E-Book, Deutsch, Band 7, 256 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
Ashley Rebecca - schön und ungezähmt
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-975-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 7, 256 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
ISBN: 978-3-86349-975-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rebecca ist empört: Ausgerechnet Charles, Earl of Rayne, dieser hinreißend attraktive Mann, für den sie schon als junges Mädchen schwärmte, soll ihr Vormund sein! Voller Entrüstung erinnert sie sich an ihre letzte Begegnung, bei der er sie hart zur Rechenschaft zog, weil sie seinen wilden Hengst geritten hatte. Und als sie Charles jetzt erstmals seit Jahren wieder gegenübersteht, pocht ihr Herz zum Zerspringen. Ist es die Wut - heute so frisch wie damals - oder ein ganz anderes, neues Gefühl? Als drei Anschläge auf Charles' Leben verübt werden, ist Rebecca außer sich vor Sorge. Und plötzlich spürt sie, dass sie ihn längst heimlich liebt ...
Die Engländerin schreibt historical romances und entspannt sich gerne in ihrem Garten. Diesen hat sie bereits öfter zugunsten des Fondes der Kirche in ihrem Dorf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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1. KAPITEL
Miss Rebecca Standish ritt auf ihrer lebhaften Fuchsstute Belle durch das von massiven Pfeilern flankierte westliche Parktor von Rayne Court und trabte die von Buchen gesäumte Zufahrt entlang. Dichtes Laub schirmte die Sommersonne ab, sodass nur da und dort Lichtstrahlen das Blätterdach durchdrangen und tanzende Schatten auf den Weg warfen.
Es war seit einer Woche das erste Mal, dass das Wetter es Rebecca erlaubte, ihre Taufpatin, die Dowager Countess of Rayne zu besuchen, da der ungewöhnlich kühle Juli einen feuchten und trüben Tag nach dem anderen gebracht hatte.
Seit der älteste Sohn der Countess im Jahr zuvor bei einem Reitunfall ums Leben gekommen war, hatte Rebecca ihre Patentante häufig besucht, und heute konnte sie es kaum erwarten, sie wiederzusehen, da sie neugierig war, was für ein Gesicht Lady Constance machen würde, wenn ihr Patenkind in so eleganter Aufmachung erschien.
Rebecca blickte an sich hinunter und begutachtete ihr neues schwarzes Reitkostüm, das sie an diesem Morgen zum ersten Mal angelegt hatte. Mit einem bekümmerten Lächeln dachte sie daran, dass sie für Lady Constance wohl immer eine Enttäuschung bleiben würde, da sie am liebsten ihre alten, abgetragenen Sachen trug und sich nicht viel aus feiner Gesellschaft machte. Insgeheim wusste sie, dass sie ein hoffnungsloser Fall war!
Auch wenn sie sich noch so sehr bemühte, würde sie nie jenes tadellose, gesittete Benehmen erlangen, das von jungen Damen aus gutem Haus erwartet wurde. Ein wenig gebessert hatte sie sich im Laufe der Zeit ohnehin, da es schon etliche Jahre her war, dass sie die Nachbarn schockierte, indem sie in Breeches und im Herrensitz auf ihrem Pony querfeldein galoppierte.
Das Personal war es gewohnt, dass die Patentochter der Countess auf Rayne Court nach Belieben kam und ging. Da sie immer Zeit für ein freundliches Wort hatte, war sie, von einer Ausnahme abgesehen, bei allen beliebt. Sogar der gestrenge Butler Mr. Hodges taute in ihrer Gegenwart sichtlich auf und gestattete sich gelegentlich sogar ein Lächeln.
So war es auch, als er Rebecca wenig später öffnete und meldete, dass Ihre Ladyschaft in ihrem privaten Salon anzutreffen sei.
Rebecca lief leichtfüßig die breite, geschwungene Treppe hinauf und den Korridor zum Westflügel entlang. Wie es ihre Gewohnheit war, stürmte sie ohne anzuklopfen in den Raum und stieß beinahe mit Muker, Lady Harriets Zofe, zusammen, die wie immer eine verdrossene Miene zur Schau trug. Ein entrüstetes Schnauben war alles, was die Frau von sich gab, doch der Blick ihrer harten grauen Augen sprach Bände, als sie den Salon verließ.
