Ashley Die Verführung des Elliot McBride
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9644-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 380 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-9644-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Juliana St. John wird am Tag ihrer Hochzeit am Traualtar von ihrem zukünftigen Ehemann stehen gelassen. Als sie wenig später ihrer ersten großen Liebe, dem Schotten Elliot McBride, wiederbegegnet, bittet sie ihn kurzerhand, sie zu heiraten. Elliot willigt ein, aber nach langer Gefangenschaft ist er nicht mehr der Mann, der er einst war. Kann Julianas Liebe die Schatten seiner Vergangenheit von ihm nehmen?
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2
Elliot saß reglos da, seine Augen waren so grau wie der Himmel im Winter und ebenso kalt.
Juliana war bewusst geworden, dass sie bei ihrer Frage an Elliot, den stets zu einer Neckerei aufgelegten jungen Mann mit den freundlichen Augen gedacht hatte. Dieser Elliot McBride hier war ein Fremder. Sein helles Haar war kurz geschnitten, die Gesichtszüge wirkten hart, und feine Narben überzogen eine seiner Wangen.
Dieser Elliot hatte andere Männer verfolgt und getötet, war gefangen genommen und so lange in ein Gefängnis gesperrt worden, dass sie alle seinen Tod befürchtet hatten. Die zehn Monate, in denen er als vermisst gegolten hatte, waren die schlimmsten in Julianas Leben gewesen. Danach war er in das Haus seines Bruders zurückgekehrt, um zu genesen, aber Juliana hatte ihn nicht gesehen. Elliot hatte niemanden besucht, er hatte keine Besucher empfangen und war nach einer Weile nach Indien zurückgekehrt.
»Ich habe doch gesagt, dass es eine dumme Idee ist«, sagte Juliana rasch. »Du siehst ein wenig grün im Gesicht aus, Elliot. Ich wollte dich nicht zu Tode erschrecken. Schlummere weiter.«
Elliots Blick glitt zu dem ungeschmückten Altar und zurück zu Juliana, seine Finger in ihrem Rücken fühlten sich in der Kühle der Kapelle heiß an. »Gar nicht dumm. Ich denke, es ist eine fantastische Idee.«
»Ehrlich, Elliot, tu so, als hätte ich nichts gesagt. Du hast mich beim ersten Mal auch nicht gehört.«
Elliot legte ihr die Hand auf die Schulter und drückte sie. Seine Kraft schickte Wärme durch Julianas viel zu kalten Körper. »Ich kann aber nicht so tun, als hätte ich dich beim zweiten Mal nicht gehört, Mädchen.«
»Nun, dann nehme ich die Frage zurück. Ich werde jetzt in das Haus meines Vaters zurückkehren und damit anfangen, die Geschenke zurückzuschicken. Ich habe akribisch alles notiert, wie ich es immer tue. Gemma hat mich wegen meiner Listen und Notizen ausgelacht, aber jetzt wird sie mir dafür dankbar sein.«
Ihr Lächeln war so reizend, ihre Augen so strahlend, und Elliots Herz schlug so hart, dass es ihn überraschte, dass es in der Stille nicht widerhallte.
Er wollte aus der Kirchenbank springen und vor Freude schreien, er wollte Juliana zurück in die Kirche schleifen und dem Geistlichen befehlen, mit der Zeremonie zu beginnen. Seine Familie und die Julianas waren Mitglieder dieser Kirchengemeinde, sie waren beide im heiratsfähigen Alter, und es würde keine Einwände geben. Er kannte Leute, die rasch eine neue Lizenz erteilen konnten, die Sache wäre schnell erledigt.
Elliot war heute ihretwegen nach Edinburgh gekommen – um den Plan in die Tat umzusetzen, den er im Sinn hatte. Die endlose Warterei in der Kirche hatte angefangen, seine Nerven zu strapazieren, und um einen Moment allein zu sein, hatte er sich in die Kapelle zurückgezogen. Einige Schlucke Whisky, und sein müder Körper – er schlief des Nachts niemals gut – war vom Schlaf übermannt worden.
