E-Book, Deutsch, Band 0006, 144 Seiten
Reihe: Julia
Ashton Der Zauber dieser einen Nacht
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-0661-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0006, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-0661-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lust auf den ersten Blick: Erst flirtet Ivy mit dem breitschultrigen Angus auf der Strandhochzeit ihrer Schwester, dann küssen sie sich heiß in einer lauschigen Bucht und lieben sich voller Leidenschaft ... Dabei weiß Ivy genau, dass sie, die reiche Erbin, und Angus, der sich alles in seinem Leben hart erkämpft hat, aus unterschiedlichen Welten stammen. Ganz schnell muss sie sich ihn aus dem Kopf schlagen, bevor es kompliziert wird. Aber als sie Angus fünf Wochen später wiedersieht, findet Ivy ihn immer noch so sexy! Komplikationen hin - Leidenschaft her ...
Anders als viele unserer Autorinnen hat Leah Ashton nicht immer vorgehabt, selbst zu schreiben. Sie hat zwar schon als Kind alles gelesen, das ihr in die Finger kam - von Büchern bis hin zur Rückseite der Cornflakes-Verpackung beim Frühstück -, doch ans Schreiben dachte sie erst nicht. Eines Tages entdeckte sie dann die zum Seufzen schöne Welt der Liebesromane ... Und an einem anderen Tag, Jahre später, fragte sie sich, ob sie selbst nicht auch so eine Geschichte schreiben könnte. Glücklicherweise hat sie den Mut gehabt, selbst den Stift zur Hand zu nehmen! Heute lebt sie mit ihrem liebevollen Ehemann und zwei tollen Töchtern in Perth, im Westen Australiens, und schreibt wunderschöne Happy Ends für ihre starken, eigenständigen Heldinnen. Sie liebt ausschweifende Gespräche und zu lachen bis die Tränen kommen, und sie frühstückt wahnsinnig gerne - ganz unabhängig von der Tageszeit. Was sie dagegen überhaupt nicht mag, sind Gurken. Und Horrorfilme, sie bleibt lieber bei ihren romantischen Geschichten.
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2. KAPITEL
Ruhig schloss Ivy den Plastikdeckel über dem Teststreifen und nahm einen langen, tiefen Atemzug.
Sie saß auf dem geschlossenen Deckel einer öffentlichen Toilette. Einer sehr eleganten öffentlichen Toilette in einem der exklusivsten Bürogebäude von Perth. Aber dennoch einer öffentlichen Toilette.
Was für eine blöde Idee …
Doch den Test zu kaufen war ihr an diesem Morgen wie die rationalste Lösung erschienen. Ihr Fahrer, Simon, hatte keinerlei Verdacht geschöpft, als sie ihn gebeten hatte, auf dem Weg zu ihrem Meeting an einer Apotheke zu stoppen. Und, selbst wenn er sich vielleicht gefragt hatte, warum Ivy Molyneux in eine Apotheke ging, um etwas zu holen, womit sie offenbar keinen ihrer Assistenten behelligen wollte, war er zu diskret, um Fragen zu stellen.
Dennoch hatte Ivy sich auf dem Rücksitz der Limousine nervös gewunden – so, als ob Simon Röntgenaugen hätte und durch die Schichten ihrer Handtasche und der Apothekentüte hindurchsehen konnte, falls er einen Blick in den Rückspiegel warf.
Eigentlich hatte sie das Procedere erst abends zu Hause durchführen wollen. Damit sie in der Abgeschiedenheit ihrer Villa auf das Ergebnis warten und vor Sorge lauter irrationale Dinge tun konnte. Denn zwei Minuten waren unerträglich lang, wenn man Gewissheit brauchte. Darüber, dass es ganz normal war, zwei Tage zu spät dran zu sein. Auch wenn es noch nie zuvor passiert war.
Denn auf einer öffentlichen Toilette waren natürlich noch weitere Damen. Folglich musste Ivy nun ihre seelische Tortur durchstehen, während sie dabei zuhörte, wie eine andere Frau ein kleines Geschäft erledigte.
Und es fiel Ivy von Sekunde zu Sekunde schwerer, sich den Teststreifen tatsächlich anzusehen, der nun jeden Zweifel beseitigen würde.
Alles, was sie tun musste, war hinzuschauen. Dann wäre dieser Albtraum vorbei.
