E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Axel / Kordt / Wagner Der Mörder im Bahnhofscafé
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-5853-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kriminalerzählungen
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-7583-5853-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Nachtschwärmer ziehen ihre Bahnen, ganz verschiedene Gestalten. Auf einem Bahnhof sucht er seine Opfer oder sie suchen ihn. Gelingt es der Kriminalpolizei den Serientäter zu stellen? Ein Labyrinth gerät zur tödlichen Falle für die Frau eines Bauern. Wie schnell das geht, bekommen auch die Ermittler zu spüren. Weiße Rosen werden geschenkt, eine alte Liebe zu neuem Leben erweckt, doch das Schicksal nimmt seine ganz eigenen Wege. Den kriminellen Potentialen künstlicher Intelligenz spürt ein Autor essayistisch-erzählerisch nach. Die sexuellen Gelüste eines Bürgermeisters in einem früheren Jahrhundert sorgen für allerlei Abgründe. Selbst hinter einem Kochwettbewerb und Rezepten können sich dunkle Geheimnisse verbergen. Der Band enthält auch einige Kriminalgedichte.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Heidi Axel
Die Frau in Grau
Der Nebel floss langsam durch die engen, schmutzigen Gassen der Stadt. Es waren nicht viele Menschen so spät noch unterwegs und die, die unterwegs waren, froren in ihrer dünnen und ärmlichen Bekleidung. Eine Frau ging unauffällig, aber zügig und dicht geduckt, an den Häuserwänden entlang. Sie hatte ein graues Tuch um den Kopf gebunden und sah auch sonst in ihrem grauen langen Kleid, das im Dreck schleifte, sehr unscheinbar aus. Sie war müde, denn das was sie diese Nacht leisten würde, musste heimlich und ohne einen Laut geschehen.
Sie verstand sich darauf, Kinder auf die Welt zu bringen. Meistens waren es ungewollte Kinder, die sie zur Welt brachte und diese hatten auch kaum die Chance sich ihres Lebens zu erfreuen. Magda war eine Frau in den vierziger Jahren. Sie hatte eine kräftige Figur und vor allem ihre Hände zeugten davon, dass sie ordentlich zupacken konnte.
Das Kind, welches sie der Frau entband, war gesund auf die Welt gekommen, aber es durfte nicht ein einziges Mal seine kleinen Lungen mit Luft vollpumpen und schreien. Magda erstickte den Schrei und gab den leblosen Körper einer Magd, die es in Windeseile aus dem Zimmer brachte. Das junge Mädchen dort im Bett war von der Geburt noch so durcheinander und erschöpft, dass es sich nur langsam erholen konnte. Sie sah Magda fragend an, aber diese schüttelte nur den Kopf, was so viel bedeutete, als dass es eine Totgeburt war. Magda wusch die junge Frau und flüsterte: „Schlaft jetzt und habt in den nächsten vier Wochen keine Liebe!“ Sie bekam keine Antwort mehr, denn das Mädchen, was es eigentlich noch war, war eingeschlafen. Magda räumte ihre Utensilien zusammen und sagte zu den beiden Mägden: „Und ihr haltet den Mund und vergesst die Sache hier.“ Magda wollte das Haus verlassen, da flüsterte ihr aus einer dunklen Ecke eine männliche Stimme zu: „Habt Dank für die Hilfe“, und auf einmal kam ein kleiner, prall gefüllter Beutel auf sie zu geflogen. Geschickt fing Magda diesen auf und flüsterte noch: „Und lasst sie vier Wochen in Ruhe!“ Damit öffnete sie die Tür und verschwand im Nebel.
Sie wohnte am Rande der Stadt in einem Haus, das schon recht gut hergerichtet war. Das Geld, das sie sich in den Nächten verdiente, hatte ihr diesen kleinen Wohlstand eingebracht. Schnell wusch sie sich selbst etwas und legte sich ins Bett. Wenigstens eine Stunde wollte sie noch schlafen, bevor sie mit dem Doktor durch die Stadt zog, um einige kranke Menschen aufzusuchen.
