Ashley | Das verruchte Spiel des Daniel MacKenzie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

Reihe: LYX.digital

Ashley Das verruchte Spiel des Daniel MacKenzie


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9963-7
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9963-7
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Skandale begleiten den gut aussehenden und reichen Daniel MacKenzie auf Schritt und Tritt. Überall liegen ihm die Frauen zu Füßen. Doch erst als er dem berühmten Medium Violet Bastien begegnet, fühlt er sich zu einer Frau wirklich hingezogen. Aber Violet wird von ihrer Vergangenheit verfolgt und muss heimlich das Land verlassen. Daniel macht sich auf die Suche nach ihr, um sie vor ihren Verfolgern zu beschützen.

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1


London, 1890

Er hat kein Ass.

Daniel MacKenzie hatte vier Achten auf der Hand und eine Stange Geld auf sein Blatt gesetzt.

Er fixierte Mortimer, der zehn Jahre älter war als er und ein Gesicht hatte wie ein Wiesel. Mortimer tat, als habe er von der jungen Kartengeberin am Kopf des Tisches soeben ein Ass bekommen und damit seinen Straight vollgemacht. Doch Daniel wusste es besser.

Sie spielten Poker in der Spielhölle The Nines, die in St. James lag. Poker war Fenton Mortimers bevorzugtes Kartenspiel, und die anderen teilnehmenden Gentlemen waren bereits aus der Runde ausgestiegen. Inzwischen hatte sich der ganze Club versammelt, um Zeuge des geistigen Wettstreits zu sein, der zwischen dem fünfundzwanzigjährigen Daniel MacKenzie und Mortimer, einem ausgebufften Spieler, entbrannte. Es hing so viel Zigarrenrauch in der Luft, dass jeder Schwindsüchtige, der es wagte, den Raum zu betreten, auf der Stelle tot umgefallen wäre.

Das Spiel der Wahl in diesem Etablissement war Whist, aber Mortimer hatte vor Kurzem das aus Amerika stammende Pokern eingeführt, das er während seines jahrelangen Aufenthalts dort erlernt hatte. Mortimer war gut darin, und er hatte Mayfairs Aristokraten rasch um Tausende von Pfund erleichtert. Nichtsdestotrotz forderten sie ihn immer wieder zu einer Partie auf, voller Ehrgeiz, das Spiel ebenfalls zu beherrschen. Elf Gentlemen waren es zu Beginn dieser Runde gewesen, doch einer nach dem anderen war aus dem Spiel ausgestiegen, bis nur noch Daniel und Mortimer übrig geblieben waren.

Daniel legte seine Karten verdeckt auf den Tisch, damit niemand der Umstehenden sein Blatt sehen und Mortimer einen Hinweis geben konnte. Er nahm noch einige Geldscheine und legte sie vor seinen Karten auf den Tisch. »Ich erhöhe auf zweihundert.«

Mortimers Gesichtsfarbe bekam einen leichten Grünstich, nichtsdestotrotz schob er einen Stapel Banknoten neben den von Daniel.

»Ich erhöhe noch einmal«, sagte Daniel, nahm weitere Geldscheine von seinem Stapel und fügte sie dem ohnehin schon beträchtlichen Einsatz hinzu. »Können Sie mithalten?«

»Kann ich.« Mortimer machte keine Anstalten, in seine Taschen zu greifen, um noch mehr Scheine oder Münzen herauszuholen, offensichtlich hoffte er darauf, es nicht tun zu müssen.

»Sicher?«

Mortimer musterte ihn aus schmalen Augen. »Was erlauben Sie sich, MacKenzie? Wenn Sie meine Ehre infrage stellen wollen, bin ich durchaus bereit, Ihnen darauf entsprechend zu antworten.«

Daniel verzichtete darauf, die Augen zu verdrehen. »Immer mit der Ruhe, Mann.« Er nahm die Zigarre aus dem Halter, der vor ihm auf dem Tisch stand, und sog Rauch in seinen Mund. »Ich glaube Ihnen ja. Was haben Sie auf der Hand?«

»Zuerst zeigen Sie Ihr Blatt.«

Daniel nahm seine Karten auf und schnippte sie mit einer lässigen Geste zu Mortimer hinüber. Vier Achten, ein Ass.

