Bach | Tod in Montmartre | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 304 Seiten

Reihe: Claude Bocquillon

Bach Tod in Montmartre

Ein Fall für Claude Bocquillon
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86787-884-5
Verlag: Bruno-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Claude Bocquillon

E-Book, Deutsch, Band 3, 304 Seiten

Reihe: Claude Bocquillon

ISBN: 978-3-86787-884-5
Verlag: Bruno-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was als romantischer Urlaub beginnt, wird schnell zu einem Albtraum: Privatdetektiv Claude Bocquillon und sein Freund finden eine brutal zugerichtete Frauenleiche im Pariser Montmartre-Viertel. Die Tote ist keine Unbekannte, sondern die lang verschollene Schwester von Bocquillons Freund Lambert. Frustriert über die Unfähigkeit der Polizei, beginnen der Detektiv und Lambert ihre eigenen Ermittlungen. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden: Die Spur führt ins Rotlicht- und Kunsthändlermilieu. Doch der Fall ist komplizierter als gedacht, und die Suche nach dem wahren Täter bringt Bocquillon selbst in Lebensgefahr.

LAURENT BACH, Jahrgang 1970, lebt in Westfalen. Nachdem er einige Jahre im Immobilien- und Baubereich tätig war, begann er erst spät mit dem Schreiben. Die Eindrücke, die er auf seinen zahlreichen Reisen nach Südfrankreich sammelte, fließen als Inspiration in all seine Geschichten ein. 'Mord auf Französisch' und 'Die Zehn Plagen' sind die ersten beiden Romane in der Krimi-Reihe um Detektiv Claude Bocquillon.
Bach Tod in Montmartre jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


KAPITEL 1

Das Mondlicht streifte die mattweiße Kuppel der Sacre Coeur und war im nächsten Moment wieder hinter schweren Regenwolken verschwunden. Trotzdem, das Blut auf dem Pflaster der Treppenstufen war gut zu erkennen gewesen. Er nickte. Sollte sie nur zu entkommen versuchen, es würde ihr nicht gelingen. Er hielt die Luft an, lauschte – die Geräusche der Nacht, das Summen des nächtlichen Verkehrs auf dem Boulevard Clichy, und dann konnte er sie deutlich hören, panisches Japsen, hastige Schritte, hoch zum Montmartre. Sie wimmerte, fast mitleiderregend, doch er musste es jetzt zu Ende bringen. Mit schnellen Schritten nahm er die Stufen, die schmale Seitentreppe zur Sacre Coeur war noch feucht, Regenwasser tropfte von den Büschen. Immer höher ging es hinauf, nur weiter, er musste sie bald erreicht haben. Jagdfieber packte ihn. Er blähte die Nasenflügel, wie ein Hund, der seine Beute hetzt. Sie würde nicht lange durchhalten, die Wunde an ihrem Bauch war zu tief, schließlich hatte er mit voller Kraft zugestoßen. Später würde er das Messer suchen müssen, das sie ihm aus der Hand geschlagen hatte. Er entdeckte ein abgebrochenes Stück Kantstein, ohne nachzudenken packte er es, wog es in der Hand, dann weiter nach oben, bis sich die Kirche in all ihrer Pracht vor ihm erhob. Die bronzene Jeanne d’Arc auf dem Vorbau streckte gebieterisch den Arm in den dunklen Himmel, zu ihren Füßen dehnte sich das glitzernde Paris.

