Backes | Die Türen von Theseus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 510 Seiten

Backes Die Türen von Theseus

Mystery Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-5955-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mystery Roman

E-Book, Deutsch, 510 Seiten

ISBN: 978-3-7562-5955-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die schüchterne Memo folgt einer Duftspur aus Kindheitstagen und landet unversehens in einer alten, scheinbar maroden Stadtvilla, die eine ungeahnte Welt unglaublicher Fantasiegebilde und seltsamer Bewohner in sich verbirgt. Die freundliche Hausherrin zieht die junge Memo in ihren Bann und lockt sie immer tiefer in die Gemäuer des verwunschenen Hauses, das alle je erdachten Träume erfüllt. Bis sie plötzlich auf einen einsamen wilden Mann stößt, der in dem schier endlosen Labyrinth gefangen ist. Seine kühnen Behauptungen über das neu gewonnene Paradies fressen sich gegen jeden Widerwillen in Memos Gehirn, bis sie sich plötzlich in einem unwirklichen Kampf um Leben und Tod befindet...

Sarah Backes, 1987 in Koblenz am Rhein geboren, aufgewachsen in einem kleinen Dorf auf dem verschlafenen Hunsrück. Nach dem Abitur zog sie in den sonnigen Süden Baden Württembergs und studierte Altorientalische Philologie und Klassische Archäologie in Tübingen. Dabei erlernte sie die alten Sprachen der Sumerer und Akkader und schloss ihr Hebraicum ab. Bei 'Die Türen von Theseus' handelt es sich um ihren mystischen und zugleich spannungsgeladenen Debütroman. Die Idee zur Geschichte kam ihr tatsächlich nachts in einem Albtraum.

