E-Book, Deutsch, 438 Seiten
Bandai / Terborg / Bauer Zwischen-Welten
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-9860-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Science Fiction Anthologie
E-Book, Deutsch, 438 Seiten
ISBN: 978-3-7583-9860-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine fremdartige Lebensform aus den Weiten des Alls findet die Erde. Die wolkigen Gestalten, die in Wirklichkeit jeweils aus Millionen einzelner Mikro-Wesen bestehen, treten voller Hoffnung mit dem Planeten in Kontakt. Und eine fatale Kette von Missverständnissen nimmt ihren Lauf. Zusammen mit ihren Soldaten bekämpfen Rom und Athene grauenhafte Bugs - Unmengen käferartiger Wesen, die nach dem Absturz eines Raumschiffs ihre Welt infiltriert haben und alles zerbeißen, was sich ihnen in den Weg stellt. Entgegen allen Regeln dringen die beiden jungen Leute in das Wrack des Raumschiffs ein, um das Übel endlich an der Wurzel zu packen. Aber nichts ist, wie es scheint. Cadoc ist Soldat und weiß, dass sie verloren haben, denn die überlegenen Helix werden auch seinen Planeten Alexios in Kürze erobern: Sklaverei oder Tod warten auf sie alle. Nur ein paar Glückliche werden sie noch evakuieren können. So gibt es nur noch ein einziges Ziel für Cadoc: Seine geliebte Schwester Haya muss in eines der Evakuierungsschiffe - wenn er sie nur davon überzeugen könnte! Der Sternen-Seefahrer Quill bettet seine geliebte Frau Kahni zur Ruhe, nachdem die Strahlenkrankheit sie getötet hat. Ebenfalls krank, will er in seiner Verzweiflung nur noch sterben. Doch der verrückte Kapitän Myst kann ihn davon überzeugen, stattdessen mit seiner todgeweihten Crew den Spuren des mysteriösen Sternenwals zu folgen: Auf abenteuerliche Weise segeln sie hinaus in den Weltraum, um den sagenumwobenen Planeten zu finden, auf dem ihre geliebten Toten noch leben. Diese und mehr als ein Dutzend weitere Geschichten aus dem schier grenzenlosen Reich der Science Fiction, verfasst von acht aufstrebenden Autorinnen und Autoren, finden sich in Zwischen-Welten: Eine Science Fiction Anthologie. Lassen Sie sich von der überraschenden Vielfalt dieser Erzählungen in die unterschiedlichsten Welten entführen!
Felix Terborg wurde 1998 in Kassel geboren und schreibt Science Fiction. Fremdartige Welten, unübliche Erzählformen - diese Dinge stehen im Zentrum seiner Geschichten.
Autoren/Hrsg.
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Panspermie von Roger Bandai Feng und ich standen unter der Highwayauffahrt nach Blue Diamond District, in der Schlucht zwischen mächtigen Betonpfeilern und Bergen von zurückgelassenem Müll. Gut geschützt vor den Blicken der Hauptstadt von Xentronia machten wir dort unsere Geschäfte. Hier lagen Megatonnen von undichten Bioschlackebehältern und Haufen von Cyberschrott, sinnlos und unbrauchbar gewordene Technik für die vollsynthetische Hochglanzzivilisation, für uns aber Ersatzteile und Nahrung. Festgeschmorte Drähte quollen aus ausgeschlachteten Synthetikorganen hervor, verbrannt und verdreht. Es war die Heimat des erbärmlichen Restes des biologischen Lebens von Xentronia – der Junk-Tumor-Complex – unsere Heimat. »Also was ist jetzt, Feng?