E-Book, Deutsch, 243 Seiten
Baltzer Praktische Adoleszentenmedizin
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-456-94692-4
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 243 Seiten
ISBN: 978-3-456-94692-4
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Das Wichtigste über Jugendliche – für Pädiater und Allgemeinärzte Jugendliche gelten als 'schwierige' Patienten. Sie tauchen oft erst dann in der Praxis auf, wenn sie mit massiven Problemen zu kämpfen haben: Suchtverhalten, Gewalttaten, ungeplante Schwangerschaften u. ä. Medizinische Anforderungen werden überlagert von für die Adoleszenz typischen Fragen der physischen und psychosozialen Entwicklung. Wer aber einige Grundregeln des Umgangs mit jugendlichen Patienten verinnerlicht hat, kann eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und Weichen stellen für den lebenslangen Umgang mit dem eigenen Körper. Dabei kommt es darauf an, sowohl dem Autonomiestreben der Jugendlichen Rechnung zu tragen als auch der wichtigen Rolle, die die Eltern in diesem Lebensabschnitt noch spielen und spielen sollen. Dieses Buch beruht auf mehr als 15 Jahren Erfahrung mit adoleszenten Patienten. Es fasst, ohne den Stoff von Pädiatrielehrbüchern wiederholen zu wollen, praktische Anleitungen zur Diagnostik und Therapie jugendspezifischer Erkrankungen zusammen und beschränkt sich auf die häufigsten Krankheitsbilder, die Jugendliche in die Sprechstunde bringen. Der Schwerpunkt liegt auf den Problemen der sexuellen und der psychischen Entwicklung und dem Verhalten gegenüber Gesundheit und Krankheit.
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1;Inhaltsverzeichnis;6
2;Geleitwort/Vorwort;10
3;Teil 1 Allgemeines;14
3.1;1. Die Adoleszenz;16
3.1.1;1.1 Die biologische Ebene;16
3.1.2;1.2 Die psychologische Ebene;26
3.1.3;1.3 Die soziale Ebene;29
3.1.4;1.4 Die spirituelle Ebene;30
3.2;2. Grundsätze der Adoleszentenmedizin;34
3.2.1;2.1 Die Arzt-Patient-Dyade wird zur Arzt-Patient-Eltern-Triade;35
3.2.2;2.2 Urteilslose Begegnung;37
3.2.3;2.3 Unser Problem ist seine/ihre Lösung;38
3.2.4;2.4 Die zweite Geburt;39
3.2.5;2.5 Das Anamneseschema: HEADSS;40
3.2.6;2.6 Die körperliche Untersuchung;41
3.3;3. Jugendliche mit chronischen Krankheiten;43
3.3.1;3.1 Angeborene oder in der Kindheit beginnende chronische Krankheiten;44
3.3.2;3.2 Typischerweise in der Adoleszenz beginnende chronische Krankheiten;48
3.3.3;3.3 Früher im Kindesalter tödliche Krankheiten;53
4;Teil 2 Probleme der sexuellen Entwicklung;56
4.1;4. Antikonzeption;58
4.1.1;4.1 Methoden der Antikonzeption;60
4.1.2;4.2 Spezielle Situationen;66
4.2;5. Menstruationsstörungen;72
4.2.1;5.1 Anovulatorische uterine Blutung (AUB);72
4.2.2;5.2 Dysfunktionelle uterine Blutung (DUB) bei sexueller Aktivität;78
4.2.3;5.3 Hyperandrogenämie oder PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom);82
4.3;6. Dysmenorrhö, Endometriose und prämenstruelles Syndrom;89
4.3.1;6.1 Dysmenorrhö;89
4.3.2;6.2 Endometriose;94
