Baker | Rockstars sind auch nur Idioten mit Herz | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Reihe: LYX.digital

Baker Rockstars sind auch nur Idioten mit Herz


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7363-0270-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-0270-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dana hat die Nase voll - vor allem von Männern! Ihr neuer Job als Assistentin in einer Künstleragentur scheint ihr daher ein gelungener Tapetenwechsel zu sein. Doch ihre erste Aufgabe ist ausgerechnet, die Tour der erfolgreichen Rockband "The Red Orchid" zu planen. Denn obwohl Frontmann Mark sie langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt, fühlt Dana sich mit jeder Sekunde in seiner Gegenwart mehr zu ihm hingezogen. Als die beiden dann auf engstem Raum miteinander klarkommen müssen, kann das ja nur schiefgehen ... oder? (ca. 350 Seiten)

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1


Neuer Job – Neues Glück?


Meine Finger trommelten auf meinen Oberschenkel, während ich einen Blick auf meine Uhr riskierte. Es war bereits kurz vor halb neun und damit deutlich zu spät. Ich stöhnte innerlich, eigentlich sollte ich bereits in meinem Lieblingscafé stehen und meinen morgendlichen Cappuccino ordern, um dann ausgeruht und ohne Stress ins Büro zu kommen. Aber daraus wurde heute wohl nichts. Mein Wecker hatte nicht geklingelt. Wie ich es geschafft hatte diesen auszuschalten ohne etwas zu merken, war mir allerdings ein Rätsel. Normalerweise hatte ich einen leichten Schlaf und schon das leiseste Geräusch reichte aus, damit ich aufwachte.

Wieder entglitt mir ein lautes Seufzen, welches mir einen genervten Blick meiner Sitznachbarin einbrachte.

»Davon fährt der Bus auch nicht schneller«, giftete die rüstige Dame in ihre ausladende Handtasche, welche sie wie einen Schutzschild auf ihrem Schoß drapiert hatte.

Ich zog unwillkürlich den Kopf ein und lächelte entschuldigend, aber sie starrte stur geradeaus. Schulterzuckend sah ich wieder aus dem Fenster. In der Spiegelung der Scheibe blickten mir zwei abgekämpfte braune Augen entgegen. Ich hätte gestern wirklich früher ins Bett gehen sollen. Die Sonne brannte bereits am Morgen unbarmherzig vom Himmel und ich wischte mir den Schweiß von der Stirn. Meine braunen Haare, die mir knapp über die Schultern reichten, klebten mir schon wieder im Nacken und ich verfluchte mich dafür, dass ich nicht daran gedacht hatte, einen Haargummi einzupacken.

Nur langsam schob sich der Bus durch den Berufsverkehr Münchens und ich fragte mich, woher die vielen Autos kamen. Waren doch sonst um diese Uhrzeit nicht so viele Menschen unterwegs, oder bildete ich mir das nur ein?

»Dieser Tag steht unter keinem guten Stern«, schoss es mir durch den Kopf und ich schloss für einen Moment die Augen.

Unweigerlich schweiften meine Gedanken zu meiner Arbeit. Seit zwei Monaten war ich in der Künstleragentur Liebermann beschäftigt und bisher schien es, als hätte ich meinen Traumjob wirklich gefunden. Tolle Kollegen und super Chef – was wollte ich mehr?

Holpernd kam der Bus endlich an der richtigen Haltestelle zum Stehen. Eilig quetschte ich mich an der älteren Dame mit einem »Entschuldigung« vorbei, die mich nur mit einem übertrieben genervten Seufzen vorbeiließ. Mit einem lauten Zischen öffneten sich die Türen und ich hüpfte auf den Gehsteig. Ein angenehmer Luftzug fuhr durch meine dünne Bluse und ich genoss die kleine Abkühlung, ehe ich in Richtung Café eilte.

Es war nur ein Katzensprung durch die belebte Innenstadt, bis mein Ziel in Sicht kam. Ich betete inständig, dass ich nicht zu lange anstehen musste und hatte tatsächlich Glück – nur drei Kunden standen an. Von Geschäftsmännern bis zum Studenten kam alles in dieses kleine Café, um sich den morgendlichen Koffeinschub zu holen.