«, murmelte ich. Irgendwoher hörte ich ein Schaben. Wahrscheinlich kramte jemand im Müll nach Resten von Industriechemikalien, um daran zu nuckeln. Auf dem Beton verteilt lagen überall Zugedröhnte. Wir hatten uns hier festgesaugt wie Nacktschnecken an einer Mülltonne. In einem Zustand fieberhaften Delirs, zitternd, brütend, und ständig auf der Suche nach Stoff. Einige versammelten sich um brennende Mülltonnen. Der Rauch und die Wärme von diesen kleinen Feuern stiegen entlang der Betonwände in die Luft auf, bildeten wirre Schatten und wirbelten die Rußpartikel des letzten echten Lebens dieses Planeten durcheinander. Fengs Synthhand wanderte zu seiner Brust. Ich machte mich bereit, ihm eine mit meinem karbonverstärkten Ellenbogen in sein Plastikgesicht zu verpassen. »Hey, cool bleiben Ash! Ich hab’ nichts verkauft, nur getauscht. Gegen dieses Baby …« Eine Klappe in seiner Brust ging auf, Dampf zischte hervor. Er nahm einen Flachmann raus und trank. Seine Bewegungen waren eckig, aber sicher nicht vom Stoff. Es war wegen seiner ungeölten Synthgelenke. Er lächelte mit der biologischen Hälfte seines Gesichtes, und nahm noch einen Schluck. Die Linsen seiner Kompositaugen fokussierten mich und er reichte mir die Flasche. Sein rechtes Okular fiel dabei heraus und blieb an der Verkabelung hängen, wie bei einer dieser Spaßbrillen, wo die Augen rauskullern. Das kannte ich: Totalschaden von der kleinsten Erschütterung. Der selbe Ramsch war bei mir eingebaut. Ich kostete sein Zeug. Billigster Synthwein, in den armseliges Stimblow reingemischt war. Nur ein Arschloch ließ sich sowas andrehen. Und nur ein Arschloch konnte davon high werden. »Was ist das? Beschissener Industriedünger?« Ich schluckte es. »Gib mir den richtigen Stoff, du Bastard.« »Hab’ alles dem Padre abgetreten, Mann!«, sagte Feng und zeigte auf eine Gruppe Penner, die sich um eine brennende Mülltonne scharten. »Padre? Wer ist dieses Arschloch überhaupt?« Einer der Penner dort trug eine goldene Kette aus fingerdickem Draht und darunter einen schwarzen Plastikumhang. »Der Straßenpriester?«, fragte ich. Der »Padre« stand auf einem Podest vor dem Feuer und hob seine Arme. »Der ist legit!«, sagte Feng. »Was man heutzutage alles tun muss, um high zu werden«, sagte ich kopfschüttelnd. »Nein, Mann, bleib weg. Die machen da ein Ritual oder so ’ne Scheiße!« »Verpiss dich«, flüsterte ich und trat ihm mit der Ferse ins Gesicht. Sein Kopf knackte dabei wie ein verfaulter Surrogatkürbis. »Scheiße, die ganze linke Seite meiner Zähne wackelt jetzt beim Draufbeißen. Dabei hab’ ich die Implantate noch nicht einmal abbezahlt«, jammerte Feng. »Was kaufst du dir denn auch so ’ne teure Visage?«, flüsterte ich. »Verdammter Hurensohn.« Ich nickte zustimmend, nahm einen letzten Schluck von dem Fusel und warf den Flachmann zwischen die Penner, die sich unter einem Solarpanel eingenistet hatten. »Hey!«, rief Feng und tauchte nach der Flasche. Ich war benebelt, konnte aber den Priester kristallklar hören: »Wir, die, und die ganze Stadt sind ein Haufen stinkender Biomasse. Klebengeblieben, auf dieser Müllkugel von Planeten.« Die Penner um die Tonne nickten und murmelten wie kleine Roboterkobolde vom Jahrmarkt. Ich wickelte mich fester in meinen nach Tannenbaum und Schweiß riechenden Plastikmantel und hastete über einige der halbtoten Penner auf der Straße. In meinen Taschen waren noch Brotreste von gestern, die sich dabei unter meine Fingernägel schoben. Ich trat auf was Weiches. »Verpiss dich!«, krächzte der Penner unter meinem Fuß. »Maulhalten!«, flüsterte ich. Woher hätte ich wissen sollen, dass das Arschloch noch lebte? Der Padre ergriff wieder das Wort: »Sie haben sich mit ihren kybernetischen Augmentaten die Seele weggechipt!« Zustimmendes Raunen unter den Pennern. »Und jetzt lassen sie uns in den Ritzen zwischen ihren Wolkenkratzern, unter Mikroplastik und Elektroschrott verwesen.« Ich kam näher. »Ja, wir sind der stinkende, verfaulende Abfall ihrer Gesellschaftsmaschine. Aber wir leben noch, wir atmen! Ihre kybernetischen Körper sind kalt. Reine Maschinen. Simuliertes Leben.