E-Book, Deutsch, Band 1, 294 Seiten
Reihe: Celeste
Auciel Celeste
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-7861-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
oder Ankunft in Dresden
E-Book, Deutsch, Band 1, 294 Seiten
Reihe: Celeste
ISBN: 978-3-7568-7861-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Celeste Williams ist ein stolzes englisches Mädchen aus gutem Hause zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach Abschluss ihrer Ausbildung mündet ihre vergnügliche Brieffreundschaft zu dem deutschen Ingenieur Florian Hofstetter in einer Ehe. Sie übersiedelt als "Frau Ingenieur Hofstetter" nach Dresden. In ihren regelmäßigen Berichten in die Heimat fehlt jedoch jeder Hinweis auf das junge Eheglück. Während die Eltern um ihre Tochter bangen, versuchen Dresdner Freunde, die aus unerklärlichen Gründen verzweifelte Celeste aufzumuntern. Heinrich, der Stiefsohn des Ratsherrn Othmar von Heringsdorf, nimmt sich der jungen Engländerin behutsam an. Durch sein Wissen ahnt er von ihrer Bedrängnis. Celeste lässt jedoch beschämt Schweigen darüber walten. Schließlich verhilft er ihr zur Flucht in die Heimat. In einem mitgegebenen Brief an ihren Vater, ein Londoner Rechtsanwalt, offenbart Heinrich das gehütete Geheimnis des hochbegabten Ingenieurs, aufgrund dessen jener nicht nur von seinem Arbeitgeber erpresst wird. Die spannungsreiche Handlung wird in Teil II fortgesetzt. Die Autorin legt einen Gesellschaftsroman im Umbruch der Aufklärung und der romantischen Gegenbewegung vor, dessen Handlung entsprechend der moralischen Vorstellungen und Konventionen dieser Zeit eingebettet ist.
1965 in Järfälla/Schweden geboren, Lehre als Steinmetz/Bildhauerin absolviert. Studium der Medizin genossen. 1993 geheiratet, ein Sohn und eine Tochter großgezogen. 2008 Umzug von Norddeutschland nach Baden-Württemberg ins Allgäu. Seit Kindheit Produzentin kleiner Erzählungen zum eigenen Vergnügen, seit früher Jugend großes Interesse an Geschichte und Seefahrt, deshalb an entsprechender Literatur erbaut. Vor acht Jahren mit dem Schreiben ernsthaft begonnen. "Alexander Williams", ein Seefahrt- und Abenteuerroman während der napoleonischen Kriege, ist das erste Werk, gefolgt von dem mehrteiligen Kriminalroman "Das ungewöhnliche Erbe einer außergewöhnlichen Dame". Mit "Celeste oder Ankunft in Dresden" und der Fortsetzung "Gabriele" ist ein weiterer Kriminal- und Gesellschaftsroman, diesmal im alten Dresden, entstanden.
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ZWEITES KAPITEL
Celeste sorgte persönlich dafür, dass das Haus und die Geschwister ordentlich herausgeputzt waren. Das Gästezimmer war auf Hochglanz gebracht und das Bett und der Tisch mit der feinsten Wäsche versehen, die sie in der Wäschekammer hatte auftreiben können. Sie selbst strahlte in ihrem schönsten Kleid, die Frisur kunstvoll hergerichtet und die Lippen und Wangen mit Mamas Rouge – trotz Einspruch derselben – gefärbt. (Auch Onkel George war der Meinung, dass ihre jugendliche Frische vollkommen ausreiche, um das Herz eines jungen Mannes höher schlagen zu lassen.) Agatha hatte ihr ein kostbares Parfüm überlassen, als sie dieser von dem Besuch des grandiosen Herrn erzählte. Frau Moss war in höchsten Eifer ausgebrochen, ihren Liebling Celli in allen Vorbereitungen tatkräftig zu unterstützen. Mit dem Knecht hatte sie große Besorgungen gemacht und mit der Herrin und Celeste einen Speisenplan für die kommende vorweihnachtliche und weihnachtliche Zeit aufgestellt. Die Familie war mittlerweile so groß, dass die Haushälterin für die zusätzliche Magd äußerst dankbar war, nun waren sie in dem hellen Wirtschaftstrakt