Ashley | Flucht aus dem goldenen Käfig | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

Ashley Flucht aus dem goldenen Käfig


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6333-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

ISBN: 978-3-7337-6333-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Heimlich flüchtet die blutjunge Lady Jennifer aus dem goldenen Käfig, zu dem das Anwesen ihres Gatten Julian Stapleford, Marquis of Wroxam, für sie geworden ist. Erst neun Jahre später kehrt sie nach London zurück, entschlossen, sich von Julian scheiden zu lassen. Niemals darf er erfahren, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben, denn das Recht, ihr den Jungen für immer zu nehmen, wäre auf seiner Seite! Und so verbirgt sie Charles vor Julian, der ihr noch immer so kühl und distanziert wie damals entgegentritt. Insgeheim jedoch ist er von Jennifer entzückt: Sie ist gereift, erwachsen geworden und dazu strahlend schöner Mittelpunkt jeder Gesellschaft. Als er dann doch erfährt, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben, lässt er Jennifer und Charles sofort nach Wroxam Park bringen - mit der brennenden Hoffnung im Herzen, hier mit Jennifer erneut die Liebe zu finden...



Die Engländerin schreibt historical romances und entspannt sich gerne in ihrem Garten. Diesen hat sie bereits öfter zugunsten des Fondes der Kirche in ihrem Dorf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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1. KAPITEL

Lady Carstairs blickte gelangweilt aus dem Fenster des Salons. Plötzlich bemerkte sie draußen auf dem Berkeley Square eine elegante Kutsche, die von einem Gespann prächtiger Rappen gezogen wurde und in diesem Moment vor einem der Häuser auf der anderen Seite des Platzes zum Stehen kam. Neugierig beobachtete Ihre Ladyschaft, wie kurz darauf eine Dame dem Gefährt entstieg und eine Weile regungslos an dem vornehmen Gebäude hochschaute.

„Gütiger Himmel!“, rief sie aus. „Ob es einen Todesfall bei den Staplefords gegeben hat, Serena? Aber ich habe nichts dergleichen gehört!“

Ihre Tochter sah von dem Buch auf, das sie sich am Morgen aus der Leihbibliothek geholt hatte, und kniff die kurzsichtigen Augen zusammen, um einen Blick nach draußen zu werfen. „Nur weil die Dame schwarz gekleidet ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sie Trauer trägt“, entgegnete sie. „Es gibt viele Frauen, die eine Vorliebe für diese Farbe hegen.“

Lady Carstairs war die vernünftige Art ihrer älteren Tochter häufig ein Ärgernis. In diesem Fall jedoch war sie gewillt, darüber hinwegzugehen. „Natürlich hast du recht. Der Schleier dient vermutlich nur dem Zweck, ihr Gesicht zu verbergen.“ In ihren Augen war plötzlich ein boshaftes Funkeln zu erkennen. „Und ich für mein Teil kann es der Dame auch kaum verdenken, falls sie tatsächlich vorhaben sollte, diesen gefühllosen Menschen aufzusuchen.“

Serena vermochte ein Lächeln nicht zu unterdrücken. Ihre Mutter ließ keine Gelegenheit aus, eine abfällige Bemerkung über den hochmütigen Marquis of Wroxam fallen zu lassen, der es tatsächlich wagte, Lady Carstairs’ Existenz komplett zu ignorieren. „Du hast bisher noch nie ein gutes Wort für Seine Lordschaft übrig gehabt, Mama, und vielleicht hast du damit auch recht. Er hat zweifelsohne nicht umsonst den Ruf, außerordentlich hochnäsig zu sein. Doch ich muss sagen, dass ich sein Benehmen bei den wenigen gesellschaftlichen Anlässen, bei denen ich ihn beobachtet habe, stets nur als tadellos bezeichnen konnte.“

„Ha!“, höhnte Lady Carstairs. „Aus gutem Grund! Bestimmt möchte er dem stolzen Namen, den er trägt, nicht noch mehr Schaden zufügen, als er das bereits getan hat. Schließlich gab es vor Jahren genug Gerede, nachdem seine junge Frau auf einmal verschwunden war.“

„Ich habe davon gehört.“ Serena runzelte die Stirn. „Obwohl ich das Gerücht, dass er sie umgebracht haben soll, nicht einen Moment lang glaube.“

