E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Banks Schicksalsnächte mit dem Highlander
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95576-837-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-837-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
»Ich werde Eure Geliebte, so lange Ihr wollt, wenn Ihr mir danach helft, ins Kloster zu gehen.« Fassungslos hört Bowen, der neue Laird von Montgomery Keep, was die Hure seines Erzfeindes ihm vorschlägt. Glaubt Genevieve etwa, durch ihr schamloses Angebot seine Gunst zu erlangen? Oder verfolgt die Highlanderin einen niederträchtigen Plan? Doch warum ist ihr Blick so leer und verzweifelt? Bowen ahnt, dass sich hinter ihren schönen, aber gequälten Zügen ein grauenvolles Schicksal verbirgt - und merkt, dass sie ihn bereits tiefer berührt hat als je eine Frau zuvor ...
»Eine gefühlvolle Highland-Romanze.«
Kirkus Reviews
Die Nr.1-New York Times-Bestsellerautorin Maya Banks lebt mit ihrer Familie und einer ganzen Schar von Haustieren in Texas und ist ein echtes Südstaatenmädchen. Wenn sie nicht an einem ihrer packenden Romane schreibt, trifft man sie beim Jagen und Fischen oder beim Pokerspielen.
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2. Kapitel
Bowen Montgomery trieb sein Pferd zum Galopp an und preschte die letzte Anhöhe hinauf, die ihnen die Sicht auf die Burg der McHughs nahm. Neben ihm ritt sein Bruder Teague. Befremdlich war, dass sie von Aiden und Brodie Armstrong flankiert wurden.
Sowohl mancher Montgomery als auch der eine oder andere Armstrong mochten sich im Grabe umdrehen angesichts der Vorstellung, dass sich die beiden Clans verbündet hatten, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Allerdings war es nicht irgendein Ziel – es ging um eine Frau, die beiden Seiten lieb und teuer war.
Nämlich um Eveline Montgomery, Gemahlin von Graeme Montgomery und Tochter von Tavis Armstrong, dem Laird des Armstrong-Clans, der bis vor wenigen Tagen der Erzfeind der Montgomerys gewesen war.
Nach wie vor wusste Bowen nicht recht, was er von dem Ganzen halten sollte. Lieber hätte er es allein mit Patrick McHugh aufgenommen und ihn festgesetzt, bis Graeme entschieden hatte, was mit dem Hundesohn geschehen sollte. Für Teague und ihn wäre die Sache ein Leichtes gewesen; dafür brauchten sie diese Armstrong-Tölpel nicht. Allerdings lag es Bowen fern, einen Krieg anzuzetteln, solange Eveline nach ihrer Tortur der Ruhe bedurfte.
Seine Schwägerin war tapfer, aber keine Frau war so unerschütterlich, dass sie durch die Misshandlung durch ein Ungeheuer wie Ian McHugh nicht Schaden genommen hätte.
»Hast du einen Plan?«, brüllte Teague über das Donnern der Hufe hinweg.
Bowen nickte knapp, hielt den Blick jedoch geradeaus gerichtet, während sie den Hügel hinaufjagten. Sein Plan war einfach: Patrick töten, Eveline rächen, die Burg an sich reißen und alle niedermetzeln, die sich seinen Befehlen widersetzten.
»Und wärst du so gütig, uns deinen Plan zu verraten?«, rief Teague gereizt.
Bowen zügelte sein Pferd, das zur Seite ausbrach und unruhig an der Klippe des steilen Abhangs entlangtänzelte. Auch Teague, Aiden und Brodie hielten an und musterten die unter ihnen liegende Burg.
»Ich habe vor«, setzte Bowen ruhig an, »Patrick mit dem Schwert zu durchbohren. Es beleidigt mich, dass er nach wie vor dieselbe Luft atmet wie wir. Er ist ein Lügner und Feigling.«
»Du hast recht«, pflichtete Brodie ihm mit finsterer Miene bei. »Er hat mir ins Gesicht gelogen, als er behauptete, nichts über den Verbleib meiner Schwester zu wissen, obgleich er wusste, dass sie in seinem Verlies saß und von seinem Bastard von Sohn gequält wurde.«
Aiden zog die Brauen zusammen und wies nach unten auf die Burg, während die übrigen Krieger der Montgomerys und der Armstrongs den Hügel erklommen und dabei einen beeindruckenden Anblick boten.