Ein Albtraum, den sie nicht ansatzweise erwartet hatte. Dass diese Nacht, von der sie Welten trennten, Folgen haben könnte. April war bereits zurück aus ihren Flitterwochen. Ivys Arbeitstage hatten sich als endlos wie eh und je erwiesen, und selbst ihre Wochenenden waren derart stressig, dass ihr kaum Zeit zum Erholen blieb. Das Leben war weitergegangen. Und diese Nacht, in der alles anders gewesen war, lag lange hinter ihr. Sie hatte weder Angus noch dem, was passiert war, einen weiteren Gedanken widmen können. Naja. Kaum einen weiteren Gedanken.
Vielleicht, nur vielleicht, hatte sie sich in den Momenten vor dem Einschlafen – wenn ihr Kopf endlich frei war von all den Aufgaben, die mit Molyneux-Mining zusammenhingen – manchmal erlaubt, sich zu erinnern. Daran, wie ihre Haut gebrannt hatte, als Angus sie ansah. Daran, wie ihr Herz sich beinahe überschlagen hatte, als er sie endlich berührte. Daran, wie sie sich in seinen Armen gefühlt hatte. Wie er sich angefühlt hatte. Wie alles sich angefühlt hatte.
Alles, was sie getan hatten. Etwas Verrücktes, noch nie Erlebtes …
Und Leichtsinniges.
Die Toilettenspülung in der Kabine nebenan wurde betätigt. Dann hörte Ivy Schritte, und die Kabinentür schloss sich. Der Wasserhahn im Vorraum wurde aufgedreht, und Ivy wartete noch einen Moment, während die andere Frau sich die Hände wusch.
Bitte geh. Bitte geh. Bitte geh.
Oder bleib vielleicht. Sodass ich niemals auf das Testergebnis sehen muss. Es niemals erfahren muss.
Doch was nutzte es, die Wahrheit zu verdrängen? Vor ein paar Minuten hatte sie sich bei den anderen Managern entschuldigt, weil sie sich nicht mehr konzentrieren konnte. Sie musste wissen, woran sie war. Jetzt.
Die Tür zum Flur fiel ins Schloss, und Ivy war allein. Mit den weißen Marmorwänden, den goldenen Armaturen und der leisen Musik, die aus zwei Boxen tönte. Und mit ihrem Testergebnis.
Sie sah auf das Stäbchen und konnte sich nicht länger etwas vormachen.
Sich nicht länger sagen, dass alles in Ordnung war und dass sie ja die Pille nahm, selbst wenn sie aufgrund ihres Jetlags und der Schlaflosigkeit, die sie vor Aprils Hochzeit geplagt hatten, die Einnahme einmal vergessen hatte. Dass alles so war wie immer. Denn der Test zeigte ihr …
… zwei rosa Linien.
Und bestätigte damit nur, was Ivy tief in ihrem Innersten längst wusste. Was ihr in den letzten zwei Tagen seit dem Ausbleiben ihrer Periode ohnehin klar gewesen war.
Sie war schwanger.
Ich bin schwanger.
Ivy nahm noch einmal einen tiefen Atemzug und blinzelte die Tränen in ihren Augen fort. Dann stopfte sie ihren Test samt Verpackung zurück in die Apothekentüte und das Ganze in ihre Handtasche.
Schließlich zwang sie sich zu einem undurchdringlichen Gesichtsausdruck und ging zurück zu ihrem Meeting. Und niemand – so hoffte sie inständig – würde ahnen, was soeben mit ihr passiert war.
Dass ihre Welt dabei war, in tausend Stücke zu zerbrechen.
Angus hörte seine Schritte auf dem Hartgummi des Laufbandes widerhallen. Obwohl sein graues T-Shirt längst von Schweiß durchnässt war, ging sein Atem langsam und regelmäßig.
Die Muskeln seiner Waden und Oberschenkel protestierten nicht mehr. Sie brannten nur noch.
Dies war der Moment, den er liebte. Dieser Moment, in dem er den Widerstand von Körper und Geist überwunden hatte und einfach weitermachte.
Es war seit seiner späten Teenagerzeit so gewesen. Seit dem plötzlichen Tod seines Vaters. Damals, nachdem seine Mutter ihm die schreckliche Nachricht überbracht hatte, war er einfach losgerannt. Meilenweit, getrieben von Verzweiflung und unerträglichem Kummer. Und dieser Lauf hatte eine Art Abhängigkeit in ihm ausgelöst – eine Sucht nach dem Adrenalinrausch, nach dem Brennen in seinen Muskeln und dem körperlichen Schmerz, der alle anderen Gedanken auslöschte.