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2
Hundertvierundzwanzig, hundertfünfundzwanzig, hundertsechsundzwanzig..." Noah zählt wieder einmal die winzigen blauen Blüten der vergilbten, hier und da zerschlissenen Tapete seines kleinen Zimmers - oder sollte er vielleicht besser Zelle sagen? Viel Abwechslung wird ihm nicht geboten, weshalb die Tage grauenvoll langsam an ihm vorüberziehen, gleich einem Stalagmit einer Tropfsteinhöhle, welcher Jahrhunderte benötigt, um in einer beachtlichen Größe aus dem Boden emporzuwachsen. Ähnlich mühsam, so kommt es Noah zumindest vor, kriechen die Minuten und Stunden an ihm vorbei. Tröpfchen für Tröpfchen. Millimeter für Millimeter. Minute für Minute. Anfangs hatte er sich vorgenommen für jeden Tag, den er hier verbringen sollte, einen Strich in die Tapete zu ritzen. Die ist ohnehin in einem miserablen Zustand. Und eine Art Kalender würde ihm sicherlich helfen, sich zu orientieren. Dieses einfache Unterfangen stellt sich jedoch schwieriger als erwartet heraus. Wann ist der Tag zu Ende und wann beginnt ein neuer? Wann ist es dunkel und wann hell? Solche Fragen waren damals von Bedeutung, heute sind sie überflüssig geworden. Wenn er Lust hat, legt er sich schlafen und löscht zuvor das Licht durch den Lichtschalter. Immerhin gibt es Elektrizität. Und wenn er wach wird, ist eben Morgen. Es spielt keine Rolle. Kein Fenster kann ihm den Verlauf der Sonne am Himmel verraten oder den kühlen nächtlichen Mond zeigen. Wie gerne würde er einmal nach draußen in die weite Ferne sehen. Er vermisst die strahlende Sonne, ihre Auf- und Untergänge, den blauen Himmel, die Bäume, sogar den Großstadtlärm, einfach alles - selbst seine nervige Schwester Lina. Nur in seinen Träumen kann er völlig frei sein. Noah springt dann über saftige, vom feuchten Tau überzogene Wiesen, deren flüsternde Grashalme seine nackten Fußsohlen streicheln. Liebt und streitet leidenschaftlich wie ein Casanova. Fliegt mit dem Wind so hoch es geht, um die wunderschöne große Welt ganz klein von oben zu betrachten. Winzige Menschen tummeln sich wie emsige Ameisen, kleine bunte Spielzeugautos fahren auf Ministraßen und Bäume schließen sich zu verschlungenen, finsteren Wäldern zusammen. Wie sehr hat er diesen Anblick früher geliebt. Als Noah zehn Jahre alt war, war es für ihn eine bereits beschlossene Sache: Wenn ich einmal groß bin, werde ich Pilot! Das Flugzeug war vor dem Feuerwehrauto sein liebstes Spielzeug. Er besaß nicht nur einen Jumbo-Jet und einen Hubschrauber, auch Kampfjets und sogar einen Zeppelin. Lange Zeit war Dumbo, der kleine fliegende Elefant, zu seinem absoluten Lieblingsbuch auserkoren. Todesmutig stürzte er sich mit wedelnden Händen hinter den Ohren – ganz wie Dumbo mit den Riesenohren – vom Sofa auf eine ausgelegte Matratze am Boden. Zum Fliegen wird man geboren, so lautet das Motto unter den auserlesenen Flugschülern. Sein Herzenswunsch veranlasste ihn, während der Oberstufe die Arschbacken fest zusammenzukneifen, um diesen Traum tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen. Als Jüngster von fünf Kindern wollte er es besser als all die anderen machen und wusste stets sich durchzusetzen. Er paukte, wenn es sein musste, die Nacht vor den Schulprüfungen durch. Trotzdem hatte er am Morgen danach stets ein verschmitztes Lächeln für seine Mitschüler auf Lager und mimte den perfekten Klassenclown. Eine schnelle Auffassungsgabe und seine Vorliebe für Mathematik und Physik bescherten ihm gute Noten auf dem Zeugnis. Er gehörte zu der Sorte Schüler, welche die anderen stets beneideten, da ihm das Wissen wie klebriger Honig fest in den Gehirnwindungen sitzen blieb, nachdem er dieses zum ersten Mal gehört hatte. Ein mühsames Auswendiglernen war nicht nötig. Nach dem Abschluss ließ er sich ein Jahr Zeit, um die horrenden Summen, die für eine Fluglizenz erbracht werden müssen, aufzutreiben. Tagsüber jobbte er als Tankwart und nachts als Barkeeper in einer kleinen Diskothek. Nach mehreren Wochen zermarterte er sich das Hirn. Ihm blieb kaum Zeit zum Schlafen. Dunkle Augenringe zeichneten sich bereits ab und genug Geld konnte er trotz zweier Jobs niemals in einem Jahr zusammenbringen. Viel Geld hatten seine Eltern, Omas und Opas nicht für seine Ausbildung ansparen können. Seine Geschwister waren leider früher als er an der Reihe gewesen, da blieben nur noch ein paar jämmerliche Krumen vom ganzen Kuchen übrig. Wie konnte er dennoch erreichen, allen zu