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E-Book, Deutsch, 304 Seiten, DG (E-Content)
Bang Ssukgat
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7558-1089-6
Verlag: DuMont Buchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vergessene koreanische Lebensweisheiten für Gesundheit und Langlebigkeit
E-Book, Deutsch, 304 Seiten, DG (E-Content)
ISBN: 978-3-7558-1089-6
Verlag: DuMont Buchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
MICHELLE JUNGMIN BANG stammt aus einer Arztfamilie in Brooklyn. Als koreanische Amerikanerin der ersten Generation verbrachte sie 16 Jahre in Korea und Asien, auf der Suche nach dem Geheimnis der asiatischen Langlebigkeit. Sie ist Gesundheits- und Ernährungsberaterin und hat den MBA an der Harvard Business School gemacht. Als Mitbegründerin einer nachhaltigen Modemarke gewann sie mehrere Preise.
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Einleitung
Selbstfürsorge
Selbstfürsorge ist ein radikaler und dennoch jahrhundertealter Ansatz: das eigene Wohlergehen proaktiv zu steuern, anstatt nur zu reagieren. Es bedeutet, auf all die kleinen Dinge zu achten, die wir jeden Tag tun können, um uns besser zu fühlen und vermeidbaren Krankheiten und vorzeitigem Altern vorzubeugen, um ein längeres und erfüllteres Leben zu führen. Diese schlichte Weisheit praktizierten meine Vorfahren schon vor langer Zeit – eine Weisheit, die bewahrt und nicht vergessen werden sollte.
In der koreanischen Kultur bedeutet Essen Liebe und Selbstfürsorge
In koreanischen Familien verstecken sich Liebe und Anteilnahme überraschenderweise hinter Redensarten, die sich auf das Essen beziehen. »Hast du schon was gegessen?« ist ein Code für: »Wie geht es dir?« Auf einer noch tieferen Ebene heißt es: »Kümmerst du dich ordentlich um dich selbst?« Diese fein abgestimmten Nuancen haben mit uralten koreanischen Überzeugungen und Traditionen zu tun, in denen Essen untrennbar mit Liebe und Selbstfürsorge verbunden ist. In Korea dient Essen nicht nur dazu, den Bauch zu füllen; es bedeutet Trost, Gemeinschaft und ist die allererste Medizin, die wir verwenden, um uns zu nähren und den Körper zu heilen.
Seit Jahrhunderten dienen in Korea einfache Heilmittel wie selbst gekochte Mahlzeiten aus bestimmten Zutaten dazu, Krankheiten zu behandeln und zu verhindern, dass frühe Symptome chronisch oder gar unumkehrbar werden. Meine Familie gab mir solche Gerichte zu essen, wann immer ich krank wurde. Die nahrhaften koreanischen Rezepte hatten meine Eltern als Immigranten ins US-amerikanische Brooklyn mitgebracht, wo ich geboren wurde und aufwuchs. Wenn ich mir den Magen verdorben hatte, gab meine Mutter mir Juk, einen warmen, tröstlichen Reisbrei, der leicht verdaulich und ideal für Kranke ist. Im Sommer kochte mein Vater Samgyetang, eine mit Ginseng und Klebreis angereicherte Hühnersuppe. Sie steckt voller Nährstoffe, um die Verluste durch den Schweiß auszugleichen. Und meine Großmutter machte mir mein Lieblingsessen: Doenjang Jjigae, einen Eintopf aus fermentierter Sojabohnenpaste voller gesunder probiotischer Stoffe, eiweißreichem Tofu und schmelzend zarten Zucchini. Dieses nahrhafte Willkommensessen machte mich glücklich, wenn ich vom College nach Hause kam; ich wusste, dass sie es für mich kochte, weil es mein Lieblingsgericht war.
