E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Atkins Dieses ganz verrückte Kribbeln
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-2225-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-2225-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Claire hat sich in Trip Osborn verliebt Wie konnte das nur geschehen? Er ist charmant, frech, unwiderstehlich, schlägt sich als Straßenmusikant durch - und ist genau das Gegenteil des strebsamen Karrieremannes, den Claire sich als Zukünftigen vorgestellt hat ...
Obwohl es immer Dawn Atkins' größter Traum war, Autorin zu werden, war sie nicht sicher, ob sie wirklich den Funken Genialität besaß, den es dazu braucht. So wurde sie zunächst Grundschullehrerin und fing dann allmählich an, für Zeitungen und Zeitschriften Artikel zu verfassen. Schließlich gab sie ihre Arbeit an der Schule auf, um im PR-Bereich für pädagogische Einrichtungen voll einzusteigen. Heute ist sie Herausgeberin und Co-Autorin einer Fachzeitschrift zum Thema Pädagogik. 1985 heiratete sie David, den sie fünf Jahre zuvor kennen gelernt hatte. Während der Flitterwochen segelten sie mit ihrem Katamaran an der Westküste der USA entlang bis nach San Diego. Ihre erste Romance, die prompt von einem Verlag abgelehnt wurde, schrieb sie Mitte der `80er Jahre. Dann ruhte ihre Karriere als Autorin zunächst: Familie, Ehe und ihr Beruf als Lehrerin mussten unter einen Hut gebracht werden. Erst 1996 kam sie dazu, sich ihr erstes Manuskript erneut vorzunehmen, um es umzuschreiben, und verkaufte es zwei Jahre später. Seit 2000 schreibt sie regelmäßig Romances, die, sexy, witzig und nah am Zeitgeist, eine begeisterte Leserschaft gefunden haben. Sie hat ihren Traum wahr gemacht - mit einem einzigen Nachteil: Sie findet neben dem Schreiben kaum noch Zeit für ihre Hobbys segeln, tauchen und Klavier spielen. Zusammen mit ihrem Ehemann und dem 11-jährigen Sohn lebt Dawn Atkins in Phoenix im amerikanischen Bundesstaat Arizona.
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1. KAPITEL
„Also, Claire Quinn, wir haben gehört, dass Sie verliebt sind. Stimmt das?“
„Wie?“ Claire presste den Hörer ans Ohr, schielte auf den Wecker neben dem Bett und fragte sich, wer, zum Geier, es wagte, sie morgens um viertel nach sieben über ihr Liebesleben auszufragen. Um diese Uhrzeit konnte sie sich ja kaum an ihren eigenen Namen erinnern.
„Hier sind Frank und Phil von Radio K-BUZ“, fuhr die fröhliche Stimme fort. „Was machen Sie an einem so schönen Morgen? Eine Woche vor dem Valentinstag?“
„Schlafen“, murmelte Claire. „Und Sie?“
„Nun, uns geht es bestens. Aber nicht halb so gut, wie es Ihnen gleich gehen wird.“
„Wie kommen Sie darauf? Und woher haben Sie überhaupt meine Telefonnummer?“ Sie hörte nie Radio K-BUZ, wo ununterbrochen langweilige Fahrstuhlmusik für Hörer über vierzig gespielt wurde. Sie setzte sich ruckartig auf. „Augenblick mal. Bin ich etwa auf Sendung?“
„Darauf können Sie ihren süßen … äh … Kopf verwetten, dass Sie auf Sendung sind. In unserer verrückten Morningshow. Und Sie sind die heutige ‚Ich werde geliebt‘-Gewinnerin.“
„Ich? Ich habe etwas gewonnen?“ Mit einem Mal fiel es ihr ein. Vor etwa zwei Wochen hatte sie ihrer Freundin Kitty beim Mittagessen erzählt, dass sie und Jared nun ein Paar waren. Woraufhin Kitty nichts Besseres zu tun gehabt hatte, als Claires Visitenkarte in eine Lostrommel zu werfen, die ein Radiosender dort aufgestellt hatte.
Claire war überhaupt nicht der Typ, der bei Gewinnspielen mitmachte, andererseits war sie auch noch nie so richtig verliebt gewesen. Insofern erschien ihr Kittys Geste wie das perfekte Ende dieses gemeinsamen Mittagessens, in dessen Verlauf Claire ununterbrochen geredet hatte. Während sie nacheinander Focacciabrot, Mahi-Mahi-Salat und fettfreien Flan verspeist und dann einen entkoffeinierten Milchkaffee getrunken hatten, hatte sie erläutert, inwiefern Jared der perfekte Mann für ihr künftiges perfektes Leben sei. Nun, vielleicht nicht wirklich perfekt, aber schließlich sollte man sich große Ziele setzten, oder nicht?
