E-Book, Deutsch, 692 Seiten
Baier / Erdmann / Holz Freiraum und Naturschutz
1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-540-30824-9
Verlag: Springer Berlin Heidelberg
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die Wirkungen von Störungen und Zerschneidungen in der Landschaft
E-Book, Deutsch, 692 Seiten
Reihe: Life Science and Basic Disciplines (German Language)
ISBN: 978-3-540-30824-9
Verlag: Springer Berlin Heidelberg
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort;5
1.1;Verzeichnis der Autorinnen und Autoren;9
2;Inhaltsverzeichnis;13
3;I Freiraum und Naturschutz - eine Einführung;22
3.1;1 Problemaufriss und Forschungsansatz;23
3.1.1;1.1 Freiraum – Natur in geschlossener Landschaft?;23
3.1.2;1.2 Warum ist der Freiraum ein Naturschutzthema?;27
3.1.3;1.3 Freiraum – Gestaltungsobjekt und Forschungsgegenstand;31
3.1.4;1.4 Forschungsansatz und Forschungsprojekt;33
3.1.5;1.5 Gliederung des Buches;36
3.2;2 Menschen und Tiere im Raum: Ein ungleicher Wettbewerb?;39
3.2.1;2.1 Raumnutzung als Kostenfaktor;39
3.2.2;2.2 Überleben und Wirtschaften im Raum;44
3.2.3;2.3 Die Zeit im Raum;50
3.2.4;2.4 Der freie Raum am freien Markt;63
3.3;3 Raumnutzung und Raumerschließung durch den Menschen;75
3.3.1;3.1 Der umkämpfte Raum;75
3.3.2;3.2 Raumnutzungen zwischen Konkurrenz und Koexistenz;77
3.3.3;3.3 Freiraum war und bleibt Konfliktraum;79
3.3.4;3.4 Wirkungsflächen der technischen Infrastruktur im Freiraum;85
3.4;4 Ökonomische und städtebauliche Aspekte des Freiraumverbrauchs;93
3.4.1;4.1 Raumerschließung und Wirtschaftsvorgänge;93
3.4.2;4.2 Energieeffizienz und Freiraum;96
3.4.3;4.3 Stadtplanung und Freiraum;98
3.5;5 " Freiraum" und " Freifläche" in der Geschichte der räumlichen Planung und des Naturschutzes;101
3.5.1;5.1 Freiraum und Freifläche in der Geschichte des Städtebaus;101
3.5.2;5.2 Raumordnung und Landesplanung;103
3.5.3;5.3 Bauleitplanung der Gemeinden;106
3.5.4;5.4 Freiraum in der Geschichte des Naturschutzes;107
3.5.5;5.5 Fazit und Ausblick;121
3.6;6 Großflächige Analysen unzerschnittener Räume in Deutschland – ein Überblick;123
3.6.1;6.1 Struktur und Fragestellung der Recherche;123
3.6.2;6.2 Angewandte Verfahren;124
3.6.3;6.3 Methodenwahl;126
3.6.4;6.4 Ergebnisvergleich;129
3.6.5;6.5 Umsetzung der Ergebnisse;129
4;II Freiraumzerschneidung und Störung - die ökologischen Wirkungen auf Tiere;132
4.1;7 Zoologisch-ökologische Grundlagen und allgemeine Wirkungen von Zerschneidung und Störung;133
4.1.1;7.1 Raum-Zeit-Systeme von Tieren;133
4.1.2;7.2 Räumlich-zeitliche Habitatnutzung einiger Modellarten;144
4.1.3;7.3 Ökologische und evolutionsbiologische Wirkungen der Segmentierung in Landschaften und der Zerschneidung in Habitaten;163
4.1.4;7.4 Anthropogene Störungen als Umweltfaktor;171
4.1.5;7.5 Mathematisch-kybernetische Habitatmodellierung und Analyse von Landschaftszerschneidungen;182
4.2;8 Die Wirkungen von Zerschneidung und von Störungen auf der organismischen Ebene;191
4.3;9 Die Wirkungen von Zerschneidung und von Störungen auf Individuen und Gruppen;193
4.3.1;9.1 Verhaltensänderungen als Reaktion auf Störreize;193
4.3.2;9.2 Einfluss von Störungen auf das Zeit-Aktivitäts-Muster;202
4.3.3;9.3. Auswirkungen von Zerschneidung und von Störungen auf die Raumnutzung;206
4.4;10 Die Wirkungen von Zerschneidung und von Störungen auf Populationen und Biozönosen;219
4.4.1;10.1 Einfluss von Störungen auf den Fortpflanzungserfolg;219
4.4.2;10.2 Zerschneidung als Mortalitätsfaktor;225
4.4.3;10.3 Einfluss von Störungen auf Dichte und Verteilung in Vogel- und Säugerpopulationen;250
4.4.4;10.4 Einfluss der Zerschneidung auf die Habitatbesiedlung und Populationsgröße bei Neunaugen;257