im Souterrain zu viert. Ihre treue Nichte Betsy war der Familie erhalten geblieben, Marie, die neue Magd, fasste tüchtig zu und auch der Knecht, John, kam annähernd dem alten Matthew gleich. Thomas wachte in Abingdon über das Haus der Glückseligkeit. Heimlich hegte Frau Moss die Hoffnung, dass ihre Celli eines Tages das Haus in Abingdon übernehmen würde; nun, mit diesem honorigen Bewerber – ein Ingenieur aus Deutschland! – schien die Sache langsam Gestalt anzunehmen. Immerhin nahm sich selbst Doktor Avestone für den Samstag einen freien Tag, um beim Eintreffen dieses womöglich künftigen Schwiegersohnes zugegen zu sein. Am Vormittag trällerte Celeste ein Lied, beim Lunch war sie überheblich und am Abend still. Am Sonntagmorgen hegte sie wieder große Hoffnungen und betete während der Heiligen Messe innig; während dem Lunch wurde sie bissig, so dass ihr Stiefvater ihre Mutter besänftigen musste; am Abend blies sie Trübsal und in der Nacht weinte das junge Fräulein in ihr Kissen. Alle erklärenden Worte und Tröstungen halfen nichts – Celeste litt tief und hingebungsvoll. Am Montagmorgen, Herr Avestone war wieder nach London gefahren, so dass eine Art Alltag eingekehrt war, kleidete Celeste sich wie eine Büßerin in ihr schäbigstes Hauskleid, flocht sich einen strengen Zopf und setzte sich mit ihren Lehrbüchern in Onkel Georges Arbeitszimmer. Heldenmütig wollte sie sich in ihr bitteres Schicksal fügen und an ihrer traurigen Zukunft als Erzieherin arbeiten; jeden Trost ihrer zärtlichen Mama lehnte sie entschieden ab. Anna achtete Celestes Wunsch nach Rückzug und widmete sich dem schulischen Fortkommen ihrer jüngsten Schar. Natürlich ließ der Schmerz ihrer Ältesten sie nicht unberührt, trotzdem musste sie hin und wieder still in sich hineinlächeln, mit welcher Hingabe ihre Tochter leiden wollte. Und sie fragte sich, ob diese tatsächlich für ein Verlöbnis reif sei, wenn sie durch eine Reiseverzögerung des Angebeteten dermaßen aus der Bahn geworfen wurde. Florian Hofstetter war in der Nacht zum Montag endlich in London angekommen, anhaltender Regen hatte manche Wege dermaßen aufgeweicht, dass die Postkutsche Umwege fahren musste. Zeitig ließ er sich wecken, um seine Sachen zu ordnen, und sein Geschenk aus den Untiefen seines Koffers hervorzuholen. Seit halb acht Uhr saß Celeste in dem Arbeitszimmer ihres Stiefvaters und starrte angestrengt auf die Buchstaben, ohne ein Wort zu begreifen. Es läutete. Sie wollte in Ohnmacht fallen, Rebecca kreischte und Frau Moss schlug die Hände über den Kopf zusammen. Geschwinde eilte die Haushälterin persönlich an die Haustür, in der Hoffnung, Cellis größtes Glück würde dort draußen stehen. Ein beachtlicher junger Mann stand vor der Tür und stellte sich als Florian Hofstetter vor. „Kommen Sie, kommen Sie, Herr Hofstetter! Man erwartet Sie bereits! – Sind Sie gut gereist, mein Herr?“ Während sie auf ihn einredete, lotste sie ihn in die kleine Halle. Inzwischen war Marie dazu gekommen und nahm dem stattlichen Herrn den Mantel ab. Die Hausherrin kam die Treppe hinab, die Kinder folgten ihr, blieben jedoch auf der Treppe stehen, um mit riesigen Augen, an das Geländer gepresst, den ausländischen Herrn zu betrachten, der solche furchtbaren Launen in ihrer großen Schwester bewirken konnte. Ehrerbietend verneigte er sich. „Verehrte Madame Avestone, ich bitte Sie für dies Verzögerung vielmals um Verzeihung. Die aufgeweichten Wege ließen eine pünktliche Ankunft nicht zu.“ „Das haben wir bereits geahnt, Herr Hofstetter. Kommen Sie nur herein! Haben Sie Ihr Gepäck mitgebracht?