Die umstehenden Gentlemen ließen ein kollektives Aufstöhnen vernehmen, die Kartengeberin lächelte Daniel an, und Mortimer wurde kalkweiß im Gesicht.

»Verdammte Hölle. Ich dachte nicht, dass Sie es haben.« Mortimer deckte seine Karten auf – die Zehn, Bube, Dame, die Sieben und die Drei.

Daniel strich sein Geld ein und zwinkerte der Kartengeberin zu. Sie war wirklich sehr hübsch. »Für den Rest können Sie mir einen Schuldschein ausschreiben«, sagte er zu Mortimer.

Mortimer befeuchtete sich die Lippen. »Hören Sie …«

Er konnte nicht zahlen. Welcher Idiot setzte sein letztes Bargeld, wenn er ein Blatt ohne jede Gewinnchance auf der Hand hatte? Mortimer hätte schon mehrere Runden zuvor seine Niederlage akzeptieren und gehen sollen.

Doch Mortimer war von sich überzeugt und hielt sich für einen Experten im Bluffen. Er war überzeugt gewesen, dass er den naiven jungen Schotten, der heute Abend im Kilt hier hereinspaziert war, wie eine Weihnachtsgans ausnehmen würde.

Ein Mann mit harten Gesichtszügen, der in der Nähe der Tür stand, warf Mortimer einen grimmigen Blick zu. Daniel vermutete, dass er Mortimer das Bargeld für die Pokerpartien dieses Abends vorgestreckt hatte oder für jemanden arbeitete, der das getan hatte. Der Mann sah ganz und gar nicht erfreut darüber aus, dass Mortimer alles verloren hatte.

Daniel stand auf. »Vergessen Sie’s«, sagte er. »Behalten Sie, was Sie mir schulden – als Zeichen der Wertschätzung für einen unterhaltsamen Abend.«

Mortimer runzelte die Stirn. »Ich zahle meine Schulden, MacKenzie.«

Daniel schaute zu dem Knochenbrecher hinüber und senkte die Stimme. »Ich denke, Sie werden mehr als das zahlen, wenn Sie nicht schnell von hier verschwinden. Wie viel schulden Sie ihm?«

Mortimer sah ihn kalt an. »Das geht Sie nichts an.«

»Ich wünsche nicht mit anzusehen, wie einem Mann das Gesicht zerschlagen wird, nur weil ich Glück beim Kartenspiel hatte. Was schulden Sie ihm? Ich werde den Betrag für Sie auslegen, dann schulden Sie ihn mir.«

»Einem MacKenzie verpflichtet sein?« Mortimers Empörung war unübersehbar.

Nun, Daniel hatte es versucht. Er stopfte sich seinen Gewinn in die Taschen und nahm von der Kartengeberin seinen Mantel entgegen. Nachdem sie ihm hineingeholfen und ihm den Kragen gerichtet hatte, strich sie Daniel aufreizend über die Schultern.

Daniel zwinkerte ihr noch einmal zu. Er faltete eine der gewonnenen Banknoten zu einem schmalen Streifen, den er in den Ausschnitt ihres Kleides steckte. »Nun denn.« Er nahm seinen Hut von der Lady entgegen, die ihn jetzt noch einladender anlächelte. »Sie haben hoffentlich noch den Charonspfennig für die Fahrt über den Acheron bei sich, Mortimer. Gute Nacht.«

Er wandte sich zum Gehen – und sah sich von Mortimers Freunden umringt.

»Ich habe meine Meinung geändert«, erklärte Mortimer mit einem dünnen Lächeln. »Diese Gentlemen hier haben mich daran erinnert, dass ich etwas Wertvolles zum Handel anzubieten habe. Sagen wir für mindestens zweitausend.«

»Ach ja? Was haben Sie zu bieten? Ein Automobil?« Das war das Einzige, was momentan in Daniels Augen den Ärger wert war.

»Besser«, sagte Mortimer. »Eine Lady.«

Daniel unterdrückte ein Seufzen. »Ich habe keinen Bedarf an einer Kurtisane. Ich kann mir selbst eine Frau suchen.«

Und zwar ganz leicht. Daniel musste eine Frau nur ansehen, und sie kam zu ihm. Ein Teil seines Charmes beruhte auf seinem Reichtum, das wusste er; ein weiterer auf der Tatsache, dass er zu der berühmten MacKenzie-Familie gehörte und der Neffe eines Dukes war. Aber über die Beweggründe der Damen zerbrach sich Daniel nie den Kopf, er genoss einfach nur seinen Erfolg.