Um vom wundervollen Gewicht Julianas in all ihrem Satin und Tüll, dem Duft von Rosen und dem Klang ihrer Stimme geweckt zu werden. Ja. Dies war richtig.
»Ich werde nicht nach Indien zurückgehen«, sagte er. »Ich habe ein Haus gekauft, den alten McGregor-Besitz etwa dreißig Meilen nördlich von Aberdeen. McGregor ist mein Großonkel mütterlicherseits und brauchte ein wenig Bargeld. Du kannst ebenso gut mich heiraten und dich um das Anwesen kümmern.«
Juliana starrte ihn noch immer an. Ihre Lippen waren leicht geöffnet und weckten in ihm den Wunsch, von der Feuchtigkeit dazwischen zu kosten. Wenn sie Nein sagte oder dass sie warten wolle, hatte er weitere Pläne in der Hinterhand. Elliot mochte verrückt sein, aber er hatte vor, sehr, sehr überzeugend zu sein.
»Das ist ziemlich weit weg«, sagte Juliana. Ihre Stimme klang matt.
»Aye.« Die Züge mochten heutzutage häufiger fahren, nichtsdestotrotz lag der Norden des Landes weitab vom Schuss. Er war ein friedvoller Rückzugsort von Lärm und Geschrei, und Elliot brauchte Frieden.
In Julianas blauen Augen lag Beklommenheit. Angesichts ihrer Zweifel drohte die vertraute Mattigkeit in Elliot wieder aufzuwallen. Sie versuchte, ihn in die Benommenheit zurückzuwerfen, wollte, dass er sich gegen Julianas satinweiche Wärme lehnte und ihren Duft einatmete …
»Bist du dir sicher, Elliot?« Julianas Stimme ließ ihn wieder aufwachen.
Natürlich war er sicher. Elliot brauchte sie bei sich, damit er stark sein konnte und es ihm gut ging.
Er zuckte mit den Schultern, täuschte Lässigkeit vor. »Ich habe dir doch gesagt, dass es eine fantastische Idee ist. Jeder will eine Hochzeit. Du bist im Hochzeitsstaat, und ich werde nicht lange brauchen, um auch in vollem Glanz dazustehen.«
Ihre Augen wurden groß. »Du meinst, du willst es heute tun?«
»Warum nicht? Deine Gäste sind anwesend, der Geistliche wartet.«
Juliana schürzte die Lippen, und der Anblick heizte sein Blut an. »Es würde ein absoluter Skandal sein.«
»Und wenn schon. Während die Leute darüber reden, werden wir auf unserem Anwesen sein, weit fort von hier.«
Juliana zögerte, dann nahm ihr Lächeln etwas Mutwilliges an. »In Ordnung. Ganz wie du sagst – warum eigentlich nicht?«
Elliots Herz hämmerte, der Jubel, der sich in ihm erhob, ließ ihm fast den Atem stocken. Er musste dies zu Ende bringen, sie nach Hause bringen, mit ihr zusammen sein.
Elliot zog Juliana auf die Füße und führte sie aus der Kirchenbank. Juliana stolperte leicht in ihren hochhackigen Schuhen, doch er stützte sie mit seiner starken Hand. Ihre Nähe, ihren weichen Arm unter seinen vernarbten Fingern zu spüren, drängte ihn weiter. Er musste diesen Handel besiegeln, ehe die Finsternis zurückkam, und damit meinte er nicht die Dunkelheit der Nacht.