« »Simuliertes Leben, simuliertes Leben!«, wiederholten die Penner wie im Gebet. Der Padre stand oben bei der Mülltonne, darunter seine Jünger, die bei seinen Worten nickten. Er warf ein blaues Pulver ins Feuer. Eine Stichflamme stieg auf. »Von den heiligen Engeln der Wüste habe ich dieses Device bekommen …«, der Padre verwies auf die Mülltonne. Heraus schlängelte sich ein mechanischer Tentakel, der sich zu einer Schrödingercast-Antenne aufrichtete. Die Dinger verwendeten sie für Teleportationsversuche, draußen in der Aschewüste. Soweit ich wusste, hatte sich bisher jeder, der gecastet wurde, in radioaktiven Bioschleim verwandelt. »Das Device, das Device!«, murmelten die Jünger und verneigten sich. »Kraft meines Amtes vollführe ich nun die heilige Befruchtung!« Wusste dieser »Padre« überhaupt, was er da faselte? Wohl eher spulte er ein Bodyprogramm herunter. Transpersonale Junkware eines festgerosteten Chips, der sich wahrscheinlich in den verkrusteten Resten seines Hirns reaktiviert hatte. Die Penner inhalierten die Dämpfe, und wer genug davon hatte, sackte auf dem Boden zusammen. Der Padre hantierte dabei am »Device«. Dann sprach er wieder: »Es ist so weit! Einer wird vortreten! Seht zum Device!« Ich drängte mich ans Feuer. »Gib mir von dem Zeug«, sagte ich. »Das Device, das Device«, murmelten die Penner. »Du bietest dich dar?«, sagte der Padre geheimnisvoll. Er warf seinen Umhang über die Schulter und streute noch etwas von dem blauen Pulver in die Tonne. Ich lächelte müde. »Ja, um high zu werden«, flüsterte ich. Er nickte. Ich kam ganz nah. »Bist du bereit?« »Was faselst du da, Arschloch?«, flüsterte ich. Er musterte mich. »Ja, Mann«, rief ich. »Mach schon!« Er zog eine Eisenstange mit einer draufgewickelten Drahtspule aus einem Beutel und rasselte damit um das Feuer. Datenschläuche kamen aus der Tonne und tasteten nach meinem Interface. Ein Elektrohigh. Naja, besser als nichts, dachte ich und machte mich bereit. Die Penner machten mir Platz und ich hielt meine Fresse übers Feuer. Ich registrierte nur Hitze. Ein Upgrade für direkte Schmerzempfindungen hatte ich nicht eingebaut. Unter den Flammen sah ich einen Haufen Kabel, Elektronik und Infusionsbeutel, in denen es blubberte. Die Dämpfe stanken nach verbranntem Plastik. Plötzlich hatte ich Angst, dass die zusammengesackten Penner tot waren. Vielleicht war das mein letztes High, dachte ich. Aber ich blieb stehen. Vielleicht, weil ich genug hatte. Genug vom Gelaber, dem Stoff und dem stinkenden Elend der Straße. Ich war reif für ein Ende. »Bist du bereit, dich für das Leben zu opfern?«, fragte er. Was sollte ich dagegen schon sagen? »Sieh ins Device und beginne deine Reise!«, sagte er trocken, während die Kabel weiter aus der Tonne krochen und sich mit meinem Neuralinterface verbanden. In den Dämpfen flimmerte es Blau und Schwarz. Verzweigte Muster von leuchtenden Fasern blitzten auf. Er warf wieder Pulver ins Feuer und ich atmete voll ein. Es war, als würde der Rand meines Sichtfeldes in Brand stehen. Ein verkohlender Rahmen verengte sich um mich und wurde immer kleiner. Als ob man durch einen Tunnel krabbelt. Dann schmeckte ich Asche. Es blitzte und jaulte irgendwo weit weg und dann wurde es dunkel. Aus dem Schwarz schälten sich blaue Blitze, und es roch nach Blut und Erde. Meine Haut vibrierte und die Eingeweide rumorten. Ich spürte die Zellen meines Körpers wie Sand aus meinem Unterleib rieseln. Die Körner vermengten sich mit dem Feuer und der Feuchtigkeit in der Luft zu einer wabernden Masse und ich streckte mich zum Himmel. Meine Synthetik blieb als...