“ „Ich habe es vorerst im Gasthaus gelassen, um keine Unannehmlichkeiten hervorzurufen …“. Anna lachte. „Ich bitte Sie, mein Herr, es ist so ausgemacht, dass Sie unser Gast sind – Sie würden nicht nur Celeste enttäuschen, auch mein Gemahl und ich freuen uns auf Ihre Anwesenheit!“ Ein dankbares Lächeln flog über Florians Angesicht. „Kommen Sie in das Wohnzimmer, Herr Hofstetter, ich werde Celeste Bescheid geben lassen.“ Sie führte ihn in das freundliche Zimmer auf der gegenüberliegenden Seite des Arbeitszimmers. Marie trug Tee und Plätzchen herein und brach auf, die Tochter des Hauses zu suchen. Frau Moss krempelte in der Küche bereits die Ärmel für ein köstliches Mittagsmahl hoch; ihr erster Eindruck von diesem Herrn war durchaus zufriedenstellend. Artig stellten sich Eleonora und Maximilian dem Herrn Hofstetter vor und musterten diesen Deutschen – ganz gegen ihre Erziehung – über jede Gebühr. „Wo ist Rebecca? – Nori, hol Lenchen von oben!“ Die Tür ging auf und Magdalena tapste stolz in das Wohnzimmer. „Da bist du ja, du kleine Motte!“, flötete Nori mit Wonne. „Bist du wieder allein die Treppen heruntergekommen?“, fragte sie bewundernd und nahm die Kleine auf den Arm, um sie dem fremden Herrn vorzustellen, währenddessen Maximilian den Fremdling immer noch betrachtete. In der Zwischenzeit stieß Becky mit einem heftigen Rums die Tür zum Arbeitszimmer ihres Vaters auf. „Herr Hofstetter ist da, Celli! Du kannst aufhören, zu weinen!“, rief sie der erstarrten und hochroten Schwester entgegen. „Er sitzt mit Mama im Wohnzimmer und erwartet dich sehnsüchtig.“ „Becky! Ich bin in Lumpen gehüllt … ich muss vorher hoch und mich umziehen!“, jammerte Celli verzweifelt. „Auf gar keinen Fall! Niemals darfst du ihn warten lassen! Mama ist bereits böse, weil du zur Begrüßung nicht an der Tür erschienen bist.“ Celeste stutzte, sie war hin und hergerissen zwischen seiner Ungnade wegen ihrem Nichterscheinen und seiner Enttäuschung über ihren Aufzug. Ihr Trotz siegte; wenn er sie wahrhaftig verehrte, würde er sie auch als Büßerin lieben. Florian sprang vom Sofa, als Celeste in das Wohnzimmer trat. „Fräulein Celeste! … ich bitte Sie für meine Verspätung um Verzeihung …“. Verlegen standen sie sich gegenüber, offenbar keiner seiner Sprache mehr mächtig. „Celeste, vielleicht zeigst du Herrn Hofstetter erst einmal das Gästezimmer, damit er sich schon ein wenig heimisch fühlen kann.“ „Jawohl, Mama“, antwortete Celli benommen. „Folgen Sie mir bitte, Florian, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.“ Dankbar warf sie ihrer Mutter noch einen kurzen Blick zu und führte den Gast aus dem Wohnzimmer. „Die Deutschen sehen nicht viel anders aus als Engländer, und seine Sprache konnte ich sehr gut verstehen, Deutsch ist ganz ähnlich wie Englisch“, stellte Maximilian zufrieden fest. „Du Dummerchen, Maxi! Er hat doch Englisch gesprochen!“, klärte Becky ihn auf. Celeste schritt Herrn Florian Hofstetter auf der Treppe voran. Im ersten Stockwerk angekommen wandte sie sich zu ihm um. „Hier ist Ihr Zimmer.“ „Das ist wunderbar …“. „Aber Sie haben Ihr Zimmer doch noch nicht gesehen!“ „Es ist wunderbar, bei Ihnen zu sein, Celeste“, gestand er. Durch seine Verlegenheit wieder zu forschem Leben erwacht, öffnete sie die Tür zu seinem Gemach und sprach mahnend. „Freuen Sie sich nicht zu früh, in den nächsten Tagen werden wir beide der blanken Wirklichkeit begegnen!“ Florian Hofstetter lachte. „Das werden wir gewiss nicht, darauf werde ich Acht geben.“ Verwirrt errötete das Fräulein. „So dürfen Sie nicht sprechen, Herr Hofstetter …“. „Verzeihen Sie mir, edles Fräulein, ich bin ein Dummkopf! – Wahrscheinlich war ich der Zivilisation zu lange entfernt.“ Selbstbewusst kam sie auf den eigentlichen Gegenstand...




