einheit der Genesis ist ebenso dunkel und düster, wie Genesis 1 hell und schön war.
2.1 Was ist anders an Genesis 2–4?
Wenn Sie diese Kapitel lesen, werden Sie vielleicht einige große Unterschiede im Vergleich zu Genesis 1 bemerken. Es fehlen die strikte Symmetrie und die wiederkehrenden Formeln. Auch der gehobene Prosastil mit seiner fast poetischen Qualität ist verschwunden. Stattdessen finden wir einen Erzählstil, der bodenständig, fast volkstümlich ist. Diese Erzählung schildert nun, was mit Gottes „guter“ Schöpfung geschehen ist, wobei dem Höhepunkt seiner Schöpfung, dem menschlichen Leben, besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Mensch wird „zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, so wie er in Kapitel 1 der Höhepunkt war.“2
Sie werden auch bemerken, dass die universelle, panoramische Sicht von Genesis 1 nun durch die Beschreibung eines spezifischen Gartens ersetzt wird. Anstatt die Erschaffung des Universums und alles darin zu beschreiben, erzählt Genesis 2 von der liebevollen Errichtung des Gartens Eden, einschließlich seiner Flüsse und Bäume. Die große universelle Szene von Genesis 1 wird in Genesis 2 durch eine kleinere Bühne ersetzt, auf der sich ein wichtiges Drama entfalten wird. So verlangsamt sich auch das Tempo. Kapitel 1 führte uns in atemberaubender Schnelligkeit durch die sechs Tage der Schöpfung. Nun verlangsamt sich das Tempo in Kapitel 2 dramatisch, und noch mehr in Kapitel 3, als der Autor von den intimen Details eines Gesprächs zwischen Eva und ihrem missgünstigen Gesprächspartner berichtet.
Es ist offensichtlich, dass die Details dieses Gesprächs und die Ereignisse, die nun folgen, für den Autor von großem Interesse sind. Tatsächlich können wir daraus schließen, dass Gott mehr daran interessiert ist, dass wir aus den tragischen menschlichen Entscheidungen im Garten Eden lernen, als daran, dass wir die Details verstehen, wie er das Universum geschaffen hat. Offensichtlich ist es wichtiger, wie wir auf eine Anfechtung reagieren, als über den Langzeitkreationismus oder die theistische Evolution zu streiten.
2.2 Die Ereignisse im Garten Eden (2–3)
Wie im Prolog erwähnt, findet sich im Buch Genesis elfmal der tôledôt-Ausdruck: „Dies sind die Geschlechter von […]“ Die erste Nennung steht in 2,4 – normalerweise übersetzt mit „Dies ist der Bericht über die Erschaffung der Himmel und der Erde“ (NLT). Die nächste Belegstelle findet sich in 5,1, welche die Kapitel 2–4 zu einer literarischen Einheit über die erste menschliche Familie verbindet.3 Genesis 2 beschreibt die Erschaffung der Familie in ihrem paradiesischen Garten, und Genesis 3 erzählt von ihrem Untergang.
Kapitel 2 und 3 sind außerdem verbunden durch einen plötzlichen Wechsel in der Verwendung des Gottesnamens. In Genesis 1,1–2,3 begegneten wir der Bezeichnung „Gott“, wenn der Autor den majestätischen Gott beschreiben wollte, der die Welt einfach ins Dasein sprach. In Genesis 2 und 3 wird dagegen plötzlich „Gott der HERR“ (bzw. Jahwe) verwendet, was merkwürdigerweise nur noch einmal im Pentateuch vorkommt (Ex 9,30).4 Der Autor verbindet in Genesis 2–3 das Wort für Gott mit dem persönlicheren Gottesnamen („Jahwe“), wohl um zu zeigen, dass der majestätische, souveräne Schöpfer derselbe persönliche, liebende Gott ist, der direkt zu Adam und Eva spricht und eine recht innige Beziehung zu ihnen zu haben scheint. Diese Verwendung des Gottesnamens in Genesis 1–3 spielte auch eine wichtige Rolle in modernen wissenschaftlichen Diskussionen über die Urheberschaft der Genesis, wie wir in Kapitel 14 sehen werden.