4.3.3;6.3 Prämenstruelles Syndrom;96
4.4;7. Ovarialschmerz;98
4.4.1;7.1 Mittelschmerz;99
4.4.2;7.2 Ovarialzyste;100
4.4.3;7.3 Torsion von Ovar oder paraovariellen Strukturen;102
4.4.4;7.4 Muskelrisse der Bauchdecke;103
4.5;8. Die Brust des adoleszenten Mädchens;108
4.5.1;8.1 Normale Brustentwicklung;109
4.5.2;8.2 Normvarianten;109
4.5.3;8.3 Pathologische Brustentwicklung;110
4.5.4;8.4 Pathologische Zustände der Brust;111
4.5.5;8.5 Sekretion der Brust;112
4.5.6;8.6 Brusttumoren;113
4.6;9. Unspezifische Entzündungen und Infektionen von Vulva und Vagina;115
4.6.1;9.1 Vulvadystrophie;115
4.6.2;9.2 Soor-Vulvovaginitis;116
4.6.3;9.3 Bakterielle Vaginose;117
4.7;10. Sexuell übertragene Infektionen;122
4.7.1;10.1 Sexuell übertragene Infektionen;123
4.7.2;10.2 Salpingitis und tubo-ovarieller Abszess;129
4.8;11. Die männliche Pubertät;133
4.8.1;11.1 Physiologische Veränderungen;133
4.8.2;11.2 Gynäkomastie;134
4.8.3;11.3 Pathologie des Hodens und Nebenhodens;136
4.8.4;11.4 Enuresis nocturna;138
4.8.5;11.5 Hämaturie;139
4.9;12. Sexueller Missbrauch und sexuelle Gewalt;143
4.9.1;12.1 Inzest, chronischer sexueller Missbrauch;144
4.9.2;12.2 Vergewaltigung, Date Rape;147
4.9.3;12.3 Sextourismus, Jugendprostitution;148
4.9.4;12.4 Die rechtliche Situation;148
4.9.5;12.5 Die medizinische Untersuchung;149
4.9.6;12.6 Therapie;153
5;Teil 3 Probleme der psychischen Entwicklung;156
5.1;13. Ernährung in der Adoleszenz;158
5.1.1;13.1 Körperliche Veränderungen während der Adoleszenz;158
5.1.2;13.2 Essensgewohnheiten der Jugendlichen;160
5.1.3;13.3 Mode-Diäten und vegetarische Ernährung;161
5.1.4;13.4 Beurteilung von Gewicht und Größe;164
5.1.5;13.5 Nährstoffbedarf;164
5.1.6;13.6 Ernährungsberatung in der Adoleszenz;168
5.2;14. Essstörungen: Anorexie, Bulimie, Adipositas;172
5.2.1;14.1 Anorexie;172
5.2.2;14.2 Bulimie;184
5.2.3;14.3 Adipositas;189
5.3;15. Drogenkonsum;197
5.3.1;15.1 Psychoaktive Drogen;197
5.3.2;15.2 Stufen des Drogenkonsums;200
5.3.3;15.4 Warum entwickeln manche jugendlichen Drogenkonsumenten Probleme und andere nicht?;201
5.3.4;15.5 Was tun bei problematischem Drogenkonsum?;204
5.3.5;15.6 Stadien des Veränderungsprozesses;204
5.4;16. Medienkonsum;209
5.4.1;16.1 Telefon;209
5.4.2;16.2 Zeitungen, Zeitschriften;210
5.4.3;16.3 Fernseher;211
5.4.4;16.4 Internet;212
5.5;17. Gewalt gegen Jugendliche;217
5.5.1;17.1 Bullying und Taxieren;218
5.5.2;17.2 Date Rape;219
5.5.3;17.3 Rivalisierende Banden;220
5.5.4;17.4 Gewalt in der Familie;220
5.5.5;17.5 Gewalt von Autoritätspersonen gegen Jugendliche;222
5.6;18. Riskantes Verhalten, Selbstverletzung, Delinquenz;228
5.6.1;18.1 Riskantes Verhalten;229
5.6.2;18.2 Selbstverletzung;232
5.6.3;18.3 Delinquenz;233
6;Sachregister;240
Susanne kommt zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung im Alter von 14 Jahren. Susanne war Ihre Patientin von der Geburt bis ins achte Lebensjahr, als die Familie in eine andere Stadt übersiedelte. Jetzt ist sie zurückgekommen.
