Banerjee | Der kleine Buchladen am Meer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 244 Seiten

Reihe: Die Frauen von Shelter Island

Banerjee Der kleine Buchladen am Meer

Roman | Die Frauen von Shelter Island, Band 2 - Ein Wohlfühlroman über eine kleine Inselgemeinde
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-563-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Die Frauen von Shelter Island, Band 2 - Ein Wohlfühlroman über eine kleine Inselgemeinde

E-Book, Deutsch, Band 2, 244 Seiten

Reihe: Die Frauen von Shelter Island

ISBN: 978-3-96655-563-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zum Wohlfühlen kuschlig, zum Träumen schön: Der Feelgood-Roman »Der kleine Buchladen am Meer« von Anjali Banerjee jetzt als eBook bei dotbooks. Ehemann, Haus, ein perfektes Leben - alles Geschichte! Doch statt Trübsal zu blasen, beschließt die junge Investment-Managerin Jasmine: Wenn das Leben dir dunkle Wolken schickt, dann tanz einfach im Regen. Kurzerhand fährt sie nach Shelter Island, um in dem heimeligen Städtchen Fairport ihrer Tante auszuhelfen, die für längere Zeit verreisen muss und dringend jemanden sucht, der ihre kleine Buchhandlung weiterführt. Als der besondere Zauber des Ladens bald auf Jasmine übergeht, hat sie zum ersten Mal das Gefühl, im Leben wirklich angekommen zu sein: Es gelingt ihr, für jeden Kunden das Buch zu finden, das er insgeheim schon so lange sucht. Aber was hat es mit dem mysteriösen jungen Mann auf sich, der immer wieder im Buchladen auftaucht - und Jasmines eigene geheimste Wünsche zu kennen scheint? »Erfrischend und höchst unterhaltsam. Ich habe jedes Wort geliebt!« Bestsellerautorin Susan Elizabeth Phillips »Eine Geschichte, die auch nach der letzten Seite nicht loslässt.« Bestsellerautorin Susan Wiggs »Wunderbar, magisch und anrührend.« happy-end-buecher.de Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der charmante Liebesroman »Der kleine Buchladen am Meer« von Anjali Banerjee bietet ein Wiedersehen mit liebenswerten Figuren aus der Reihe »Die Frauen von Shelter Island«. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Anjali Banerjee wurde in Indien geboren und ist in Kanada und Kalifornien aufgewachsen. Sie studierte in Berkeley und lebt heute mit ihrem Mann und fünf verrückten Katzen in der Nähe von Seattle, wo sie als Autorin und Journalistin arbeitet. Die Website der Autorin: anjalibanerjee.com/ Bei dotbooks veröffentlichte Anjali Banerjee ihre Romane: »Der kleine Stoffladen des Glücks« »Der kleine Hochzeitsladen am Meer« »Der kleine Inselladen der Träume - Die Frauen von Shelter Island, Band 1« »Der kleine Buchladen am Meer - Die Frauen von Shelter Island, Band 2« Die »Shelter Island«-Reihe ist auch im Sammelband »Der weite Himmel über Fairport« erhältlich.
Banerjee Der kleine Buchladen am Meer jetzt bestellen!

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Kapitel 1


Ich hatte wirklich nicht mit dieser Wendung der Ereignisse gerechnet. Mein Exmann Rob hatte seinen Charme als Waffe eingesetzt, ohne sich darum zu kümmern, wem er damit das Herz brach – oder das Leben ruinierte. Es interessierte ihn auch nicht, in wessen Bett er aufwachte. Tja, Jasmine, pflegte meine Mutter zu sagen. Das ist eben ein amerikanischer Penis. Du hättest einen Bengalen heiraten sollen. Treu, gutmütig und traditionsgebunden. Ihre Worte lassen mich stets an einen bengalischen Penis, eingehüllt in die traditionelle churidar kurta denken, dessen Kopf bei unserer traditionellen indischen Hochzeit aus der mit Gold bestickten Seide ragt. Aber der Wunsch meiner Mutter wird niemals in Erfüllung gehen. Denn ich werde nicht wieder heiraten.

Da die Scheidung nun durch ist, brauche ich eine Auszeit von Los Angeles und von meinem auf Abwege geratenen Ex, den ich einmal für das Allergrößte gehalten habe. Ich stehe allein auf der Fähre nach Shelter Island, einem grünen Punkt, der sich in der regendurchtränkten Dunkelheit im Puget Sound abzeichnet. Draußen an Deck peitscht der Wind mein Haar und erinnert mich daran, dass ich noch lebe und die Kälte noch spüren kann. Auf dem Display meines Mobiltelefons leuchtet Roberts Nummer auf – die grünen Ziffern, die ich inzwischen zu hassen gelernt habe. Ich ignoriere den Anruf und lasse ihn in der tauben Gleichgültigkeit meiner Mailbox versickern. Soll sich Robert doch selbst um den Immobilienmakler und die Aasgeier kümmern, die sich auf unsere Eigentumswohnung stürzen wollen. Ich habe mich vorübergehend in die Einsamkeit geflüchtet.

