E-Book, Deutsch, Band 0319, 144 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Ashley Der Herr von Moor House
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-028-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0319, 144 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-95446-028-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Niemals wollte die zauberhafte Megan den Mann wiedersehen, der ihr junges Herz gebrochen hat. Doch jetzt, im November 1799, steht er vor ihr: Christian Blackmore, groß, breitschultrig und Herr von Moor House. Einst träumte Megan bereits von einer glanzvollen Hochzeit mit ihm - da heiratete er ohne Erklärung die reiche Louisa. Ihr Unfalltod führte zu so vielen Gerüchten, dass Christian eine Zeit lang lieber in Indien lebte. Nun ist er zurückgekehrt, um als Vormund für die 16-jährige Sophie zu sorgen. Sie will jedoch nicht ohne ihre Tante Megan nach Moor House ziehen. Schweren Herzens stimmt diese zu. Sie weiß, dass sie Christian immer noch liebt. Damit er sich endlich mit Megan versöhnt, sorgt Sophie dafür, dass die beiden gemeinsam eine Nacht im Keller eines Klosters verbringen müssen...
Die Engländerin schreibt historical romances und entspannt sich gerne in ihrem Garten. Diesen hat sie bereits öfter zugunsten des Fondes der Kirche in ihrem Dorf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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2. KAPITEL
“Ich werfe ihn hinaus!” verkündete Mrs Pemberton und mimte erfolgreich eine Frau, die einem hysterischen Anfall nahe war. Doch diese Pose konnte sie nicht allzu lange beibehalten, und sie lächelte wehmütig. “Zumindest werde ich – da ich im Gegensatz zu unserer albernen Nachbarin Mrs Cunningham nicht zu dramatischen Szenen neige – die Dienstboten beauftragen, ihm die Tür zu weisen.”
“Zum Glück bist du nicht so wie diese Närrin, Charlotte”, erwiderte Megan und warf ihrer älteren Schwester einen liebevollen Blick zu. “Der arme Mr Cunningham muss die Geduld eines Heiligen besitzen. Sonst würde er die Launen seiner Frau unmöglich ertragen.” Seufzend lenkte sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Blatt Papier und die wenigen Zeilen in jener kühnen, unvergesslichen Handschrift. “Wohl oder übel müssen wir ihn empfangen. Letzte Woche hat uns Mr Metcalfs Brief auf Christians Besuch vorbereitet. Und ich möchte nichts riskieren, was unseren Kontakt mit Sophie gefährden könnte. Ob es uns passt oder nicht, er ist der Vormund unserer Nichte und hätte das Recht, uns von ihr fernzuhalten.”
Nachdenklich starrte Charlotte vor sich hin. “Der Tod unseres Bruders konnte uns nicht überraschen, da wir lange über seine schwere Krankheit Bescheid wussten. Aber die Wahl des Vormunds für sein einziges Kind schockiert mich. Was hat Charles bloß dazu bewogen, das Schicksal seiner Tochter ausgerechnet in Christians Hände zu legen, statt sie auch weiterhin unserer Obhut zu überlassen? Immerhin schien eine solche Regelung ihm richtig, als er damals abreiste.”
Schon vorher, verbesserte Megan ihre Schwester in Gedanken. “Vielleicht wollte er das Kind einem respektablen Gentleman anvertrauen.”
“Respektabel?” Charlotte hob spöttisch die Brauen. “Ich hätte Vorbehalte, Christian so zu bezeichnen.”
“Dann eben verantwortungsbewusst”, gab Megan nach. “Und vergiss nicht – er hat sich um Charles gekümmert. Sicher war es nicht einfach, wochenlang einen Todkranken zu pflegen.”
“In der Tat, das ist sehr freundlich von ihm gewesen. Außerdem hat er für ein christliches Begräbnis unseres Bruders im fernen Indien gesorgt. Trotzdem verstehe ich nicht, warum Charles diesen Mann zu Sophies Vormund bestimmt hat, wo er doch kein gutes Haar an ihm ließ, nachdem …”
“Nachdem Christian mir den Laufpass gab”, vollendete Megan den Satz. “Dieses Thema hast du in all den Jahren gemieden, meine Liebe. Aber es ist nicht mehr nötig. Inzwischen habe ich die Enttäuschung verwunden. Es macht mir nichts mehr aus, dass er mir eine renommierte Schönheit vorzog. Und Christian hatte sich niemals offiziell mit mir verlobt.”