Susanne hatte sich zuerst normal entwickelt. Sie haben aber im Alter von 8 Jahren eine prämature Adrenarche mit dunkler Behaarung der großen Labien sowie einem physiologischen Ausfluss diagnostiziert. Die endokrinologische Abklärung hatte für das Alter normale Werte der Schilddrüsenhormone, der Nebennierenhormone sowie der Sexualhormone ergeben. Das MRI des Gehirns war normal. Das Knochenalter war mit 10 Jahren deutlich beschleunigt (s. Abb. 1-3 auf S. 21).
Hat Sie das Knochenalter erstaunt? Was war Ihre Diagnose? Wie haben Sie die Situation mit den Eltern besprochen?
Susanne hat den Beginn einer idiopathischen Pubertas präcox mit prämaturer Adrenarche aufgewiesen. Das Knochenalter entsprach dem üblichen chronologischen Alter für den Beginn der Pubertätsentwicklung. Sie haben mit den Eltern besprochen, dass das Mädchen früh die Pubertät durchläuft, also früh menstruieren wird. Damit wird die zu erwartende Erwachsenengröße eher klein ausfallen. Die Pubertätsentwicklung wird aber an sich normal verlaufen. Psychologisch wird das Mädchen viel Unterstützung benötigen, bis seine Altersgenossen in der körperlichen Entwicklung aufgeholt haben. Sie haben das Mädchen seither wegen des Wohnortswechsels aus den Augen verloren. Sie erwarten eine kleinwüchsige Jugendliche, ins Sprechzimmer kommt jedoch ein völlig normal großes Mädchen (vgl. Abb. 1-3, S. 21). Susanne erzählt, dass sie mit 11 Jahren zum ersten Mal menstruierte. Seither war ihre Periode nie regelmäßig, die letzte liegt mehrere Monate zurück.
Woran denken Sie differenzialdiagnostisch?
?? Schwangerschaft
?? Gewichtsveränderung
?? hormonale Störung
?? exzessiver Sport
Susanne macht seit vielen Jahren Ballett, in letzter Zeit trainiert sie drei bis vier Mal die Woche und hatte mehrere Auftritte. Ihr Gewicht ist seit der Menarche immer etwa gleich. Susanne macht keine eigentliche Diät, isst aber bewusst, da sie beim Ballett ein gewisses Gewicht nicht überschreiten soll. Susanne hat keinen Freund und verneint jeglichen Geschlechtsverkehr. Sie verneint auch Fragen nach vermehrtem Haarwuchs, Haarausfall, Akne, Verstopfung, Müdigkeit.
Klinische Untersuchung:
?? Gewicht 45 kg (P 25), Länge 160 cm (P 50), BD 110/65 mmHg
?? Haut, Haare normal
?? Herz, Lunge, Abdomen normal
?? Tanner B4, P4, äußeres Genitale normal mit normal großer Klitoris.
Welche Untersuchungen verordnen Sie? Wie setzen Sie deren Priorität?
Anamnestisch und klinisch haben Sie keine Anhaltspunkte für eine Essstörung, eine Schwangerschaft, eine Hypooder Hyperthyreose. Auf Grund der Anamnese mit der prämaturen Adrenarche besteht ein erhöhtes Risiko für eine Hyperandrogenämie, auch wenn klinisch keine Zeichen einer erhöhten Testosteronproduktion vorliegen.
Also Labor in folgender Reihenfolge:
?? DHEAS, 17OH-Progesteron, Testosteron, Östradiol, ev. LH/FSH
?? TSH ?? ßHCG
?? Blutbild mit Senkung.
Wie erwartet fallen alle Resultate normal aus. Die unregelmäßigen Menstruationen sind sehr wahrscheinlich dem intensiven Sport zuzuschreiben.
Haben Sie eine Erklärung für das Ausbleiben der Pubertas präcox?
Verschiedene Pubertätszeichen können isoliert auftreten, also nicht im Rahmen des Ablaufes des ganzen Prozesses. Die Adrenarche bei Susanne ist jedoch insofern ungewöhnlich, da sie zu einer Akzeleration des Knochenalters geführt hat. Was genau den begonnenen Pubertätsablauf zum Stillstand gebracht hat, ist nicht klar.




