Banerjee | Der kleine Stoffladen des Glücks - oder: Der Hochzeitssari | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 242 Seiten

Banerjee Der kleine Stoffladen des Glücks - oder: Der Hochzeitssari

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-564-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 242 Seiten

ISBN: 978-3-96655-564-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Stoff, aus dem Träume gemacht sind: Der romantische Wohlfühlroman »Der kleine Stoffladen des Glücks« von Anjali Banerjee als eBook bei dotbooks. Die junge Amerikanerin Lakshmi hält sich selbst für eine moderne Frau - und doch ist sie in dem kleinen Laden ihrer Familie mit der alten Legende aufgewachsen, dass der Stoff eines Saris alle Aspekte der Weiblichkeit in sich vereint: die Sanftheit ihrer Haut, über ihre schimmernden Tränen, bis zu den Tausend Farben ihrer Stimmungen. Auch Lakshmi hat eine besondere Gabe: sie erahnt die Wünsche, Nöte und Träume ihrer Kundinnen und wählt für jede den perfekten Stoff, um sie glücklich zu machen. Doch ihre eigene Chance auf Glück scheint unmöglich: Findet Lakshmi ihre große Liebe, wird ihre besondere Gabe verschwinden, besagt eine alte Familienlegende. Als sie dem charmanten Nick begegnet, nimmt Lakshmi daher prompt Reißaus - aber vor den verflixten Schmetterlingen in ihrem Bauch kann sie nicht davonlaufen ... »Anjali Banerjee ist eine große Geschichtenerzählerin. Sie sorgt mit ihren Romanen für Momente des vollkommenen (Lese-)Glücks.« Literaturmarkt.info Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der zauberhafte Liebesroman »Der kleine Stoffladen des Glücks« von Anjali Banerjee. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Anjali Banerjee wurde in Indien geboren und ist in Kanada und Kalifornien aufgewachsen. Sie studierte in Berkeley und lebt heute mit ihrem Mann und fünf verrückten Katzen in der Nähe von Seattle, wo sie als Autorin und Journalistin arbeitet. Die Website der Autorin: anjalibanerjee.com/ Bei dotbooks veröffentlichte Anjali Banerjee ihre Romane: »Der kleine Stoffladen des Glücks« »Der kleine Hochzeitsladen am Meer« »Der kleine Inselladen der Träume - Die Frauen von Shelter Island, Band 1« »Der kleine Buchladen am Meer - Die Frauen von Shelter Island, Band 2« Die »Shelter Island«-Reihe ist auch im Sammelband »Der weite Himmel über Fairport« erhältlich.
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Eins


Ma wünscht sich, dass ich eine junge indische Version von Paul Newman heirate, fünf Söhne zur Welt bringe und eine Million Dollar für unseren Sari-Laden verdiente, und zwar noch vor meinem achtundzwanzigsten Geburtstag. Das heißt, ich habe noch genau drei Monate Zeit.

Obwohl sie das nie wörtlich so ausgedrückt hat, erahne ich, dass sie solche altmodischen Sehnsüchte hegt, ebenso wie ich die Bedürfnisse unserer Kundinnen erspüre. Während sie so tun, als suchten sie einen Sari, träumen sie in Wahrheit davon, im Lotto zu gewinnen oder zur Miss Universe gekürt zu werden.

Ich weiß nicht, ob sich diese Träume erfüllen lassen, denn schließlich habe ich keine Kristallkugel im Kopf. Ich kann auch keinen Kontakt zum Jenseits aufnehmen. Mein Wissen ist eher so etwas wie ein gelegentlicher Einblick in die Geheimnisse vom Lampenfieber geplagter Bräute, stolzer Eltern, Großmütter und aufmüpfiger junger Mädchen, die sich in Mas Boutique drängen. Die Boutique trägt den Namen Mystic Elements und befindet sich zwischen Northwest Karate und Cedarlake Outdoor Gear am anderen Ufer des funkelnden Sees am nördlichen Stadtrand von Seattle. Wer den Laden betritt, fühlt sich sofort wie in Indien, in einer weichen Welt aus Seide und Satin. Zu unserer Kundschaft gehören Amerikaner der verschiedensten ethnischen Herkunft sowie indische Einwanderer, die aus diesem oder jenem Grund – etwa um ein Geschäft zu eröffnen oder eine Stelle in der Hightech-Industrie oder an der Universität anzutreten – hierher gezogen sind.

Während Ma, in einen Sari aus türkisfarbenem Organza gehüllt, durch den Laden huscht, bediene ich eine schlanke junge Frau, die sich offenbar für die teuren Seidenstoffe interessiert. Ich fühle mich wohl hier und falle mit meiner Brille, den Jeans und der weiten kurti-Bluse nicht weiter auf. Dennoch verfolgt Ma mich mit besorgten Blicken. Bis zur Erschöpfung hat sie die indischen Hochzeitsanzeigen durchforstet, und zwar nicht für sich selbst, sondern meinetwegen. Ihre Sehnsuchtsmaschinerie sendet starke Signale aus, als bewahre sie ein köstliches Geheimnis.