“Aber ihr wart euch einig. An deinem achtzehnten Geburtstag sollte die Verlobung stattfinden. Das hast du mir oft genug geschrieben.”
Nur für einen kurzen Moment verdunkelten sich Megans blaue Augen. “Glücklicherweise lief Louisa Berringham ihm vor jenem Tag über den Weg und ersparte mir das traurige Schicksal einer verlassenen Braut.”
“Jetzt kannst du leichthin darüber reden. Aber damals brach dir dieser gewissenlose Mann das Herz.”
“So hart darfst du nicht über ihn urteilen. Er hat sich einfach nur in eine andere verliebt. Kein Wunder … Sogar Charles gestand, eine schönere Frau als Louisa Berringham sei ihm nie begegnet.”
Charlotte musterte ihre jüngere Schwester über den Frühstückstisch hinweg – ein fein gezeichnetes Gesicht, kornblumenblaue Augen, von dichten Wimpern umrahmt, eine kleine gerade Nase und volle Lippen. “Behauptest du etwa, du wärst nicht bildhübsch?”
“Besten Dank.” Megan lächelte sanft. “In den letzten Jahren muss sich meine äußere Erscheinung vorteilhaft verändert haben.” Sie schenkte sich noch etwas Kaffee ein. “Aber um zu der Frage zurückzukehren, warum sich unser Bruder für diese Vormundschaft entschieden hat … Ich vermute, als er Christian in Indien wiedersah, begrub er den alten Groll. Immerhin hatten sie einiges gemein. Beide waren Witwer, und beide suchten im Ausland Vergessen.”
“Wenigstens wissen wir, dass unsere liebe Schwägerin eines natürlichen Todes gestorben ist”, bemerkte Charlotte mit einer für sie ungewöhnlichen Boshaftigkeit.
“Und Christian verlor seine Frau infolge eines tragischen Unfalls.” Unverständlicherweise verteidigte Megan den Mann, der sie vor fast sieben Jahren so grausam verlassen hatte, erneut. “Kein vernünftiger Mensch konnte jene ungeheuerlichen Gerüchte glauben. Nur weil Christian zufällig anwesend war, sollte man nicht behaupten, er hätte seine Frau die Treppe hinabgestoßen und dabei auch sein ungeborenes Kind getötet.”
“Vielleicht bin ich ungerecht, wenn es um Christian Blackmore geht. Aber offen gestanden – auch ich habe jenen bösartigen Klatsch niemals ernst genommen. Andererseits hat er nicht lange gebraucht, um seine Trauer zu verwinden. Schon wenige Wochen später wurde sein Name mit verschiedenen übel beleumdeten Damen in Verbindung gebracht, eingeschlossen Lady Tockington, deren Ruf … Nun, du weißt selbst …”
“Nein, keine Ahnung.” Megan hob belustigt die Brauen. “Also klär mich bitte auf.”
“Es schickt sich nicht für eine unverheiratete junge Dame, über solche Dinge zu reden”, tadelte Charlotte, und ihre gespielte Empörung bewog Megan, in Gelächter auszubrechen.
“Und eine respektable Witwe darf freimütig über unmoralische Damen sprechen?” Dann wurde sie wieder ernst. “Welche Gerüchte du auch gehört hast, mögen sie stimmen oder nicht – man warf ihm niemals vor, er habe unschuldige Mädchen verführt. Soviel wir wissen, ließ er sich nur mit erfahrenen Frauen ein.” Ohne mit der Wimper zu zucken, hielt sie Charlottes skeptischem Blick stand. “Meine Liebe, ich kannte Christian besser als du, er behandelte mich stets mit allem nur erdenklichen Respekt, und ich gehe nicht davon aus, dass sich daran etwas geändert hat.”
Forschend betrachtete sie Charlotte, während sie ihren Kaffee trank. Die gutmütige ältere Schwester sagte nur selten ein unfreundliches Wort über ihre Mitmenschen. Nur gegen Christian Blackmore hegte sie eine tief verwurzelte Abneigung, was sie seit dem Eintreffen seines Briefes an diesem Morgen nicht verbergen konnte.
