E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Bagwell Sechs Jahre und eine Nacht
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-059-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86494-059-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wahre Liebe - daran kann die sensible Maura nicht mehr glauben. Das große Glück finden immer nur die anderen, davon ist sie überzeugt. Bis sie den Job als Pflegerin bei einem älteren Herrn annimmt und dessen Enkel Quint Cantrell begegnet. Denn wenn sie mit Quint zusammen ist, vergisst Maura alle Enttäuschungen. Mit ihm kann sie endlich wieder ausgelassen lachen, glücklich sein - und in einer stürmischen Nacht auch wieder lieben. Doch das hat süße Folgen ... und weil Quint sechs Jahre jünger ist als sie, kann Maura sich ein Happy-End mit ihm einfach nicht vorstellen!
Eigentlich ist Stella Bagwell gelernte Friseurin, tragischerweise entwickelte sie aber eine Haarspray-Allergie. Schlecht für sie, gut für ihre Leserinnen. Denn so verfolgte Stella ihr kreatives Talent in eine andere Richtung weiter und begann mit viel Enthusiasmus, Romane zu schreiben. Was ganz bescheiden auf einer alten Schreibmaschine begann, entwickelte sich auch schon bald zu einer sehr erfolgreichen Karriere. Bis heute hat Stella über vierzig Romances veröffentlicht! Und wer könnte besser über die ewige Liebe schreiben als sie? Schließlich sind sie und ihr jetziger Mann Harrell seit der Highschool unzertrennlich. Ihr ganzer Stolz ist ihr Sohn Jason, der als Mathematiklehrer und Football-Coach arbeitet. Mittlerweile leben Stella und Harrell mit ihren Pferden auf einer riesigen Ranch in den wilden Wäldern Oklahomas. Und wenn ihr neben dem Schreiben, Reisen, Geige spielen, Schwimmen und Gartenarbeit noch Zeit zum Nachdenken bleibt, ist sie gar nicht unglücklich darüber, dass sie ihren Job als Friseurin aufgeben musste.
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1. KAPITEL
Sobald Quint Cantrell das Haus seines Großvaters betrat, beschlich ihn das seltsame Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war.
Zu dieser Zeit am späten Nachmittag sah Abe sich für gewöhnlich die Nachrichten in seinem gemütlichen Wohnzimmer an. Doch der Ledersessel war leer und der Fernsehbildschirm schwarz.
Dafür ertönte Musik aus der Küche. Während Quint zum rückwärtigen Teil des Hauses ging, stellte er verblüfft fest, dass gerade ein Stück von Billie Holiday gespielt wurde. Sein Großvater mochte Musik, aber ganz gewiss keinen Jazz. Und im Haus roch es seltsamerweise nach Rosen anstatt nach Pfeifentabak und alten Stiefeln.
Er spähte durch den offenen Rundbogen in die Küche und blieb abrupt stehen, als er eine Frau an der Küchenzeile stehen sah. Am Vortag, beim Lunch im Blue Mesa, hatte ihn ein Bekannter der Familie darauf angesprochen, dass sich angeblich eine Frau auf der Ranch Apache Wells aufhielt.
Quint hatte die Bemerkung als Gerücht abgetan und lachend entgegnet, dass eher die Hölle kalt werden würde. Seit dem Tod seiner Großmutter vor fünfzehn Jahren hatte keine Frau außer seiner Mutter und seiner Schwester einen Fuß in dieses Haus gesetzt. Zumindest dachte ich das bis jetzt.
Doch nun wurde er eines Besseren belehrt. Verwundert starrte er die Frau an. Sie war groß und schlank. Ihr volles, kirschrotes Haar reichte ihr fast bis zur Taille. Sie war leger gekleidet, in Jeans und grünem Westernhemd mit Blumenmuster auf Manschetten und Kragen. Wenn ihr Gesicht zu ihrer Rückenansicht passte, war sie überaus attraktiv. „Entschuldigung, Ma’am?“
Sie wirbelte zu ihm herum. Ihre Augen waren groß und dunkel, ihre Lippen voll und blutrot. „Oh! Ich habe gar nicht gemerkt, dass jemand hereingekommen ist“, murmelte sie atemlos. „Sie haben mich erschreckt.“
Obwohl Quint den Blick auf sie geheftet hielt, wusste er, dass sein Großvater nicht zugegen war. Ihm wurde außerdem bewusst, dass seine Vermutung zutraf: Die Frau war hübsch, wenn auch auf zurückhaltende Weise. Wie bei einem Veilchen, das unter einem Salbeibusch verborgen ist, mochte es einen Moment dauern, um die Schönheit zu entdecken, aber dann war sie nicht mehr zu übersehen.