Als ich älter wurde, das heimatliche Brooklyn verließ und zuletzt mit meinem Mann und zwei Kindern in Hongkong und Manhattan lebte, dachte ich oft an die heilsamen Familienrezepte meiner Kindheit. Als Burnout-geplagte Unternehmerin hatte ich mich weit von der koreanischen Weisheit der Selbstfürsorge entfernt. Wie viele andere Menschen erkannte ich, dass Stress und der moderne Lebensstil nicht nur meinen Körper und meinen Seelenfrieden zerstörten, sondern auch dem Planeten schadeten.
Als ich eines Morgens am Stanley Beach in Hongkong spazieren ging und über diese Fragen nachgrübelte, sah ich, wie sich eine Gruppe älterer Leute in Badekleidung versammelte. Auf den ersten Blick, aus der Ferne, sahen diese weißhaarigen Senioren mit ihrer Energie und ihrer straffen Haut wie junge Sportler aus. Sie hatten sich zum Freilufttraining verabredet und wechselten zwischen kraftvollen Schwimmzügen im Meer und tiefen Barfuß-Rumpfbeugen am Strand ab. Auf dem Wasser tanzten Sonnenstrahlen. Sie wirkten zufrieden, im Einklang mit sich und der Welt.
In diesem Moment dämmerte es mir. Vielleicht ging es im Leben ja einfach darum, die Weisheit unserer Vorfahren mit dem zu verbinden, was wir inzwischen wissen?
Mein Weg zur Gesundheit
Alles begann damit, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben in der Notaufnahme landete. Ich durchlebte eine der aufregendsten Phasen meiner Karriere: Ich hatte die Zero-Waste-Modefirma meiner Träume gegründet, und wir gewannen einen wichtigen Preis für sozial engagierte Unternehmen in Hongkong, was einen Wirbelwind von Publicity und Veranstaltungen nach sich zog. Als Geschäftsführerin war ich komplett darauf fokussiert, die Firma so schnell wie möglich groß zu machen, und arbeitete rund um die Uhr, angetrieben von schwarzem Kaffee und Schlafmangel. Ich stand Schmerzen durch, die ich anfangs für nebensächlich hielt, und ahnte nicht, welche gravierenden Folgen sie für meine Gesundheit haben würden. Mein Körper sandte mir Warnsignale, die ich allesamt ignorierte.
An jenem Tag hatte ich seit der Mittagszeit unerträgliche Schmerzen, die von meiner Körpermitte ausgingen und sich gegen Mitternacht so verschlimmerten, dass ich gezwungen war, ins Krankenhaus zu fahren. Wie sich zeigen sollte, hatten Magengeschwüre meine gesamte Magenwand zerfressen. Nach einer Nacht im Krankenhaus wurde ich mit Tabletten und der Anweisung, mir einige Zeit freizunehmen, entlassen. Aber was ich auch tat – ich fühlte mich trotz der Medikamente krank und konnte nicht ohne Schmerzen essen, obwohl ich zu den Menschen gehöre, die nur selten krank werden und sich nicht einmal erkälten.
Bis zu jener Phase meines Lebens hatte ich niemals innegehalten, um ernsthaft über mein Wohlbefinden nachzudenken. Als Mädchen hatte ich aktiv Tennis gespielt und blieb dadurch fit, ohne noch mehr für meine Gesundheit tun zu müssen. Aber im College, auf der Universität und danach als Mutter übernahm ich immer mehr Aufgaben und Verantwortung, und meine Belastung wuchs exponentiell an. Ich genoss das Gefühl, mich anzustrengen und Erfolg zu haben. Durchgearbeitete Nächte kamen regelmäßig vor. Wann immer ich erschöpft war, redete ich mir ein, mein Arbeitsethos sei wie ein Orden, den ich mit Stolz tragen könne. Später sollte ich entdecken, dass viele Menschen in meinem Freundeskreis, die ähnlich ununterbrochen arbeiteten, im Lauf der Zeit sogar noch ernsthaftere Gesundheitsprobleme entwickelt hatten. Für viele von uns war Gesundheit ein sekundäres Thema – der Tag hatte einfach nicht genug Stunden, um sie zur Kenntnis zu nehmen. Wir waren zu beschäftigt damit, zu arbeiten und unsere selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Aber um welchen Preis? Es beunruhigte mich, dass ich immer mehr Medikamente brauchte, um die Magenschmerzen einzudämmen, die mein Leben beeinträchtigten.