4.4.5;10.5 Einfluss von Zerschneidung auf die Abundanz- und Dispersionsdynamik von Ichthyozönosen und Neunaugenpopulationen;263
4.4.6;10.6 Dispersalpotenzial: Wie kommen Vogelarten mit der Verinselung von Habitaten und Arealteilen zurecht?;268
4.4.7;10.7 Die Wirkung von Freiraumzerschneidung auf die genetischen Strukturen von Tierpopulationen und den Genfluss;274
5;III Freiraum und Freiraumschutz die Umsetzung in die Praxis;302
5.1;11 Ökologie, Naturschutz und Strategie: Der schwere Weg zur Integration;303
5.1.1;11.1 Die reine Lehre: Der Raum ist nicht alles, ohne Raum ist alles nichts;303
5.1.2;11.2 Die zwiespältige Praxis: Passt zusammen, was zusammen gehört?;325
5.1.3;11.3 Freiraumschutz: Skizzen eines Strategieentwurfs;346
5.2;12 Landschafts- und Freiraumanalyse;357
5.2.1;12.1 Thematische Einführung;357
5.2.2;12.2 Die anwendungsorientierte Analyse der Freiraumstruktur;360
5.2.3;12.3 Die anwendungsorientierte Bewertung der Freiraumstruktur;377
5.3;13 Der Freiraum – ein Schutzgut?;393
5.3.1;13.1 Freiraum – Versuch einer rechtlich-normativen Beschreibung;393
5.3.2;13.2 Freiraum – Versuch einer fachlich-inhaltlichen Beschreibung;406
5.3.3;13.3 Umsetzung des Freiraumschutzes: Gestaltungsmöglichkeiten und Chancen;417
5.4;14 Freiraumschutz: Funktion von Naturschutz- und Umweltplanung;443
5.4.1;14.1 Status-quo-Analyse und ökologische Umweltbeobachtung;443
5.4.2;14.2 Umwelt- und Landschaftsplanung;448
5.4.3;14.3 Verträglichkeitsprüfungen;470
5.4.4;14.4 Eingriffsregelung;492
5.4.5;14.5 Gebietsschutz;508
5.4.6;14.6 Artenschutzprogramme;510
5.5;15 Freiraumschutz: Funktion der Raumplanung;515
5.5.1;15.1 Rechtliche und inhaltliche Aspekte der Querschnittsfunktion von Raumordnung;515
5.5.2;15.2 Umsetzung des Freiraumschutzes in der Raumplanung;519
5.5.3;15.3 Umsetzung des Freiraumschutzes in Raumordnungsverfahren;524
5.5.4;15.4 Konformität und Konkurrenz der Ziele und Instrumente von Raumordnung und Naturschutz;526
5.5.5;15.5 Bauleitplanung;529
5.6;16 Freiraumschutz: Möglichkeiten der Verkehrsplanung;533
5.6.1;16.1 Freiraumsegmentierung – Resultat unzureichender räumlicher Koordination menschlicher Mobilitätsbedürfnisse;533
5.6.2;16.2 Umweltorientierte Verkehrsnetzgestaltung;536
5.6.3;16.3 Wiedervernetzung von Lebensräumen durch Wildtierpassagen zur Minderung von Zerschneidungseffekten;550
5.7;17 Nachhaltigkeitspolitik im Freiraum;557
5.7.1;17.1 Ökologische Grundsätze der Nachhaltigkeit;557
5.7.2;17.2 Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Raumentwicklung;560
5.8;18 Freiraumschutz: Ökonomische Instrumente und Maßnahmen;563
5.9;19 Freiraum, Politik und Europa;573
5.9.1;19.1 Warum ist der Freiraum ein europaweites politisches Anliegen?;573
5.9.2;19.2 Freiraummanagement und regionale Identität;576
5.9.3;19.3 Freiraumentwicklung als interaktiver Prozess;579
5.9.4;19.4 Schlussfolgerungen;582
5.10;20 Freiraum-Landschaft 2020 Fazit und Ausblick;585
6;Literaturverzeichnis;599
7;Europäische Richtlinien, Gesetze, internationale Übereinkommen, untergesetzliche Rechtsnormen;701
8;Sachverzeichnis;705
( S. 337)
12.1 Thematische Einführung
Hermann Baier, Konrad Billwitz
In raumbezogenen Wissenschaften und Praxisbereichen sind Analyse und Kennzeichnung von Räumen unabdingbare und nicht voneinander zu trennende Aufgabenfelder. „Raum" wird dabei immer als dreidimensionales Gebilde an der Erdoberfläche verstanden, dessen vertikale und horizontale Ausdehnung unterschiedlich groß sein kann – abhängig von den untersuchten Systemen. Räume sind gewöhnlich auch Untersuchungsobjekte, in denen speziell die Systeme geographischer Komplexe – entsprechend der Theorie der geographischen Dimensionen – in unterschiedlichen Größenordnungen betrachtet werden.