Erleichtert stellte er fest, dass niemand zu sehen war, der Regen hatte die Touristen verscheucht. Da – dort war sie. Sie lief, blieb mit dem Absatz in einer Lücke zwischen den Pflastersteinen stecken, knickte um, befreite sich wieder. Dann stand sie im Schatten des Portikus und hielt sich den Bauch. Er leckte sich die Lippen, umklammerte den Stein. Das hatte sie nun davon, von ihrer Naivität, ihrer Impulsivität. Sie schaute auf ihre Hand hinab, hob plötzlich den Kopf. Sie musste sein Keuchen gehört haben. Er kam mit langen Schritten auf sie zu, energisch, siegesgewiss. Sie hatte sich wichtig machen wollen. Er hatte sie eigentlich ganz gern gemocht, aber eine wie sie würde er immer finden. Sie hatte sich ihm in den Weg gestellt, dafür musste sie büßen.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie zu ihm hinüber, sie wusste, was nun kommen würde. Hatte sie tatsächlich geglaubt, ihm entkommen zu können? Sie stieß sich von der Wand ab, humpelte weiter, seitlich an der hell angestrahlten Kirche vorbei. Sie würde es nicht schaffen. Er fixierte sie. Aus den Augenwinkeln sah er, dass die braunen Fensterläden in Richtung Place du Tertre geschlossen waren. Das Glück war mit ihm. Er folgte ihr in Richtung Square Blanchet. Wollte sie sich etwa zwischen den Büschen und Sträuchern verkriechen? Schnell jetzt! Schon hatte sie die Mauer des Parks erreicht, das Tor gab nach, sie hastete hindurch und drückte es hinter sich ins Schloss. Fast hätte er laut aufgelacht. Als könnte ihn das aufhalten! Er rannte los, damit ihr keine Zeit blieb, im Dunkel zu verschwinden. Immer näher kam er, sie war stehen geblieben, steif vor Angst. Adrenalin pulste durch seine Adern. Kurz streifte sein Blick vier glühende Punkte am Boden – Katzen, dann prallte er mit einem dumpfen Schlag gegen die Stangen, das Tor schnellte zurück. Sie schrie auf, hielt sich die Hände vors Gesicht, drehte sich halb zu ihm. Doch da war er schon über ihr. Er holte aus, traf ihren Kopf mit voller Wucht, ein knirschendes Geräusch, er fühlte Übelkeit aufsteigen. Sie sackte zusammen, sank auf die Knie. Jetzt, in dem Augenblick, in dem sie starb, war sie ihm doch noch entkommen. In ihrem Blick lag Erstaunen, als hätte sie eine Erscheinung. Blöde Kuh. Sie sollte doch spüren, wie er es ihr besorgte. Immer wieder schlug er der Knienden auf den Schädel, die Haare färbten sich mit ihrem Blut. Ihr Blick zeigte ihm, dass sie nichts mehr wahrnahm, dass sie sich den Bildern in ihrem Kopf überlassen hatte. Er trat ihr gegen die Brust, sie kippte nach hinten und blieb mit verrenkten Gliedern auf dem Boden liegen. Sollte sie doch an ihren Visionen krepieren. Ihre Lippen bewegten sich. Er beugte sich zu ihr hinunter, der Anblick war schrecklich, doch sie flüsterte etwas – er verstand nur »Fredy«. Wer sollte das sein? Endlich erlosch ihr Blick, sie wurde schlaff, ein Bündel Lumpen. Sein Herz raste, er spürte kalten Schweiß auf Rücken und Brust. Er hatte noch nie jemanden getötet und war erleichtert, dass es endlich vorbei war. Er schaute sich um. Hier lag die Leiche wie auf einem Präsentierteller. Die Katzen sprangen beiseite, als er sich bückte und die Tote unter den Achseln packte.

* * *

Claude war aufgekratzt, euphorisch. Paris, die Stadt der Liebe – und er mittendrin, mit Julien. Sie gingen zügig, Hand in Hand. Ganz geheuer war es ihm nicht auf den leeren Straßen, doch jetzt zeigte sich die Morgendämmerung als rötlicher, staubiger Schleier, sein Unbehagen verflog. Ihm schwindelte, rasch hielt er sich an Julien fest.

»Merde, was war bloß in diesem Drink?«

Julien hakte sich bei ihm unter. »Du verträgst eben nichts, du Landei. Kennst ja nur Lucas’ Bier und den Landwein deiner Mutter.«

»Klar, und du erkennst den Cocktail natürlich schon am Schütteln des Barmanns, was?«

