E-Book, Deutsch, 116 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Baine / Bothe Im funkelnden Licht der Liebe
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5376-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 116 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-7457-5376-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der süße Duft von Lebkuchen, ein Berg liebevoll eingepackter Geschenke und eine Ehefrau, so anbetungswürdig wie ein Engel! Eigentlich der perfekte Heiligabend. Doch Lucas weiß genau: Wenn er Freyas Leben nicht zerstören will, muss er sie noch diese Nacht verlassen ...
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PROLOG
Es würde das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten werden! Das hatte Freya sich fest vorgenommen.
Als sie hörte, wie Lucas die Haustür aufschloss, richtete sie mit einer unbewussten Geste ihr Haar und hoffte inständig, der köstliche Duft des Bratens würde ein Lächeln auf sein Gesicht zaubern.
„Ich bin in der Küche!“, rief sie mit heller Stimme, froh, dass sie sich den heutigen Tag hatte freinehmen können.
Lucas war in letzter Zeit nicht gerade bester Laune gewesen, was sicherlich damit zu tun hatte, dass er Weihnachten arbeiten musste. Und wohl auch mit ihrer Ungeschicklichkeit, heikle Themen anzusprechen, während er überarbeitet und übernächtigt war. Trotzdem hätte sie nie erwartet, dass ihr Wunsch nach einem eigenen Baby bei ihm, als engagiertem Kinderarzt, eine derart kontroverse Diskussion lostreten würde. Zumal er bei seinen kleinen Patienten ausgesprochen beliebt war.
Bisher war eine eigene Familie zwischen ihnen kein Thema gewesen.
Trotzdem hatte Freya angenommen, Lucas sehne sich danach ebenso wie sie. Doch seine negative Reaktion von heute Morgen, sagte etwas ganz anderes. Da hatte er wortlos die Tür hinter sich zugeworfen und sich ins Krankenhaus geflüchtet, als sie ihn gefragt hatte, ob Weihnachten nicht der perfekte Zeitpunkt sei, ein Baby zu zeugen. Und das, während er offensichtlich unter Druck stand und keinen Kopf dafür hatte, über eine Vaterschaft nachzudenken.
Besser, sie besprachen dieses sensible Thema später, wenn sie beide Zeit und Muße für langfristige Zukunftspläne hatten.
Als Lucas zu ihr in die Küche kam, immer noch mit demselben finsteren Blick, den er seit Tagen zur Schau trug, sank ihr Herz. Wie es aussah, war ihr Timing immer noch nicht perfekt, genauso wenig, wie ihre Beziehung dem romantischen Märchen glich, als das sie sich ihre Ehe vorgestellt hatte. Ihr Traum von der eigenen kleinen Familie schien weiter entfernt denn je.
Lucas jüngste Stimmungsschwankungen ließen sie fast ihre Abmachung bedauern, die Festtage in diesem Jahr ganz allein zu verbringen, nur sie beide. Es würde ihr erstes Weihnachten ohne ihre deko- und weihnachtsverrückten Eltern sein. Erschwerend kam hinzu, dass ihr Ehemann Freyas eigene Begeisterung für das Christfest so gar nicht teilte.
Je mehr sie versuchte, ihn dafür zu begeistern, desto heftiger schien er sich dagegen zu wehren. Dennoch war sie entschlossen, das Fest und ihre Ehe zu einem Erfolg zu machen. Sie hatte bereits zu viel verloren, um sich alles wieder aus den Händen nehmen zu lassen …
Lucas lehnte mit dem Rücken am Kühlschrank. „Wie ich sehe, warst du fleißig“, stellte er mit einem flüchtigen Blick auf den Berg Plätzchen fest, ehe er weiter auf seinem Handy herumtippte.
Freya schluckte. Das war weit weg von der romantischen Wiedervereinigung, die sie sich den ganzen Tag über ausgemalt hatte: Nachdem sie beide zugegeben hätten, im Unrecht gewesen zu sein, würden sie ihre Versöhnung ganz sicher in einem heißen Küchen-Quickie feiern. Denn in Sachen Sex hatte es zwischen ihnen früher nie Probleme gegeben.
Klar hatte sie davon gehört, dass Leidenschaft nachlassen konnte, sobald man verheiratet war. Aber doch nicht bereits nach wenigen Monaten! Da sollte man sich eigentlich noch bei jeder Gelegenheit die Kleider vom Leib reißen! Dass es offensichtlich nicht so war, verunsicherte Freya und ließ sie an sich zweifeln.
Ihre Mutter schien nie ein Problem damit gehabt zu haben, ihren Beruf als Krankenschwester und ihre Ehe perfekt unter einen Hut zu bringen. Warum hatte nur sie, Freya, offensichtlich solche Probleme damit?
Alles, was sie tun konnte, war, dieses erste Weihnachten für sich und ihren Ehemann zu etwas ganz Besonderem zu machen.
„Der Truthahn ist so gut wie fertig, falls du schon Appetit hast. Ich habe ihn genauso gefüllt, wie meine Mutter es immer macht. Vielleicht kann ich diese Familientradition ja auch eines Tages weitergeben …“
Es war heraus, ehe sie es verhindern konnte. Angespannt wartete sie auf eine neue heftige Reaktion wegen ihrer Vision von einer fröhlichen Kinderschar unterm Christbaum.
„Momentan habe ich keinen Hunger … vielleicht später“, murmelte Lucas geistesabwesend und starrte weiter mit gerunzelter Stirn auf sein Handy-Display.
