Bachmann | Mehr Natur, weniger Chemie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Bachmann Mehr Natur, weniger Chemie

So pflanzlich wie möglich, so synthetisch wie nötig
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-906287-91-1
Verlag: Cameo
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

So pflanzlich wie möglich, so synthetisch wie nötig

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

ISBN: 978-3-906287-91-1
Verlag: Cameo
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



«So pflanzlich wie möglich, so synthetisch wie nötig - ein Satz, der weitaus mehr bedeutet, als man im ersten Moment vermuten würde.» Dieses Buch basiert auf 32 Jahren Berufserfahrung und wurde geschrieben sowohl für Laien, die sich für pflanzliche Behandlungen interessieren, als auch für Medizinalpersonen, die nach Anregungen für die Auswahl pflanzlicher Präparate bei der Behandlung ihrer Patienten suchen. Christoph Bachmann, Doktor der Pharmazie, schlägt hier eine Brücke zwischen natürlichen und synthetischen Arzneimitteln und zeigt auf einleuchtende Weise, dass und wie man viele Beschwerden mit pflanzlichen Arzneimitteln oder Anwendungen erfolgreich behandeln kann.

Dr. pharm. Christoph Bachmann, geboren 1953, studierte zuerst vier Semester Germanistik und wechselte dann auf Pharmazie. Er bildete sich in Komplementärmedizin weiter, speziell in der Phytotherapie. Während 32 Jahren arbeitete er in seiner eigenen Apotheke und versuchte, die Gegensätze zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin zu überwinden. Bei seinen Beratungen folgte er seiner Philosophie: So pflanzlich wie möglich, so synthetisch wie nötig. Daneben schrieb er als Freelancer Artikel zum Thema Phytotherapie für medizinische Fachzeitschriften. Von 1997 bis 2016 war er Vorstandsmitglied der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP). 2020 beendete Christoph Bachmann seine Tätigkeit als Apotheker und widmet sich seither dem Schreiben und dem Entwickeln von Schulungen zum Thema Phytotherapie. Er lebt in Luzern und München.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


8. Atemwege


Bei Atemwegserkrankungen gibt es eine ganze Reihe von pflanzlichen Arzneimitteln bzw. Anwendungen, welche verwendet werden können, bevor man zu synthetischen Arzneimitteln greift.

8.1 Sonnenhut


Echinacea, Sonnenhut, ist eine ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanzengattung. Medizinisch verwendet wird vor allem der Rote oder Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea). Es gibt aber auch Präparate, welche aus dem Schmalblättrigen Sonnenhut (Echinacea angustifolia) oder auch dem Blassen Sonnenhut (Echinacea pallida) hergestellt werden. Die indigene Bevölkerung Nordamerikas verwendete den Sonnenhut für verschiedene medizinische Zwecke wie beispielsweise gegen Husten und Halsschmerzen. Seefahrer brachten die Pflanze nach Europa. Und hier wird sie nun vor allem gegen virale Infekte der Atemwege eingesetzt.

In der Schweiz werden vorwiegend zwei verschiedene Echinacea-Extrakte eingesetzt (vgl. Tabelle aller Echinacea-Präparate der Schweiz):

• Man verwendet den Presssaft aus dem blühenden Echinacea-purpurea-Kraut.

• Auch der Frischpflanzen-Extrakt aus dem blühenden Echinacea-purpurea-Kraut sowie der Extrakt aus der Wurzel von Echinacea purpurea werden eingesetzt. Die beiden Extrakte werden gemischt und zu Tabletten verpresst oder als Tropfen oder als flüssiges Produkt zur Herstellung eines Heißgetränks mit Holundersaft als Aromatikum angeboten (Vogel Echinaforce® Hotdrink).