An der Tür veranlasste Elliot Juliana, stehen zu bleiben, sein Griff um ihren Arm war viel zu fest, aber er schaffte es nicht, ihn zu lockern. »Bleib bei meiner Schwester, während ich dem Geistlichen erkläre, warum der Bräutigam ein anderer Mann sein wird als vorgesehen. Wirst du bereit sein?«
»Ja.« Juliana befeuchtete ihre Lippen. »Natürlich.«
»Gut.«
Sie streckte die Hand nach dem Türgriff aus, aber Elliot zog sie zurück. »Warte.«
Sein Arm, den er um sie legte, fühlte sich so hart an wie der Ast eines Baumes. Er zog sie näher. So nahe, dass sie das Muster der weißen Narben auf seiner Wange sah, die dünnen Linien, die auf dem Wangenknochen begannen und unter dem Haaransatz endeten. Schnitte, die mit einer fein gezackten Klinge gemacht worden waren.
Gleich würde Elliot sie küssen. Juliana hielt den Atem an, während sie auf die kühle Berührung seiner Lippen wartete, den Druck seines Mundes. Sie hatte viele Male von seinem Kuss geträumt, nach diesem einen, den er ihr vor so langer Zeit gestohlen hatte.
Doch er tat es nicht. Stattdessen zog Elliot ihre Hand an seine Lippen, drehte sie herum und drückte einen langen, brennenden Kuss auf ihre Handinnenfläche. Jegliche Enttäuschung löste sich in der Hitze auf, die ihren Arm hinaufflutete, und in dem sündigen Feuer, das ihren Körper entflammte.
Elliot öffnete die Tür der Kapelle, führte Juliana hinaus in den kalten Nebel und schloss die Tür hinter ihnen. Juliana stand wieder der besorgten Ainsley gegenüber, dem massigen Lord Cameron und ihrer Stiefmutter Gemma, die gekommen war, um nachzusehen, was aus ihnen allen geworden war.
So kam es, dass Juliana St. John eine Stunde später Elliot McBride heiratete, in der Kirche, in der sie am selben Tag eigentlich Mr Barclay hatte ehelichen sollen.
Die Gäste beobachteten entweder schockiert oder erfreut, wie Elliot, in einem formellen schwarzen Jackett und dem Kilt in den Farben der McBrides, neben Juliana stand und sein Ehegelöbnis ablegte. Als Julianas Vater ihre Hand in Elliots legte, schloss Elliot seine Hand mit hartem Griff darum, den er nicht zu lockern bereit war.
Der Gottesdienst war kurz und schlicht. Ainsley hatte erneut Rosen in Julianas Haar gewunden, und dank Ainsley und Gemma war ihr Brautstrauß noch frisch und wies einen Zweig Heide auf, der Glück bringen sollte.
Elliot hielt Julianas Hand, ohne sie auch nur einmal loszulassen, während der Geistliche die Zeremonie abhielt, und gab sie auch nicht frei, nachdem er ihr den Ehering auf den Finger gesteckt hatte. Sie hatten sich die Ringe von Elliots Bruder Patrick und dessen Frau Rona ausborgen müssen. Ronas Ring war Juliana ein wenig zu weit, und sie krümmte die Finger, damit sie ihn nicht verlor.
Endlich erklärte der Geistliche sie zu Mann und Frau. Elliot drehte Juliana zu sich, hob ihr Kinn und küsste sie.
Es war ein besitzergreifender Kuss. Ein schottischer Laird mochte in alten Zeiten seine eroberte Braut auf diese Weise geküsst haben, und Elliot war gar nicht so viele Generationen von jenen Lairds aus vergangenen Tagen entfernt.
Nach dem Kuss hob er den Kopf und schaute auf sie herunter, seine Hände lagen fest auf ihren Armen, in den grauen Augen leuchtete Triumph. Und Juliana war verheiratet.
Einige Stunden später, während der Hochzeitsfeier im Stadthaus der St. Johns – Gemma hatte keinen Grund gesehen, alle Vorbereitungen für die Katz gewesen sein zu lassen –, floh Juliana mit der Entschuldigung, die Toilette aufsuchen zu müssen, aus den von Lachen erfüllten Räumen und vor den kritischen Fragen ihrer Freundinnen.
Als sie auf einen leeren Korridor trat, atmete sie erleichtert auf. Sie war froh, dass...