Ihre Waffen gleißten und blitzten im Sonnenlicht und gaben allen unten auf der Burg zu verstehen, dass gleich die Hölle über sie hereinbrechen würde. Die Montgomery-Kriegerschar war schon für sich genommen imposant und schlug selbst gestandene Krieger in die Flucht. Zusammen mit den Armstrongs besaßen sie eine Streitmacht, gegen die sich sogar die des Königs dürftig ausnahm.
Es war das erste und vermutlich einzige Mal, dass sich zwei derart mächtige Clans verbündet hatten.
»Hängt da etwa eine weiße Flagge vom Wachturm?«, fragte Aiden ungläubig, nach wie vor auf die Burg weisend.
Bowen richtete den Blick auf das im Wind flatternde Banner und kniff die Augen zusammen. »Sieht wie ein Bettlaken aus«, murmelte er.
»Ja, das glaube ich auch«, stimmte Teague zu.
»Es sind gleich zwei!«, rief Brodie und wies auf den Wachturm auf der anderen Seite des Tores.
Und tatsächlich, dort wurde soeben vom breiten Fenster des Steinturms aus ein zweites Laken entrollt, das umgehend vom Wind erfasst wurde und wild flatterte.
»Geben sie sich etwa kampflos geschlagen?«, fragte Aiden verwundert.
Bowen runzelte die Stirn. »Vielleicht ist das eine Finte.«
»Wenn, dann eine ziemlich dumme«, brummte Brodie. »Immerhin sind sie in der Unterzahl, und selbst wenn das Verhältnis ausgewogen wäre, wären sie uns unterlegen. Überrumpeln könnten sie uns womöglich, aber wir hätten sie im Nu zermalmt.«
»Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden«, meinte Teague achselzuckend.
Er zog sein Schwert und trieb sein Pferd voran.
Bowen stieß seinem Pferd ebenfalls die Fersen in die Flanken und setzte seinem Bruder nach.
Hinter ihm stießen Brodie und Aiden einen Schrei aus, der von den übrigen Kriegern aufgegriffen wurde, bis der Schlachtruf vom gesamten Hang widerhallte.
Als sie kurz vor dem weit geöffneten Tor waren, das in den Hof führte, stolperte ein Bengel heraus, der ein für seine schmächtige Gestalt viel zu großes Schwert umklammert hielt. An der Klinge war eine weiße Fahne befestigt, der man ansah, dass sie in aller Hast angefertigt worden war.
Ein Schwenken der Fahne erübrigte sich – die Hände des Knaben zitterten so sehr, dass der Stoff ohnehin heftig flatterte.
Bowen zügelte sein Pferd und starrte den Jungen so verächtlich wie fassungslos an. Der Bursche konnte nicht älter als sechs oder sieben sein. »Sie schicken ein Kind, um sich einer anrückenden Armee entgegenzustellen?«, brüllte er entgeistert.
Teague hatte es die Sprache verschlagen. Verblüfft und stumm beäugte er das Bild, das sich ihm bot, während Aiden und Brodie kopfschüttelnd einen Blick mit Bowen tauschten.
»Feiglinge«, zischte Brodie. »Nichts verachte ich so sehr wie einen Hasenfuß.«
»Bitte tut uns nichts.« Die Zähne des Jungen klapperten, als stünde er in eisiger Winterkälte. »Die Fahne bedeutet, wir ergeben uns. Wir sind unbewaffnet.«
»Wo ist dein Laird?«, verlangte Bowen kühl zu wissen.
»Er ist f…f…fort«, stammelte der Dreikäsehoch.
»Fort?«, wiederholte Aiden.
Der Kleine nickte heftig. »Ja, seit heute Morgen. Mutter sagt, er ist geflohen, weil er weiß, dass er für seine Sünden sterben muss.«
»Deine Mutter hat recht«, sagte Teague leise.