“Es ist wohl besser, wenn ich ihn allein empfange”, fuhr Megan fort.
“Das kannst du nicht ernst meinen!”, rief Charlotte ungläubig.
“Am liebsten würde ich ihn überhaupt nicht sehen. Leider habe ich keine Wahl. Und wenn ich ihn auch nicht mit offenen Armen aufzunehmen gedenke – ich werde ihm höflich begegnen. Vielleicht ist er dann eher bereit, Sophie noch eine Weile bei uns zu lassen.” Nach einem kurzen Blick auf den Brief, der neben ihrem Teller lag, erklärte sie: “Er steigt im ‘Swan’ ab. Mittags wird er hierherkommen. Du wolltest heute Vormittag ins Pfarrhaus gehen. Diesen Besuch solltest du nicht absagen. Aber ich wäre dir dankbar, wenn du Sophie aus dem Haus ihrer Freundin abholen und um halb eins hier eintreffen würdest. Dann kann ich vorher eine halbe Stunde allein mit Christian reden.” Megan stand auf. “Und ich bitte dich, Charlotte – versuch deinen Groll gegen ihn nicht zu zeigen. Sophie erinnert sich nur dunkel an ihn, und sie soll sich ihre eigene Meinung bilden.”
Ohne eine Antwort abzuwarten, eilte Megan in die Halle und stieg die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Angstvoll dachte sie an die unangenehme Begegnung, die immer näher rückte. Ihrer Schwester würde es nicht schwerfallen, Christian gegenüber zu verbergen, was sie empfand. Und sie selbst? Es war ihr gutes Recht, den Mann zu verabscheuen, der ihr die Ehe versprochen und sie dann so schmählich im Stich gelassen hatte.
Bedrückt trat sie ans Fenster ihres Schlafzimmers und schaute zur Straße hinab. Aber sie sah nicht die Stadtbewohner, die an diesem trüben Tag Ende November vorbeigingen, in warmen Mänteln vor der Kälte geschützt, sondern Bilder aus der Vergangenheit. Wie jung war sie damals gewesen, so unbeschwert, so naiv und vertrauensvoll.
Nur allzu deutlich erinnerte sie sich an die schreckliche Pockenepidemie, die Dorset heimgesucht und ihre Eltern das Leben gekostet hatte. An jener Krankheit starb auch Christians Mutter, und so wurden die beiden Kinder durch das gemeinsame Erlebnis tiefer Trauer verbunden. Christinas Schwester Georgiana übte ebenfalls einen starken Einfluss auf Megan aus. Sie schlossen Freundschaft, und Megan besuchte Moor House sehr oft. Bald erwartete die ganze Gegend, Christian würde sie eines Tages heiraten. Aber er wollte sich erst an ihrem achtzehnten Geburtstag offiziell mit ihr verloben. Da er sechs Jahre älter und viel weltgewandter war als sie, dachte sie, er müsste es am besten wissen, und stimmte zu.
Wie dumm sie gewesen war … An jenem kalten Morgen gegen Ende Februar, als er zu ihr kam und erklärte, er sei von seinem Vater nach London beordert worden, glaubte sie immer noch an seine Liebe. Zwei Wochen später las sie in der Zeitung, er habe Miss Louisa Berringham geheiratet.
Was ihr am schlimmsten erschien – er hatte es nicht einmal für nötig befunden, ihr persönlich zu schreiben, dass er heiraten würde. Ihre ganze Welt stürzte ein, und sie suchte Trost bei ihrer verwitweten Schwester in Somerset.
Seit jenem Februarmorgen vor fast sieben Jahren hatte sie Christian nicht mehr gesehen. Nun würde er ihr wieder gegenübertreten. Ob sie es wollte oder nicht, sie musste den Mann, der ihr junges Leben so grausam zerstört hatte, freundlich empfangen.
Ihre düsteren Gedankengänge wurden unterbrochen, als ihre Zofe eintrat, und Megan wandte sich dem Mädchen zu. “Hat meine Schwester das Haus schon verlassen, Betsy?”
“Ja, Miss. Und das ist gut so, wenn ich mir...