Als Unternehmerin denke ich gern darüber nach, warum etwas nicht funktioniert. Warum gab es eine solche Diskrepanz zwischen dem, was ich – geprägt von meiner Erziehung – über Gesundheit zu wissen glaubte, und den schädlichen Auswirkungen, die meine Lebensweise auf meinen Körper hatte? Meine Überlegungen begannen an jenem Tag am Strand, und es fiel mir auf, dass ich in einem Erdteil lebte, in dem Essen als Medizin eine jahrhundertealte Tradition besitzt. Ich war am perfekten Ort, um altehrwürdige Wellness-Methoden aus erster Hand zu studieren, und so beschloss ich, durch Asien zu reisen und die uralten Praktiken für ein langes Leben zu erkunden, die es ringsumher zu entdecken gab.
Asiatische Länder gehören regelmäßig zu den gesündesten Orten der Welt, und ihr Wundermittel ist die präventive Selbstfürsorge. Im Jahr 2021 lagen Hongkong, Japan, Südkorea und Singapur auf den oberen Plätzen der UN-Statistik zur Lebenserwartung bei der Geburt.1 Im japanischen Okinawa gibt es relativ zur Bevölkerung so viele Hundertjährige wie kaum anderswo auf der Welt, und der Prozentsatz der Fettleibigen bewegt sich hier im einstelligen Bereich. Hochrechnungen des Imperial College in London und der Weltgesundheitsorganisation deuten darauf hin, dass Südkorea bis 2030 als »langlebigste Nation« der Welt alle anderen Länder überholt haben könnte.2
Verschiedene Faktoren, darunter gute Ernährung schon in der Kindheit und eine erstklassige Gesundheitsversorgung, führen in Korea dazu, dass die Sterberaten aufgrund vermeidbarer chronischer Krankheiten wie Herzleiden oder Diabetes schätzungsweise halb so hoch sind wie in den Vereinigten Staaten. Fettleibigkeit, ein Hauptrisikofaktor für Krankheiten, kommt zehnmal seltener vor. Kein Ort ist vollkommen, aber diese Statistiken erklären, warum asiatische Länder seit Jahren die weltweiten Gesundheitsstatistiken anführen und warum insbesondere Korea allen Menschen als gutes Beispiel dienen kann, die ihr Wohlbefinden verbessern wollen.
Global war die koreanische Kultur noch nie so einflussreich wie heute. In seinem Artikel für den Guardian mit dem Titel »K-Everything« beschreibt der Journalist Tim Adams ihren unaufhaltsamen Aufstieg: »Die Welt hat sich in alles Südkoreanische verliebt« – von K-Pop, Filmen und Fernsehen bis zu koreanischer Mode, Technik und Küche. Als koreanische US-Amerikanerin der zweiten Generation hatte ich allerdings einen Großteil meines koreanischen Erbes ignoriert. Erst als ich mehr Zeit in Asien verbrachte und mit meinen Erkundungsreisen begann, entdeckte ich die Weisheit meines Heimatlandes und begriff, wie wichtig präventive Selbstfürsorge für unsere Gesundheit und ein langes Leben sind. Für mich war es eine unerwartet erfreuliche Heimkehr.
Weisheit von einst für das Wohlbefinden von heute
Unser Leben ist so hektisch, dass wir die Selbstfürsorge oft vergessen. Vielleicht schlafen wir nicht genug, weil wir uns auf eine Prüfung vorbereiten oder ein Team in unterschiedlichen Zeitzonen leiten. Vielleicht lassen wir Mahlzeiten aus, weil unser Terminkalender so voll ist, dass wir keine Zeit zum Essen oder für die Mittagspause haben. Ob als Angestellte, Selbstständige, Eltern oder Studierende – wir stehen täglich Hindernissen gegenüber, die unserem Körper viel abverlangen. Dazu kommt noch unsere digitale...