Angst flackerte in den Augen des Kleinen auf. »Viele sind weg. Die wenigen, die noch hier sind, wollen keinen Krieg. Bitte seid gnädig.«
Er hielt den Blick unterwürfig gesenkt, und Bowen sah, dass die Hände des Jungen nach wie vor zitterten. Es machte ihn wütend, dass dieses Kind dem Feind gleichsam in die Arme getrieben wurde.
»Ansel! Ansel!«
Die Stimme einer Frau schallte zu ihnen herüber. Ärger schwang darin mit – und Furcht. Plötzlich erschien eine zierliche, unter einem Umhang verborgene Gestalt im Tor.
Die Frau rannte auf den Jungen zu, packte ihn am Arm und zog ihn hastig unter ihren Umhang, sodass nur noch seine Füße zu sehen waren. »Wer hat dir diese Torheit aufgetragen?«, fragte sie, den Blick dorthin gerichtet, wo der Kopf des Jungen sein musste.
Das hätte Bowen auch gern gewusst.
»Corwen«, erwiderte Ansel, die Stimme durch den Umhang gedämpft.
Das Einzige, was von der Frau sichtbar war, waren die Hände, die aus den langen Ärmeln des Umhangs hervorlugten. Bowen betrachtete sie interessiert. Die Frau hielt das Kind so fest umklammert, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten.
Junge Hände. Glatt. Ohne Falten. Die Nägel waren der Mode entsprechend elegant rund gefeilt. Die Finger waren lang und schlank, aber auch blass, als wären sie noch nie von der Sonne geküsst worden.
Diese Frau arbeitete nicht auf den Feldern, das stand fest. Und auch zum Saubermachen der Burg wurde sie nicht herangezogen.
»Dieser feige Hund!«, fauchte sie. Die Leidenschaft in ihrer Stimme – ebenso wie die Ausdrucksweise – ließ die Männer zusammenfahren.
»Das ist die Kleine, die uns zum Verlies geführt hat, in dem Eveline eingesperrt war«, raunte Brodie so leise, dass nur die anderen drei ihn hörten.
Bowen stellten sich die Nackenhaare auf. Brodie hatte recht. Als Graeme verzweifelt nach seiner Gemahlin gesucht hatte, war diese schattenhafte, verhüllte Gestalt auf der Treppe erschienen und hatte ihnen den Weg nach unten gewiesen, wo sie schließlich die gefangene Eveline aufgespürt hatten.
»Stimmt das, was der Junge sagt?«, fragte Bowen die Frau. »Hat sich Patrick McHugh aus dem Staub gemacht und Clan und Burg ihrem Schicksal überlassen?«
Sie versteifte sich, ließ den Jungen los und ballte die Hände zu Fäusten. Ihrer Körpersprache nach war sie zornig. »Ja, hat er«, entgegnete sie frostig. »Zurückgeblieben sind nur Frauen, Kinder, die Alten, die zu schwach zum Reiten sind, und die Krieger, die ihre Familie nicht im Stich lassen wollten. Die anderen haben sich im Morgengrauen davongestohlen.«
»Und wo sind die, die geblieben sind?«, bohrte Bowen nach.
»In der Burg. Sie drängen sich in der großen Halle zusammen und fragen sich bei jedem Atemzug bang, ob es wohl ihr letzter ist«, erwiderte sie verächtlich.
Etwas in ihrem Tonfall ging ihm gegen den Strich. Zudem ärgerte ihn, dass sie ihr Gesicht verbarg. »Nehmt die Kapuze ab«, befahl er. »Ich will wissen, mit wem ich spreche.«
Sie erstarrte, die Hände an die Seiten gepresst. Wagte sie es etwa, sich vor seinen Männern und obendrein vor den Armstrongs seiner Anweisung zu widersetzen?
Seine Miene verfinsterte sich, er presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. »Tut, was ich Euch sage!«, blaffte er.
Mit bebenden Händen schob sie den Jungen hinter ihren Rücken, ehe sie langsam die Finger an den Saum der Kapuze hob. Sie drehte sich so, dass sie Bowen und den anderen die rechte Seite zuwandte, und als sie die Kapuze endlich abstreifte, hörte Bowen die Männer hinter sich keuchen.
Allmächtiger,...