Einer der Gründe für Angus’ Eintritt in die Armee war folglich gewesen, dass er für sein Streben nach sportlichen Höchstleistungen auch noch bezahlt wurde. An anderen Tagen schätzte er sich glücklich, weil er als Berufssoldat seine Kindheitsträume – und die beinahe jedes Jungen – auslebte: Er flog in Hubschraubern, fuhr in Schnellboten und war ein hervorragender Fallschirmspringer. Häufig glich sein Job einem ziemlich realen Strategiespiel.
Angus schloss die Augen, während er rannte, um sich voll und ganz auf seinen Körper zu konzentrieren.
Auch wenn das Laufband nicht seine bevorzugte Sportart war. Hier im Fitnessraum des Militärstützpunktes würde er viel lieber Gewichte stemmen oder – zusammen mit dem Rest seiner Einheit – von einem Privattrainer an die körperlichen Grenzen gebracht werden.
Letztendlich jedoch war es ihm egal, wie er sein Leistungshoch erreichte. Wichtig war für Angus nur, seinen Körper und seine Gedanken zu bezwingen. Besonders jetzt, wo er verletzt war.
Eigentlich hatte sein Arzt ihm den Sport verboten. Doch seine körperliche Fitness einzubüßen war in Angus’ Job undenkbar. Also hatte er sich jeden Tag im Sportraum der Kaserne eingefunden. Abgesehen von jenem Wochenende, das er auf Bali verbracht hatte. Dort hatte er nur den Fitnessklub des Hotels genutzt.
Außer am Morgen nach der Hochzeit. An jenem Tag, als er zum ersten Mal seit Ewigkeiten einen Vormittag verschlafen hatte.
Obwohl Schweiß in seinen Augen brannte und seine Muskeln inzwischen praktisch schrien, musste Angus lächeln, als er an die Nacht mit Ivy dachte.
Die Nacht, die ihn dazu gebracht hatte, alles um sich herum zu vergessen.
Er drückte auf einen Knopf am Laufband, um die Geschwindigkeit zu drosseln und vom Sprint zu einem flotten Marsch überzugehen, bevor er sein Training beendete.
Nicht zum ersten Mal holte die Erinnerung an die schöne Milliardärin ihn ein. Es überraschte ihn. Zu keinem Zeitpunkt hatte sich die Frage gestellt, ob sie einander je wiedersahen. Weder er noch Ivy waren auf der Suche nach etwas, das über die wenigen, wenn auch unglaublichen Stunden am Strand von Bali hinausging.
Angus musste erneut lächeln, als er sich daran erinnerte, wie er und Ivy danach zum Hotel zurückgelaufen waren.
„Wenn irgendjemand fragt, sagst du, ich wäre in meiner Suite gewesen, um zu arbeiten“, hatte Ivy ihn gebeten.
„Und woher sollte ich das wissen?“ Er hatte ein Lachen nicht unterdrücken können.
Sie hatte ihn angestarrt und dann leise protestiert, als er darauf bestand, sie zu ihrem Zimmer zu begleiten. Natürlich war er sichergegangen, dass ihn niemand dabei beobachtete.
Er war schließlich kein Vollidiot und konnte sich benehmen wie ein Gentleman.
Obwohl der lange Kuss, den er Ivy schließlich vor ihrer Tür gegeben hatte, nicht besonders gentlemanlike gewesen war.
Ihre Augen und ihre gesamte Körpersprache hatten ihn daraufhin ermutigt, mit auf ihr Zimmer zu kommen. Doch gesagt hatte sie nichts.
Und er hätte es ohnehin abgelehnt. Ganz bestimmt.
Es war das Beste so.
Seiner Erfahrung nach war es immer das Beste, möglichst viel Abstand zu halten.
Angus konzentrierte sich wieder auf die Gegenwart und ging duschen. Als er danach gerade über den Parkplatz zu seinem Auto lief, bemerkte er, dass sein Handy im Rucksack, den er über der Schulter trug, vibrierte. Automatisch griff er danach. Als er sah, dass eine ihm unbekannte Nummer angezeigt wurde, dachte er für einen Moment darüber nach, den Anruf einfach zu ignorieren.
Alle Rufnummern, die für seine Arbeit relevant waren, hatte er ja in seinen Kontakten gespeichert. Und...