• Beide Extrakte sind volksmedizinisch breit etabliert. Vor allem der zweite Extrakt wurde im Verlauf der Jahre millionenfach angewendet. Seine Wirksamkeit wird mit zahllosen positiven Rückmeldungen bestätigt, trotz auftretenden Therapieversagern. Doch Therapieversager gibt es bei jedem Arzneimittel, ob pflanzlich oder synthetisch. Daher steht für mich eine Wirksamkeit von Echinacea-Präparaten gegen virale Atemwegsinfekte (vgl. Kasten) außer Zweifel. Die meisten Atemwegsinfekte werden durch eines oder mehrere von etwa 800 möglichen Viren verursacht. Daher kann man jeden Ausbruch einer solchen Infektion mit Echinacea behandeln. Außerdem gibt es zahlreiche Bakterien, welche Atemwegsinfekte auslösen können.

Prophylaktisch wird Echinacea vor der individuell erwarteten Zeit einer Ansteckung während zwei bis drei Monaten eingenommen. Natürlich treten die meisten Atemwegsinfekte im Winter auf. Daher nehmen die meisten Leute Echinacea prophylaktisch ab dem Herbst ein. Es gibt aber auch Menschen, die vor allem im Sommer von einer Atemwegsinfektion befallen werden. Darum sollten diese die Zeit der Prophylaxe entsprechend planen. Therapeutisch beginnt die Einnahme natürlich bei Ausbruch eines Infektes der Atemwege.

Echinacea-Präparate in der Schweiz (nur Monopräparate, ohne homöopathische und spagyrische Präparate)

Markenname Galenische Form Zusammensetzung
Echinacin® Tropfen oder Lutschpastillen Presssaft der oberirdischen Teile von Echinacea purpurea
Echinamed® Tabletten Extrakt der oberirdischen Teile und Extrakt der Wurzel von Echinacea purpurea
Vogel Echinaforce® (forte)Vogel Echinaforce® Hotdrink Tropfen oder Tabletten Extrakt der oberirdischen Teile und Extrakt der Wurzel von Echinacea purpureaHeißgetränk
Vogel Echinaforce® bzw. Vogel Echinaforce Resistenz gegen Erkältung Tabletten, Tropfen Extrakt der oberirdischen Teile und Extrakt der Wurzel von Echinacea purpurea
Vogel Echinaforce® Resistenz gegen Erkältung Junior Tabletten Extrakt der oberirdischen Teile und Extrakt der Wurzel von Echinacea purpurea
Echinarom® Tropfen, Lutschtabletten Extrakt der oberirdischen Teile und Extrakt der Wurzel von Echinacea purpurea, Extrakt der oberirdischen Teile und Wurzeln von Echinacea angustifolia, ätherische Öle
Spagyrom® Tropfen, Lutschtabletten Extrakt der oberirdischen Teile und Extrakt der Wurzel von Echinacea purpurea, Extrakt der oberirdischen Teile und Wurzeln von Echinacea angustifolia, ätherische Öle
Resiston® Braustabletten Extrakt der oberirdischen Teile von Echinacea purpurea

Atemwegsinfekte

Grippe

Die Grippe ist eine virale Infektionskrankheit der Atemwege, die von Influenzaviren verursacht wird. Sie beginnt plötzlich und äußert sich in Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Krankheitsgefühl und Husten. Synonym: Influenza.

Erkältung

Eine Erkältung äußert sich in Beschwerden wie Halsschmerzen, Niesen, Schnupfen und Husten. Sie wird häufig von Rhinoviren, aber auch von zahlreichen weiteren Viren verursacht.

Influenza

Siehe Grippe

Katarrh

Ein Katarrh äußert sich durch eine Entzündung der Schleimhäute, i. d. R. der Atemwege, mit der Bildung von wässrigem und schleimigem Sekret.

Für mich steht die Wirksamkeit von Echinacea außer Zweifel. Es wurden auch zahlreiche Studien mit einem positiven Resultat publiziert. Eine Meta-Analyse aus dem Jahre 2007 bestätigte sowohl die prophylaktische wie auch die therapeutische Wirksamkeit (1). Und diese Studie wurde in der renommierten medizinischen Zeitschrift «Lancet» veröffentlicht, die der Phytotherapie eher distanziert gegenübersteht. Die Studie zeigte nach der Einnahme von Echinacea durch Probanden eine statistisch signifikante (d. h. statistisch bewiesene) Verminderung des Auftretens eines grippalen Infektes. Die Verminderung war bei den Versuchspersonen viel deutlicher, welche auf eine natürliche Weise erkrankten, als bei Personen, die künstlich mit Viren infiziert wurden. Ein weiteres Resultat dieser Studie war, dass die verwendeten Echinacea-Präparate die Krankheitsdauer eines grippalen Infektes um 1,4 Tage verkürzten.