„Sie sind also verliebt?“, fragte Frank oder Phil erneut.
„Äh, ja, das bin ich. Keine Frage.“ Sie war sich ziemlich sicher. Andererseits, wer wusste schon so genau, was Liebe war? Aber nun hatte sie vor Tausenden von Hörern verkündet, dass sie verliebt war. Sie fragte sich, wer diese frohe Botschaft wohl alles vernommen hatte. Jared auf jeden Fall nicht, der war bis Samstag in Reno. Danach würde er in ihre wundervolle gemeinsame Wohnung in CityScapes, einem Neubau auf der Central Avenue, einziehen, in der Claire bereits seit fünf Tagen wohnte.
Anfangs wollte Jared drei Tage pro Woche in Phoenix verbringen. Aber Claire war davon überzeugt, dass er sich so schnell wie möglich nach einem anderen Job in der Nähe umsehen oder sich von seiner Firma nach Phoenix versetzen lassen würde.
„Erzählen Sie uns, was Sie an Ihrem Freund lieben“, forderte der Moderator sie auf.
„Was ich an ihm liebe? Äh, alles Mögliche.“ Dass er so romantisch war, sich so auf sie einließ – wirklich einließ – und ihr das Gefühl gab, sie zu brauchen. „Das ist ziemlich persönlich.“
„Okay, wenn Sie uns die spannenden Details vorenthalten wollen …“ Frank/Phil seufzte theatralisch. „Ich schätze, dann müssen wir Ihnen eben gleich verraten, was Sie gewonnen haben.“
Hatte sie nicht bereits den Hauptgewinn an Land gezogen? Die wahre Liebe? Auf der anderen Seite konnte es des Guten nie zu viel sein. „Was ist es denn?“
„Claire Quinn, Sie bekommen ein Valentinstaggeschenk von dem Mann, den sie lieben – gesponsert von K-BUZ Radio.“
„Wirklich?“
„Wirklich. Sagen Sie uns den Namen Ihres Traumprinzen.“
„Jared.“
„Woher wissen Sie, dass Jared Sie liebt, Claire?“
„Nun, er hat es mir gesagt.“ Es war traumhaft gewesen, weil er einfach so damit herausgeplatzt war. Und es hatte sich so gut angefühlt, dass sie es ihm auch gesagt hatte. Und einmal ausgesprochen, schwebten die Worte zwischen ihnen wie eine Seifenblase. Sie liebten einander. Sie war auf Wolke sieben.
„Er hat es Ihnen gesagt … das klingt doch gut. Und was für Beweise haben Sie noch?“ Der Moderator ließ ihr Zeit, etwas Kluges, Witziges, Romantisches oder Tiefgründiges zu entgegnen. Aber ihr fiel nichts ein. Es war viel zu früh, um überhaupt bei Bewusstsein zu sein, geschweige denn klug, witzig, romantisch oder tiefgründig.
„Gut.“ Der Moderator klang ein wenig gereizt angesichts ihres miserablen Showtalents. „Dann geben Sie uns einfach seine Telefonnummer, damit wir ihm mitteilen können, was er für Sie gewonnen hat.“
„Sie wollen ihn anrufen? Aber er ist momentan in Nevada.“
„Kein Problem. Geben Sie uns die Vorwahl. Dann bleiben Sie einfach dran und hören zu. Sagen Sie nichts, damit wir ihn richtig überraschen können.“
Das Telefon klingelte drei Mal, bevor Jared sich meldete. Sie liebte es, wenn er so verschlafen klang.
„Spreche ich mit Jared?“, fragte Frank oder Phil.
„Ja. Wer ist da?“
„Frank und Phil von K-BUZ Radio. Sie sind ein ‚Ich-werde-geliebt‘-Gewinner in unserer verrückten Morningshow.“
„Ich bin ein was …? In welcher Show? Ein Gewinner?“
„Ja, supi, oder?“
„Ist das wahr? Bin ich jetzt auf Sendung?“
„Ja! Und Sie haben gerade ein Dutzend Rosen gewonnen, die der Frau, die sie lieben, geschickt werden.“
„Machen Sie Witze? Wow!“ Er klang begeistert wie ein Kind. Was Claire übrigens gelegentlich störte – diese Kindlichkeit. Er schmollte, wenn etwas nicht nach seiner Vorstellung lief, und vermied ernsthaften Themen. Aber er war süß. Seine heisere Stimme erinnerte sie daran, wie liebevoll er im Bett war. Nicht besonders aufregend zwar, aber das war nicht der springende Punkt. Der springende Punkt war, dass er nur dann gut schlafen konnte, wenn er sie fest im Arm hielt. Sie liebte das. Das war so romantisch.