»Eher am Geräusch im Shaker.«

Sie gingen im Gleichschritt, waren auf dem Heimweg ins Hotel, nachdem sie sich in einer Bar im Marais mit einem netten schwulen Paar verplaudert hatten. Das hieß, eigentlich hatte er den Großteil der Unterhaltung bestritten, Julien hatte sich ziemlich zurückgehalten. Er hatte schon nachmittags merkwürdig abwesend und nachdenklich gewirkt. Aber gut, sie hatten ja auch einen langen Tag und eine lustige Nacht hinter sich. Und auch die Nacht davor war ziemlich intensiv gewesen, nicht nur, weil die Umgebung, die Stadtluft, das Hotel, das Bett so neu und ungewohnt waren. Als er Juliens Zucken spürte, stieg Vorfreude in ihm auf. Julien war so niedlich, wenn er seinen Schluckauf bekam. Nur noch einen halben Kilometer Fußmarsch – sie waren an der falschen Metro-Station ausgestiegen – dann würden sie zusammen ins Bett fallen und ... Scheißegal, ob Julien müde war oder nicht, er brauchte ja nur stillzuhalten. Er grinste. Paris – die Stadt der Liebe. Enger noch drückte er sich an Juliens warmen Körper, der Maimorgen war frisch. Rötliche Streifen schoben sich in den Himmel. Eine Kirchenuhr schlug sechsmal, dann stimmte eine weitere Glocke ein. Die Luft war rein und klar, die Stadt begann zu erwachen. Ein Auto ratterte über das Kopfsteinpflaster. Nun hatten sie die Treppe zur Sacre Coeur erreicht, deren Mauern bereits im Morgenlicht strahlten. Die Funiculaire lag noch still am Fuß des Hügels, die Blumen in den Beeten, die sich beiderseits der Treppe den Hügel hinaufzogen, trugen glitzernde Tautröpfchen.

»Ist das nicht wunderschön, wenn alles noch so frisch und sauber ist?«

Doch Julien verdrehte die Augen und seufzte. »Du bist und bleibst ein hoffnungsloser Romantiker.«

Wenn es wirklich Romantik war, war sie nach diesen Worten verflogen. Verärgert ging er weiter. Die wundervolle Stimmung war dahin.

»Julien, jetzt lass mich doch ... «

Sein Freund hielt inne, den Kopf gesenkt, und das war auch gut so. Sollte er sich ruhig eingestehen, was für ein Miesepeter er war.

»Was ist denn los mit dir?« Claude legte ihm die Hand auf die Brust. Julien schaute auf, seine braunen Augen blickten ernst.

»Was soll schon los sein? Ich bin einfach müde. Du nicht?« Er drehte sich weg, wollte weiter. Claude hielt ihn am Sakko fest.

»Hör doch auf. Seit dem Nachmittag bist du stumm wie ein Fisch, seit diesem Anruf. Hast du Geld unterschlagen? Insidergeschäfte gemacht? Was wollte dein Chef denn von dir?«

Julien riss sich los, ging zur Treppe hinüber und machte sich an den Aufstieg.

»Du willst doch jetzt nicht über meine Arbeit reden, oder? Wir sind im Urlaub, Mann.«

»Dann verhalte dich bitte auch so.« Claude folgte ihm. Über ihnen erhob sich in wuchtiger Anmut die Kirche. Selten hatte er ein so kitschiges und gleichzeitig so wunderschönes Bauwerk gesehen. Wie der Taj Mahal. Eine unbestimmte Angst riss ihn aus seinen Gedanken. Sie waren doch erst vorgestern angekommen – und schon war irgendwie der Wurm drin. War ihr lang geplanter Urlaub zum Scheitern verurteilt, noch bevor er so richtig begonnen hatte?

»Warum willst du denn da hoch, Julien? Es ist doch einfacher, wir laufen die Straße runter, als jetzt noch diesen Hügel rauf.«

»Wir setzen uns oben hin und genießen die Aussicht.« Julien war ziemlich ins Schnaufen gekommen. Das kam davon, wenn man immer nur am Schreibtisch saß und auf seinen Monitor mit den Aktienkursen starrte. Zum Glück hatte Julien noch keinen Bauchspeck angesetzt, sein Körper war noch genauso perfekt wie vor einem Jahr, als er aus den Fluten des Flusses plötzlich vor Claude aufgetaucht war. Sein Anblick hatte Claude umgehauen. Julien wartete auf ihn, die Hand ausgestreckt. Gemeinsam erklommen sie Stufe für Stufe der schier endlosen Treppe. Doch nicht nur deshalb klopfte Claudes Herz. Würde Julien jetzt endlich reden oder wollte er wirklich nur die Aussicht genießen? Als die Strapazen ein Ende hatten und sie oben angekommen waren, starrte Julien stumm auf die Bronzefiguren vor der Kirche.

»Es geht um uns«, sagte er schließlich, in einem Tonfall, der Claude eine Gänsehaut bescherte. Was sollte man dazu sagen?

»Ich habe schon die ganze Zeit darüber nachgedacht«, fügte Julien hinzu.

Ein Kloß stieg in Claudes Hals. »Jetzt hör auf, in Rätseln zu sprechen«, sagte er und räusperte sich.

...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.