Ich konzentriere mich auf die schlanke Frau, die einen traditionellen Baumwollsari trägt. Den bestickten Zipfel, den pallu, hat sie über den Kopf gelegt. In der Hand hat sie einen Pappbecher von Seattle’s Best Coffee. Ihr Wollmantel ist feucht vom Herbstregen.

»Ich habe von Ihnen gehört, Ms. Lakshmi«, sagt sie leise und mit einem leicht gedehnten Akzent. »Ich bin Rina. Sie müssen mir helfen. Ich brauche einen langen Sari, der nicht verrutscht. Er darf sich nicht bewegen und muss alles bedecken.« Ihre Stimme zittert verzweifelt. Auf ihrem Nasenflügel funkelt ein winziger Diamant wie ein einsamer Stern.

»Warum wollen Sie sich denn bedecken?«, frage ich. »Sie sind wunderschön.«

Zwei kleine gerötete Stellen erscheinen auf Rinas Wangen, und ihre langen Wimpern flattern. »So lauten die Regeln meiner Schwiegermutter«, flüstert sie.

»Ich verstehe. Wohnt sie bei Ihnen?« Offenbar entstammt ihre Schwiegermutter eher traditionell eingestellten indischen Kreisen. Vielleicht ist Rina ja auch die Frau des Zweitgeborenen, weshalb es die Schicklichkeit von ihr verlangt, ihren Kopf zu bedecken.

»Sie ist vor zwei Wochen aus Indien gekommen. Ich selbst bin erst vor einem Jahr hierher zu meinem Mann gezogen und habe gehofft, dass seine Mutter uns nicht besuchen wird. Ihre Regeln sind mir fremd. Aber wie soll ich ihr widersprechen? Ständig schreit sie mich an und besteht darauf, dass ich mich selbst zu Hause förmlich kleide. Also habe ich einen Sari angezogen. Doch wenn ich rausgehe ...« Als sie ihre eigene Kleidung und dann die lässigen Sachen betrachtet, die ich trage, scheint ein violetter Sehnsuchtshauch von ihr auszugehen. Am liebsten würde sie sich den Sari vom Leibe reißen, Jeans wie meine anziehen und eine bequeme kurti-Bluse über ihren BH streifen.

Ich nehme ihre Hand, und ihre Verzweiflung beginnt, in mir zu vibrieren. »Machen Sie sich keine Sorgen«, sage ich, um einen beruhigenden Tonfall bemüht. »Ein Sari ist doch nichts weiter als ein Stück Stoff ohne Nähte. Sie können damit machen, was Sie wollen. Vergessen Sie das nicht.«

»Meine Saris sind immer so widerspenstig und verrutschen ständig! Dauernd habe ich Angst, dass mir der pallu vom Kopf fällt ...«

»Ich verstehe. Da kann ich Ihnen helfen.«

Rinas Augen füllen sich mit Tränen. »Morgens kommt sie mit dem Tee herein, ohne anzuklopfen. Und wenn ich mich nicht sofort bedecke, gibt es ein Donnerwetter ...«

»Wie lange bleibt Ihre Schwiegermutter denn noch?«

»Das weiß nur der Himmel. Vielleicht sogar für immer.«

»Können Sie nicht mit ihr reden und ihr erklären, was Sie empfinden? Möglicherweise lockert sie ihre Regeln in Amerika ja ein wenig.«

»Hoffentlich.«

»Alles wird gut. Ich zeige Ihnen den idealen Sari für Sie.« Wie gerne würde ich Rina retten. Was ist, wenn ihre Schwiegermutter sich nicht erweichen lässt?

»Danke, Ms. Lakshmi.« Ihre Schultern lockern sich. »Ich muss zugeben, dass ich Saris nicht leiden kann und nur selten einen getragen habe, bevor sie kam. Ich möchte Sie ja nicht beleidigen, aber es ist so kompliziert, einen Sari anzuziehen ...«

»Schon gut, Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen.« Rinas Sorgen ergreifen Besitz von mir. Wie viel Haut wird zu sehen sein, wenn sie den Sari anlegt? Ist der Unterrock vielleicht zu eng? Und was ist, wenn ihr der ganze Sari vom Körper rutscht?

Ich weiß genau, was sie braucht.