Sie hielt die Luft an, damit Jared nicht merkte, dass sie in der anderen Leitung war. Wie fantastisch! Sollte sie jemals daran gezweifelt haben, das Richtige zu tun, so war dies der ultimative Beweis. Sie hatte sich verliebt und wurde dafür auch noch belohnt. Und zwar gerade rechtzeitig zum Valentinstag – was sonst immer ein eher unangenehmes Datum für sie gewesen war. Vielleicht hatte ihre Freundin Zoe, die total auf diesen Esoterikkram stand, ja Recht, was das Thema Karma betraf. Und Claires Karma bescherte ihr mit einem Mal Rosen.
„Also, Jared, wem sollen wir die Karte schicken?“, fragte Frank oder Phil. „Wie heißt die Frau, die Sie lieben?“
Nun kam es. Jared würde ihren Namen vor Tausenden von Hörern aussprechen. „Schreiben Sie die Karte für meine Frau Lindi. Lindi mit i.“
Claire schnappte nach Luft. „Deine Frau?!“ Der Boden schien sich unter ihr aufzutun. Ihr wurde ganz schwindlig.
„Wer ist das?“, erkundigte sich Jared.
„Deine Frau?!“, wiederholte Claire, die Worte donnerten durch ihr Hirn. Jared war verheiratet? Er hatte eine Frau? Lag sie womöglich gerade neben ihm im Bett und trug etwas Hauchdünnes in Pink? Vielleicht waren wenigstens ihre Beine nicht rasiert.
„Oje“, murmelte Jared mit Grausen in der Stimme. „Claire?“
„Da hast du verdammt Recht!“, schrie sie. „Du bist verheiratet? Wie kannst du es wagen? Du Scheißkerl!“
Franks und Phils kaum unterdrücktes Gelächter machten ihr klar, dass die beiden zusammen mit Tausenden von Hörern diese Demütigung live verfolgten. Guter Gott!
Claire knallte den Hörer in dem Moment auf, in dem Jared flehend „Ich kann das erklären!“, rief. Ihr Gesicht brannte. Sie fühlte sich wie eine jener Frauen, die von ihrem Mann in einer Fernsehtalkshow damit überrascht wurden, Bigamist zu sein.
Meine Frau Lindi. Lindi mit einem „i“, Himmelherrgott! Sie konnte es nicht fassen. Welche Frau hieß schon Lindi? Irgendein kleines Hausmütterchen, das die Unterhosen ihres Mannes bügelte und ihre Klamotten selbst nähte.
Sie dachte daran, wie Jared ihr erklärt hatte, dass er sie liebte – die Augen glänzend vor Verehrung –, und dann an seinen letzten Satz. Schreiben Sie die Karte für meine Frau Lindi. Er hatte nicht einmal eine Sekunde überlegen müssen, wer die Rosen bekommen sollte. Wie hatte sie nur so dumm sein können?
Aber sie war doch gar nicht dumm gewesen. Sie hatte in der Cosmopolitan den Artikel „Zehn Anzeichen dafür, dass Ihr Freund verheiratet ist“ genauestens gelesen, und Jared war demzufolge völlig unverdächtig gewesen. Sein Ringfinger war genauso gebräunt wie die anderen neun. Gut, er hatte ihr nur seine Handynummer gegeben, aber nachdem er als Außendienstler ständig unterwegs war, hatte sie keinen Verdacht geschöpft.
Die verschiedensten Gefühle brachen über sie herein: Schock, Trauer, Ungläubigkeit, Wut. Sie zuckte erschrocken zusammen, als das Telefon klingelte. Mit zitternden Händen nahm sie ab.
„Lass es mich erklären, Claire.“ Es war Jared.
Eine Sekunde lang schöpfte sie Hoffnung. Vielleicht handelte es sich um ein Missverständnis. Oder einen Aprilscherz im Februar. „Ist es wahr?“, fragte sie. „Bist du verheiratet?“
„Ja, aber …“
Rumms! Sie knallte den Hörer auf. Ihr Blick fiel auf den Blechpinguin, den Jared ihr zum Einzug geschenkt hatte. Sie nahm ihn vom Fernsehtisch, der ihr als Nachttisch diente, und holte aus,...