Diesmal ließ Lady Carstairs ihrer Verärgerung freien Lauf. „Und weshalb nicht, wenn ich fragen darf? Stehst du mit dem Marquis auf derart vertrautem Fuß, dass du behaupten kannst, er habe ganz sicher nichts mit ihrem Verschwinden zu tun?“

„Nein, Mama“, erwiderte Serena in ihrer gelassenen Art. „Ich habe bisher noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt. Wahrscheinlich weiß er nicht einmal, dass es mich gibt. Aber nach dem, was ich gehört habe, bin ich der Ansicht, dass er zu klug ist, um sich zu einer so törichten Handlung hinreißen zu lassen. Es erscheint mir wenig schlüssig, dass er Lady Jennifer Audley überhaupt geheiratet haben sollte, wenn er das nicht wirklich gewollt hat. Geld kann bei der Wahl der Tochter des verstorbenen Earl of Chard keine Rolle gespielt haben, denn der Marquis gehört schließlich zu den reichsten Männern des Landes.“

„Ich muss zugeben, dass du recht haben könntest“, räumte Ihre Ladyschaft widerwillig ein.

„Wenn er ihren Tod verursacht haben soll, dann müsste er doch einen guten Grund dafür gehabt haben. Hätte er sich etwa für eine andere Frau entschieden, wäre ihm sicher daran gelegen gewesen, dass man den Leichnam seiner ersten Gattin findet – doch das war nicht der Fall, wie du weißt“, erinnerte Serena ihre Mutter.

Lady Carstairs nickte nachdenklich.

„Sein Name ist während der letzten Jahre mit allen möglichen Damen in Verbindung gebracht worden. Aber ich habe nie gehört, dass er vorgehabt hätte, eine von ihnen zu heiraten. Zudem ist er ein strikter Verfechter der Schicklichkeit. Wie man sich erzählt, hat er bisher noch keiner seiner Geliebten gestattet, ihn in Wroxam Park aufzusuchen. Auch in seinem Stadthaus lässt er nur ungern Besuche zu. Frauen ohne Begleitung sind ihm sowieso nicht willkommen. Deshalb frage ich mich“, fügte Serena hinzu und schaute nochmals zum Fenster auf den Platz hinaus, „ob diese Dame überhaupt eingelassen werden wird.“

Genau dieser schwierigen Entscheidung sah sich der Lakai Thomas gegenüber, als er besagter Dame wenige Augenblicke später die Tür öffnete. Er kannte die Einstellung seines Herrn, was Frauen ohne angemessene Begleitung anbetraf, und auch wenn diese Besucherin ehrenwert wirkte und nicht unvermögend sein konnte, ihrer Kutsche und der Kleidung nach zu urteilen, zögerte der junge Bedienstete.

„Was ist hier los?“, wollte plötzlich eine strenge Stimme hinter ihm wissen. Thomas trat eilig zur Seite. Er war mehr als erleichtert, den weiteren Verlauf der Dinge seinem Lehrmeister Slocombe überlassen zu können.

Ein rascher Blick genügte dem erfahrenen Butler, um sich davon zu überzeugen, dass die Besucherin ehrbar war. Doch er gestattete sich nicht, sich von dieser Überlegung beeinflussen zu lassen. „Lord Wroxam ist nicht zu Hause, Madam“, erklärte er höflich, aber entschieden. „Ich würde Ihnen vorschlagen, morgen wiederzukommen, wenn Ihnen das recht ist.“

„Nein, Slocombe, das ist mir ganz bestimmt nicht recht“, gab die Besucherin zur Verblüffung der beiden Diener mit ruhiger Stimme zur Antwort. „Sie werden mir nicht noch einmal den Eintritt in dieses Haus verwehren. Treten Sie beiseite!“

Es war weniger der kühle, gebieterische Tonfall, der den Butler dazu veranlasste, den Befehl sogleich zu befolgen, als vielmehr eine lang vergessene Erinnerung, die ihm plötzlich kam. Ein eisiger Schauder lief ihm über den Rücken.

