Atherton | Tante Dimity und der skrupellose Erpresser | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Atherton Tante Dimity und der skrupellose Erpresser

Cosy Crime
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-3499-9
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Cosy Crime

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7325-3499-9
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Lori ihren Ehemann Bill zu einer Testamentsverlesung nach Hailesham, dem herrschaftlichen Anwesen von Lord Elstyn begleitet, rechnet sie nicht im Geringsten damit, sich plötzlich in einem unheimlichen Abenteuer wiederzufinden. Das Vermächtnis des Grafen führt zu einem erbitterten Familienstreit, der sich bald bedrohlich zuspitzt. Aber erpresserische Drohbriefe, verdächtiges Dienstpersonal, dunkle Familiengeheimnisse und brennende Parkbüsche mag Lori nicht untätig hinnehmen. Sie ruft Tante Dimity zu Hilfe, um dem skrupellosen Bösewicht das Handwerk zu legen ...

Zauberhafte Spannung mit Tante Dimity. Jetzt als eBook bei beTHRILLED.

Versüßen Sie sich die Lektüre mit Tante Dimitys Geheimrezepten! In diesem Band: Winnies Sirupkuchen.

'Eine höchst genussvolle Lektüre.' The Washington Post



Nancy Atherton ist keine englische Dame mit weißen Haaren, weichen Falten im Gesicht, einem schiefen Lächeln und weisen grauen Augen. Die Autorin der beliebten "Tante Dimity" Reihe wohnt auch nicht in einem kleinen Cottage in den Cotswolds und trägt keine geblümten Kleider. Stattdessen muss man auf der Suche nach Nancy Atherton nach einer Amerikanerin in Jeans und Sneakers Ausschau halten, die in Colorado Springs lebt.
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  Kapitel 1


ES HÄTTE EIN ruhiger Nachmittag werden sollen. Bill und ich hatten den Vormittag damit verbracht, in rauen Mengen frische Luft zu tanken und gleichzeitig darauf zu achten, dass unsere dreijährigen Zwillinge im Cotswolds Farm Park in nicht allzu innigen Kontakt mit dem dort ansässigen lieben Vieh traten. Einfach war die Aufgabe nicht gewesen. Will und Rob hatten geradezu heroische Versuche unternommen, jedes einzelne der gesprenkelten Schafe im Park zu streicheln, zudem jede behaubte Henne und jedes gestreifte Schwein. Als sie schließlich auch noch Anstalten machten, sich durch das Gatter zu zwängen und den sanften, aber riesigen Shire-Pferden die Hufe zu schütteln, half nur noch schiere Gewalt.

Mein Ehemann erholte sich von den Anstrengungen, indem er wie die Jungs ein Nachmittagsschläfchen hielt, ich hatte es vorgezogen, mich mit einer Tasse Tee vorm Kamin im Wohnzimmer niederzulassen. Seit die Zwillinge laufen konnten, waren Augenblicke der Ruhe für mich so selten geworden wie gesprenkelte Schafe, und ich beabsichtigte, die friedlichen Minuten so lange auszukosten, wie es ging.

Es wurden genau sieben Minuten.

Die Uhr auf dem Kaminsims schlug zur vollen Stunde, als ein donnerndes Pochen die Haustür erschütterte. Ich sprang auf, goss mir dabei heißen Tee über die Hand und schwor bereits, den Dummkopf zu erdrosseln, dessen gedankenloses Pochen den Schlaf meiner Männer zu stören drohte. Ich war wütend, und mir tat die Hand weh, als ich auf die Tür zustürmte, sie aufriss – und sprachlos stehen blieb.

Meine Freundin und Nachbarin Emma Harris stand vor mir, aber es handelte sich nicht um die Emma, die ich kannte. Meine Emma neigte nicht zu stärkeren Gefühlsausbrüchen, aber die Emma, die auf meiner Türschwelle stand, hätte vor Zorn Stacheldraht kauen können.

»Lori, lass mich rein, oder es gibt ein Blutbad.«

Mein Blick fiel auf ihre geballten Fäuste, und da ich nicht in meinem eigenen Blut baden wollte, trat ich beiseite.