»Sie ist keine Kurtisane«, entgegnete Mortimer. »Sie ist etwas Besonderes. Sie werden es sehen.«

Vielleicht eine Schauspielerin. Sie würde eine mittelmäßige Darbietung eines Shakespeare’schen Monologs abliefern, und von Daniel würde man erwarten, dass er lächelnd verkündete, sie sei jeden Penny wert.

»Behalten Sie Ihr Geld«, sagte Daniel. »Geben Sie mir stattdessen ein Pferd oder Ihren besten Diener – ich bin da nicht sonderlich wählerisch.«

Mortimers Freunde rührten sich nicht von der Stelle. »Aber ich bestehe darauf«, sagte Mortimer.

Elf gegen einen. Falls sich Daniel nicht auf den Vorschlag einließ, würde er am Ende mit zerschundenen Fingerknöcheln dastehen. Doch gerade seine Hände wollte er keiner Verletzungsgefahr aussetzen, denn er hatte einige Feinarbeiten an seiner Maschine zu erledigen und musste dafür in der Lage sein, einen Schraubenzieher zu halten.

»Also gut«, gab er schließlich nach. »Aber ich werde die Ware prüfen, ehe ich sie als Zahlungsmittel akzeptiere.«

Mortimer war einverstanden. Er legte Daniel die Hand auf die Schulter, während er ihn aus dem Club führte, und Daniel verkniff es sich, die Hand abzuschütteln.

Als sie zu Mortimers Landauer gingen, bildeten seine Begleiter einen schützenden Ring um sie. Bevor sie vom The Nines wegfuhren, bemerkte Daniel, dass der Knochenbrecher ebenfalls die Spielhölle verlassen hatte und ihnen folgte.

Sie fuhren durch die nebelverhangene Stadt in ein respektables Viertel nördlich der Oxford Street. In der Nähe des Portman Square hielt Mortimer in einer Seitenstraße an.

Es zwar zwei Uhr morgens, und alles war still. Straße und Häuser lagen im Dunkeln. Hinter den Fenstern schliefen respektable Gentlemen, die früh am Morgen aufstehen würden, um sich zur Arbeit in die Stadt zu begeben.

Daniel stieg aus dem Landauer und schaute zu den dunklen Fenstern hinauf. »Sie wird schon schlafen. Lassen Sie uns die Sache auf morgen verschieben.«

»Unsinn«, erwiderte Mortimer. »Sie empfängt mich jederzeit, wann immer ich sie besuche.«

Er ging zu der schwarz lackierten Haustür und klopfte mit seinem Stock an. In einem Fenster über ihnen leuchtete Licht auf, der Vorhang wurde zur Seite geschoben. Mortimer schaute hinauf, machte eine ungeduldige Geste und klopfte erneut gegen die Tür.

Der Vorhang wurde fallen gelassen, und das Licht verlosch. Klopf, klopf, klopf machte Mortimers Stock. Daniel verschränkte die Arme vor der Brust und rang den Impuls nieder, Mortimer den Stock aus der Hand zu nehmen und ihn über dem Knie zu zerbrechen. »Wer wohnt hier?«

»Ich«, entgegnete Mortimer. »Ich meine, mir gehört das Haus. Meiner Familie, genauer gesagt. Wir haben es an Madame Bastien und ihre Tochter vermietet. Für einen kleinen Mietnachlass haben sie...


Ashley, Jennifer
Jennifer Ashley lebt im Südwesten der USA. Als Autorin von Romantic und Urban Fantasy sowie historischer Liebesromane hat sie eine große Fangemeinde gewonnen. Sie wurde mit mehreren Genrepreisen ausgezeichnet, und ihre Romane wurden in zwölf Sprachen übersetzt.

Jennifer Ashley lebt im Südwesten der USA. Als Autorin von Romantic und Urban Fantasy sowie historischer Liebesromane hat sie eine große Fangemeinde gewonnen. Sie wurde mit mehreren Genrepreisen ausgezeichnet, und ihre Romane wurden in zwölf Sprachen übersetzt.



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