„Dasselbe könnte ich auch über Sie sagen.“ Er musterte ihr Gesicht. Sie kam ihm vage bekannt vor. „Es passiert nicht jeden Tag, dass ich eine Frau im Haus meines Großvaters antreffe. Wer sind Sie überhaupt?“
„Sorry. Ich habe Abe gedrängt, Sie vorzuwarnen, aber Sie wissen ja, dass er die Dinge auf seine eigene Weise handhabt. Er wollte, dass ich Sie überrasche“, erklärte sie mit einer Mischung aus Belustigung und Bedauern. „Ich dachte, Sie würden mich erkennen. Aber ich war wohl zu lange weg aus Lincoln County.“
Forschend musterte Quint ihr herzförmiges Gesicht mit den dunklen grünen Augen und den hohen Wangenknochen. Sie ist wirklich hübsch, schoss es ihm durch den Kopf, und dann setzte die Erinnerung ein. Sie gehörte zum Donovan-Clan, einer reichen Familie, die ein namhaftes Gestüt im Hondo Valley besaß. „Jetzt fällt es mir wieder ein. Sie sind eine Donovan und Krankenschwester. Sie waren dabei, als meine Schwester entbunden hat.“
„Das stimmt. Ich bin Maura, die zweitälteste von sechs Geschwistern. Sie haben uns wahrscheinlich hin und wieder gesehen.“
„Ich gehe nicht mehr viel unter die Leute. Aber ich kenne Ihre Brüder und Schwestern. Bridget ist die Hausärztin meiner Mutter.“
„Bridget ist sehr gut in ihrem Beruf und hat viel zu tun.“
Quint verschränkte die Arme vor der Brust und blickte zum Herd. In einem Topf köchelte etwas, das den ganzen Raum mit dem Duft von Hühnerfleisch und Gewürzen erfüllte. Wo mochte Jim stecken, der für gewöhnlich die Mahlzeiten zubereitete? Und warum in aller Welt war eine Donovan im Haus?
„Als mir gestern jemand in der Stadt erzählt hat, dass sich eine Frau auf dieser Ranch aufhält, habe ich ihn praktisch als Lügner bezeichnet. Ich will ja nicht unverschämt sein, aber was wollen Sie hier? Und wo steckt Gramps?“
Ihre Brüste hoben und senkten sich, als sie tief durchatmete. „Abe ist im Ranchhof bei den Arbeitern. Und ich bin hier, weil ich jetzt hier wohne. Bei Ihrem Großvater. Als seine Krankenschwester.“
„Krankenschwester?“, wiederholte er schockiert.
„Richtig. Entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss mich um die Suppe kümmern.“
Verblüfft über ihre Enthüllung beobachtete er, wie sie sich zum Herd umdrehte und mit einem Holzlöffel im Topf rührte. Ihre gelassenen Bewegungen erweckten den Eindruck, dass sie schon lange genug da war, um sich wie zu Hause zu fühlen.
Zwei Wochen waren vergangen, seit er Zeit für einen Besuch auf der Ranch gefunden hatte, aber er war telefonisch mit seinem Großvater in Kontakt geblieben. Dabei war kein Wort über einen Bedarf an einer Krankenschwester gefallen.
Quint durchquerte den Raum, nahm sich den grauen Stetson vom Kopf und strich sich durch das lockige Haar. Hinter ihm lag ein harter Tag, und er war nicht in der Stimmung, um den heißen Brei herumzureden. „Ist das einer der seltsamen Witze meines Großvaters? Er braucht keine Krankenschwester. Für sein Alter ist er fit wie ein Turnschuh.“
„Glauben Sie das wirklich?“
„Ja, verdammt!“ In ruhigerem Ton fuhr er fort: „Ja, natürlich, wollte ich sagen. Gramps hat sich vor etwa drei Wochen durchchecken lassen. Der Doktor hat ihn für kerngesund erklärt. Oder wurde mir etwas verschwiegen?“
„Das glaube ich nicht. Abe sagt, dass Sie von seinen Gleichgewichtsstörungen wissen.“ Sie legte den Kochlöffel beiseite und drehte sich um.