Freya schluckte mühsam und ermahnte sich streng, nicht überzureagieren. So war es eben, wenn man einen engagierten Kinderarzt heiratete, der rund um die Uhr in Bereitschaft war. Trotzdem konnte sie den nagenden Zweifel nicht abschütteln, dass sich möglicherweise noch etwas anderes hinter seinem Verhalten verbarg. Besonders, seit sie mehrfach miterlebt hatte, wie Lucas Telefonate abrupt beendete, sobald sie das Zimmer betrat.
„Ich habe sogar Lebkuchen gebacken“, verkündete sie mit erzwungener Fröhlichkeit. „Du weißt doch, diese kleine Armee von Lebkuchenmännern, ohne die es einfach kein richtiges Weihnachten ist. Auch wenn man sich nach Silvester die Zähne daran ausbeißt. Ich dachte, du könntest mir dabei helfen, sie zu dekorieren, ehe Santa Claus …“
Sie brach ab, als sie merkte, dass ihr kindlicher Eifer ihn nicht wie erhofft zum Schmunzeln brachte, sondern Lucas nur entnervt mit den Augen rollte.
Er ist wahrscheinlich zu erschöpft, um sich von mir in Weihnachtsstimmung bringen zu lassen, versuchte Freya sich einzureden. Das war allemal besser, als die Vorstellung, Lucas könne sie und ihre Ehe bereits satt haben.
„Großartig …“, murmelte er, ohne sie anzusehen. „Ich … äh, ich geh dann mal duschen.“ Damit strebte er aus der Küche und wischte mit der Hand gedankenlos die schillernden Papiergirlanden am Türrahmen zur Seite.
Freya erstarrte. Es erschien ihr wie ein Synonym dafür, dass er in ihr auch nichts anderes sah, als eine hübsche aber bedeutungslose Dekoration, die man ignorieren oder aus dem Weg räumen konnte, um sein Leben wie gewohnt fortzuführen.
Und erneut rotierte ihr Gedankenkarussell.
Selbst, wenn er nicht arbeitete, kam Lucas erst spät zu ihr ins Bett und war meist schon aufgestanden, wenn sie aufwachte, sodass ihnen nur wenig Zeit als verheiratetes Paar blieb. Okay, die Ehe war für sie beide noch Neuland, doch Freya hatte sich geschworen, alles dafür zu tun, dass sie funktionierte. Dies war ihre Chance, endlich eine eigene Familie zu bekommen, und sie wollte kein zweites Mal scheitern.
Lucas schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und überließ es dem strömenden Wasser, alle verdächtigen Spuren von seinen Wangen zu wischen.
Ein Mann, der heulte!
Und das am ersten Weihnachtsfest mit seiner wunderschönen Frau. Müsste das nicht die glücklichste Zeit seines Lebens sein? Aber wie sollte er sich an der vor ihnen liegenden Zukunft freuen, wenn seine Vergangenheit ihn derart brutal einholte? Er konnte unmöglich daran denken, eine eigene Familie zu gründen, während er immer noch damit kämpfte, den Tod seines Vaters zu verkraften – des einzigen Elternteils, das er kannte.
Dabei trauerte er nicht um den Mann, sondern um seine eigene Kindheit. Die leidvollen Erfahrungen, die ihn immer noch nicht losließen und verhinderten, dass er sein neues Leben, seine Ehe mit Freya genießen konnte.
Alles, was er sich so hart erarbeitet hatte, erschien ihm als Lüge, seit er sich dem stellen musste, wer er eigentlich war – abgesehen von seiner Karriere und dem sichtbaren Erfolg. Ein verbitterter Sohn und zutiefst verunsicherter potenzieller Vater. Es wäre einfach nicht fair, ein Kind in diese Welt zu setzen, während seine eigene um ihn herum zusammenzubrechen drohte …
Lucas fluchte lautlos, schrubbte sein Selbstmitleid erbarmungslos weg und stellte die Dusche ab.
Dass er Freya gegenüber nicht fair war, quälte ihn besonders. Ein normaler Mann hätte seiner Frau bestimmt von dem entfremdeten Vater erzählt, der schließlich seiner Lebererkrankung erlegen war. Und sie gebeten, an seiner Seite zu sein, um die verdammte Beerdigung durchzustehen.
Dann hätte sie sicher verstanden, dass er nicht über ein eigenes Kind nachdenken konnte, solange er vor Angst verging, genauso zu versagen, wie sein Vater es bei ihm getan hatte. Aber die Beziehung zu seinem Erzeuger war so krank und vergiftet gewesen, dass er sie damit nicht konfrontieren wollte. Freyas rosarote Brille, was ihre Ehe und Zukunft betraf, sollte nicht durch die hässliche Wirklichkeit getrübt werden.
Er hätte wissen müssen, dass man dem Fluch der Vergangenheit nicht so einfach entkommen konnte.
Die Nachricht vom Tod seines Vaters hatte ihn wie mit einer Zeitmaschine in eine Vergangenheit zurückgebeamt, von der er glaubte, sie endgültig bewältigt zu haben. Stattdessen wurde er plötzlich von Erinnerungen eingeholt, die er so vehement zu unterdrücken versucht hatte, bis selbst seine wachen Momente von dunklen Gedanken und der Notwendigkeit, ihnen zu entkommen, dominiert wurden.
Freya war es als Einziger gelungen, ihn aus dieser Falle zu befreien – leider nicht endgültig, wie er sich jetzt eingestehen musste. Anstatt sein neues Leben zu genießen, drohte er in Verzweiflung zu ertrinken und stieß seine Frau von sich, während sie versuchte, ihr Haus zu dem Heim zu machen, das er nie gehabt hatte.
Sobald er sich abgetrocknet und umgezogen hatte, ging Lucas zu ihr nach unten.
Dort erwartete...