Ich ließ meinen Blick durch den Raum schweifen, während ich wartete. Die kleinen runden Tische waren fast alle besetzt und es herrschte ein stetiges, monotones Murmeln. Sofort fühlte ich mich wie zu Hause. Schon zu meinen Schulzeiten war ich hierhergekommen und hatte oft stundenlang am Fenster gesessen und die Menschen beobachtet. Mit meinen mittlerweile 27 Jahren hatte ich dazu allerdings keine Zeit mehr.

Unruhig tippelte ich mit meinen hohen Sandalen auf den Boden und spähte vor zum Tresen. Was dauerte denn dort so lange? Normalerweise waren die Bedienungen hier wirklich schnell.

Aber alles was ich sah, war ein breiter Rücken und einen Hinterkopf, der von einer Kapuze verdeckt wurde. Wer um alles in der Welt trug bei diesem heißen Sommerwetter einen Pullover?

Es war eindeutig ein Mann, denn seine dunkle Stimme schallte plötzlich durch den kleinen Raum. »Bringen Sie denn gar nichts auf die Reihe?«, schimpfte er die junge Frau hinter dem Tresen an. Sie schien den Tränen nahe, während sie wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde, dem Unbekannten gegenüberstand. Ihre Antwort war nur ein leises Flüstern, das vollkommen im lauten Stimmengewirr unterging. Er fuchtelte wild mit seinen Händen, während er sich nach vorn beugte. Neugierig reckte ich mich nach oben, um besser sehen und hören zu können, aber ich verstand nicht, worum es ging. Er hatte seine Stimme gesenkt und schien der Bedienung etwas ins Ohr zu flüstern. Als alle Farbe aus dem Gesicht der jungen Frau wich, sauste seine Hand auf den Tresen. Mit einem Knurren schnappte er sich den Becher und stapfte schließlich einfach davon. Neugierig musterte ich den Unbekannten, als er an mir vorbeikam. Sein Blick war auf den Boden geheftet, als gäbe es dort etwas besonders Interessantes zu lesen. Die Ärmel des schwarzen Kapuzenpullis hatte er bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Dazu trug er eine beige Shorts und seine Füße steckten in einem Paar ausrangierter Flipflops. Alles in allem ein wirklich ungewöhnlicher Anblick.

Plötzlich wurde ich von der Seite angerempelt und stolperte zwei Schritte vorwärts – geradewegs in den großen Hünen.

»Verflucht, noch mal!«, rief er und taumelte zurück. Schüchtern sah ich auf und blickte in zwei stahlblaue Augen, die mich sofort fesselten. Sie saßen in einem kantigen Gesicht, das von einem Dreitagebart eingerahmt wurde. Dunkle Ringe zeichneten sich unter seinen Augen ab und verliehen ihm einen zornigen Ausdruck. Von seiner Hand, die den Becher immer noch umklammert hielt, tropfte schwarzer Kaffee, während sich auf seiner Shorts ein brauner Fleck bildete. Das Blut schoss sofort in meine Wangen und ich hörte das Pochen meines Herzschlags laut in meinen Ohren.

»Können Sie nicht aufpassen?«, fauchte er mich an und wischte sich die Finger an seinem Sweatshirt ab.

»Entschuldigen Sie«, murmelte ich und ging unwillkürlich einige Schritte zurück. Sein Blick bohrte sich in meinen und ich zog den Kopf ein. Fast erwartete ich, er würde mir den Becher an den Kopf werfen, so sprühten seine Augen vor Wut. Stattdessen schüttelte er nur den Kopf, zog seine Sonnenbrille aus dem Kragen und drückte sie sich energisch auf die Nase. Mit einem letzten Blick und einem dunklen Grollen ging er schließlich weiter und verschwand aus der Glastür im Gewimmel der Menschen.

Verdutzt starrte ich ihm nach. Was war denn das? Immer noch völlig verwirrt schüttelte ich den Kopf und wandte mich wieder nach vorn. Endlich ging es weiter und mein Kaffee kam in Sicht.

Allerdings wanderten meine Gedanken immer wieder zu diesen Augen. Irgendwie kam er mir bekannt vor, aber ich kam einfach nicht darauf, woher.