Er schloss leise die Haustür und drehte sich dann zu der schlanken Gestalt um, die inzwischen im Foyer stand. Eine böse Vorahnung breitete sich in ihm aus, während er versuchte, die Gesichtszüge hinter dem Schleier auszumachen. „Wenn Sie so gut wären, mir Ihren Namen und Ihr Anliegen zu nennen“, sagte er in einem Ton, der seine übliche Contenance deutlich vermissen ließ. „Vielleicht könnte ich Ihnen behilflich sein, solange Seine Lordschaft nicht hier ist.“

Für einen Augenblick herrschte Schweigen. Dann hob die Dame langsam die Hand und schob den Schleier zurück. „Ich bin mir sicher, dass Sie genau wissen, wer ich bin, Slocombe.“

Thomas, der sich neugierig im Hintergrund hielt, vermochte kaum seinen Augen zu trauen. Es war nicht so sehr der Anblick des schönen, von kastanienbraunen Locken umrahmten Gesichts der Dame, das ihn vor Überraschung nach Luft schnappen ließ, sondern vielmehr die plötzlich aschfahle Miene seines sonst so beherrschten Lehrmeisters.

„M-Mylady … Sie sind es also tatsächlich“, stammelte Slocombe. Er bemerkte in seiner Fassungslosigkeit gar nicht, wie der junge Lakai davonschlich. Thomas brannte darauf, den anderen Bediensteten – und Leidensgenossen – mitzuteilen, dass der unerbittliche Gebieter dieses Haushalts zum allerersten Mal die Haltung verloren hatte.

„Wie Sie sehen.“ Aus der Stimme der mit „Mylady“ angesprochenen Dame war keinerlei Regung herauszuhören. „Wie Sie wissen, kenne ich mich in diesem Haus nicht aus. Also können Sie mir tatsächlich behilflich sein, Slocombe, indem Sie mich in die Bibliothek geleiten. Dort werde ich bestimmt das Nötige finden, um eine Nachricht für Seine Lordschaft zu schreiben.“

Wie mechanisch gehorchte der Butler ihrem Befehl. Er führte sie durch das mit schwarzem und weißem Marmor ausgelegte Foyer und öffnete eine Tür an dessen rückwärtigem Ende. Die Besucherin schritt hoheitsvoll an ihm vorbei. Ein schwaches Lächeln spielte um ihre Lippen, während sie sich im Raum umsah.

„Ja“, murmelte sie und trat zu einem Schreibsekretär. „Genau so hatte ich mir die Bibliothek vorgestellt.“

Sie nahm gelassen Platz, holte ein Blatt Papier aus der obersten Schublade und griff nach einer Feder, die auf dem Tisch lag. Nicht eine Sekunde lang hielt ihre schmale, weiße Hand während des Schreibens inne. Die Dame wusste anscheinend genau, was sie mitteilen wollte. Nach wenigen Minuten setzte sie ihre Unterschrift ans Ende des Briefs, schüttete Sand über die feuchte Tinte, faltete das Papier und versiegelte es.

„Bis zum heutigen Tag habe ich Ihnen noch nie einen Befehl erteilt, Slocombe“, erinnerte sie den Butler und erhob sich. „Doch jetzt gebe ich Ihnen einen weiteren. Ich vertraue Ihnen dieses Schreiben an, das Sie Ihrem Herrn bei seiner Rückkehr persönlich überreichen werden.“

Slocombe nahm den Brief entgegen. „Wie Sie wünschen, Mylady“, sagte er, trat einen Schritt zurück und beobachtete, wie sie anmutig zur Tür ging. „Mylady, ich …“

Als er verstummte, drehte sie sich zu ihm um. Sie schaute ihn mit ihren außergewöhnlich grünen Augen an, die nichts mehr von jener Wärme zeigten, an die er sich aus ihrer Jugend erinnern konnte. „Reue ist ein ebenso bitteres Gefühl wie Schuld, nicht wahr, Slocombe? Ganz gleich, wie sehr wir es uns auch wünschen mögen – keiner von uns kann die Vergangenheit ungeschehen machen. Ich würde Ihnen also raten, keine Zeit damit zu verschwenden, es zu versuchen. Guten Tag.“ Mit diesen Worten verschwand sie und ließ den Butler mit seinen Erinnerungen und seinem schmerzlichen Bedauern zurück.

Traurig schüttelte Slocombe den Kopf. Er wusste nicht, was er von dieser unerwarteten Wendung...



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