Magda wurde von durchdringendem Klopfen an der Haustür geweckt. Laut gähnend rief sie, dass sie kommen würde, schlüpfte in ihre Pantoffeln und begab sich an die Tür. Es war der Doktor!
„Los Mädchen, wir müssen gehen. Die Tochter des Apothekers kommt nieder und wir sollen von Anfang an dabei sein, damit auch ja alles gut geht. Hoffentlich wird es dieses Mal ein Junge. Es ist nun schon das sechstes Kind und die arme Frau kann nicht noch ein siebtes zur Welt bringen. Das überlebt sie nicht.“ Magda nahm ihre Sachen und folgte dem Doktor ohne einen Kommentar abzugeben. Sie mussten nicht sehr weit laufen. Das Haus des Herrn Apothekers stand direkt am Markt, da wo jeder Bürger der Stadt vorbeikam.
Der Doktor klopfte leise und sofort wurde die Tür geöffnet, denn man erwartete ihn schon. Magda sah sich die bereit gelegten Tücher an, kontrollierte die Schüsseln, ob sie auch ordentlich sauber waren und nickte den Mädchen zu, die bereit standen warmes Wasser zu bringen. Die Wöchnerin hatte einen sehr hohen Leib und Magda sah ihr an, dass diese Entbindung der Frau alle Kraft abverlangen würde. Sie nahm ihre Hand und versuchte sie zu beruhigen. Die Frauen kannten sich, denn Magda war bei jeder Geburt dabei gewesen und die Tochter des Apothekers, deren Mann der Lehrer der Stadt war, sah Magda flehend an und flüsterte: „Herr, lass es kein Mädchen sein, wenn doch, Magda, dann mach etwas!“
Magda nickte und sie spreizte der Frau die Beine. Der Doktor untersuchte sie und sagte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis das Kind käme. So war es auch. Die Wehen setzten noch stärker ein und das Kind wurde geboren. Es war ein kräftiger Junge, der auch ordentlich seine Lungen mit Luft füllte und laut schrie. Doch da schrie auch die Frau wieder auf und sah Magda an. „Da kommt noch eins. Um Himmels Willens, was habe ich nur verbrochen, dass Gott mich so straft? Wenn schon zwei, dann bitte noch ein Junge!“ Sie presste wieder aus Leibeskräften und das Kind wurde geboren. Es war ein Mädchen. Schnell nahm Magda das Kind weg und wollte es genauso, wie die anderen Kinder töten, aber als sie den Säugling sah, wurde ihr so warm ums Herz, dass sie das kleine Mädchen in einen Korb legte, eine Decke darüber schlug und es schnell unter der Treppe versteckte. Dem Kind wollte sie selbst eine gute Mutter sein. Dieser Entschluss war so schnell und plötzlich in ihr gereift, dass sie ruhig und gefasst dem Doktor ein Zeichen gab, dass es nur der Junge war, der lebensfähig war. Der Doktor vertraute Magda in dieser Sache so fest, dass er nicht den kleinsten Zweifel hegte, dass sie ihn belügen würde. Magda hatte schnell ein Bündel fertig geschnürt, um es den Mägden zu übergeben, denn das Kind wurde sofort und ohne Aufsehen beerdigt. Der Pfarrer war zur Stelle und sprach einige Worte. Erledigt war die Sache. Keiner fragte in dieser Zeit nach, ob auch alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Magda versorgte die Wöchnerin und sagte auch hier zu dem Mann: „Und lasst sie die nächsten vier Wochen in Ruhe, um sich zu erholen. Das muss einfach sein!“ Sie packte flink die Sachen des Doktors zusammen und verließ das Haus. Sie bog um die nächste Ecke und eilte zu einem Nebeneingang des Hauses zurück, um das Kind zu holen. Still lag das kleine Mädchen da und schlief. Es wurde Zeit, dass es etwas zu Essen bekam. Magda konnte nicht stillen, aber sie wusste jemanden, der es konnte und dieser Frau vertraute sie ebenfalls.