Emma stürmte an mir vorbei ins Wohnzimmer. Ich konnte weder ihr Auto noch ein Pferd entdecken und schloss daraus, dass sie den Pfad, der sich auf einer Länge von einer Meile von ihrem Anwesen aus dem 14. Jahrhundert zu unserem Cottage wand, gelaufen sein musste. Emma genoss Spaziergänge auf dem Land, aber irgendetwas sagte mir, dass sie heute im Marschtempo zu mir geeilt war, anstatt zu schlendern.

Ich schloss die Tür und ging auf leisen Sohlen zurück ins Wohnzimmer. Dort sank ich aufs Sofa und sah eingeschüchtert und schweigend zu, wie sie vor dem Kamin auf und ab ging. Sie schien zutiefst in äußerst unangenehme Gedanken versunken.

Emma hatte im letzten Jahr fast zwanzig Kilo abgenommen und ihr hüftlanges graublondes Haar auf Schulterlänge stutzen lassen. Die Frau, die früher einem niedlichen Koala geähnelt hatte, erinnerte mich momentan eher an eine Löwin, die mit verhaltenem Zorn ihren Käfig durchmisst. Als sie abrupt vor mir stehen blieb, musste ich dem Drang widerstehen, mich vor ihren scharfen Klauen in Sicherheit zu bringen.

»Wie«, fragte sie anklagend, »lautet der Name deines Mannes?«

»Bill«, antwortete ich gehorsam und fügte vorsichtshalber hinzu: »Bill Willis. William Arthur Willis junior, um genau zu sein.«

»Bist du sicher?«, fauchte sie. »Ich frage nur, weil ich bis heute Morgen glaubte, den Namen meines Ehemannes zu kennen.«

Ich blinzelte. »Er heißt nicht Derek Harris?«

»Ha!« Emma funkelte mich düster durch die Gläser ihrer Brille aus dünnem Draht an. »Der Ehemann, der früher unter dem Namen Derek Harris bekannt war, heißt eigentlich Anthony Evelyn Armstrong Seton, Viscount Hailesham.«

Emma verlieh dem Adelstitel die entsprechende Upperclass-Aussprache, bei der man die Hälfte der Silben verschluckt. Entsprechend klang es eher wie ein Niesen: »Hell-shm.«

»Dein Ehemann ist also der Viscount von Hailesham«, sagte ich trocken. »Natürlich. Ich bin übrigens Maria von Rumänien.«

Emmas graue Augen blitzten auf. »Jetzt ist nicht die Zeit für deine albernen Witze, Lori.«

»Dann ist es vielleicht Zeit für ein Beruhigungsmittel, denn du redest wirres Zeug, Emma.« Ich erhob mich und erwiderte ihren zornigen Blick mit etwas Ähnlichem. »Jetzt setz dich hin, atme tief durch, und erzähle mir dann, warum der Mann, mit dem du seit zehn Jahren verheiratet bist, ein Mann, der dich über alle Maßen liebt, verehrt und respektiert, dich über seine wahre Identität im Unklaren gelassen haben soll.«

»Weil«, lautete die prompte Antwort, »er seinen Vater hasst.«

Emma wandte sich auf dem Absatz um und ließ sich in meinen Lieblingssessel plumpsen. Ich durfte derweil die Fäden verknüpfen, während sie noch immer vor Wut kochte.

Ich setzte mich ebenfalls wieder, und mein zorniger Blick wurde schnell nachdenklicher. Derek Harris hatte nie viel von seiner Familie erzählt. Ich konnte mich vage daran erinnern, dass sein Vater ein Earl war und dass die beiden seit vielen Jahren zerstritten waren, aber darüber hinaus wusste ich kaum etwas.

»Weißt du, woher er den Namen Derek Harris hat?«, schnaubte Emma und wartete meine Entgegnung gar nicht erst ab. »Von einem Zimmermann, der auf dem Familiensitz gearbeitet hat. Mein Ehemann, der Viscount, wurde aus purem Trotz zu einem Derek Harris, nachdem sein Vater damit gedroht hatte, ihn zu enterben.«

»Warum hat sein Vater gedroht, ihn zu enterben?«

»Weil Derek sein Geld mit seiner Hände Arbeit verdienen wollte«, antwortete Emma. »Der neunte Earl Elstyn konnte den Gedanken nicht ertragen, dass aus seinem Sohn und Erbe ein Arbeiter werden würde.«