Während wir uns der Insel nähern, taucht ihre Ostküste aus einer Nebelwand auf. Kiefern und Föhren wachsen in wildem Durcheinander bis hinunter zu den zerklüfteten Buchten der Steilküste. Bewaldete Hügel ragen in einen bleigrauen Himmel. Die Stadt Fairport mit ihren Altbauten und funkelnden Lichtern schmiegt sich in die Rundung des Hafens. Mein Herz klopft. Was mache ich eigentlich hier? Bald wird das inseltypische Moos zwischen meinen Fingern, in den Nasenlöchern und in den Taschen meines dünnen Regenmantels wuchern. In einer dieser Taschen steckt der Brief meiner Tante, ihre dringende Bitte, die mich nach Hause gerufen hat.

Obwohl wir mittlerweile im Zeitalter der E-Mails leben, schreibt sie mir lieber auf die altmodische Weise. Ich hole den Brief aus seinem Versteck und schnuppere am Papier – ein zarter Rosenduft. Bei jedem Entfalten riecht der Brief anders. Gestern war es Sandelholz. Vorgestern Jasmin. Doch der Text, festgehalten in der geneigten Schrift meiner Tante und in goldenen Buchstaben, bleibt immer derselbe:

Ich muss nach Indien. Ich brauche dich, damit du während meiner Abwesenheit den Buchladen führst. Nur du kannst das.

Als ich sie anrief, um sie nach dem Grund zu fragen, antwortete sie, sie müsse in Kalkutta etwas für ihre Gesundheit tun. Sie hat nichts weiter hinzugefügt. Und wie kann ich meiner alten, gebrechlichen Tante etwas abschlagen? Außerdem hat sie mir einen Zufluchtsort bei den Klassikern angeboten. Dabei hatte ich seit Jahren nicht mehr die Zeit, Romane zu lesen. Die Gründe dafür verbergen sich in meiner überdimensionalen Handtasche. Eine zusammengerollte Ausgabe des Forbes Magazine, ein BlackBerry und ein Netbook. Die Technologie zerrt schwer an meinem Schulterriemen. Außerdem habe ich kaum noch Platz für die üblichen Utensilien: Puderdose, Lippenstift, Aspirin, Allergietabletten, Kreditkarten, Quittungen und einen Schlüsselbund, an dem auch der zum Fitnessraum in der Firma hängt. Kein einziger Roman. Aber was habe ich zu verlieren? Es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, die neue Nora Roberts oder Mary Higgins Clark zu verkaufen?

Einen Monat in einem Buchladen auf der Insel herumzusitzen ist nur ein kleines Opfer, das ich für meine geliebte Tante bringe. Außerdem habe ich etwas zum Arbeiten dabei, damit mir nicht langweilig wird, wie zum Beispiel einige Berichte der Anwaltskammer, die ich aus zeitlichen Gründen noch nicht gelesen habe.

Als die Fähre andockt, reißt mir ein Windstoß den Brief meiner Tante aus der Hand. Das rosafarbene Papier flattert ins Wasser, und für einen Moment leuchtet ihre Handschrift im Abendlicht. Dann löst sie sich in kleine Pünktchen auf, während der Brief untergeht. Ich überlege, ob ich ihm nachspringen soll – schließlich wäre ertrinken eine willkommene Erlösung von meiner Niedergeschlagenheit. Aber der Ruf einer Möwe ermahnt mich, den Kopf nicht hängen zu lassen und Rob diese Genugtuung nicht zu gönnen.

Also straffe ich die Schultern und reihe mich in die Herde der Passagiere ein, die die Rampe hinunter zur Harborside Road schlurfen. Die von gusseisernen Laternenmasten und riesigen alten Pappeln gesäumte Straße schlängelt sich am Ufer entlang und verschwindet dann im silbrig schimmernden Dunst. Ich male mir aus, wie ich in diesen Dunst hineingehe und auf der anderen Seite eine neue Welt betrete, in der Ehemänner keine Affären haben und in der zwei Menschen die Zeit zurückdrehen und sich wieder ineinander verlieben können, anstatt sich wehzutun. Allerdings weiß ich, dass das unmöglich ist. Die Zeit bewegt sich nur in eine Richtung. Also muss ich weiter zum Buchladen meiner Tante marschieren, obwohl meine Absätze sich nicht für kopfsteingepflasterte Gehwege eignen und mein Mantel für dieses Wetter zu leicht ist.

Seit meinem letzten Besuch vor einem Jahr hat sich in der Stadt nichts geändert. Fahrradgeschäft. Chiropraktiker. Optiker. Spielsteine für jedes menschliche Bedürfnis. Nimmst du einen in die Hand, hast du schon verloren. Im Fenster des Fairport Café, wo die Einheimischen Gerüchte und Kochrezepte austauschen, hängt ein Schild, das für den Kuchenbasar der Rotarier wirbt.