Erneut geriet Quint aus dem Konzept. Von den drei Donovan-Schwestern kannte er Maura am wenigsten. Wenn er sich recht erinnerte, hatte sie die Highschool mehrere Jahre vor ihm absolviert. Seinen Berechnungen zufolge musste sie Mitte dreißig sein, obgleich sie kein Jahr älter wirkte als er mit seinen neunundzwanzig.
Er erinnerte sich, dass sie vor langer Zeit weggezogen war, um einen Mann aus Albuquerque zu heiraten. Vermutlich hatte sie ihren Familienstand zusammen mit ihrem Wohnsitz wieder geändert. „Ich weiß von seinen Schwindelanfällen“, erwiderte er. „Aber soweit ich informiert bin, sind sie nicht lebensbedrohlich und treten nur gelegentlich auf.“
„Falls ein Schwindelanfall zu einem unglücklichen Sturz führt, kann es sehr wohl lebensgefährlich sein.“
„Entschuldigung, Ms Donovan, aber ich kann ebenso stürzen, wenn ich den Hof überquere. Wie jeder von uns.“
„Die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert, steigt sprunghaft an, wenn sich einem im Kopf alles dreht.“
Ihm fiel kein Gegenargument ein. „Aber was wollen Sie dagegen tun? Ihn an einen Stuhl anbinden? Sie können ihn auch nicht den ganzen Tag am Arm herumführen. Im Übrigen bezweifle ich, dass Sie mit ihm mithalten könnten.“
Sie seufzte. „Abe ist kein junger Mann mehr.“
Quint wollte nichts davon hören, dass sein Großvater alt und hinfällig wurde. „Vierundachtzig mag für Sie alt klingen, aber glauben Sie mir, Gramps hat den Körper und den Geist eines zwanzig Jahre jüngeren Mannes.“
„Da stimme ich Ihnen zu.“
„Wenn Sie das wissen, was zum Teufel wollen Sie dann hier?“
Sie trat einige Schritte vor und lehnte sich an den Esstisch. Quint konnte nicht umhin zu bemerken, wie reizvoll ihre Brüste und Hüften gerundet waren und wie sich ihr dunkelrotes Haar an ihre hellen Wangen schmiegte. So attraktiv hatte er sie gar nicht in Erinnerung. Aber damals, bevor sie aus der Gegend weggezogen war, hatte er ja auch nur Augen für die wunderhübsche, aber wankelmütige Holly gehabt.
„Sind Sie sauer, weil ich hier wohne?“, wollte Maura wissen.
Die Frage rüttelte ihn beinahe so sehr auf wie ihr Anblick. Er dachte darüber nach. Etwas pikiert war er schon, weil er nicht zurate gezogen worden war. Andererseits war sein Großvater von Natur aus eigenwillig und hatte sich immer nur einem einzigen Menschen anvertraut: seiner verstorbenen Frau Jenna.
„Ich bin nicht sauer, sondern verwirrt. Abe ist nicht wirklich krank, und Sie können ihn nicht vor den Schwindelanfällen bewahren. Warum hat er Sie also angeheuert?“
Ein kleines Lächeln spielte um ihre Lippen, und er dachte bei sich, dass es der erste Anflug von Wärme war, den er auf ihrem Gesicht sah. Ihre Züge wurden weicher. Ihm fielen unwillkürlich Dinge an ihr auf, die nicht mit dem eigentlichen Thema zusammenhingen. Zum Beispiel, dass ihre Haut ganz glatt und seidig war. Er fragte sich, was sie mit Abe angestellt haben mochte. Hatte sie mit den langen Wimpern geklimpert und ihn mit ihrem Lächeln betört?
Quint konnte sich vorstellen, dass ein junger Mann ihren Reizen verfiel. Er selbst spürte die Wirkung ihres Charmes. Aber sein Großvater? Gut, er war immer noch ein Mann, aber vor lauter Liebe zu seiner verstorbenen Frau hatte er bisher keine andere Frau eines zweiten Blickes gewürdigt.
„Ihr Großvater leidet unter sporadischen Schwindelanfällen“, erklärte sie. „Wenn ein Anfall auftritt, kann ich ihm mit den Übungen helfen, die er ausführen muss, damit der Anfall vergeht. Und ich kann dafür sorgen, dass er seine Medikamente regelmäßig einnimmt. Eine Krankenschwester in der Nähe zu haben gibt ihm das Gefühl, beschützt und behütet zu sein. Das wollen Sie ihm doch sicher nicht verwehren, oder?“
Resigniert...