Solche Räume enthalten sowohl physiogene und biogene als auch anthropogene Elemente, Komponenten und Prozesse, die in Wechselwirkung zueinander stehen und „Raumstrukturen" unterschiedlichen Inhalts bilden. Abhängig von der Betrachtungsweise der geographischen Disziplinen unterscheidet man verschiedene Räume: Landschaftsräume bzw. Landschaften, Naturräume, Wirtschaftsräume, Siedlungsräume, Erholungsräume usw. Das Überblicken der Vielfalt von Objekten und Merkmalen in der Landschaftssphäre erfordert Gliederung und Ordnung.
Landschaftsanalyse ist die Analyse der Landschaft (s. z.B. Billwitz 1997: 641 ff., Jessel 2005) im Sinne einer Methodik. Unterschiede entstehen durch verschiedene Ziele, Schwerpunkte, Methoden und Datengrundlagen. Geographische Landschaftsökologie bzw. Geoökologie versteht unter Landschaftsanalyse eine synergetische Landschaftscharakteristik auf Grundlage einer landschaftsökologischen, vor allem geoökologischen Komplexanalyse (Leser 1997, 1998).
Landespflege und ihr verwandte Disziplinen und Anwendungsbereiche verwenden den Begriff vorwiegend zur Erfassung und Darstellung jener Landschaftselemente, die für deren praktische Fragestellungen als bedeutsam gelten. In mitteleuropäischen Bezugsräumen, in Jahrhunderten der Nutzung überformt, muss sich Landschaftsanalyse sowohl mit der Erfassung der primären, als auch mit der Analyse sekundärer Landschaftsstrukturen befassen (Abb. 12.1.1).
Die Erfassung der primären Landschaftsstruktur mit den einzelnen Geo- und Bioökofaktoren Boden, Wasser, Flora, Fauna etc. ist in Zusammenhang mit der Thematik des Buches nur als Datenbasis für bestimmte Darstellungen relevant. Hierzu gibt es eine umfangreiche zusammenfassende Literatur (siehe Bastian u. Schreiber 1994). Landesweite Datensätze zu boden-, gewässer- und vegetationskundlichen Themen sowie zur naturräumlichen Ordnung – zumindest für einfache Analysen und großräumige Planungen ausreichend – stehen Wissenschaft und Praxis in den Ländern i.d.R. zur Verfügung.
Bei Naturräumen ergibt sich der ökologische Charakter sowohl aus den abiotischen Qualitätsmerkmalen „als auch durch die Lebenseinheit, die natürlicherweise diese Lebensstätte gestalten würde" (Langer 1970: 14). Eine Analyse der Kulturlandschaft muss auch die sekundäre Landschaftsstruktur erfassen, jene Sachverhalte in Natur und Landschaft also, die im Zusammenhang mit der menschlichen Nutzung von Raum bzw. Fläche stehen. Selbst Autoren naturräumlicher Ordnungen bedienen sich mancher Elemente der sekundären Landschaftsstruktur.
Hinzu kommt, dass auch Elemente und Merkmale der primären Landschaftsstruktur unter Einfluss der Landnutzung verändert werden können. Deshalb sind beide Analysebereiche oft nicht exakt gegeneinander abgrenzbar. Unter mitteleuropäischen Verhältnissen erübrigt sich zumeist die Unterscheidung zwischen Natur- und Kulturlandschaften, da Kultureinflüsse m.o.w. alle Bereiche geformt haben. Jedoch lassen sich Elemente der sekundären Landschaftsstruktur ermitteln, die ausschließlich nutzungsbedingt sind. Dazu gehören jegliche Arten von Bebauung und technischen Anlagen.
Die Erfassung der Freiraumstruktur ist somit grundsätzlich diesem Analysebereich zuzuordnen. Zur Dokumentation der Nutzflächenverteilung existieren bundesweite Übersichten im Rahmen des CORINE-Landcover-Projektes (StBA 1997). Zur Analyse der Nutzungstypenverteilung für die Landschaftsplanung wurden inzwischen von einigen Ländern (z.B. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen) landesweite und flächendeckende Biotop- und Nutzungstypenkartierungen auf der Grundlage von CIRLuftbildern durchgeführt.