Rebeccas Augen freilich funkelten vor Belustigung, als sie ihrer Patentante einen Kuss auf die rosige Wange hauchte und sich neben sie auf das Sofa setzte. „Ich begreife nicht, warum Lady Harriet ausgerechnet diesen sauertöpfischen alten Drachen als Zofe nehmen musste“, stellte sie mit gewohnter Offenheit fest.
Da dies mehr oder weniger der Meinung der alten Dame entsprach, konnte sich diese ein Lächeln nicht versagen, meinte aber gelassen: „Meine Liebe, Muker mag zwar nicht jedermanns Geschmack sein, hat mir aber sehr gute Dienste geleistet, als meine eigene liebe Digby stark erkältet war. Aber reden wir von wichtigeren Dingen.“ Sie lächelte glücklich. „Heute Morgen ist ein Brief von Charles gekommen, in dem er mir seine Heimkehr ankündigt.“
Rebecca schrak zusammen und unterdrückte einen entsetzten Ausruf. Sie spürte den Blick der alten Dame auf sich ruhen, die sie in Erwartung einer entzückten Äußerung nicht aus den Augen ließ. Aber wie hätte sie Begeisterung über diese Nachricht zeigen sollen, wenn sie alles andere als erfreut war?
Lady Constance fasste nach der Hand ihres Patenkindes. „Sicher freust du dich auch, meine Liebe?“
Nur das Eintreten des Butlers bewahrte Rebecca vor einer frommen Lüge. Hodges tat noch ein Übriges, indem er Lady Constance in Erinnerung rief, dass die Näherin, die mit Änderungen an den Vorhängen im Schlafgemach Seiner Lordschaft betraut war, sie sprechen wollte.
Unendlich erleichtert, als ihre Patentante hinausgegangen war, trat Rebecca ans Fenster und blickte hinaus auf die Zufahrt zum Südtor. Etwa zwei Meilen jenseits der Parkmauer stand das Haus, das seit elf Jahren ihr Heim war.
Ihr war bewusst, dass sie eine sehr unkonventionelle Erziehung genossen hatte, da sie in der Obhut ihres Großvaters, eines pensionierten Colonel, aufgewachsen war, nachdem sie mit acht Jahren ihre Eltern durch eine Pockenepidemie verloren hatte. Der alte Herr, dem weiblichen Geschlecht gegenüber ohnehin sehr kritisch, war denkbar ungeeignet, ein lebhaftes kleines Mädchen zu bändigen.
Intolerant, engherzig und einzig darauf bedacht, in seinem geregelten Leben nicht gestört zu werden, musste er freilich bald entdecken, dass sogar er, der barsche, seit Jahren verwitwete Exoffizier, gegen den Zauber strahlender grüner Augen nicht gefeit war.
Bald konnte sich seine Umgebung nicht genug wundern, mit welch übertriebener Nachsicht er sein Enkelkind behandelte. Mochte Rebecca sich auch noch so ungebärdig benehmen, es tat seiner Liebe keinen Abbruch. Vier ungetrübt glückliche Jahre lang hatte sie tun und lassen können, was sie wollte, bis dieser unbeschwerten Zeit durch die vorsätzliche Einmischung eines Außenstehenden ein jähes Ende bereitet wurde.
„Der Ehrenwerte Charles Henry Thornville“,murmelte sie verbittert. Auch nach sieben Jahren regte sich bei ihr Zorn, wenn sein Name auch nur erwähnt wurde.
Seinem Eingreifen war es zu verdanken, dass sie über Jahre hinweg in ein Pensionat in Bath verbannt worden war, das ihr seiner kleinlichen Regeln und Verbote wegen eher wie ein Gefängnis erschienen war. Schlimmer noch, sie hatte sich hintergangen gefühlt, betrogen von einem Menschen, dem sie eine solche Schlechtigkeit nicht zugetraut hatte. War es da ein Wunder, dass sie dem Sohn ihrer Patentante alles andere als freundliche Gefühle entgegenbrachte?