beweisen, dass er nicht nur ein Träumer war? Seine vier Jahre ältere Schwester Lina hatte ihn immer gern aufgezogen. Sie wusste um sein aufbrausendes Temperament Bescheid und wie schwer es manch einem Lehrer mit seiner herausfordernden Aufmüpfigkeit erging. Autorität ist ein echtes Problem für Noah. Er lässt sich nie gerne vorschreiben, wie er etwas zu tun hat. Lieber selber auf die Schnauze fallen, als einen gut gemeinten Rat anzunehmen, ist eher seine Devise. Umso weniger verblüfft war Lina, als ihr kleiner Bruder eines Tages früher von seinem Job bei der Tankstelle nach Hause kam. Nach seinem energischen Auftreten und den geballten Fäusten in den Hosentaschen zu urteilen, muss Einiges bei der Arbeit schiefgelaufen sein. Lina blieb cool, denn sie war diese Ausraster gewöhnt. Mit zerzaustem Haar und wütendem Blick setzte er sich mit einem ohrenbetäubenden Rums an den Küchentisch und begann lauthals über seinen ehemaligen Arbeitgeber zu lästern. „Du glaubst ja nicht, was für ein Vollidiot der alte Jürgen ist. Der denkt wohl, er könnte mich verarschen! Mit mir aber nicht! Dreckspisser!" Lina saß über ihrer Lektüre 'Anatomie und Physiologie der Haustiere' gebeugt da. Die Lippen geschürzt, stieß sie genervt die Luft ruckartig aus ihrer Lunge aus. Ihr giftiger Blick verhieß nichts Gutes. Sie war vertieft beim Lernen für ihre nächste Uniprüfung, bevor ihr Bruder durch die Tür gepoltert kam. „Ist ja klar, dass du wieder so einen Krach machst und keine Rücksicht auf andere nimmst! Was hast du nun schon wieder angestellt? Hat der Jürgen dich wegen unheilbarer Starrsinnigkeit entlassen oder kamst du mal wieder zu spät?" Er begann zu protestieren: „Du weißt es wohl wieder besser, was? Aber glaub mir, diesmal hatte ich die Nase gestrichen voll!" Lina schüttelte den Kopf. „Es gibt aber auch immer was zu meckern für dich! Wie willst du denn mal ernsthaft arbeiten? Du musst dir eingestehen, dass du ein echtes Problem mit Autorität hast." Noahs Gesicht entflammte zu einem purpurroten Hitzemeer, seine Zunge überschlug sich beim Herausschleudern unzähliger Schimpfwörter: „Wenn der alte Sack von Besserwisser dich so herumschubsen würde, wollt ich mal sehen wie lange du das aushältst. Meine Raucherpausen zieht der Geizhals mir von der Mittagspause ab. Dann erfindet der Arsch ständig neue Vorschriften. Ich soll doch tatsächlich nach 19 Uhr keine Würstchen mehr aufbrühen. Wenn aber eben einer später kommt und noch Bock auf ne Wurst hat, warum nicht? Kann er gern von mir haben. Der Affenarsch führt sich wie King Kong auf. Der kann mich mal!" „Du hast doch nicht wegen einer lächerlichen Wurst gekündigt?" Doch Lina kennt ihren Bruder nur zu gut, um die Antwort bereits zu wissen. „Genau genommen wegen zwei! Hatte mir noch eine für den Nachhause-Weg aufgehoben. Sollte der Jürgen gar nicht mitbekommen. Sonst hätt ich die zwei Würstchen wegschmeißen müssen. Nach Vorschrift! War über die Zeit drüber. So ne Verschwendung! Anderswo verhungern sie und der Wichser von Besserwisser schmeißt se lieber in die Tonne." „Und wie willst du dann die Kohle für die Flugschule ranschaffen?" Linas Stimme hatte einen gemäßigteren Ton angenommen. Sie weiß um seine empfindlichen Stellen und dass sie diese Knöpfe nur nicht zu doll drücken durfte, wenn sie eine Katastrophe umschiffen wollte. „Wenn der glaubt, dass ich angekrochen komme und ihn nochmal um einen Job anflehe, hat der sich geschnitten. Mir wird schon was einfallen. Verdammter Arsch mit Ohren!" „Einfälle hast du ja genug, Brüderchen!" Dabei kniff sie ihn spöttisch in die Seite, völlig im Bewusstsein, dass er es gar nicht leiden konnte. Missgelaunt stolperte er in sein Zimmer, schlug die Tür mit Donnergetöse hinter sich zu und fiel rücklings ins Bett. Sieh es positiv! Du bist zu Größerem berufen, als diesem Sackgesicht von Jürgen den Arsch zu küssen. Dir wird schon was einfallen! Und das tat es auch. Nachts darauf hinterm Bartresen sprach ihn ein pubertierendes Mädel mit Pickeln am Kinn, aber ansonsten schönen Gesichtszügen und wallender, langer Mähne an. Das Haar blond gefärbt, wie es modern war, jedoch etwas im Farbton vergriffen, sahen die Strähnen eher pissgelb anstatt eines natürlichem Blondton aus. Ihre kleinen Brüste hatte sie in einen engen Push-up-BH gepresst, umhüllt von einem noch engerem Top, welches nur von Damen ohne jeglichen Bauchspeck stilsicher getragen werden konnte. Und...



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