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt Zeit hatte, ein Kochbuch aufzuschlagen. In Los Angeles haben Rob und ich uns von Fast Food ernährt, ein Geheimnis, das meine Mutter sicher verärgern würde. Sie findet, dass jede gute bengalische Tochter so sein sollte wie meine Schwester Gita, deren Spezialität Fischcurry ist. Ich hingegen kann mich kaum erinnern, wie man Wasser kocht. Und da ich nun bei meinen Eltern wohnen werde, wird es schwierig sein, meine Lücken in diesem Bereich zu tarnen.

Und so steuere ich auf den Buchladen meiner Tante zu, der sich sechs Häuserblocks entfernt vom Wasser befindet. Es ist ein zweistöckiges ockerfarben und weiß gestrichenes viktorianisches Haus im Queen-Anne-Stil. Als ich näher komme, rennt gerade ein kleines Mädchen weinend zur Tür hinaus. Ihre Mutter folgt ihr.

»Aber ich will Curious George!«, jammert das kleine Mädchen.

»... ein andermal«, sagt ihre Mutter und verfrachtet das Kind in einen VW Käfer.

Vor dem Buchladen bleibe ich stehen. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Auf quengelnde Kinder bin ich nicht vorbereitet. Außerdem habe ich vergessen, wie groß das Haus ist. Und wie verschachtelt. Eine Ansammlung von Panoramafenstern, Türmchen und dazu eine ums ganze Gebäude herum verlaufende Veranda. Aus der Nähe betrachtet treten Anzeichen der Vernachlässigung deutlich hervor. Am Geländer blättert die Farbe ab. Am Dach haben sich einige Schindeln gelockert. Meine Tante sollte renovieren, streichen und eine Neonreklame ins Fenster hängen.

Ich hole tief Luft und ziehe meinen Koffer die enge Treppe zur Hintertür hinauf, die inzwischen der Eingang zum Buchladen ist. Ein ausgetretener Pfad führt ums Haus herum zur kunstvoll verzierten Vordertür, die zum Wasser zeigt – Erinnerung an eine vergangene Zeit, als wichtige Gäste noch mit dem Schiff eintrafen. Ich bezweifle, dass wichtige Leute inzwischen auch nur die Schwelle überschreiten.

Als ich die Tür öffne, wehen mir leise Stimmen entgegen. Die Wörter verschmelzen miteinander, ändern dann ihre Meinung und schweben davon. In der Vorhalle ist es bis auf das schwache orangefarbene Schimmern einer Tiffanylampe dämmrig. Ich werde ein paar hellere Lampen anbringen.

Die schwere Tür fällt hinter mir ins Schloss und sperrt die Welt aus. Der Zitronengeruch von Möbelpolitur mischt sich mit Staub; der Dunst von Mottenkugeln hängt schwer in der Luft. Einen Monat in dieser stickigen Atmosphäre, umgeben von nutzlosen Antiquitäten und vergriffenen Buchtiteln werde ich bestimmt nicht überleben.

Und dann dieser Krimskrams! Meine Tante hat alles flächendeckend zugestellt. Links von mir ziert ein staubiger Teppich aus Kaschmir, der in gedeckten Rot- und Goldtönen den Baum des Lebens darstellt, die Wand. Vielleicht hat das Licht ja geflackert oder Ganesh, der elefantenköpfige Gott der Hindus, spielt mir einen Streich. Jedenfalls sitzt die Messingstatue rechts von mir und wartet darauf, die Kundschaft zu verscheuchen. Meine Tante sollte hier die neuesten Bestseller ausstellen, keine Statuen.

Dennoch strecke ich unwillkürlich die Hand aus, um Ganesh den gewaltigen Wanst du reiben. Er wird mich mit einem Bann belegen, weil ich nicht niederknie und seine Füße berühre. Schließlich ist er mächtig, aufbrausend und unberechenbar.

»Vielleicht kannst du ja Rob verfluchen, damit ihm der Schwanz abfällt«, raune ich Ganesh zu. Er antwortet nicht.

Als ich meinen Koffer neben der Statue deponiere, stoße ich beinahe mit einem Mann zusammen, der plötzlich aus dem Nichts erschienen ist. Ich schaue in ein markantes Gesicht unter schweren Lidern, umrahmt von dunklem, vom Wind zerzaustem Haar. Er trägt Freizeitkleidung, eine Kapuzenjacke, eine braune Cargohose und Wanderstiefel. Unter einem Arm hat er einen Bücherstapel. Offenbar hat er viel Zeit zum Lesen.

»Das tut sicher weh«, meint er. Er hat einen sonoren, samtigen Bariton, der über meine Haut...



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