Bange | Sexueller Missbrauch an Jungen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 168 Seiten

Bange Sexueller Missbrauch an Jungen

Die Mauer des Schweigens
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8409-2065-3
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Die Mauer des Schweigens

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

ISBN: 978-3-8409-2065-3
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Sexueller Missbrauch an Jungen ist bis heute ein Thema, dem kaum Beachtung geschenkt wird. Die Jungen bleiben dadurch häufig in ihrer Not allein. Ihre Hinweise auf das von ihnen erlittene Leid werden nicht wahrgenommen und die angebotenen Hilfen bleiben aus. Verständlich und praxisorientiert beschreibt dieser Band die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und verbindet diese mit Erfahrungen aus der praktischen Arbeit mit männlichen Opfern sexueller Gewalt.

Nach einem Blick zurück in die Geschichte und einer Begriffsklärung beginnt das Buch mit einer Diskussion über Pädosexualität. Ausführlich werden dann die Fakten zum Ausmaß und zu den Umständen des sexuellen Missbrauchs erläutert. Die Darstellung der Gefühle und Gedanken sexuell missbrauchter Jungen sowie das Aufzeigen der durch den sexuellen Missbrauch ausgelösten Folgen nehmen einen breiten Raum ein.

Weitere Kapitel befassen sich mit den Täterstrategien, der populären These „Vom Opfer zum Täter" sowie mit der Frage, warum es immer noch eine Mauer des Schweigens gibt. Schließlich wird der für viele sexuell missbrauchte Jungen quälenden Frage nach dem Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität nachgegangen, bevor ausführlich beraterisch-therapeutische Fragen erörtert werden.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;6
2;Einleitung;10
3;1 Sexuelle Gewalt gegen Jungen hat es immer gegeben;12
3.1;1.1 Die Antike;12
3.2;1.2 Vom Mittelalter bis zur Neuzeit;13
4;2 Sexuelle Gewalt an Jungen und Männern im Krieg und in Gefangenschaft;20
5;3 Was ist sexueller Missbrauch an Jungen?;23
6;4 Pädosexualität ist sexueller Missbrauch;27
6.1;4.1 Was ist Pädosexualität?;27
6.2;4.2 Wer initiiert die sexuellen Handlungen?;27
6.3;4.3 Haben Kinder und Erwachsene die gleichen sexuellen Bedürfnisse?;28
6.4;4.4 Sexuelle Handlungen und ihre Folgen;29
6.5;4.5 Emotional und sozial vernachlässigte Opfer;30
7;5 Zahlen, Daten, Fakten - zum aktuellen Forschungsstand;32
7.1;5.1 Wie h‚ufig ist sexueller Missbrauch an Jungen?;32
7.2;5.2 Die Umst‚nde;37
8;6 Die Gefühle und Gedanken der Jungen;47
8.1;6.1 Vertrauensverlust, Verrat und Trauer;47
8.2;6.2 Ambivalenz;48
8.3;6.3 Angst vor Homosexualität;49
8.4;6.4 Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle;49
8.5;6.5 "Ich hab mich nicht gewehrt!";50
8.6;6.6 Scham;51
8.7;6.7 Schuldgef hle;53
8.8;6.8 Sexuelle Erregung;54
8.9;6.9 Wut und Hass;57
8.10;6.10 Ängste;57
8.11;6.11 Isolation;58
9;7 Täterstrategien;59
10;8 Die Folgen;65
10.1;8.1 Kurzzeitfolgen;65
10.2;8.2 Langzeitfolgen;68
10.3;8.3 Bleibt sexuelle Gewalt für Jungen folgenlos? - eine umstrittene Studie;69
10.4;8.4 Was ist das Traumatisierende am sexuellen Missbrauch an Jungen?;72
10.5;8.5 Schützende Faktoren;78
10.6;8.6 Psychophysiologische Reaktionen;78
10.7;8.7 Sexuelle Gewalt gegen Jungen und HIV/AIDS;79
11;9 Sexuell missbrauchte Jungen: vom Opfer zum Täter?;82
12;10 Die Eltern;87
12.1;10.1 Die Gefühle und Gedanken der Eltern;87
12.2;10.2 Sekundäre Traumatisierung der Eltern;88
12.3;10.3 Beratung und Therapie der Eltern;90
12.4;10.4 Beratungsangebote für Väter;92
13;11 Die doppelte Mauer des Schweigens;95
13.1;11.1 Das Schweigen der Jungen;95
13.2;11.2 Wahrnehmungsblockaden bei Erwachsenen;98
14;12 Homosexualität und sexuelle Gewalt gegen Jungen;105
14.1;12.1 Schwul, Bi oder Hetero?! Wie es ist, ist es okay;106
14.2;12.2 Vorurteile gegen ber homosexuellen Männern;107
14.3;12.3 Sexueller Missbrauch und die Entwicklung der sexuellen Identität;111
14.4;12.4 Sexueller Missbrauch führt zur Ablehnung gleichgeschlechtlicher Sexualität;112
14.5;12.5 Sexueller Missbrauch erschwert das "Coming-out";112
14.6;12.6 Sexueller Missbrauch führt zu einem früheren " Coming- out";113
14.7;12.7 Sexueller Missbrauch erschwert eine heterosexuelle Entwicklung;113
14.8;12.8 Homosexualität - eine Folge sexuellen Missbrauchs?;114
14.9;12.9 Besondere Probleme von homosexuellen, sexuell missbrauchten Männern;116
15;13 Beratung und Therapie;118
15.1;13.1 Die Beratungs- oder Behandlungsmethode gibt es nicht!;118
15.2;13.2 Vertrauensverlust;119
15.3;13.3 Gemeinsam Ziele und Grenzen festlegen;122
15.4;13.4 Sprachlosigkeit;123
15.5;13.5 Parteilichkeit;127
15.6;13.6 Zweifel an der eigenen Wahrnehmung;129
15.7;13.7 Täterstrategien;131
15.8;13.8 Isolation;131
15.9;13.9 Scham und Schuldgefühle;133
15.10;13.10 Widerstand der Jungen;134
15.11;13.11 Ambivalenz;135
15.12;13.12 Trauer;136
15.13;13.13 Ressourcen beachten;136
15.14;13.14 Wut und Hass;137
15.15;13.15 Konfrontation des Täters/der Täterin;138
15.16;13.16 Gefühle;139
15.17;13.17 Heilung braucht Zeit;140
15.18;13.18 Körperkontakt/Berührungen;141
15.19;13.19 Lebensumfeld stabilisieren;141
15.20;13.20 Bezugspersonen einbeziehen;143
15.21;13.21 Fokus erweitern;144
15.22;13.22 Geschlecht des Helfers;144
15.23;13.23 Was bedeutet die Beratung männlicher Missbrauchsopfer für die Helfer?;145
15.24;13.24 Beendigung der Therapie;148
16;Literatur;149
17;Sachregister;164
18;Mehr eBooks bei www.ciando.com;0