Ich wühle mich durch ein Meer von Saris, bis ich den richtigen gefunden habe. Er besteht aus himbeerfarbenem Georgette und hat eine geblümte Kante. Dann breite ich den Sari auf der Theke aus. »Sehr modern«, sagte ich. »Und außerdem besitzt dieser Sari eine wundervolle Eigenschaft. Er rutscht nicht.«

Hoffnung leuchtet in ihren Augen auf, als sie den durchscheinenden Stoff durch die Finger gleiten lässt. »Er ist so dünn«, flüstert sie ehrfürchtig. »So zart. Wie ...«

»Vertrauen Sie mir, Rina. Ziehen Sie ihn an.«

Sie blickt sich um, als fühle sie sich von ihrer Schwiegermutter beobachtet, und eilt dann in die Umkleidekabine. Als sie, ein Traum in Dunkelrosa, wieder erscheint, sitzt der pallu auf ihrem Kopf wie angegossen. »Wie haben Sie das nur geschafft!« Eine Träne rinnt ihr die Wange hinunter. »Danke, Ms. Lakshmi. Ich komme sicher bald wieder.«

»Passen Sie gut auf sich auf.« Ich kassiere, und als ich ihr nachblicke, ist mein Herz von Wärme erfüllt. Sari für Sari helfe ich anderen Frauen. Bald werden wir unseren Laden erweitern oder ihn sogar in ein Franchise-Unternehmen verwandeln. Möglicherweise erfülle ich auch den größten Wunsch meiner Mutter und heirate einen liebevollen Traummann.

Und dennoch bin ich unruhig, als spränge in mir eine Knallerbse herum. Was ist, wenn ich ende wie Rina und eine verschüchterte, an Schlaflosigkeit leidende Frau werde, die sich ständig das Hirn darüber zermartert, dass sie zu viel nackte Haut zeigen könnte? Ich werde darauf achten, nur einen Mann zu heiraten, dessen Einstellung zur Tradition sich mit der meiner Familie deckt. Und wenn ich ihn niemals finde? Dein Weg zur Liebe wird lang und steinig sein, hat die Göttin gesagt.

Allerdings habe ich nur wenig Zeit, über solche Probleme nachzugrübeln, denn Mrs. Dasgupta, eine ältere Dame und Matriarchin, wie sie im Buche steht, kommt hereinmarschiert und schüttelt einen schwarzen Regenschirm aus. Dann wirft sie sich den silbernen pallu über die Schulter. Wenn sie unseren Laden aufsucht, trägt sie stets einen formellen Sari. Ich habe sie noch nie in westlicher Kleidung gesehen.

Ma, die von Kundinnen umringt ist, bedeutet mir mit einer Handbewegung, sie zu bedienen. Also presse ich zur Begrüßung die Handflächen aneinander. »Mrs. Dasgupta! Ich habe Ihnen ein paar wunderschöne Seidenstoffe beiseitegelegt.«

»Heute möchte ich keine Seide. Haben Sie auch Baumwolle da?«, erwidert sie mit schriller Stimme. Ihre Gedanken wehen an mir vorbei wie Zeitungsseiten auf einer Straße. Ein blauer Baumwollsari, mit Sandelholz parfümiert, so hellblau wie ein blutleerer Himmel. Ein Schattenmann, lächelnd im Hintergrund.

Ich schenke ihr mein langmütiges Lächeln. »Unsere bengalische Baumwolle ist fast ausschließlich weiß. Aber ich sehe, was ich tun kann.«

»Sie finden immer genau den richtigen Sari für mich. Pia Dasgupta fährt so weit, nur für ein Stückchen Stoff?, lästern meine Freundinnen. Doch ich sage ihnen, dass sich niemand so ausgezeichnet auskennt wie Lakshmi Sen.« Sie hält sich einen gichtigen Finger an die Stirn. »Sie können meine Gedanken lesen.«

»Ich bin nur gut im Raten.« Ich nehme weitere Saris aus dem Regal. »Wir haben gute handgewebte Baumwolle da. Jeder Sari ist ein Einzelstück.«

Mit einem Schnauben betastet Mrs. Dasgupta den Stoff. »Ist die Goldkante auch handgewebt? Was soll dieses Muster denn darstellen?«

»Pfauen, das sind Glücksbringer.« Ich streiche über das handgewebte Material. »Es sind lange Saris, die den Knöchel bedecken.« In Mrs. Dasguptas Augen haben kurze Saris, die eine Frau für die Feldarbeit bis über die Knie hochziehen könnte, nämlich etwas Proletarisches.

»Ich weiß nicht so recht, was ich suche. Morgen kommen meine Nichten aus Mumbai. Wir haben eine Familienfeier ...«

»Sind Sie sicher, dass Sie Baumwolle wollen? Was halten Sie von einer festlichen Madrasi-Seide?«

»Viel zu bunt. Oder soll ich mir etwa alberne Girlanden ins Haar stecken?«

Trotz der...



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