Der in München lehrende Prof. Dieter Melchart, anerkannter Fachmann der Komplementärmedizin mit naturwissenschaftlicher Grundausbildung, bestätigte mit einer Cochrane Review (2) die therapeutische, nicht aber die prophylaktische Wirksamkeit von Echinacea-Präparaten.

Trotzdem wurden neben positiven Studien auch klinische Studien mit negativen Resultaten publiziert. Entgegen der teilweise positiven Sicht der Review von Melchart aus dem Jahre 2002 fand eine weitere Cochrane Rewiev aus dem Jahre 2014 kaum eine Wirksamkeit und spricht nur von einer möglichen, schwachen Wirkung gewisser Echinacea-Präparate.

Zusammenfassend möchte ich Folgendes sagen: Zwei Seelen wohnen hier, ach, in meiner Brust. Die eine vertraut auf die volksmedizinische Erfahrung, die andere – der Wissenschaftler in mir – verlangt nach Studien. Und die Studienlage in Bezug auf Echinacea ist eben widersprüchlich. Es gibt im Gegensatz zu den negativen Studien aber auch eine Reihe von Studien mit einem positiven Resultat. Außerdem kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass die breite volksmedizinische Verwendung von Echinacea nur auf Illusionen basiert. Darum ist für mich Echinacea wirksam, sowohl therapeutisch als auch, jawohl, prophylaktisch.

8.2 Weitere immunmodulierende Pflanzen


8.2.1 Taigawurzel

Die Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) ist eine in der nördlichen Hemisphäre in Europa und Asien wachsende Pflanze. Sie wird unter anderem mit dem Sonnenhut zu den sogenannten adaptogenen Heilpflanzen gezählt. Diese können die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Stressfaktoren (Stressoren) erhöhen. Dazu gehört auch die oben beschriebene Rosenwurz. Die Taigawurzel wurde in Russland in den 1950er-Jahren des letzten Jahrhunderts untersucht. Ihre leistungssteigernde, die Widerstandskraft erhöhende sowie die Ermüdung hemmende Wirksamkeit konnte nachgewiesen werden. In der Schweiz gibt es ein seit einigen Jahren zugelassenen Arzneimittel (Vigor®), dessen Inhaltsstoff ein Extrakt aus der Taigawurzel ist. Leider ist dieses Arzneimittel vorübergehend nicht erhältlich.

8.2.2 Propolis

Propolis ist eine harzartige, von Bienen hergestellte Masse. Auch Propolis scheint eine antivirale, antibiotische und antimykotische Wirkung zu besitzen sowie eine wundheilende. Dies konnte in Studien mit Zellkulturen und mit Mäusen festgestellt werden. Propolis ist aber kein pflanzliches Produkt und soll daher nicht näher besprochen werden.

8.3 Husten


Husten ist eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen Fremdkörper, Mikroorganismen wie Viren oder Bakterien und Schleim in den Atemwegen. Durch Husten versucht der Körper, diese Fremdkörper aus den Atemwegen zu entfernen. Man unterscheidet zwischen einem trockenen und einem verschleimten Husten. Bei einem trockenen Husten (unproduktiver Husten) liegt eine zumeist infektiös bedingte Entzündung der Bronchialmuskulatur vor. Bei einem verschleimten Husten (produktiver Husten) bildet sich in den Bronchien ein verdickter Schleim. Dieser Schleim löst einen Hustenanfall aus, mit dem versucht wird, den Schleim auszuhusten.

In vielen Fällen liegt eine Mischform beider Hustenarten vor. Dann kann man von einer Bronchitis reden. Bei ihr treten sowohl Anfälle von trockenem Reizhusten auf...



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