»Ein Arbeiter?« Ich hob die Augenbrauen. Emmas Ehemann war ein Bauunternehmer, der sich auf die Restaurierung historischer Gebäude spezialisiert hatte. Er war einer der renommiertesten Fachleute auf seinem Gebiet. Nur ein ausgesprochen engstirniger Snob hätte ihn als einfachen Arbeiter bezeichnet. »Weiß der Earl eigentlich, womit Derek sein Geld verdient?«

»Woher soll ich das wissen?«, entgegnete Emma. »Die beiden haben seit zwanzig Jahren kein Wort mehr miteinander gesprochen. Damals hat sich Derek seinem Vater ein zweites Mal widersetzt, als er Mary heiratete.« Verächtlich warf sie den Kopf nach hinten. »Offenbar war Marys Blut für Lord Elstyn nicht blau genug.«

Ich schlug die Beine übereinander. Diese Familiengeschichte war wirklich höchst interessant. Das tragische Schicksal von Mary, Dereks erster Frau, war mir bekannt. Sie war kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben. Derek hatte mir anvertraut, dass er Jahre gebraucht hatte, um den Verlust zu überwinden, und dass es einem Wunder gleichgekommen war, dass er Emma kennen gelernt und sich noch einmal verliebt hatte.

»Wenn Lord Elstyn schon Mary für nicht würdig befunden hat, Gott weiß, was er dann von mir hält«, sagte Emma zornig. »Zumindest war sie Engländerin. Ich bin nicht nur eine Bürgerliche, ich bin auch noch Amerikanerin.«

»Was bedeutet, dass er sich seinem Vater erneut widersetzte, als er dich geheiratet hat«, meinte ich. »Was sagt Dereks Mutter zu all dem?«

»Dereks Mutter starb, als er noch ein Kind war«, antwortete Emma. »Sein Vater hat nie wieder geheiratet. Wahrscheinlich hat er sich gesagt, einen Erben habe ich ja produziert, wozu sich die ganze Mühe noch einmal machen?«

Verwundert rieb ich mir die Nase. »Ich muss gestehen, dass ich Derek bislang nicht für einen Rebellen gehalten habe.«

»Und ich habe ihn nicht für einen Viscount gehalten«, murrte Emma.

»Was ist mit den Kindern?«, fragte ich. »Peter und Nell hatten immer einen guten Kontakt zu ihrem Großvater, oder? Sie sind doch häufig bei ihm.« Die sechzehnjährige Nell hatte fast den gesamten letzten Sommer auf Lord Elstyns Anwesen verbracht.

»Das hat Mary so gewollt.« Emmas düsterer Blick wurde etwas sanfter. »Als sie im Sterben lag, musste Derek ihr versprechen, die Kinder aus der Fehde mit seinem Vater herauszuhalten. Derek hat sein Versprechen gehalten und Nell und Peter stets erlaubt, so viel Zeit mit ihrem Großvater zu verbringen, wie sie wollten.«

»Aber ich verstehe nicht, wieso der Earl Nell und Peter überhaupt um sich haben will«, sagte ich. »Er hat Mary abgelehnt, weil sie eine Bürgerliche war. Was hat ihn davon abgehalten, ihre Kinder abzulehnen?«

»Er hat keine große Wahl«, erklärte Emma. »Peter und Nell sind seine einzigen legitimen Enkel. Entweder akzeptiert er sie, oder er hinterlässt Hailesham einem Cousin.«

Mir blieb der Mund offen stehen. »Er erbt ganz Hailesham? Wie in Hailesham Park? Dieses Anwesen in Wiltshire, von dem du gesprochen hast, das mit den unglaublichen Gärten?«

Emmas Augen zogen sich bedrohlich zusammen. »Ich habe jahrelang einen Bogen um diese Gärten gemacht, Derek zuliebe,...


Nancy Atherton ist keine englische Dame mit weißen Haaren, weichen Falten im Gesicht, einem schiefen Lächeln und weisen grauen Augen. Die Autorin der beliebten "Tante Dimity" Reihe wohnt auch nicht in einem kleinen Cottage in den Cotswolds und trägt keine geblümten Kleider. Stattdessen muss man auf der Suche nach Nancy Atherton nach einer Amerikanerin in Jeans und Sneakers Ausschau halten, die in Colorado Springs lebt.



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