( S. 26)

In den letzten Jahren haben verschiedene Autoren die Meinung vertreten, zumindest ein Teil der von Pädosexuellen an Kindern vorgenommenen sexuellen Handlungen seien kein sexueller Missbrauch und blieben ohne negative Folgen (Rind, Tromovitch &, Bauserman 1998, Lautmann 1994, Kentler 1994,Wolff 1994, Schetsche 1993). Dies wird insbesondere für Pädosexuelle reklamiert, die sich Jungen als Opfer auswählen und keine offene Gewalt einsetzen (Kentler 1994, 149). Die den Jungen zugefügten Verletzungen sind jedoch teilweise sehr tief und weit reichend (Kapitel 8). Ich sehe es deshalb als notwendig an, dieser Meinung deutlich zu widersprechen.

4.1 Was ist Pädosexualität?
Die Männer und Frauen, die sich sexuell (fast) ausschließlich zu Kindern hingezogen fühlen, bezeichnen sich selbst oft als pädophil. Dieser Begriff kommt aus dem Griechischen. Er bedeutete ursprünglich soviel wie Kinderfreund (Stein-Hilbers &, Bundschuh 1998, 299). Die Verwendung des Begriffs pädophil suggeriert, es komme den Pädosexuellen nicht auf die sexuellen Kontakte mit den Kindern an. Vielmehr gehe es ihnen darum, mit Kindern zusammen zu sein und sich an ihnen zu erfreuen.

Der zentrale Stellenwert der Sexualität für den Pädosexuellen wird dadurch verleugnet. Liest man ihre Veröffentlichungen oder spricht mit ihnen über ihre „Beziehungen zu Jungen" wird dagegen sehr schnell deutlich, welche Bedeutung die Sexualität in ihren Leben einnimmt. Nicht selten prahlen sie mit der großen Zahl der Jungen, die sie „verführt haben" und sprechen kaum über etwas anderes als über ihre sexuellen Kontakte mit Jungen (z.B. Brongersma 1991a, 280).

Entlarvend ist auch, dass sie in der Regel einzig und allein die Straffreiheit sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Jungen einklagen. Forderungen nach der Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern bei uns als auch in den bei ihnen so beliebten Reiseländern der so genannten „dritten Welt" sucht man dagegen meist vergeblich. Der Begriff „Pädophilie" sollte deshalb nicht mehr verwendet werden und durch den treffenderen Begriff „Pädosexualität" ersetzt werden (Dannecker 1987, 172).

Ein zusätzliches Begriffswirrwarr stiften Pädosexuelle in Diskussionen ebenfalls häufig bewusst. Sie reden und schreiben immer wieder über 15- oder 16-jährige Jugendliche, denen die sexuellen Handlungen nicht geschadet hätten. Sie meinen jedoch, wenn sie über die 15- und 16-Jährigen sprechen, die Kinder mit.

Sie setzen Kinder und Jugendliche gleich (Amendt 1982, 23). Kinder und Jugendliche unterscheiden sich aber in vielerlei Hinsicht und besonders auch in ihren sexuellen Bedürfnissen. Diese durch vielfältige Untersuchungen bewiesene Tatsache bedarf eigentlich keiner Erwähnung.

4.2 Wer initiiert die sexuellen Handlungen?
Pädosexuelle behaupten in schöner Regelmäßigkeit, sie würden niemals die sexuellen Handlungen initiieren. Vielmehr würden sie nur auf die Wünsche der Jungen reagieren (z.B. Brongersma 1991a, b, Leopardi 1988, Bernard 1982). Dies ist entweder eine Ra- tionalisierung, um vor sich selbst als der Befreier der Jungen zu erscheinen oder schlicht und einfach eine Lüge.

Liest man beispielsweise die von Rüdiger Lautmann in seiner Untersuchung über Pädosexualität veröffentlichten Interviewauszüge genauer, stellt sich das Gegenteil schnell heraus. Drei willkürlich ausgewählte Zitate illustrieren dies:

Ich hatte ihn ganz zu Anfang mal gefragt, und er sagte mir, er hätte Angst davor. Dann habe ich ihm erzählt, wie das bei mir gewesen ist früher. Zwei-, dreimal später war er dann dazu bereit.



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