» Adam und Eva im Garten (2)
Genesis 2 (eigentlich 2,4-25) wird oft als ein zweiter Schöpfungsbericht aufgefasst. Zwar spiegelt sich die erhabene Erschaffung des Menschen in Genesis 1,27 in den ganz persönlichen Details von Gensis 2,7 wider, und es gibt weitere Parallelen zwischen diesen Kapiteln. Tatsächlich aber hat dieser Abschnitt einen ganz anderen Umfang und eine ganz andere Funktion als Genesis 1. Die Bibel bewegt sich schnell von der universalen Schöpfung zu einem Garten im Osten (2,8).
Historizität von Adam und Eva
Die Namen, die in dieser Erzählung für das erste Menschenpaar und ihr Garten-Heim verwendet werden, haben symbolische Bedeutung.5 „Adam“ ist sowohl Eigenname als auch ein Oberbegriff für „Mensch“. In den ersten Kapiteln der Genesis ist es sehr wahrscheinlich kein persönlicher Name, sondern bezieht sich auf die Erschaffung der Menschheit als Ganzes. Alttestamentliche Autoren verwendeten oft Paronomasien (= Wortspiele), und der Ausdruck „Gott der HERR formte den Menschen [?adam] aus dem Staub der Erde [?adamâ]“ unterstreicht die Beziehung des Menschen zum Erdboden (Gen 2,7). Es gibt grammatikalische Hinweise dafür, „Adam“ zum ersten Mal in Genesis 4,25-26 (oder vielleicht 5,1-2) als Personennamen zu deuten.6
Ebenso haben die Namen „Eva“ und „Eden“ eine symbolische Bedeutung für den Erzähler. „Eva“ (?awwâ) ist ein Wortspiel mit dem Verb „leben“ und erklärt daher die Bemerkung des Mannes, sie werde „die Mutter aller Lebenden“ werden (Gen 3,20). Der Name des Gartens „Eden“ sollte mit dem hebräischen Wort „Vergnügen“ oder „Wonne“ in Verbindung gebracht werden. Sehr wahrscheinlich haben auch andere Namen in der Genesis-Erzählung, wie z. B. Kain und Abel, eine symbolische Bedeutung.
Die offensichtliche Symbolik, die durch diese Namen und bestimmte andere Merkmale beabsichtigt ist, hat viele zu der Annahme veranlasst, dass die hier beschriebenen Ereignisse nicht historisch sind. Es wird oft erklärt, dass die Erzählung ein metaphorischer Bericht über die Ursprünge der Menschheit und ein Paradigma für die Auswirkungen der Sünde im menschlichen Leben sei. In diesem Sinne repräsentieren Adam und Eva die Menschheit im Allgemeinen, waren aber keine historischen Figuren an einem buchstäblichen Ort namens Garten Eden. Außerdem wird von vielen bestritten, dass der Mensch von einem einzigen Eltern- bzw. einem ersten Menschenpaar abstammt (Monogenismus). Stattdessen glaubt man, dass die Menschheit nach und nach und vielleicht sogar aus mehreren Anfangspunkten hervorgegangen ist (Polygenese).
Allerdings zeigen sich mehrere Probleme bei diesem Ansatz. Es besteht kein Zweifel daran, dass ein Garten Gottes im Osten namens Eden symbolisch für die Anwesenheit Gottes in einer perfekten Umgebung stand. Aber die namentliche Erwähnung der Flüsse Tigris und Euphrat und andere Details in der Beschreibung des Gartens (Gen 2,10-14) zeigen, dass der Erzähler ihn als einen realen und historischen Ort ansah und wahrscheinlich in Mesopotamien verortete. Unsere Unfähigkeit, den Garten heute zu lokalisieren, ist kein Grund, seine antike Realität anzuzweifeln.
Darüber hinaus ist die Episode vom Garten Eden (Gen 2,4–4,26) durch ihre tôledôt-Einleitung („Dies ist der Bericht von den Himmeln und der Erde“, 2,4a) mit denen von Adams Linie (5,1–6,8), der von Noah (6,9–9,29) und so weiter verbunden, bis hin zu Abraham, Isaak und Jakobs Söhnen, den Vorfahren der zwölf Stämme des nationalen Israel.
Der Text der Bibel verwendet also Genealogien und Erzählungen, um eine gerade Linie von Adam zu Mose und den Israeliten und zu den übrigen Figuren der alttestamentlichen Geschichte zu ziehen. An welchem Punkt entlang dieser Reihenfolge sollten Schlüsselpersonen plötzlich mythisch...