Sie lief aus der Stadt heraus, bis sie völlig außer Atem war. Da war das Dorf. Der Bauernhof stand etwas abseits und wirkte unbewohnt. Franz und Gertrud, die beiden Bauersleute, freuten sich, Magda zu sehen. Ein großes Glas Milch löschte erst einmal Magdas Durst und dann begann sie zu erzählen. Gespannt lauschten die beiden der Schilderung Magdas und Franz hob die Decke über dem Korb auf und nahm die Kleine heraus. Sie fing jetzt leise an zu weinen. Franz gab seiner Frau ein Zeichen. Diese öffnete ihre Bluse und legte die Kleine an ihre Brust. Gierig und mit niedlichen Schmatzgeräuschen trank das Kind. Alle drei sahen begeistert zu. Was sollte nun werden? Magda konnte den langen Weg nicht zwei Mal am Tag laufen. „Sie bleibt einfach hier und du besuchst sie, wenn du kannst“, so entschied es Franz in einem Satz. Wo ihr eigenes Kind satt wurde, bekam die Kleine auch genug ab. Magda schob ihren Freunden den Beutel mit Geld zu. Sie war überglücklich solche Freunde zu haben. Franz und Gerda wussten, dass Magda ihnen immer geholfen hatte, wenn sie in Not waren und so konnten sie ihr endlich auch einmal helfen. Das Geld würde sie sehr lange unterstützen und redselig waren beide nicht. „Wie soll die Kleine eigentlich heißen, Magda?“, fragte Franz. Daran hatte sie noch nicht gedacht. Das Kind brauchte auch einen Namen! Alle drei überlegten! Er sollte kurz sein. Leise kam es über Magdas Lippen: „Sie soll Grete heißen. Nach meiner Mutter, denn sie war eine sehr gute Frau!“, und somit war Klein-Grete in ihrem unbestimmten Leben angekommen.
Magda nahm ihr Kind noch einmal auf den Arm und versprach in den nächsten Tagen wieder vorbeizukommen. Dann machte sie sich auf den Heimweg, um doch noch einige Stunden zu schlafen. Sie konnte ja nie wissen, wer sie in der Nacht um Hilfe bitten würde.
Magda schlief traumlos und fühlte sich, als es tatsächlich an der Tür klopfte, ausgeruht und frisch. Der Morgen graute schon und schnell war sie an der Tür. Vor ihr stand ein fremd aussehender Mann. Er war braungebrannt, kräftig und sprach nur ein gebrochenes Deutsch. Er bat Magda um Hilfe, denn seine Frau lag seit Stunden in den Wehen und das Kind kam einfach nicht auf die Welt. Magda wusste sofort, dass hier Eile geboten war.
Sie warf sich ihr Tuch über, nahm ihre Tasche und folgte dem Fremden. Dieser lief sehr schnell vor ihr her, aber Magda folgte ihm ohne Mühe. Am Waldrand stand ein großer Planwagen und darin lag die Schwangere. Ein Feuer brannte neben dem Wagen und Magda sah, dass einige fremdländische Männer das Wasser am Kochen hielten. Magda sah in ihrem grauen Kleid und dem grauen Tuch sehr furchteinflößend aus. Die Männer verbeugten sich vor ihr und sagten etwas in ihrer Sprache, was Magda nicht verstand. Sie nickte nur und kletterte in den Wagen hinein. Da lag die Frau und weinte leise vor sich hin. Magda legte den Finger auf die Lippen und schob ihr ein Tuch, in das sie einen Knoten gebunden hatte, in den Mund. Die Frau verstand sie und nickte ebenfalls. Magda untersuchte sie und stellte fest, dass die Kinder, es mussten auch hier zwei sein, in den nächsten Minuten kommen würden. Der Mann sah durch die Plane auf die Frauen und...