»Mann, ist das heiß heute«, stöhnte ich, als ich mich endlich auf meinen Bürostuhl sinken ließ. Sofort klebten meine nackten Oberschenkel unter meinem kurzen Rock am weichen Leder der Sitzfläche fest. Auf die Minute genau hatte ich es ins Büro geschafft, allerdings war ich nun verschwitzt und abgehetzt. Ich fächerte mir Luft zu, während ich mich zurücklehnte.

Mein kleines Büro lag glücklicherweise Richtung Westen, sodass erst gegen Abend die Sonne durch die hohen Fenster ins Zimmer schien und es tagsüber angenehm kühl blieb, da das Gemäuer des alten Stadthauses dick war und so die Hitze abhielt.

Ich stellte meinen Kaffeebecher auf meinem Schreibtisch ab und schaltete den Laptop ein, als ein leises Klopfen mich aufschauen ließ. Dennis Liebermann, mein Chef, stand in der offenen Tür und lächelte mich an. »Guten Morgen, Dana. Hast du kurz Zeit?«

Noch während er sprach, ließ er sich in einen Stuhl vor meinem Tisch nieder. Dennis fuhr sich durch seine kurzen braunen Haare und seufzte. Die Sorgenfalte, die sich tief in seine Stirn gegraben hatte, ließ sein Lächeln blass wirken. Normalerweise sah er um einiges jünger aus als seine 36 Jahre, aber heute ließ ihn die Erschöpfung um Jahre altern. Sofort war mir klar, dass es um etwas Ernstes gehen musste und ich nickte ihm zu. »Natürlich. Worum geht es?«

»Ich muss aus privaten Gründen kürzertreten«, erwiderte er und ein leises Seufzen kam über seine schmalen Lippen. »Für die nächsten Monate steige ich aus dem Tagesgeschäft aus. Für wichtige Entscheidungen oder Probleme bin ich natürlich weiterhin da, aber den Rest müsst ihr alleine regeln. Das heißt, ich teile die Touren unter euch fünf auf. Für dich habe ich The Red Orchid vorgesehen.«

Überrascht lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und nahm einen Schluck des heißen Kaffees, während ich ihn aufmerksam musterte.

»Das klingt aber gar nicht gut. Darf ich fragen, was los ist?« Ich biss mir auf die Lippe und hoffte, Dennis nehme mir meine Neugierde nicht übel.

Mit einem kaum merklichen Kopfschütteln tat er sie ab. »Erzähle ich dir später, ich weiß auch noch nichts Genaues.«

Sein Blick wanderte auf seine Hände, die er im Schoß gefaltet hatte und er spielte gedankenverloren mit dem goldenen Ehering. Ein paar Augenblicke schien er in einer anderen Welt zu sein, ehe er mich wieder ansah. Er gab sich die größte Mühe, ein echtes Lächeln zustande zu bringen, aber der Kummer hatte sich in seine Mimik gemeißelt. »Und was sagst du? Schaffst du das?«

Ich nickte entschlossen, auch wenn mir Dennis leidtat, war das die große Chance für mich. »Ja, klar schaffe ich das.«

»Sehr schön, dann bist du jetzt offiziell die Tourmanagerin von The Red Orchid! Alex kannst du jederzeit hinzuziehen, wenn du Hilfe brauchst. Er kennt die Jungs schon länger und weiß, wie sie ticken.« Dennis zwinkerte mir zu und erhob sich. »Zwei Jungs aus der Band, Mark und Matthias, kommen heute Nachmittag um 15 Uhr, damit wir die Übergabe...


Baker, Lyn
Lyn Baker, geboren 1988, lebt mit ihrem Freund und zwei Katzen in einer kleinen Stadt in Franken. Dort arbeitet sie als Grafikerin und Buchcoverdesignerin. Rockstars sind auch nur Idioten mit Herz ist ihr erster Roman.

Lyn Baker, geboren 1988, lebt mit ihrem Freund und zwei Katzen in einer kleinen Stadt in Franken. Dort arbeitet sie als Grafikerin und Buchcoverdesignerin. Rockstars sind auch nur Idioten mit Herz ist ihr erster Roman.



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