Langsam ließ ihre Verbitterung nach, als ihr Blick über die schöne Parklandschaft wanderte, die das Herrenhaus umgab. Uralte majestätische Bäume schützten die Bewohner des Herrenhauses vor neugierigen Blicken. Sie liebte diesen Ort über alles. Wie viele glückliche Stunden hatte sie hier verbracht, wie oft hatte sie in dem Bach, der sich durch den Park wand und nun in der hellen Morgensonne schimmerte, nach Forellen geangelt!
Nein, gestand sie sich ein wenig wehmütig ein, ich habe nicht immer so empfunden wie jetzt. Es hatte eine Zeit gegeben, als sie sich Charles ständig an die Fersen heftete und er sie wie ein großer, geduldiger Bruder Reiten, Angeln, Schießen und Schwimmen lehrte. Als Kind hatte sie ihm bedingungslos Bewunderung entgegengebracht – aber sie war kein Kind mehr.
Nachdenklich strich sie sich über die Stirn. Wäre Giles nicht ums Leben gekommen, ohne Kinder zu hinterlassen, wäre nun sein jüngerer Bruder nicht Herr von Rayne Court.
Nun, das ist Vergangenheit, sagte sie sich resolut, als sie zurück zum Sofa ging. Außerdem musste sie zugeben, dass ihr Charles’ Gegenwart ohnehin sehr lange erspart geblieben war. Er hatte einige Jahre in Wellingtons Armee gekämpft und nach dem Tod seines Bruders eine ausgedehnte Reise auf dem Kontinent unternommen. Sie hatte also genug Zeit gehabt, um ihre kindischen Vorbehalte abzulegen.
Es war auch nicht so, dass seine Ankunft sie unerwartet getroffen hätte. Trotzdem sah sie der Zukunft ein wenig bang entgegen, denn wenn sie nicht auf den Umgang mit ihrer geliebten Patentante verzichten wollte, musste sie sich darauf einstellen, ihm zumindest mit Höflichkeit zu begegnen.
Das ist zu schaffen, dachte sie nach kurzer Überlegung. Aber nie wieder würde sie Vertrautheit dulden, ebenso wenig wie sie gestatten würde, dass er in ihr Leben eingriff. Sie war jetzt eine junge Frau, entschlossen, willensstark und dem siebten Earl of Rayne durchaus gewachsen!
Als ihre Patentante nach wenigen Minuten wieder eintrat, hatte Rebecca sich mit dem Unvermeidlichen abgefunden und brachte sogar so etwas wie ein Lächeln zustande. „Du wirst jetzt sehr beschäftigt sein, da du alles für die Rückkehr Seiner Lordschaft vorbereiten möchtest“, bemerkte sie im beiläufigen Plauderton.
„Es hört sich sehr sonderbar an, wenn du ihn so nennst, mein Kind.“ Die alte Dame lächelte ein wenig wehmütig, als sie sich neben Rebecca setzte. „Wenn Charles hier war, hast du stets wie eine Klette an ihm gehangen. Ich sehe dich noch vor mir, wie du die Treppe hinaufgelaufen und in sein Zimmer gestürmt bist.“
„Keine Angst, liebe Tante.“ Rebecca schürzte die Lippen. „Das wird sich keinesfalls wiederholen.“
„Das will ich auch hoffen!“ Lady Constance, deren gespielte Entrüstung Rebecca ein Kichern entlockte, bemerkte nun erst das elegante schwarze Reitkostüm ihrer Patentochter. „Du siehst zauberhaft aus, mein Kind. Obwohl ich seinerzeit gegen diese Farbe war, bin ich nun froh, dass ich dir deinen Willen ließ.“
Rebecca warf ihr einen ironischen Blick zu. „Liebste Tante, dir ist doch sicher nicht entgangen, dass es in unserer Gegend Mode ist, sich schwarz wie eine Krähe zu kleiden?“
Wohl wissend, auf wen sie anspielte, konnte Lady Constance sich ein Lächeln nicht verkneifen. Sie selbst hatte die Trauerzeit um ihren ältesten Sohn streng eingehalten, kleidete sich nun aber in dezente, einer Witwe angemessene Farben, während sich die Witwe ihres Sohnes weiterhin nur in tiefstem Schwarz zeigte. „Mir steht es nicht zu, Harriet Vorschriften bezüglich ihrer Garderobe zu machen. Sie war in den letzten Monaten...




